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Ausgabe:

1887

Spalte:

555

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wandel, Geo.

Titel/Untertitel:

Geistliche Reden, an vaterländischen Festen gehalten 1887

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Seite 1

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Gerok, Karl, Illusionen und Ideale. Ein Vortrag. Stutt- fo wird darüber wohl Kinftimmigkeit herrfchen, dafs bei

gart, Krabbe, 1886. (32 S. 8.) M. —. 50. clem hervorragenden Einflufs, den Hegel's Perfönlich-

„ t . ^ .±. , t 1 1 • /- /1 u j tu r keit, feine fchriftftellerifche und akademifche Thätigkeit

Der Jugend tritt das Ideal m Geftalt der 1 ufion auf feine Zeitgenoffen gehabt haben und bei der immer
entgegen .welche durch den Ernfldes Lebens bald zer- ■ noch bedeutenden Ausbreitung feines Syftems alle

ftort W1rd; dann aber gilt es das Ideal von Irrthum Publicationen dankbar entgegengenommen werden muffen,

gereinigt ZU bewahren Von Illufionen frei, aber den wdche uns ^ tieferen Hinblick in die Entwicklung

Idealen treu! Das hochfte Ideal ift das fitÜiche, welches diefes Manneg ahren Wenn auch das Hauptintereffe

in der Geftalt Jefu Chnfti zugleich Realität ha Diefes fich jem auf ^ s ftem concentrift fo ift es doch fo
Ideal zu verwirklichen, ift auch dem gereiften Charakter , rechtJ ein He V(ch"er Gedanke, dafs alle Seiten der

ebenfo möglich wie nothwendig. Das ift der Grund- Thatigkeit beib einem individuurn oder Volke aus Einer

gedanke des anfprechenden Vortrages, der durch feine Idee bntfpringc nach diefem Qefichtspunkt zu erfalTcn

poet.fche Form und feine reichen Gedanken jedem Lefer fmd und fomit die Einficht in dje wjffenfchaftliche Be-

edle Erbauung gewahren wird. deutung eines Mannes durch genauere Kenntnifs der

Herborn. D. Sachfse. äufseren Lebensgeftaltung nur gewinnen kann.

Uebrigens mangelt es dem vorliegenden Briefwechfel

Wandel, Oberpfr. Lic. Dr. Geo., Geistliche Reden, an auch nicht an fyftematifchem Inttreffc und manche

vaterländifchen Feften gehalten. Berlin, G. Nauck, werthvolle Einzelheit gelangt neuerdings an die Oeffent-

1886 fVII qq S 81 M I so lichkeit, fo z. B. das Urtheil Hegel's über die Kantifche

' ^ > 99 • ■) 5 Philofophie, das in dem Concept zu einem Briefe an

17 Reden, gehalten an patriotischen Gedenktagen, Duboc (30. Juli 1822) fleht, im Brief felbft weggeblieben
werden uns vom Verfaffcr dargereicht. Sie verbinden j ift. Nachdem Hegel die Kantifche Anficht der Sub-

patriotifche Wärme mit chriftlichem Ernfte und werden jectivität des Denkens eine ,hypochondrifche Anficht'

feinen Bekannten eine willkommene Gabe fein. genannt hat, eine Hypochondrie, ,die fich alles Objective

Herborn. D. Sachfse. vereitelt hat und nur noch diefe Eitelkeit in fich ge-

._. niefst', fährt er fort: ,Indem ich diefs fagc, verkenne ich

Erles, Hauptlehr. Johs., Der Unsterblichkeitsglaube, belegt ! das Verdienft der Kantifchcn Philofophie nicht, ich habe

~-4. r e- e.r u u i r u r e j u urr u„„ mich an ihr erzogen; — für den Fortfchritt, ja die Be-

mit gefchichthchen, philofophifchen und bibhfchen . , o 1 j e-i r 1 r 1__G 1 ir

b T V tt r Wirkung einer Revolution der philofophiicnen Uenkweifc

Zeugnifsen. Den Lehrern der Volksfchule fowie den insbefondere, ift es mir immer intereffant und lehrreich
Freunden der Wahrheit und höherer Erkenntnifs ge- j gewefen, zu fehen, dafs Kant nicht nur das Bedürfnifs —

widmet. Karlsruhe, Reiff, 1886. {96 S. gr. 8.) M.—. 60. in feinen Poftulaten — fondern auch die nähere Be-

t c rr u • u,. ^ un i< i.. r- u ftimmung der Idee fchr wohl gekannt hat'. In wenigen

Vertaner berichtet zunachft, was die alten Volker . bv r . r , , n bf . „•/-„, v„ t .„^

u j- 11 n ur ui 1 ui. j 1 i-> 1 Worten lafst (ich der Gegenfatz zwilchen Kant und

über die Unfterbhchkeit geglaubt und moderne Denker „ , , _ ■ ,. n r u 1 n n„ r->- -r

... r 1 1 .. 1 u er- 1 j u. tj j Hegel kaum charaktenftifcher darftellcn. Die weile

