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Ausgabe:

1887

Spalte:

49-51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Strack, Herm. L.

Titel/Untertitel:

Paradigmen zur hebräischen Grammatik 1887

Rezensent:

Schmiedel, Paul

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint

alle 14 Tage. . Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3. 12. Februar 1887. 12. Jahrgang.

Thoma, Ein Ritt ins Gelobte Land (Socin).

Strack, Paradigmen zur hebräifchen Grammatik
(Schmiedel).

Weizsäcker, Das apoftolifche Zeitalter der
chriftlichen Kirche (Loofs).

Agricola, Apophthegmata nonnulla, ed. Daae Schaeffer, Le Bonheur (Horft).

(Kawerau).

Maurenbrecher, Staat und Kirche im prote-
ftantifchen Deutfchland (Gottfchick).

Frommel, Einwärts, aufwärts, vorwärts (Löber).
Erklärung von Th. Weber.

Thoma, A., Ein Ritt ins Gelobte Land. Land und Leute
in Paläftina vor 3000 Jahren. Mit 8 Vollbildern und
5 in den Text gedruckten Abbildungen. Berlin, Haack,
1887. (III, 155 S. gr. 8.) cart. M. 2. —

Ein Buch, welches, wie das vorliegende, eine Befchrei-
bung von Paläftina zur Zeit Salomo's an der Hand einer
Reifebefchreibung zu liefern beabfichtigt, gehört der Natur
der Sache nach mehr in das Gebiet der Archäologie,
als in das der Geographie. Die Schilderungen des Vergewöhnlich
zurücktreten mufs. Wie Auguft Müller hat
der Verf. fich durch vielfach geäufserte Wünfche ge-
nöthigt gefehen, gegen feinen ausdrücklich ausgefproche-
nen Grundfatz der in diefer Zeitung 1886, Sp. 193 be-
fprochenen 2. Auflage feiner hebräifchen Grammatik voll-
ftändige Paradigmen nachfolgen zu laffen. Ueber deren
Nützlichkeit oder Schädlichkeit kann man nun immer
noch verfchiedener Anficht fein; Ref. fpeciell hält fie für
kaum entbehrlich zum Nachfchlagen als Beftätigung refp.
Berichtigung der von den Schülern doch immer mit eini-

faffers, welcher augenfcheinlich felber eine Reife nach | ger Unficherheit ausgeführten Bildungen, und verhindert
Paläftina gemacht hat, find nach den beiden genannten ! das mechanifche Auswendiglernen durch ftets wiederRichtungen
hin als gelungene zu bezeichnen. Thoma be- j holtes Fragen nach der Entftehung der Formen. In Einer
weift durchgehend, dafs er ein offenes Auge für die j Hinficht aber find die Paradigmen gerade aus Strack's
fchönen, fowie auch die minder anmuthigen Züge der Land- j Hand unferes Erachtens von allen Seiten freudig zu be-

fchaft hat; neben der Fluth moderner Reifebefchreibun-
gen, welche zum grofsen Theil herzlich wenig Neues
enthalten, lieft man fein anfpruchslofes Büchlein mit fortgefetztem
Intereffe. Was die Schilderung des Cultur-

grüfsen, infofern fie nämlich die Gewähr geben, dafs ein
richtiger Grundfatz nicht, wie dies bisher drohte, in zu
weit gehender Weife zur Geltung gebracht werden foll.
In feinen zahlreichen Recenflonen über Hilfsmittel zum

zuftandes unter Salomo betrifft, fo wird man anerkennen , hebräifchen Unterricht hat Strack immer von neuem

muffen, dafs der Verfaffer feiner Phantafie wohl vielfach J darauf gedrungen, dafs keine Formen vorgeführt werden

den Zügel hat muffen fchiefsen laffen, dies aber doch mit I dürften, die nicht in der Bibel vorkommen. So berech-

weifer Mäfsigung gethan hat. Beinahe am unwahrfchein- j tigt und fegensreich nun die Forderung ift, Hilfsgeftalten

lichften klingt die eingeflochtene Liebesgefchichte und j der Formbildung wie hithöamtnZr, burrakh etc. nur in

