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Ausgabe:

1888 Nr. 13

Spalte:

330-332

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Keller, Ludw.

Titel/Untertitel:

Die Gegenreformation in Westfalen und am Niederrhein 1888

Rezensent:

Staehelin, Rudolf

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329 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 13. 330

bemerkt, dafs (ich der Verf. jenen Gebrauch etwas zu
leicht gemacht hat. Wie kann er fich zu 17. 12: togdet-
oidcu/.iov£OTtQ0vg vfxag &eiOQüi auf Kühner £ 581, 5 berufen
, wo die auf das wg bei einer Appo fition bezüglichen
Bemerkungen zu einer Anwendung auf den Fall,
wo gar keine Appofition vorliegt, fchlechterdings nicht
paffen? Die Art, wie der Verf. hier von den Worten Küh-
ner's Gebrauch macht, zeigt, dafs er deren Sinn nicht
verftanden, gefchweige denn die angeführten Beifpiele
beachtet hat, die ihm die Unvergleichbarkeit mit dem
zu erklärenden Falle deutlich vor Augen gehellt hätten.
Oder wie kann er fich für das artikellofe snl navzog
rtQOOtörcov tfjg y^g 17, 26 auf Kühner § 545, 6a (foll
heifsen: S. 545 oder ^ 465, 6a) berufen, wo zwar von
dem artikellofen neig, aber in der Bedeutung ,jeder' die
Rede ift, während das Citat zum Belege für die Ueber-
fetzung: ,auf der gefammten Oberfläche der Erde'
angeführt wird? Er hätte verweifen müffen auf § 462, b.
Wie kann er fich für feine oben angeführte Faffung des
tl 26, 8 auf Kühner § 410 Anm. 6 beziehen, wo von
einem allcinftehenden Tt, welches nach dem Grunde
einer vorher aufgeftelltcn Behauptung fragen könnte,
keine Rede ift? Wie kann er unter Berufung auf Kühner
^ 410, 4 urtheilen, dafs in 26, 20 vor rräoav zfjv ytogav
Ttjg 'lovdaiag das sig, welches bei JtAB fehlt, grammatifch
durchaus nicht unentbehrlich fei, weil ,in Anlehnung an
die Verba der Bewegung, bei denen der Ort, auf welchen
die Bewegung gerichtet ift, im Accuf. fleht, hier ctm'jy-
yelXov den Accuf. des Raumes regiert'? Kühner fpricht
von einer folchen Anwendung des Accuf. in der Dichter-
fprache und fügt in einer Anmerkung ausdrücklich hinzu,
dafs ,die Profa diefen Gebrauch des Acc. aufgegeben
und überall dem Acc. eine Präpof. hinzugefügt hat';
von folchen Verbis aber, die ,in Anlehnung an die Verba
der Bewegung' mit blofsem Acc. der Richtung verbunden
werden könnten, redet er überhaupt nicht. Endlich
wie kann er fich für die Ueberfetzung der Lesart: ue
XsliXsig yoiatiavov noiijaai (26, 28) durch ,du verfuchft

gelefenen und daher auch wenig entftellten Hiftorikers
ift im Vatic. Gr. 156 noch erhalten. Man hat denfelben
für den Herausgeber neu verglichen. Daneben kommen
nur für einige Abfchnitte Excerpte in Betracht, die in
vier Handfchriften erhalten find, fowie, wie Mendelsfohn
zuerft gefehen hat, Johannes von Antiochien (benutzt
nach Cod. Paris. Reg. 1666), der Einiges aus Zofimus
ausgefchrieben hat. In der Praef. hat Mendelsfohn nicht
nur die üblichen Mittheilungen über die Grundlage und die
Methode der Ausgabe gemacht, fondern er hat auch eine
Reihegefchichtlicher Fragen eingehend erörtert. Zuerft wird
die Zeit des Zofimus näher beftimmt; M. zeigt, dafs die
2.Hälfte des 5. Jahrhunderts anzufetzen ift; eine genauere
Beftimmung könne nicht gegeben werden; doch fei es
wahrscheinlich, dafs die Abfaffungszeit dem J. 450 näher
liegt, als dem J. 500. Diefe Beftimmung kann m, E.
noch ficherer getroffen werden. Es ift fchwerlich denkbar
, dafs ein Nichtchrift noch um d. J. 5c» fo Gefchichte
geschrieben hätte wie Zofimus. Dann werden die höchft
fpärlichen Notizen über die Perfon des Zofimus beur-
theilt, fowie die Angaben des Photius über das Werk.
Nun folgt eine Gefchichte der Bemühungen der Gelehrten
um den Hiftoriker von Politianus an bis zu Bekker
und die genaue Befchreibung der vatikanifchen Handschrift
, fowie der übrigen in Betracht kommenden Zeugen
(der Excerpte). Eine Unterfuchung gewiffer fprachlicher
Eigenthümlichkeiten des Schriftftellers, der die klaffifchen
nachgeahmt hat, reiht fich daran an, und den Befchlufs
bildet der Nachweis der Quellen, aus denen Zofimus geschöpft
hat. Schon bei der Unterfuchung der Abfaffungszeit
der Jiistoria nova zeigte Mendelsfohn eine erfreuliche
Skepfis in Bezug auf die Feftftellung der Quellen- und
Verwandtfchaftsverhältnifse gegenüber kühnen, aber nicht
bewiefenen Behauptungen. Von diefer Zurückhaltung ift
auch das Schlufscapitel der Praefatio beherrfcht. Der
Text felbft ift Dank den zuverläffigeren Grundlagen ein
wirklich verbefferter; von der Conjectur ift ein vorfich-
tiger Gebrauch gemacht; vor allem ift der Text von un-

