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Ausgabe:

1887 Nr. 24

Spalte:

569-571

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Batiffol, Petrus

Titel/Untertitel:

Didascalia CCCXVIII patrum pseudepigrapha, e graecis codicibus recensuit P. B., coptico contulit Henr. Hyvernat 1887

Rezensent:

Eichhorn, A.

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Theologifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 24.

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Edition, dem Lefer enthält. Aber zu beklagen find die- Die ,interpretatiol hat dem Symbol Zufätze gegeben gegen

felben im hohen Grade, und verftärken fammt dem vor- 1 Apollinaris und die Pneumatomachen, welche der Didas-

ausgefchickten Vorwort das Gewicht der an ihn gerich- kalia fehlen. Anderfeits find die ausführlichen dogma-

teten dringenden Bitte, dafs er fich von dem falfchen tifchen Erläuterungen der letzteren hier faft ganz weg-

Ereunde, der auch in Bezug auf diefe Fehler fein grau- geblieben. Kurz die ,mterpretatio' ift Bekenntnifs und

fames Spiel mit ihm getrieben hat, mit Aufbietung aller 1 nicht Erklärung eines Bekenntnifses. Ueber denUrfprung

Kräfte losringen möge. diefes Schriftftücks läfst (ich gegenwärtig wohl noch nichts

. „„ t,-,! d_„u- Sicheres feftftellen. Revillout hat darauf hingewiefen

MarburS- trnlt Kanke- (Archives des missions etc. p. 460. 469), dafs fowohl die

- dogmatifche wie die moralifche Partie der koptifchen Con-

Batiffol, Petrus, Didascalia CCCXVIII patrum pseudepigrapha, cilsacten von Epiphanius ziemlich genau reproducirt find

,. ., , „ „ [ ... Doch daran fei hier nur beiläufig erinnert. Wenn Batiffol

e graeas codicibus recensuit P. B., coptico contuht dje nur verwandtcn Schriftftücke für die Herausgabe der

Henr. Hyvernat. Paris, Leroux, 1887. (21 S. Lex.-8.) DidasUalia unberuckfichtigt laffen wollte, fo mufste er doch
Die Didaskalia enthält zunächft das nicänifche das Syntagma doctrinae, wie es Arnold 1685 nach einer
Symbol, dem fich weitere trinitarifche und chriftologifche einzigen Handfchrift veröffentlicht hat (die Benedictiner
Erläuterungen anfchliefsen. Darauf folgen Disciplinar- haben nur nachgedruckt), und die Mingarelli'fche Ausgabe
vorfchriften insbefondere für Mönche und Kleriker, unbedingt für die Herftellung eines richtigen Textes be-
Der Herausgeber hat für den Text 3 griechifche bis- nutzen. In der Hauptfache ift allerdings Mingarelli's Text
her nicht bekannte Handfchriften benutzt. Hyvernat hat viel fchlechter als der Batiffol's und durch Mifsverftändnifse
die abweichenden Lesarten der durch Revillout bekannt und Zufätze einer fpäteren Zeit entftellt. Es ift da z. B.
gegebenen koptifchen turiner Handfchrift notirt und zwar die Rede von 12 yoqxai dfff/rortxa/l' (Migne 28 col. 1640 B).
in griechifcher Ueberfetzung. Dagegen ift der oft ziem- Ueberhaupt ift bei Mingarelli diefe ganze Stelle finnlos,
lieh abweichende Text der koptifchen neapolitanifchen wo den Mönchen geboten wird, die kirchlichen Fafttage
Handfchrift {codex Borgianus), den Revillout gleichfalls (Mittwoch und Freitag) zu beobachten ,*wpic zrk- f/Mo/md'oc
veröffentlicht hat, abüchtlich bei Seite gelaffen und ; xov dyiov näaya xut z?/c zrf^xoatrjc xai tum dumoriKwv
zwar aus dem Grunde, weil die turiner Handfchrift mit Ioqtwv tdv dwrJfix«'. Denn in der Ofterwoche wurde
dem griechifchen Text fich am nächften berührt. Dies von Montag bis Sonnabend gehaftet, von Oftern bis
Verfahren ift zu tadeln. Sollte nur das veröffentlicht Pfingften aber gar nicht. Die Didaskalia hat den richtigen
werden, was bisher nicht bekannt war, fo mufsten die Text: Es foll an den genannten Tagen gehaftet werden
3 griechifchen Handfchriften genügen. Sollte aber j aufser Pentekofte und Epiphanien. Nicht ganz dem
der urfprüngliche Text, foweit möglich, wiederher- ! Wortlaut, wohl aber dem Sinne nach ftimmt Syntagma
gefleht werden, fo war alles herbeizuziehen, was dazu ' doctrinae damit überein. Wo in der Didaskalia (p. 15)
dienlich fein konnte. Vor allem mufste gefagt werden, geredet wird von dem Genufs von Eiern, Geflügel und
dafs der griechifche Text der Didaskalia bereits im vorigen j fonftigem Fleifch, der in Krankheitsfällen nothgedrungen
Jahrhundert von Mingarelli veröffentlicht ift (Graeci Codices den Mönchen geftattet wird, läfst Mingarelli Eier u. f. w.
manuscripti apitd Nanios patricos Venetos asservati. Bono- unerwähnt. Es bleibt nur die Beziehung auf Fifch. Da-
niae 1784—Cod. 63 man 65). Er ift wieder abgedruckt durch und durch einige Zufätze wird der Sinn diefer
als Nachtrag zu den Werken des Athanafius bei Migne j Vorfchrift, die für die münchifche Disciplin von fo grofser
(28 col. 1637). Revillout hat die Mingarelli'fche Ausgabe Bedeutung gewefen ift, ein völlig anderer. Eine Con-
nicht gekannt. Batiffol mufste fie kennen aus Harnack's ; jectur Arnold's an diefer Stelle wird durch die Didaskalia
Recenfion in diefer Zeitung (1887 Col. 32 ff.), wo fie als beflätigt. An einer anderen Stelle wird den Mönchen,
fides Nicaena erwähnt wird. Batiffol bezieht fich p. 21 J welche eine ganz ftrenge Lebensweife führen, nämlich

