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Ausgabe:

1888 Nr. 1

Spalte:

254-255

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Costa Rossetti, Jul.

Titel/Untertitel:

De spiritu Societatis Jesu 1888

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

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253 Theologifche Literaturzeitung. 1888. Nr. 10.

fällt die Gefchichte der Wiedertäufer in unferem Vaterlich
, dafs er auch erft in jener Zeit, wenn auch vielleicht

lande zwifchen den Jahren 1530 —1566 mit der Gefchichte | etwas früher, nachdem er unterdeffen eine Zurückweisung
der Reformation überhaupt zufammen'.—Wenn ich oben 1 von Luther erfahren, mit Zwingli in Unterhandlungen
die Ueberfetzung des Werkes mit Dank begrüfste, fo ift trat. Die Darftellung Hoop-Scheffer's leidet in diefem
doch nicht zu verfchweigen, dafs fie fo, wie fie vorliegt, Punkte an mancherlei Unklarheiten, da er zwifchen "-leich-
mindeftens zehn Jahre zu fpät kommt. Jeder Lefer wird zeitigen und abgeleiteten Berichten nicht genügend ab-
erwarten, dafs der Ueberfetzer eines derartigen Werkes, wägt, obwohl auch er Hardenberg in vielen Punkten für
wenn er, ohne die Einheitlichkeit zu fchädigen, nicht in unglaubwürdig hält.

der Lage ift, das, was wir inzwifchen Neues gelernt j Das ausgiebige Vorwort Nippold's, in dem die be-
haben, mit einzuflechten, dann doch wenigftens die ein- | fonderen Verdienfte des Verfaffers eingehend behandelt
fchlägige neue Literatur gelegentlich verzeichnen würde, werden, aber auch über vieles andere gefprochen wird
Mit Ausnahme der Verhandlungen über die Summa | wird Jedermann mit Intereffe lefen, wenn auch kaum
Christiana S. 379 u. 381, an welcher letzteren Stelle der i mit allfeitiger Zuftimmung. So halte ich es für fehr
Ueberf. meine Meinung über das vom Landgrafen an ; kühn, die rühmenswerthe Objectivität des Verfaffers
den Kaifer gefandte Büchlein (Zeitfchr. für Kirchengefch. ; gerade aus dem Umftande abzuleiten, dafs er einer ,ver-
1886, S 477) vergeblich bekämpft, wird man kaum gegen- : folgten Kreuzkirche' angehört, während doch die allge-
uber dem Original etwas Neues finden, dagegen wird - meine Erfahrung lehrt, dafs den Mitgliedern der kleineren
man fehr viele gelehrte Anmerkungen, die der Ueber- Gemeinfchaften meift auch die grofsen Gelichtspunkte
fetzer, ohne dafs ein Princip erkennbar wäre, fortgelalfen ; fehlen, alfo vielmehr deshalb die Ausnahme die
oder verkürzt hat, vermiflen, namentlich aber das vor- j wir bei Hoop-Scheffer, Chr. Sepp und manchen antreffliche
Regifter der Originalausgabe. Ich glaube, es 1 deren trefflichen Hiftorikern aus der Gemeinfchaft der
war ein englifcher Gelehrter, der einmal geaufsert hat, j Taufgefinnten beobachten, um fo höher anzufchlagen
dafs der Autor eines gröfseren, ohne Index crfcheinenden fem wird. Eine ftarke Uebertreibung ift es denn doch auch
Buches gehängt werden müfste: ich hege gegen den Ueber- zum mindeften, zu behaupten, dafs ,es zweifellos die
fetzer freundlichere Gefinnungen, meine aber, die Ueber- erften Religionshiftoriker Deutfchlands find die — und
fetzung eines mit einem trefflichen Regifter ausgeftatteten zwar in erftaunlich grofser Zähl(!) — den Mittelpunkt diefes
Werkes ohne ein folches ausgehen zu lallen, ift eine Rück- kleinen Kreifes (der Altkatholiken; ausmachen'. Aber
fichtslofigkeit, die eben nur in Deutfchland vorkommen diefe und andere Superlative Nippold's werden den, dem
kann. Der Forfcher wird aus diefem und den vorher feine warme Theilnahmc ,für diefes fchwerfte und lauangegebenen
Gründen immer zum Original greifen müffen. terfte Martyrium, welches die moderne Zeit kennt ' be-
— Auf Einzelheiten einzugehen fcheint jetzt nicht mehr kannt ift, kaum überrafchen. Befremdender dürften ein-
am Platze; doch möchte ich bei diefer Gelegenheit auf zelne Aeufserungen auf den letzten Seiten fein. Meines
einen naturgemäfs bei Hoop-Scheffer ausführlich erörter- Erachtens braucht man noch kein Vertreter eines all

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ten Punkt hinweifen, das ift das Verhältnifs von Weffel
Honius und Rhodius zu den deutfehen Reformatoren

einfeligmachenden Kirchenfyftems' zu fein, um die Ent-
ftehung neuer ,Secten' zu beklagen, fondern kann das

