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Ausgabe:

1887

Spalte:

513-518

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schultze, Vict.

Titel/Untertitel:

Geschichte des Untergangs des griechisch-römischen Heidentums. 1. Bd.: Staat und Kirche im Kampfe mit dem Heidentum 1887

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 22. 5. November 1887. 12. Jahrgang.

Schultze, Gefchichte des Untergangs des grie- I _. . . . , , ... , „ • , , , r»_. _

it . r r>j 1 Entwickelung der Kirche im 19. ahrh., Hein-

chifch-romifchen Heidentums. I. lid. . . „. T? . , _ ... _ j.. ,. ., ,

(Jülicher) r»ci, Die I-orfchungen über die paulimfchen

Giefsener Vorträge: Seil, Die gefchichtliche Briefe (Gräfe).

Gefs, Chrifti Perfon und Werk, 3. Abth.

(1 Ierrmann).

Heuch, Das Wefen des Unglaubens (Sachfse)
Kurzgefafste Mittheilungen.

Schultze, Vict., Geschichte des Untergangs des griechischrömischen
Heidentums. 1. Bd.: Staat und Kirche im
Kampfe mit dem Heidentum. Jena, Coftenoble,
1887. (VIII, 455 S. gr. 8.) M. 12. —; geb. M. 14. 50.

V. Schultze, ao. Profeffor in Greifswald, ift feit
Längerem als tüchtiger Forfcher in der chrifUichen Archäologie
bekannt, doch befafsen wir von ihm auch
fchon kleinere kirchengefchichtliche Arbeiten. Sein Ver-
fuch, den Minucius Felix unter die Zeit des Cyprian
herabzudrücken, konnte freilich wenig Beifall gewinnen;
werthvoller find feine Unterfuchungen zur Gefchichte
Conftantin's des Grofsen in der Zeitfchr. f. Kirchengefch

fich Sch. für die Behauptung, dafs an der Synode des
Agrippinus von Karthago c. 200 n. Chr. 70 Bifchöfe Theil.
genommen hätten, auf Auguftin de bapt. II, 13 — fo fleht
freilich bei Münter, prhnordia eccl. Afric. zu lefen; in
Wirklichkeit redet Auguftin an jener Stelle und im vorhergehenden
Capitel blofs allgemein von nonnulli, die genaue
Zahl nennt er de unico bapt. c. Petit. 22 (XIII). In
der folgenden Zeile ift wieder unrichtig Cyprian Ep. 73,
vielmehr gehört dahin ep. 71, 4 und in der dann folgenden
fchreibe ftatt ,a. a. O.' ep. 73, 3. In der nächften Anm.
erweckt die Ausdrucksweife des Verf.'s den Schein, als
ob im J. 256 nach Cyprian Taufende von Ketzern zur
Kirche übergingen; das Citat wäre unzweideutig gewefen,

VII u. VIII. Das vorliegende gröfsere Werk behandelt wenn drei Worte mehr mit aufgenommen wären: exinde
einen ebenfo wichtigen wie fruchtverfprechenden Gegen- j (nämlich feit Agrippin) in hodiernutn. Wiederum ein paar
ftand. Leider hat es meine Erwartungen ftark enttäufcht. j Zeilen weiter verfichert Sch., noch im J. 484 habe die
Bei dem hohen Preife hätte der Druck wohl gleich- j Zahl der nordafrikanifchen Bisthümer, mit Einfchlufs frei-
mäfsiger fein können, fonft ift die Ausftattung allerdings j lieh der Cyrenaica, nach der Notitia provincianim Africae
elegant. Aber fchon die Correctur ift recht mangelhaft; ' 297 betragen, während diefe notitia, die von der Cyrenaica