fich nicht blofs des Weines und Fleifches enthalten, befohlen
, wenn fie auf Reifen find, fich der Lebensweife
der Brüder anzubequemen und nicht mit ihrer Askefe

auf diefe Recenfion. Kannte er Mingarelli's Text, weshalb
ift diefer ganz unberückfichtigt geblieben? Der
Herausgeber Hellt am Schlufs über den Urfprung

und das Alter der Didaskalia folgende Behauptungen vor anderen Mönchen zu prahlen. Mingarelli hat hier
auf, die er demnächft in einem gröfseren Werk beweifen alles ganz anders: Der Ueberflufs an Fleifch und
will: 1) dafs die Didaskalia aus dem Koptifchen ins j Wein foll den Wittwen und Waifen gegeben werden.
Griechifche überfetzt ift, 2) dafs der koptifche Text eine Die Didaskalia hat aber nicht immer das Urfprüng-
Ueberfetzung des athanafianifchen Syntagma doctrinae ad liehe. Der eben erwähnten Stelle geht bei Mingarelli
monachos ift (Migne 28 col. 835), 3) dafs die Didaskalia voran: zo/c naqoZoiv ccqkov peigkog. Das Syntagma läfst
wahrfcheinlich in Unteritalien im 10. Jahrhundert entftanden j itacQitog fort. In der Didaskalia fehlt der ganze Satz,
ift. Nur die letzte Behauptung ift neu, die beiden anderen i nach Hyvernat auch im Koptifchen. Revillout dagegen
find längft von Revillout aufgeftellt, (Rapport sur wie überfetzt aus dem Koptifchen /. c. p. 471 Anmerkung):
mission en Italie. In: Archives des missions scientifiques et ,Que ce que tu as te suffise'. Das Syntagma hat hier jeden-
litteraires 1875). Nur hat Revillout fich nicht fo fchief falls das Urfprüngliche. Die Didaskalia hat das Verbot,
ausgedrückt, dafs man glauben mufs, das uns vorliegende i das Faften zu unterbrechen, wenn ein Mönch von einem
athanafianifche Werk fei das Original für den koptifchen anderen Befuch erhält, und zwar wird dies Verbot nicht
Text, vielmehr hat Revillout auf Grund des koptifchen auf die kirchlichen Fafttage (Mittwoch und Freitag),
Materials ausgeführt, dafs das Syntagma doctrinae ur- fondern auf die freigewählten Fafttage bezogen. Syntagma
fprünglich einen Theil der Acten des alexandrinifchen und Mingarelli haben hier genau das Gegentheil. Man foll
Concils von 362 ausgemacht habe und erft fpäter zu in folchem Falle das Faften unterbrechen, jedoch nicht an
einer felbftändigen Schrift geworden fei. Der jetzige den kirchlichen Fafttagen. Damit ftimmt das Koptifche
griechifche Text rühre von einem fpäteren Bearbeiter überein. Die Angaben über die koptifchen Lesarten geben
her. Das Syntagma doctrinae ift mit dem moralifchen Ab- zu Bedenken Anlafs. Ich verliehe kein Koptifch, kann
fchnitt der Didaskalia identifch. Auch der dogmatifche mich alfo in diefer Beziehung nur an Revillout halten.
Theil der Didaskalia ift nahe verwandt mit Athanasii Ein Fall, wo Hyvernat von Revillout abweicht, wurde
interpretatw in symbolum, die uns als felbftändige Schrift fchon erwähnt. Revillout behauptet (/. c. p. 472 Anm.),
des Athanafius überliefert ift (Migne 26 col. 1232). Min- ' dafs den Worten des Syntagma (ntqiaaoztQav) xo«(Sv xat
garelh und Revillout haben dies überfehen, Migne hat , niveov (Migne 28 col. 841 B) im Koptifchen nichts ent-
die Athnlichkeit bemerkt (l. c. col. 1232 not. 32*). Man ' fpreche. Batiffol bringt riegiaooTegov xgewv xcu oYvov,
kann hier nur von Aehnlichkeit, nicht von Identität reden. ! ohne dafs eine abweichende koptifche Lesart notirt würde.

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