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Ausgabe:

1888 Nr. 11

Spalte:

292-293

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eppler, Chrph. Friedr.

Titel/Untertitel:

D. Karl Gottlieb Pfander, ein Zeuge der Wahrheit unter den Bekennern des Islam. Mit Blicken in Vergangenheit und Gegenwart des Mohammedanismus 1888

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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291 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 11. 292

an keinem Punkte unterbrochenen ft imm u ngs vollen
Durchführung.

Allerdings fehlt es auch nicht an Schwächen, woran
mehr oder weniger alle Predigten leiden, und die wir
um fo mehr beklagen, als dadurch ihre Muftergültigkeit
befonders für angehende Prediger beeinträchtigt wird.
Die hervortretende fchwache Seite find die Propofitio-
nen. Wir können die Theilung nicht für logifch correct
anfehen, welche die 8. Predigt (S. 93 ff.) bietet. Unter
dem Thema: ,Die dreifache Welt des Gebetes' wird 1)
die himmlifche Welt Gottes, 2) die irdifche Welt
des Menfchen, 3) die zukünftige Welt der Ewigkeit
befprochen. Wie viel einfacher und wie fachgemäfs
würde die Propofition gelautet haben, wenn fie an das
,Dein' der drei erften, an das ,Unfer' der 3 (refp. 4)
letzten Bitten fich angelehnt hätte. Wenn in der 9.
Predigt (über Act. 4, 8—21) das Thema aufgehellt wird:
,Unfer Bekenntnifs, dafs in Jefu Chrifto allein das Heil ift',
fo erwartet man als Partition etwa: 1) feine Entftehung,
2) feine Aeufserung, 3) feine Wirkung oder dgl.; allein

voran, eine wegen Erkrankung des Verfaffers nicht gehaltene
Predigt zum Befchlufs der Generalfynode über
Rom. 1, 16 bildet den Schlufs. Man ift im Zweifel,
welcher der fechs Reden man den Vorzug geben foll; jede
bietet in ihrer Art Vorzügliches. Der weite, verftändnifs-
volle, gefchichtliche Blick erfreut in der erften Rede; die
Wandlung der Zeit in der geiftlichen Signatur der evange-
lifchen Gemeinden in den Thälern der Itz und der Baunach
in Bayern vom 16. bis 19. Jahrhundert wird in
fcharfer Zeichnung mit grofsen Strichen uns vorgeführt,
und daraus werden die Aufgaben des geiftlichen Amtes
in der Gegenwart abgeleitet. Die drei folgenden Reden
mit der Ueberfchrift: ,Kirchlicher Optimismus und Pef-
fimismus', ,Kirchlicher Fortfehritt', ,Knechtsgeftalt des
Reiches Gottes auf Erden' offenbaren in verfchiedener
Weife die tiefe, echt evangelifche Anfchauung des Verfaffers
, feinen nüchternen, aus lebendigem, frohen Glauben
an Chriftus geborenen Idealismus, der Freudigkeit und
unermüdliches Wirken insbefondere den Trägern des
geiftlichen Amts in die Seele fpricht. Die .Bedeutung
in der gegebenen Partition: 1) dafs es fich um unfer Heil der ftatiftifchen Ziffern und Tabellen' behandelt der

handelt; 2) dafs dies allein in Jefu Chrifto ift; 3) dafs
dies unfer Bekenntnifs fein foll, fällt mit dem dritten
Theil das eigentlich gemeinte Thema zufammen, und
die beiden erften Theile fetzen — übrigens in höchft
werthvoller Ausführung — voraus, dafs von .unferem'
Bekenntnifs überhaupt noch keine Rede ift. Zu allgemein
dürfte das Thema der 5. Predigt gefafst fein: ,Was
wir an unferem Chriftcnglauben haben'; denn für die
Partition 1) die Freudigkeit zum Wirken, 2) die Ergebenheit
im Leiden würde fogar die viel befchränktere Faf-
fung des Thema's: ,was unfer Chriftenglaube in uns für
unfer Erdenleben wirkt' noch zu weit und zu allgemein
fein. Aehnliche Beanftandungen legen uns die 3., 4.
und 7. Predigt nahe

fünfte Vortrag; feine Tendenz ift, alles handwerksmäfsige
Amtiren zu überwinden und zu zeigen, wie die gewöhnlichen
kleinen Dinge der geiftlichen Amtsthätigkeit mit
grofsen Gedanken zu erfüllen find. Die fechste Rede
legt die Schatten- und Lichtfeiten des geiftlichen Amtes
dar, und die Wirkung der Rede ift wiederum die Freude,
eines folchen Amtes gewürdigt zu fein.

