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Ausgabe:

1887

Spalte:

502-505

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sepp, Christiaan

Titel/Untertitel:

Bibliothek van nederlansche kerkgeschiedsschrijvers 1887

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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501 Theoiogifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 21. 502

fiflage neuerer Nachweifungen überApoftel, Propheten
und Lehrer fein foll, die ohne Zweifel vom Verf. als
Sprungbrett benutzt find. Allein diefer Verdacht ift nicht
durchzuführen. Es ift dem Verf. bitterer Ernft um feine
Nachweifungen; er kündigt weitere Studien an und hat
auch Einiges — fo in Bezug auf den L Clemensbrief und
den Urfprung der Epifkopatsverfaffung — mitgetheilt,
was gut beobachtet und der Beachtung werth ift. Als
Ganzes aber ift es das feltfamfte Product in Bezug auf die
alte Kirchengefchichte, welches ich in den letzten Jahren
gelefen habe. Es zeigt, dafs man als Theologe fehr
liberal fein und doch von Kritik und gefchichtlicher
Methode nicht die blaffe Ahnung befitzen kann. Es beweift
, dafs die paftorale Uebung der allegorifchen Schriftauslegung
und das mit ihr eng verbundene Beftrebtn,
jedes Fragment in ein Ganzes zu verwandeln, den ge-
fchichtlich.cn Sinn austilgt, und es zeigt, dafs der ge-
lehrteftc Mann — an Gelehrfamkeit ift in dem Buche
kein Mangel — übler daran ift als der unwiffendfte,
wenn er feiner Phantafie nicht Zaum und Zügel anlegt.
— Auf eine Widerlegung wird fich fchwerlich Jemand
einlaffen, da man einfach auf die ayioc bei Paulus zu
verweifen hat, die nicht mifszuverftehen find und von wo
aus fich dann das Andere von felbft ergiebt. Doch bin
ich dem Verf. die Erklärung fchuldig, dafs den ,Heiligen'
Manches abzugewinnen ift, was bisher noch nicht ge-
fehen worden ift. Nur liegt es nicht in der Richtung,
welche der Verf. verfolgt. Ferner geftehe ich gerne zu,
dafs die .Heiligen' in der Offenbarung Schwierigkeiten
machen, wenn man an der Einheitlichkeit des Buches
fefthält. Das hat übrigens bereits Vifcher bemerkt, um
den fich der Verf. nicht gekümmert hat.

Marburg. A. Harnack.

Harnack, Prof. Dr. Adf., Lehrbuch der Dogmengeschichte.

2. Bd.: Die Entwickelung des kirchlichen Dogmas I.
Freiburg i.Br., Mohr, 1887. (XVI, 483S.lgr.8O M.t>—

Die erfte Hälfte des zweiten Theiles der Dogmen-
gefchichte habe ich befonders und als zweiten Band er-
fcheinen Inffen, weil fie ein Ganzes für fich bildet und
ich in der nächften Zeit durch andere Arbeiten an dem
Abfchlufs des Werkes gehindert fein werde. Den Plan,
den gefammten zweiten, die Entwickelung des kirchlichen
Dogmas behandelnden Thcil nicht umfangreicher zu ge-
ftalten als den erften, habe ich nicht einzuhalten vermocht
. Hoffentlich werden mir die Lefer defswegen
nicht zürnen. Die jetzt vorliegende erfte Hälfte umfafst
unter dem Titel: ,Die Entwicke lungsgefchichte
des Dogmas als Lehre von dem Gottmenfchen
auf dem Grunde der natürlichen Theologie', das
erfte Buch des zweiten Theiles, nämlich die Gefchichte
des Dogmas vom Anfang des 4. Jahrhunderts bis zu
feinem Abfchlufs in der morgenländifchen Kirche (9. Jahrhundert
). Wie das trinitarifche und das chriftologifche
Dogma die Dogmen xux igoxyv gewefen und geblieben
find, fo ift auch die Gefchichte, welche ich in diefem
Bande darzuftellen verfucht habe, die Dogmengefchichte
xax ls°'//lv- h)ie Dispofition anlangend, fo habe ich die
fyftematifche und hiftorifchc Darftellung mit einander zu
verbinden gefucht. Ob damit die befte Form für die
wiffenfehaftliche Behandlung gefunden ift, das zu ent-
fcheiden, mufs ich Anderen uberlaffen. Ich kann nur
verfichern, dafs fich mir diefe nach wiederholten Ver-
fuchen, es anders zu machen, als die zweckentfprechendfte
empfohlen hat.