Dafs die (bei Hoop-Scheffer S. 96fr.) von Neuem ver- auch als ,ruhig abwägender Kirchenhiftoriker' thun r
tretene Meinung Ullmann's, der Brief des Honius fei be- ! wird ein folcher, und das ift wohl feine Aufgabe' die
reits 1520 gefchrieben und bald darauf nach Wittenberg t Entftehung folcher neuer Gemeinfchaften hiftonfeh be-
durch Rhodius gefandt worden, haltlos fei, hat bereits , greiflich zu machen und fie in ihren "cfchichtlichen Zu-
Dieckhoff, Abendmahlslehre S. 2771. nachgewiefen und fammenhängen zu würdigen fuchen "Daraus foDt aber
fich für 1522 entfehieden (vgl. auch Doedes, Hiftorifch- ! noch nicht das Urtheil, welches Nippold dem Kirchen-
Literarifches zur Biographie Weffel's in Theol. Studien hiftoriker wie dem evangelifchen Chriften überhaupt vin

und Kritiken 1872, S. 408fr.). Dem hat Ludw. Schultze
in feinem trefflichen Auffatze über die Brüder vom ge-
meinfamen Leben (Ev. Kirchenzeitung 1881, S. 451), der
auch Neues über Rhodius bringt, beigeftimmt. Indeffen

dicirt: ,Er kann keine der Formen miffen, die die freie
Entwicklung des „chriftlichen Individualismus" hervorgebracht
hat (S. XXIII)', denn das führt zu der Confequenz
alles Gewordene als nothwendig anzufehen, eine mecha-

fäfsT mir eine Stelle in dem* Briefe des Honius (bei I stächt GefcEichtsbetracfctung, cHe ich Ni^
Gerdefius I. 237) wo es von der religio Papac heifst, j nicht zutraue.

r„et — quam aliquando casuram quis dubitabitr cum cam i Erlan„pn ,

modo magna cx parle videas cecidisse, die Abfaffung a '__Iheodor Kolde.

rWfVIhrn frlion im Tahre 1520 oder 21 als höchft unwahr- I #»„_. „ ... , . ~------

ftSeinhch ScheK und die Zeitbeftimmung Zwingli's Cos*a Rossett., Jul., S. J., De spiritu Societatis Jesu. Frei-
ift zu unbeftimmt, um darauf zu fufsen, die Bemerkung ] burg «, Br., Herder, 1888. (XVI, 288 S. 8.) M. 1.60.
des Erasmus im Briefe vom 3. Oct. 1525 (Hoop-Scheffer | Diefes Buch, deffen Vorrede Prefsbur^ im Sent iSSt
S. 89)aber nur aus Zwingli gefchöpft Zweitens vermiffe ' datirt ift, ift zur Belehrung und Erbauun" ™r Slieder
ich "bisher den Beweis für einen Befuch des Rhodius des Jefmtenordens beftimmt, enthält aber" ZJSSS^SL
bei .Luther überhaupt. Des Letzteren Vorrede zu | auch für uns andere intereffant ift. L fflSS
Weffel's Farrago berichtet darüber nichts, auch die Auf- mentlich drei Punkte hervorgehoben werden
fchrift des Briefes des HoniUSl™ *"*»*^£2%&A n /*• Dic Gcfellfchaft Jefu fleht über allen anderen
(Gerdefius I, 231) fetzt nur Luther s Kenntnifs des Briefes , Orden und Congregationen (S. 19. 221); fie ift ein apofto-
voraus, ebenfo die anderen Stel en be, Zwing , Opp. II hfcher Orden, weil fie einen apoftolifchen Zweck hat
2, 61 u. III, 553- 606. Die Erzählung beruht lediglich auf zum befonderen Dienfte des apoftolifchen Stuhles be-
dem ganz confufen Bericht Hardenberg s ,n der Vita nimmt und von Clemens VIII. 1600 ,der rechte Arm des
Wesselii, der mit jenem angeblich 1521 ftattgefundenen , apoftolifchen Stuhles' genannt worden ift (S %< Sie
Befuch die bekannte Scene, die 1524 irj Jena zwifchen ift kein Mönchsorden (die Jefuiten tragen darum aurh
Carlftadt und Luther ftattfand, verbindet, und deffen kein Mönchshabit; ihre Kleidung ift die zu Lovola's Zeil
ganze Berichterftattung um fo verdachtiger wird, je mehr gewöhnliche Kleidung der fpanifchen Welt/eiftlirher.
der 15IO geborne Mann in feiner jedenfalls nach 1559 diefer Punkt wird S. 37 ff. fehr ausführlich belnndeltl'
gefchriebenen Schrift (Ulimann, Reformatoren II, 554, aber fie hat alle Privilegien der Bettclorden CS ÄA
Anm. 3) fich auf Mittheilungen des bereits 1530 geftor- Die wefentlichen Punkte der Ordensregel find dem heiL
benen (L. Schultze a. a. O. 454) Rhodius felbft beruft. Ignatius geoffenbart worden; mehrere"näpftliche Bullen
Da Rhodius im Herbft 1524 in Strafsburg war (Baum, erklären, er habe, vom heil. Geifte infpirirt den Orden
Capito und Bucer S. 304), fo fcheint es mir wahrfchein- geftiftet (S. 66). Darum hat, während Fränciscus und