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Ausgabe:

1888 Nr. 11

Spalte:

276-278

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sebök, Mark

Titel/Untertitel:

Die syrische Übersetzung der zwölf kleinen Propheten und ihr Verhältnis zu dem massoretischen und zu den älteren Uebersetzungen, namentlich den LXX. u. dem Targum 1888

Rezensent:

Baethgen, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. II.

276

auch befonders abgedruckt; endlich wie es de Lagarde
Spafs macht, an einem einzelnen Beifpiele zu zeigen,
dafs doch manches auch auf einen richtigen Text der
Bibel ankomme: aus Pf. 44, 20 folgert er, dafs der
Pfalm mit Pf. 46 nach Jef. 37, 36 ins Jahr 701, nicht 169
gehöre. Die Seligkeit hänge nicht dran, für den Theologen
fei es immerhin zu wiffen werth.

Ueber Nr. 3 will Ref. kurz fein: es ift eine in diefer
Weife wohl nicht fortzufetzende Probe, Pf. 1 —17 mit
den Varianten aus 26 abgehörten Zeugen. Nur dafs
S. 48 in fugam vacui über Vitt und den Phallus gehandelt
wird, fei ausdrücklich betont und für fpätere Bibliographen
hervorgehoben, dafs die in den Buchhandel gegebenen
Exemplare nur 48, nicht 64 Seiten zählen. Und
zum Beweis, wie nothwendig es ift, auf de Lagarde's Arbeiten
hinzuweifen, fei in der Anmerkung eine Arbeit erwähnt
, die fich dem Umfang nach vollftändig mit der
vorliegenden Probe deckt, aber innerlich und äufserlich
ganz anders ausgefallen wäre, wenn ihr Verf. diefelbe
gekannt hätte'). Als Mittelglied zwifchen der lat. und
griech. Bibel fei aus 2, 189—237 noch ,des Hieronymus
Uebertragung der griechifchen Ueberfetzung des
Hiob' genannt. Ref. begreift es, wenn de Lagarde ihr
die Worte vorfetzt ,alle Rechte vorbehalten' und begreift
es, wenn er klagt, wie ungebührlich bei uns das Studium
der lat. Bibel vernachläffigt fei. Wer hat z. B. in Württemberg
fich feit Bengelum diefelbe bekümmert ? wer weifs
bei uns etwas von der Vulgatarevifion durch Abt Wilhelm
von Hirfchau, von der Abbe Martin in der Rev. des
Sciences Eccles. aus Mabillon berichtet (1887. S. 51 des
Extrait ift ftatt Herinone zu lefen Haimone) ? wer etwas
über die duo Codices ulmenses, die für den lat. Text von
1 Joh. 5,7 hervorragend wichtig find? wer über die Stuttgarter
Vulgatahandfchriften; darunter eine aus dem
8. Jahrh. (der Amiatinus auch erft aus dem Anfang des
8. Jahrh.!), eine andere (Eccles. etc.) aus dem 9. (35 cod. A.
36. 40), die Ref. anführt, weil fie vielleicht für de Lagarde
wichtig ift: denn der handfchriftliche Katalog fagt von
ihr: ovinia ex interpretatione vulgata excepto libro Judith
cuius interprcs graecum potius quam chaldaicum
textum secutus esse videtur.

4. Noch grofsartiger ift die entfprechende Probe einer
neuen Ausgabe des griechifchen Pfalters. Trotz feines
fragmentarifchen Charakters mufs dies Heft eines weiten
Abfatzes ficher fein; denn wer kann den Pfalter erklären,
ohne zur Einleitung und für die erften 5 Pfalmen es
buchftäblich zu Grund zu legen? Seinen Reichthum aus-
zufchreiben, wäre zu mühfam. Unter 62 Sigeln (ohne
die Väter) wird S. 1—6 das zur Textkritik in Betracht
kommende Material in überfichtlichfter Weife vorgeführt;
dann S. 7—10 alles was Titel und Eintheilung des Pfalters
betrifft und nun S. 11—40 Pf. 1—5 mit vollftändi-
gem Apparat und unter demfelben eine Fülle lin-
guiftifcher Bemerkungen werthvollfter Art. Wiederum

') H. Ehrensberger, Prof., Psalterium vetus und die Pfalterien des
hl. Hieronymus. Pfalm 1—17. Tauberbifchofsheim 1887. (Beilage zum
Gymnafialprogramm.) IV, 28 S. 4. Die kurze Einleitung (über den Gebrauch
des Pfalters im chriftl Volke) ift hübfch, die Arbeit fleifsig. Den
von de Lagarde in der Venediger Ausgabe von 1778 benutzten Lucifer
citirt Ehrensberger nach der neuen Wiener Ausgabe. Die Unterfchiede
find verfchwindend (9, 242 inique Io,I3 dicetis neben dicitis, 62 fehlt das
beanftandete et). Der in der Vorrede genannte, von de Lagarde nicht
aufgeführte Arnobius ift mir im Text nirgends aufgeftofsen. Das Psalterium
Romanum, Gallicanum, Mozarabicum wurde nach Migne, das Vero-
nense nach Blanchinius, das Germanense nach Sabatier, das Missale
Romanum nach einer Regensburger Ausgabe benutzt. Aus Sabatier flammen
auch die meiften Väterftellen und die Notizen aus einigen weiteren
Pfalterien. Der Kundige weifs, warum de Lagarde fie vernachläffigte;
auch der Herausgeber giebt zu, dafs mit diefem Materiale jede Unter-
fuchung der Pfalterien auf Vollftandigkeit und Genauheit vorderhand noch
verzichten mufs. Als Beleg, wie verfchieden die lat. Bibeltexte find, fei
13,2 (hebr. 14) angeführt, wo für alominabiles facti sunt in studiis
suis Äuguftin affectionibus, Hieronymus einmal voluntatibus, fo auch
Hilarius, dafür das Psalt. Corb. v olupt atibus, das anderemal Hieronymus
adinv entioni bu s, Lucifer operibus bietet und Ambrofius das
ganze Glied wegläfst. Alfo 6 bez. 7 Varianten bei einem Wort!