die Anmerkung S. 42 hat innerhalb 10 Zeilen vier, S. 74A1
in zwei Zeilen drei grobe Fehler, und wenn der Lefer
diefelben meiftens leicht verbeffert, fo bleiben doch
einige unangenehmere übrig, z. B. die falfche Vertheilung
der Anmerkungen S. 103—5, März ftatt Mai S. 64; Ver-
ftofs ft. Vorftofs S. 220. Auf S. 301 foll doch gewifs
ft. Orpheus Odyffeus, S. 305 Z. 21 ft. ,fie' ,Andere', S. 172 ft.
,Götzendienft' ,Götterdienll' gelefen werden. Der Mi-
nifter des Honorius, von dem S. 364—8 die Rede ift,
wird irrig immer Olympos ftatt Olympios genannt; S. 295
fehlt vor Bifchof Paulinus ein einfehränkendes ,der fpä-
tere'; 253 ift ,unterdefs' in ,bald darauf zu verbeffern;
was S. 230 h erzählt werden foll, ift nicht gleichzeitig
mit diefen letzten Ereignifsen' (von 388), fondern mit
den früher berichteten. S. 387 fteht .hundert' fälfehlich
ftatt 120, S. 182 A. 1 ,363' ftatt 364. Von einer Vertreibung
des Athanafius aus Alexandrien im Jahre 331
(S. 88) ift mir nichts bekannt; der herühmte Praetextatus
(S.232) ift nicht387, fondern 384geftorbcn; des Hieronymus
Brief CVII kann wegen der Erwähnung des Marnastem-
pels zu Gaza nicht erft 403 (S. 327), fondern fpäteftens
401 gefchrieben fein, ebenfo die Bücher adv. Jovinianum
nicht 393 (S. 331), fondern wegen ihrer Berückfichtigung
in de vir. illustr. fpäteftens 392. — Vielfach nennt Sch.
unter dem Text die Quellen, aus denen er fchöpft: dies
hat kaum einen Werth, wenn z. B. S. 72, 1 bei Optatus
Milev. blofs das Buch, oder bei den manchmal unendlich

kein Wort fagt, nach Abzug von 8 fardinifchen 455 Bisthümer
aufzählt! Dagegen ift es freilich nur eine Kleinigkeit
, wenn wir wiederholt einen Namen mit ,a. a. O.'
vorgefetzt erhalten, der doch hier zum erften Male auftritt
, z. B. S. 376 A. 2 wird der fonft nie erwähnte La-
faulx wie ein alter Bekannter behandelt. — Das Buch ift
eben nicht mit der nöthigen Sorgfalt gearbeitet. Laut
S. 64 ift Conftantin ,am letzten Pfingfttage' 337, den
22. Mai, geftorben. Ja, den .letzten Pfingfttag' erwähnt
auch Gafs in Herzog RE2 8, 205, läfst aber wohlweislich
den Monatstag ungenannt; der 22. Mai war 337 ein
Sonntag, alfo der erfte Pfingfttag. —■ Der .höhere Militärbeamte
' Artemios von S. 88 hätte nicht S. 144 zum .Statthalter
' gemacht werden follen; den Conftantius für den
jüngften der drei Söhne Conftantin's zu erklären (S. 69.72)
ift noch unerlaubter, als den Julian bald einen Neffen
Conftantin's (S. 36. 68 — dies das Richtige!), bald des
Conftantius (S. 87. 94. 153) zu nennen. Die Chronologie
fcheint Sch.'s ftarke Seite nicht zu fein: S. 67 foll ,nach
mehr als einem Vierteljahrhundert' {seil, nach 337) Eu-
doxius dem 361 geftorbenen Conftantius etwas Gefälliges
haben fagen wollen; nach S. 77 hat Firmicus Maternus
feine Flugfchrift unmittelbar vor dem fcharfen Erlafs der
kaiferlichen Brüder aus dem J. 346 abgefafst, nach S. 100
gerade als diefe Edicte das Pleidenthum erfchütterten
(S. 100, A. 1; 118, A. 1 1 um 347); S. 115 A. werden die
Tractate des Hilarius Pict. zu den Pfalmen in feine letzlangen
Briefen Auguftin's blofs die Nummer, bei Amviian. I ten Lebensjahre, nach 360 verlegt; S. 116 und 117 hören
Marc, blofs das Capitel verzeichnet wird. Bedauerlicher 1 wir, dafs er fie fchon vor feinem Exil im Morgenlande
noch ift die Häufigkeit von Mängeln in diefen Notizen; gefchrieben hat. Aber auch als Ausleger ift Sch. nicht
z. B. ift ein und derfelbe auguftinifche Brief S. 140 als verläfslich; denn S. 267 fchliefst er aus einer Aeufserung
ep. XL, S. 154 als ep. XXXXIX citirt; S. 53, A. 5 ftatt des Mantikers Antonius auf deffen Muthlofigkeit, während
auf Jinseb. de vita Const. III, 48 vielmehr auf H. E. IV, I diefelbe nur documentirt, wie verbreitet damals auch im
48 verwiefen (ähnlich S. 57, A. 3); S. 127 ift XII, 5 in j Heidenthum der Glaube an die Nähe des Weltendes war.
XXII, 5, S. 420 A. 2 IV, 31. 28 in IV, 31 I, 54, S. 353 S. 140 überfetzt Sch. ,ripäv' mit .lieben', S. 282: quos
A. 1 1,9, iöinl.X, 16u. II,38 in 1,38 zu verbeffern. S.3beruft j revereriposset: ,auf die er hätte Rückficht nehmen follen';

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