die Entführung der Heldin Zibja in das Harem Salomo's,
während die Befchreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten
in Bethlehem, überhaupt der Bericht über das Treiben
der Bauernbevölkerung zu den gelungenften Partien des
Ganzen gehört. Natürlich mufs der Verfaffer vielfach
Culturzuftände, die wir erft aus einer fpäteren Zeit kennen,
in eine frühere hinaufrücken. In diefer Beziehung fleht
er vielfach auf dem Boden der hergebrachten Ueber-
lieferung, fo z. B. wenn er Stücke des hohen Liedes
und Sprüche einflicht oder auch, indem er über Priefter
und Leviten redet. In archäologifcher Beziehung ift es
wohl ein kleiner Mifsgriff, wenn im Tyropoeon Käfe-
macher gefucht werden. Doch über diefes Alles wollen
wir mit dem Verfaffer nicht rechten, und uns auch nicht
in weiteres Detail einlaffen. Dem gröfseren Leferkreis,
für den die Schrift augenfcheinlich beftimmt ift, kann
fie beftens empfohlen werden. Mit vielem Gefchick ver-
werthet Thoma feine Bibelkenntnifs, wobei er fleh natürlicherweife
z. B. bei dem gegen den Schlufs hin eingeflochtenen
Deborahlied gröfsere Freiheiten geftattet. Sehr
gelungen ift, wie er S. 118 den Nabi einigen Jungen das
Alphabet beibringen läfst.

Das Ganze ift frifch und lebendig gefchrieben; auch
die Bilder find, wenigftens theilweife, hübfeh.

Tübingen. A. Socin.

Strack, Prof.Dr. Herrn. L., Paradigmen zur hebräischen Grammatik
. Karlsruhe, Reuther, 1887. (IV, 22 S. 8.)ML—.30.
Das feparate Frfcheinen diefer Paradigmen giebt uns
Gelegenheit, einen Punkt zur Sprache zu bringen, der

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Tranfcription zu geben und auf Anwendung folcher
Formen, deren Bildung nicht ficher erfchloffen werden
kann, zu verzichten, fo unnöthig und erfchwerend finden
wir es doch, auch die Bildung folcher Formen zu verbieten
, von denen Niemand zu fagen weifs, wie fie anders
hätten lauten können. Nach unfern Erfahrungen
wird es den Schülern viel fchwerer, zu merken, welche
beftimmten Formen nicht vorkommen, als fie nach
(zweifellofer) Analogie zu bilden. Vereinfachung des
Lernftoffs ift ein Hauptziel für Strack; dazu gehört aber
fehr wefentlich, dafs nicht aufser den Formen felbft auch
noch das Wiffen über ihr Vorkommen und Nichtvor-
kommen gefordert wird. Bei den Suffixen am Verbum
hat der Verf. dies nun dadurch vermieden, dafs er die
Suffixe 03 und J3 und die 2. Perf. PI. Perf. mit Suffixen,
wovon doch einige Beifpiele exiftiren, überhaupt nicht
vorführt. Im übrigen aber hat er in feine Paradigmen
fogar folche Formen aufgenommen, deren Bildung nicht
mit Sicherheit zu erfchliefsen ift; aber er hat durch Anwendung
runder und eckiger Klammern, tranferibirter
Formen etc. trefflich gezeigt, wie man die wiffenfehaft-
liche Zurückhaltung mit dem praktifchen Bedürfnifs der
Vollftändigkeit vereinigen kann. Diefer Methode wün-
fchen wir die allgemeinfte Beachtung.

Confequent ift freilich der Verf. in feinen Concef-
fionen noch nicht, wenn als Inf. Qal bei 2Q*i plötzlich
ffia1) auftritt. Man kann ja in deutfeh-hebräifchen Ueber-
fetzungsaufgaben den Infinitiv von au"1 vermeiden; ein
71 anccdsiy^ia aber behauptet gar nicht, dafs alle feine
Formen wirklich vorkommen, fondern nur, dafs fie der
vorherrfchenden Analogie entfprechen. Ebenfalls nicht