begreift es Ref., wenn de Lagarde auf der letzten Seite
bemerkt: Qui haec legent, se iuste de me iudicaturos esse
normt, si se a me non gradu sed genere differre quam per-
suasissimum habeant und begreift es, mit welchem Gefühl
er dazu gefetzt ,im Drucke beendet am heiligen Abende
vor Weihnachten 1886'. Doch zum Beweis, dafs es auch
noch welche giebt, die von fich aus für die hier empfohlenen
Studien ein Herz haben, fei zu S. 2 A. 2 die
1886 erfchienene dritte Aufl. von Degeorge, dazu ein
Auffatz im Serapeum über die plantinifche Polyglotte und
der Umftand erwähnt, dafs das Ulmer Exemplar derfel-
ben von dem Mediciner (!) Gaffer (Otfrit!) in Augsburg
zu einer Zeit gekauft wurde, zu welcher Plantin es nach
den Abmachungen mit dem Papft noch gar nicht verkaufen
durfte. S. 4 hätten die erften griechifchen Pfalterien
(Mailand 1481, Venedig i486) wenigftens in Klammern
eine Erwähnung verdient (Exx. von beiden im
Brit. Mufi, Bibl. Spenc, Stuttg.). Von den mein; fprach-
lichen Anmerkungen am Fufs der Seiten nennt Ref. die
anregende zu 1,4 ,nbihl Ott'; expectabam'; die emendirende
nytt zu 2,2 mit dem Citat Esr. 16,2; die faft abfchliefsende
über 2,12 (iDItt ftatt fs); die höchft zeitgemäfse zu 3, 3
über den Accufativ nach )*>tA; die etymologifche zu 4, 4
über rtttü' {manus natantium modo expandit), zu der Ref.
das eben fo zu erklärende hebr. !TTlh fügen möchte.
Dafs zu jeder einzelnen Verfion z. B. zum Targum (dies
Wort wird von de Lagarde aus dem Indogermanifchen
hergeleitet), zu Aquila (ob aus einem Targum überfetzend
), zum Syrer, werthvolle Bemerkungen abfallen,
betont Ref. ausdrücklich, unterdrückt aber auch fein
Bedauern nicht, dafs de Lagarde nicht die Entfagung
hatte, fich und uns mit dem Schreibfehlerwuft der Hand-
fchriften zu verfchonen. Hat Ref. recht gezählt, fo finden
fich im Text diefer 5 Pfalmen, wie ihn de Lagarde jetzt
hergeftellt hat, (von v erpelx etc. abgefehen) 22 Abweichungen
vom hergebrachten; nur wenige dürften nicht
ganz feft ftehen, z. B. 1,4 cooei; 2,12 ascoXijairs. Als Beweis
für die eminente Sorgfalt, mit welcher der Text
gehaltet ift, feien nur 1,4 u. 5,3 angeführt. Am erften
Ort accentuirt de Lagarde mit Berufung auf ein Sopho-
klesfcholion e/.Qimei, und an letzterem fchreibt er zum
erftenmal, foweit Ref. weifs, gegen alle Handfchriften
mit Bewufstfein fo, wie bisher wohl jeder unwillkürlich
gelefen hat, nämlich nooGaxßS ftatt ngooxeg. Trefflich
ausgewählte Parallelftellen find noch eine befonders er-
wünfchte Beigabe1).

Ulm a. D. E. Neftle.

Sebök (Schönberger), Dr. Mark, Die syrische Uebersetzung
der zwölf kleinen Propheten und ihr Verhältnifs zu dem
mafforetifchen Text und zu den älteren Ueberfetzun-
gen, namentlich den LXX und dem Targum. Breslau,
Preufs & Jünger, 1887. (75 S. gr. 8.) M. 2. —

Der Zweck, den der Verfaffer der vorliegenden Arbeit
verfolgte, war: ,den Text der Vorlage, welche der
fyrifche Ueberfetzer der kleinen Propheten vor Augen
hatte, feftzuftellen; [zu unterfuchen], wie derfelbe fich von
dem mafforetifchen Text unterfchied; das Verhältnifs der
Pefchitta zu den LXX und zum Targum zu beftimmen;
nachzuweifen, ob die Ueberfetzung der zwölf kleinen
Propheten einen oder mehrere Verfaffer hat; den Standpunkt
ferner zu kennzeichnen, welchen der Ueberfetzer
dem Text gegenüber einnimmt, ob er fich zu demfelben
fklavifch treu verhält, oder ob er fich durch freie Behandlung
des Textes auszeichnet; endlich darzulegen, welchen
Werth die Ueberfetzung für die Kritik des Textes und
für das Verftändnifs der zwölf kleinen Propheten hat'.

i) Aus Agathangelus 157 Note erfahren wir, dafs die grofse Ausgabe
des griechifchen Pfalters bis 48,18 gedruckt ift, aber aus Mangel an Mitteln
Hille liegt!