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Ausgabe:

1887

Spalte:

563-565

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Swete, Henry Barclay

Titel/Untertitel:

The Old Testament in Greek according to the Septuagint. Vol. I. Genesis - IV Kings 1887

Rezensent:

Schürer, Emil

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einigung der Gatten — der gottgewollten Ehe — vom
Apoftel dargeftellt wird, und dementfprechend das falo-
monifche Lied der Lieder im allegorifchen Sinne zu
deuten ift, worin die fynagogale Erklärung von der
kirchlich traditionellen adoptirt wurde und zwar mit um
fo gröfserer Berechtigung, als Jefus Chriftus felbft die
Menfchwerdung, die Vereinigung des Logos mit der
menfchlichen Natur, unter dem Bilde der Hochzeit des
Königsfohnes darftellt'.

Faft möchte man meinen, dafs der folches Zeug
niederfchrieb, nicht derfelbe ift, welcher S. 383 h ein fo
lebendiges Verftändnifs aufweift für jenes herrlichfte
Lied von der rein menfchlichen Liebe, gewaltfam wie
der Tod, unerweichbar wie der Hades, ein Wiederhall
der Worte Adams im Paradies — in der Farbenpracht,
der Bilderphantafie, dem Dufte des Morgenlandes. Die
zweite Abtheilung (Schlufs des Werkes) follte bis Oftern
1887 erfcheinen.

Colmar. L. Horft.

The Old Testament in Greek according to the Septuagint,
edited for the Syndics of the University Press by
Henry Barclay Swete, D. D. Vol. I, Genefis —
IV Kings. Cambridge, University Press, 1887. (XXVII,
827 p. 8.) 7 s. 6 d.

Bei dem gegenwärtigen Stande der Septuaginta-Kritik
haben gewifs Manche mit dem Referenten fchon längft
den Wunfeh gehegt, dafs uns zunächft einmal eine billige
Handausgabe geboten werden möchte, welche die Lesarten
der Haupthandfchriften in überfichtlicher Form zugänglich
macht. Eine wirklich kritifchc Ausgabe ift ja
ein Defiderium, deffen Erfüllung wohl noch lange wird
auf fich warten laffen. Es wäre fchon von grofsem
Werthe, wenn nur einmal der Text des Codex Va-
ticanus mit den Varianten der übrige n wichtig-
ften Han dfchriften in einem forgfältigen und
billigen Abdrucke vorläge. Denn darüber herrfcht
ja allfeitiges Einverftändnifs, dafs der Vaticanus, wenn
auch nicht eine wirklich gute, fo doch die relativ befte
Ueberlieferung des Septuaginta-Textes darbietet. Auf
ihm ruht nun zwar bereits die fixtinifche Ausgabe von
1587 und der an diefelbe fich anfchliefsende gedruckte
Vulgärtext. Es ift aber jetzt durch die grofse römifche
Ausgabe des Codex (in 6 Bdn., 1868—1881) erwiefen,
dafs die fixtinifche Ausgabe doch nichts weniger als eine
getreue Wiedergabe der Handfchrift ift. So berechtigt
es daher vor einigen Decennien, als man den Text der
Handfchrift noch nicht kannte, war, dafs Tifchendorf
in feiner Handausgabe der Septuaginta einfach dieSixtina
abdruckte mit den Varianten des Alexandrinus, fo unberechtigt
ift die fortwährende Beibehaltung diefcs fterco-
typirten Textes von Seiten der Verlagshandlung; denn
fürs erfte kennen wir jetzt den Text des Vaticanus felbft,
und fodann find, zum Theil gerade durch Tifchendorf's
Verdienft, auch noch andere wichtige Handfchriften bekannt
geworden. Eine Handausgabe in Tifchendorf's
Sinne müfste daher jetzt den Text des Vaticanus geben,
und darunter nicht nur die Varianten des Alexandrinus,
fondern auch die einiger anderen wichtigen Handfchriften
, vor allem des Sinaiticus. Genau diefer Plan ift
nun in der hier zu befp rechen den neuen Sep-
tuagintaausgabe verwirklicht, die deshalb von allen
Betheiligten mit grofser Freude begrüfst werden wird.