mich zu überreden, um einen Chriften zu machen' auf j ficheren Hypothefen frei erhalten. Ein ausführliches

imenregifter ift beigegeben; aber kein Index verbont,
locationum.

Marburg. Adolf Harnack.

--------/ ---_ ----------------- — — -------— — - ..-w.

Kühner § 473, 7 berufen, wo gleich das erfte angeführte , Namenregilter ift beigegeben; aber kein Index verborum
Beifpiel: neiirw ae fdveiv, persuadeo tibi ut maneas, ihm j et locidionuni.

hätte zeigen können, dafs die grammatifch natürliche
Ueberfetzung jener Lesart wäre: ,du Überredeft mich,
dafs ich (Agrippa) einen Chriften mache'?

Gerade weil ich mich felbft an der Erklärung der
Apoftclgefchichte verfuche und aufserdem, weil ich es
fo fehr anerkennenswerth finde, wenn ein praktifcher
Geiftlicher eine folche wiffenfehaftliche Arbeit unternimmt,
thut es mir wirklich leid, dafs ich dem Werke des Verf.'s
nicht günstigere Seiten habe abgewinnen können. Die
Liebe und der Fleifs, die der Verf. auf feine Arbeit gewendet
hat, würden zu werthvollerem Ergebnifse geführt
haben, wenn fie mit gröfserer Selbftkritik verbunden
gewefen wären, und wenn der Verf. nicht einer rhetorischen
Ausführung zu oft den Vorrang vor nüchterner
fachlicher Beurtheilung gegeben hätte.

Heidelberg. H. H. Wen dt.

Keller, Ludw., Die Gegenreformation in Westfalen und am
Niederrhein. Actcnftücke und Erläuterungen. 2. Thl.
(1585—1609.) [Publicationen aus den k. preufs. Staatsarchiven
, 33. Bd.] Leipzig, Hirzel, 1887. (VIII, 698 S.
gr. 8.) M. 16.—

Hatte der 1881 erfchienene erfte Band diefes Urkundenwerks
hauptfächlich die Bedingungen ins Licht gestellt
, welche für die Restauration des Katholicismus in
den auf dem Titel bezeichneten Gebieten entfeheidend
waren, — die innere Haltlofigkeit der an Erasmus fich
anfchliefsenden innerkatholifchen Reformrichtung und
die durch den Augsburger Religionsfrieden fanetionirte
Abhängigkeit des Bekenntnifsftandes von dem Landes-
fürften — fo bietet nun diefer zweite die Gefchichte je-

Zosimi, comitis et exadvocati fisci, Historia Nova, ed. 1 ner Gegenreformation felbft, wobei wiederum der reich-
Ludov. Mendelssohn. Lipsiae, Teubner, 1887. (LIV, ' jjfWgen Urkundenfammhmg unter dem befcheidenen
206 S gr 81 M ; Namen von ,Erläuterungen'eine zufammenhangende Dar-

* ' «»••' • IO- j ftellung des gefchichtlichen Verlaufs vorangestellt ift, die

Eine neue Ausgabe des Zofimus, obgleich diefer von dem wechfelvollen und verwickelten Gang und den
Hiftoriker die Gefchichte mit gefliffentlichem Verfchweigen verfchiedenen Leitern und Förderern derfelben ein ebenfo
der Kirchengefchichtc gefchrieben und das Chriftenthum i treues wie klares und anfehauliches Bild gewährt. Im
wie Julian beurtheilt hat (f. ly. 59, i, Trjg zur Xgiona- . Herzogthum Jülich-Cleve, deffen Gefchichte auch in die-
vmv hiayy^XLa navxag üiiagz^iiazog xcu nüa^g üazßäag fem Band die erfte Stelle einnimmt, knüpft fich die kirch-
ujtaXXayzj), ift doch auch für die Kirchenhiftoriker ein liehe Bewegung und Entfcheidung hauptfächlich an den
erfreuliches Ereignifs. An die Bemühungen von Sylburg, langen Succeffionskampf, und es bildet eine lehrreiche
Reitemeier und Bekker reihen fich die Mc ndelsfohn's Ergänzung zu der von Janfsen gegebenen Beleuchtung
an. Der Apparat ift der denkbar einfachfte; denn der diefer Verhältnifse, im Einzelnen zu verfolgen, was für
Archetypus der uns erhalte nen Handfchriften des wenig | Mittel von den Führern der katholifch-kaiferlichen Partei