über de gelehrt haben, auf Grund des achten Bandes c ru i i^i> j -..ji a„

1 u i 9 u r u c- u ri r- ur er • Selbftbefchrankung Kants, zu der wir jetzt, durch die

ilr»r nmlAlnnnifrn#n ^rhritT^n /rtr Hran, nnmann in ___. _ . . _P . 7 . . . J _

der philofophifchen Schriften von Franz Hoffmann in
Würzburg. Sodann entwickelt er eine Theorie der Unfterbhchkeit
, welche er aus den Schriften Franz von

Mifserfolge der Epigonen belehrt, zurückgekehrt find,
gehört für Hegel etwa auf diefelbe Stufe, wie die Be-

il^i uutiihcii, wuiuiiu ui rtua uci oum 11 lun i lau/. vu»ii i- r u i u i> u 1 i

DJ, i tt rr i r i ru u i. muhungen der exaeten rorfchung, durch Beobachtung

Baaders und Hoffmanns gefchopft hat. , . ■■ M . j .. 3

b r 1 und Experiment die Natur zu ergrunden. ,Newton und

Herborn. D. Sachfse. | die ganze Phyfikerfchaft ihm nach', fehreibt Hegel an

Goethe, nachdem er die Auffuchung des Urphänomens

Neuenhaus, Pfr. J., Das Wort Gottes und die Gemeinden, als die wahrhaft wiffenfehaftliche Methode gepriefen,
Eine Studie, Amtsbrüdern und Freunden der evangel. ,fehe ich dagegen irgend eine zufammengefetzte ErKirche
dargeboten. Halle, Niemeyer, 1885. (III, 92 S. I fcheinung ergreifen und fich in ihr feftrennen, und fo

' den Gaul beim Schwänze aufzäumen, um mich des Ausdrucks
zu bedienen..... fie erfchaffen den Erfchei-

gr. 8.) M. 1, 50.

Von der Ueberzeugung durchdrungen, dafs allein , nungen ein erfchaffenes, ihrer felbft würdiges Inneres

das Wort Gottes kräftig fei, die fittlichen Schäden un- j hinein, und find in diefem Centro über die Weisheit und

ferer Gemeinden zu heilen, legt Verf. dar, in welcher Herrlichkeit eben fo erfreut, eben fo ernfthafte Arbeiter

Weife das Wort den Gemeinden nahezubringen fei, und j wie die Freimaurer im Tempel Salomonis' (II, 36).

fordert feine Amtsgenoffen auf, unverdroffen an diefem Wenn man noch vorher gelefen hat, dafs Sclielling's
Werke zu arbeiten, da diefer Arbeit der Erfolg nicht
fehlen könne.

Herborn. D. Sachfse.

Verfuche mit Pendelfchwingungen und Wünfchelruthc
Hegeln ,eine neue, höhere Seite der phyfifchen Wiffen-
fchaft' zu enthüllen fehienen (I, 93), fo wundert man fich
nicht mehr, dafs die bedauerliche Entfremdung zwifchen

Hegel's, Geo. Willi. Friedr., Werke. Vollftändige Aus- exaeter Forfchung und Philofophie fo tief geworden un.l
" , , . t~. , , ., 10 lchwer zu uberwinden ift.

gäbe durch einen Verein von Preunden des Ver- Es wäre allerdings fyftematifchcEngherzigkeit, wegen

ewigten: DD. Ph. Marheineke, J. Schulze, Ed. Gans | diefer Einfeitigkeit Hegeln alles Verdienft a'bftrciten zu
etc. 19. Bd. Briefe von und an Hegel. Hrsg. von ; wollen; er hätte nicht einen fo bedeutenden Eindruck

auch auf ausgezeichnete Köpfe gemacht, wenn nichts
als Irrthümer in feinem Syftcm zu finden wären. Aus
dem bereits citirten Briefe an Duboc läfst fich entnehmen,
an welchem Punkte Hegel den Kriticismus durchbrechen
zu müffen glaubte: ,Was in feiner (Kant's) Kritik der

Karl Hegel. Mit 1 Portr. u. 1 Fcfm. Hegel's. 2 Thlc.
Leipzig, Duncker & Humblot, 1887. (XII, 430 u. 399 S.
gr. 8.) M. 16. —
Wie auch das Urtheil über das Hegcl'fche Syftem

ausfallen mag: ob wir mit Zöllner die fpeculative Epoche Urtheilskraft von dem Gedanken eines anfehauenden
der deutfehen Philofophie nur als Symptom für das tief j Verftandes, des Selbftzwecks, der zugleich auf eine na-
empfundene Bedürfnifs nach deduetiver Erkenntnifs der türlichc Weife in den organifchen Dingen exiftirt, gefagt
Welt betrachten oder ob wir der Prophezeiung Carriere's ift, — kann fehr gut als Einleitung für die weiteren An-
glauben wollen, die neuere Philofophie werde, nachdem ; flehten dienen; der dortige Standpunkt, dafs dergleichen
fie auf Kant zurückgegangen, ,über die fkeptifchen Er- Ideen nur als eine fubjective Maxime der Betrachtung
kenntnifstheorien hinaus'wieder zu Hegel voranfehrciten, genommen werden, mufs freilich abgezogen werden'.