Die Anregung dazu,' hat Scrivener fchon im Jahr
1875 gegeben. Da er felbft durch Alter und andere Arbeiten
an der Ausführung verhindert wurde, fo hat das
Curatorium der University Press zu Cambridge im Frühjahr
1883 den durch verfchiedene mufterhafte Text-Ausgaben
ruhmlichft bekannten Dr. Swete mit der Ausfuhrung
beauftragt. Von ihm ift unter dem Beirath eines
hiefür eingefetzten Comite's der Plan des jetzigen Unternehmens
erft in feinen Details ausgearbeitet worden. Es
wird beabfichtigt, zwei Ausgaben zu veranftalten, eine
kleinere und eine gröfsere. Beide follen als Text
einen genauen Abdruck des Vaticanus geben.
Die in demfelben fehlenden Stücke (Gen. 1—46, Pfalm
105—137, und die drei Makkabäcrbücher) follen nach
dem Alexandrinus gegeben werden. In den ganz feltenen
Fällen, wo beide fehlen, foll für fie die dem Range nach
am nächften flehende Handfchrift eintreten. Der Unter-
fchied beider Ausgaben foll nur in der gröfseren oder
geringeren Ausdehnung des textkritifchen Apparates beliehen
. Die gröfsere Ausgabe foll die Varianten aller
Uncialhandfchriften, einer Auswahl von Curfivhandfchrif-
ten, der wichtigeren Ueberfetzungen und der Citate bei
Philo und den älteren und wichtigeren Kirchenvätern
darbieten; desgleichen ausführlichere Prolegomena. Die
kleinere Ausgabe foll nur die Varianten der wichtig-
ften Uncialhandfchriften geben, und zwar nur derjenigen,
welche durch Facfimile's oder Typendruck bereits publi-
cirt find (was aber bei allen Haupthandfchriften jetzt
der Fall ift). Die Fertigflellung der gröfseren Ausgabe
wird noch Jahre in Anfpruch nehmen. Von der
kleineren liegt der erfte Band hiermit vor. Derfelbe
umfafst den Pentateuch, Jofua, Richter mit Ruth,
Samuelis und Könige.

Die näheren Grundfätze, nach welchen Swete bei
der Herausgabe verfahren ift, find folgende: 1) Die Orthographie
ift im Wefentlichen fo beibehalten, wie die
Handfchrift fie bietet, alfo für Gen. 1—46 die des Alexandrinus
, für alles Uebrige (in diefem Bande) die des
Vaticanus; daher in Gen. 41, 51; 46, 20 MavvaoOi'/ nach
dem Alexandrinus, dagegen Gen. 48, 1 Mavaödi) nach
dem Vaticanus. In den Eigennamen ift vom Text der
Handfchrift nur bei offenbaren Schreibfehlern abgewichen
worden. Derfelbe ift ferner genau wiedergegeben
in Betreff der Affimilation oder Nicht-Affimilation
der Confonanten in zufammengefetzten Verbis und Nominibus
, in Betreff des v am Schluffe und des q in ovrmq,
und zum gröfsten Theil auch in Betreff der orthographi-
fchen Eigenthümlichkeiten der Handfchrift. itacismen
dagegen find nicht beibehalten, auch nicht der in manchen
Fällen conftante Gebrauch von ei ftatt t (wie in
Yelvsofrai und ytcvmoxeiv). 2) In der Accentuirung der
Eigennamen hat Swete das radicale Verfahren einge-
fchlagen, die Acccnte lediglich nach der Betonung im
maforethifchen Texte zu fetzen, daher z. B. BrföXilft,
'EcpQai/i, riöefl, Koqs, Xaväav. Man wird dies, wenn man
überhaupt Accente fetzen will, nur billigen können. Denn
die älteren Handfchriften haben keine Accente und die
jüngeren haben eben darum in diefer Hinficht keine
Autorität. Eine wirkliche Ueberlieferung für die Betonung
der Eigennamen im griechifchen Texte fehlt. Was
bleibt unter diefen Umftänden anderes übrig, als fich an
die Betonung der Maforethen zu halten? 3; Die Capitel-
eintheilung ift nach der fixtinifchen Ausgabe beibehalten,
die Verszählung fo gegeben, wie fie in den fpäteren Ausgaben
üblich geworden ift. Wo eine doppelte Ueberlieferung
fich gebildet hat, find beide Zählungen angemerkt
.

In den textkritifchen Noten find zunächft die wichtigeren
Schreibfehler der Handfchrift und die nicht in
den Text aufgenommenen Lesarten ihrer verfchiedenen
Hände angegeben; fodann aber (und dies ift die Hauptfache
) die Varianten der anderen wichtigen Handfchriften,
vor allem des Alexandrinus, Sinaiticus und Cod.
Ephrämi. F"ür den vorliegenden Band kommt freilich
der Cod. Ephrämi gar nicht in Betracht und vom Sinaiticus
nur ein paar kleine Fragmente von Gen. 23—24,
und Num. 5—7. Alles übrige fehlt in diefen Handfchriften
. Es ift daher hauptfächlich der Alexandrinus,
deffen Varianten den Text von Gen. 47 bis zum Schluffe
des Bandes begleiten. Von der Mitte des Buches Jofua
an ift er überhaupt die einzige Handfchrift, deren Va-