Die Predigt zur Generalfynode hätte unferes Erachtens
fehlen dürfen; der Form nach ift fie kein Mufter,
und der theilweife recht tüchtige Inhalt wird verdeckt
durch ein Räfonnement, welches den das richtige Mafs
und die edle Sprache ftets innehaltenden Ton der .Reden'
vermiffen läfst. Aufserdem möchten noch einige wenige
Ausheilungen notirt werden. Ein unangenehmer Wider-

Än kleineren Verfehen fei das wohl etwas fchiefe 1 fpruch liegt vor betreffs der Annahme der Decanatswürde
Bild S. 40 und 41 erwähnt: der Lobpreis des Apoftels zwifchen dem Bericht des Herrn Herausgebers (S. 13)
ift ein Meer; auf diefem Meere fährt das Schiff unferes und der Erklärung des Redners (S. 35). Wenn ferner in der
Heils; in diefem Schiff werden wir dem Ufer der Ewig- letzten Rede (S. 119) unter den Lichtfeiten des geiftli-
keit entgegengetragen. Ein archäologifches Verfehen chen Amtes behauptet wird, es fei niemandem fo leicht
liegt wohl S. 82 vor in den Worten: ,es war Jesajas gemacht, den Weg zum Himmel zu finden, als denen,
an der Reihe' vgl. Schürer: Gefch. des jüd. Volkes deren tägliche Aufgabe es fei, anderen diefen Weg zu
im Zeitalter Jefu Chrifti II. S. 380. zeigen, fo hätte die Bedingung daneben einer kräftigen

Zum Schlufs fei es geftattet, mit Wilhelmi dem Hervorhebung bedurft, dafs der Satz nur Wahrheit habe,
Wunfchc Ausdruck zu geben, ,dafs doch ein anderes wenn das geiftliche Amt wahrhaft geiftlich geführt wird.
Syftem für die Erfindung von Titeln für Predigtfamm- ' Von Chryfoftomus flammt das Warnwort: mirutn, st
lungen ausfindig gemacht werde'. Der Herr Verf. wird sacerdos salvetur. Eine ähnliche Wendung findet fich S. I34:
keine Sammlung veröffentlichen, auf welche der Titel ,Wir Prediger des Evangeliums fchämen uns, wie das ja
der vorliegenden mit minderem Rechte paffen dürfte, unferes Amtes ift, des Zeugnifses von Chrifto nicht'
Die Ausftattung der Sammlung ift einfach und gut; der ! u. f. w.; follte da nicht fogenannte Rechtgläubigkeit mit
Preis (für 9 Predigten und 1 Vortrag 3 Mark) erfcheint ' rechter Gläubigkeit verwechfelt fein?
uns im Intertffe weiter Verbreitung zu hoch. Diefe Bemerkungen follen das Urtheil über den

Marburg Achelis Werth des Büchleins nicht beeinträchtigen. Wir wün-

fchen es in den Händen aller evangelifchen Geiftlichen
und neben ihnen aller .weltlichen' Synodalmitglieder in
der ganzen evangelifchen Kirche; werden die Reden beherzigt
, fo ift eine Bürgfchaft für fruchtbarfte Synodalverhandlungen
gegeben.

Marburg. Achelis.

Braun, Dek. Pfr. Gfr., Synodalreden. Aus deffen Nach-
lafs hsg. und mit einem biographifchen Vorworte
verfehen von Ob.-Konfift.-Präf. Dr. A. v. Stählin.
Nördlingen, Beck, 1887. (137 S. 8.) M. 1.50.

Synodalverfammlungen, welche mit folchen treff- I . <-u v, rr,;^.- n v-mi r„t*i:„u at j-

,■ 1 -Li j -cc ^ s j j j t u ai Edd er. Pfr. Chrpn. Priedr., U. Karl bott eb Pfander, ein

liehen Reden eröffnet werden und deren Verhandlungen ^HK1«5'? ' *, ' '

in dem Sinn und Geift geführt werden, welchen diefe Zeuge der Wahrheit unter den Bekennern des Islam.

Reden athmen, werden für alle Betheiligten Höhepunkte Mit Blicken in Vergangenheit und Gegenwart des

des kirchlichen Lebens fein, von denen für den Synodal- Mohammedanismus. Ein Beitrag zur Miffionsge-

kreis die heilfamften Anregungen ausgehen. Wie tief
und ernft erfafst der Redner feine Aufgabe, welch ein
fchönes brüderliches Verhältnifs pflegt er zu allen Synodalen
, den .geiftlichen' und den .weltlichen'! Sechs folche
Reden, mit welchen der verewigte Verfaffer die Deka

fchichte. Bafel, Miffionsbuchhandlung. 1888, (XVI,
192 S. 8.) M. 1.40.

Mit fteigendem Intereffe hat Referent das Büchlein
gelefen. Das Leben und die Wirkfamkeit eines vor

natsfynode feines Bezirkes eröffnet hat, werden in dem j Vielen tüchtigen Miffionars wird uns befchrieben, der
Büchlein uns dargeboten; ein biographifch.es Vorwort zuerft im Dienft der Bafeler Miffions-Gefellfchaft, hernach
des Oberconfiftorial-Präfidenten von Stähl in fleht ihnen 1 im Dienft der englifchen kirchlichen Gefellfchaft das