In elf Capiteln habe ich den Stoff disponirt. Die drei
erften find einleitend und grundlegend:

L Gcfchichtlichc Orientirung und Ueberficht.

II. Die Grundauffaffung vom Heil und der allgemeine
Aufrifs der Glaubenslehre.

III. Die Erkenntnifsquellen und Autoritäten oder die
Schrift, die Tradition und die Kirche.

Nun folgen sub A die Vorausfctzungen derEr-
I löfungslehre oder die natürliche Theologie:

IV. Die Vorausfctzungen und Auffaffungen von Gott

dem Schöpfer als dem Spender des Heils.
V. Die Vorausfctzungen und Auffaffungen vom Men-

fchen als dem Subject des Heilsempfangs.
Hieran reiht fich sub B die Lehre von der Er-
löfung in der Perlon des Gottmenfchen in ihrer
1 gefchichtlichen Entwickelung:

VI. Die Lehre von der Nothwcndigkeit und Wirklichkeit
der Erlöfung durch die Menfchwerdung
des Sohnes Gottes, mit einem Anhang: die Ideen
der Erlöfung vom Teufel und der Verformung
durch das Werk des Gottmenfchen.
VII. Die Lehre von der Homoufie des Sohnes Gottes
mit Gott felbft, nebft einem Anhang: die Lehre
vom h. Geift und von der Trinität.
VIII. Die Lehre von der vollkommenen Gleichbe-
fchaffenheit des menfehgewordenenSohnesGottes
mit der Menfchheit.
XI. Fortfetzung: die Lehre von der perfonalen Einigung
der göttlichen und menfehlichen Natur in
dem menfehgewordenen Sohne Gottes (bis Jon.
Damascenus).
Den Abfchlufs bildet sub C (der vorläufige Gc-
nufs der Erlöfung):

X. Die Myfterien und Verwandtes; hier find das
Myfterienwefen und die Religion zweiter Ordnung
(Heiligen-, Märtyrer-, Reliquienverehrung u. f. w.)
im Allgemeinen, die Abendmahlslehre, die Bilderverehrung
und der Bilderftreit fpeciell behandelt.
Das XI. Capitel fucht zum Schlufs, jedoch nur in der
Form einer Skizze, die Entftehungsgefchichte des
orthodoxen Syftems von Origenes bis Johannes
Damascenus, alfo die Gefchichte der Theologie,
zu zeichnen.

Es ift nicht meine Abficht gewefen, ausfchlicfslich
I eine Gefchichte des Dogmas in der griechifchen Kirche
in dem angegebenen Zeiträume zu fchreiben, vielmehr
habe ich auf das Abendland überall da Rückficht genommen
, wo die dortigen Vorftellungen den morgenländifchen
gleichartig und verwandt gewefen find oder
wo fie auf diefe eingewirkt haben. Die eigenthümlichen
j abendländifchen Schemata in Bezug auf die Trinität und
die Chriftologie find fomit aufgewiefen und eingehend be-
! fprochen worden. Ebenfo ift in dem Capitel über Schrift
I und Tradition das Abendland gleichmäfsig berückfichtigt.
Dagegen habe ich für das zweite Buch Alles
vorbehalten, was dem Abendlande eigenthümlich gewefen
ift und nicht in das Morgenland hinübergewirkt
hat. Der Auguftinismus mitfammt dem, was ihn im
Abendland vorbereitet hat, ift fomit von mir ausge-
fchloffen worden. Trotzdem ift Auguftin's Name fchon
in diefem erften Theile nicht feltener zu finden als der
irgend eines grofsen griechifchen Lehrers.

Die Gcfammtbetrachtung der Dogmengefchichte,
welche ich in dem erften Bande befolgt habe, hat fich mir
j auch für diefen zweiten bewährt. Ihre ,Neuheit' habe
! ich niemals behauptet, fondern lediglich eine lohnende
j Aufgabe darin gefehen, fie an dem gewaltigen Stoffe
durchzuführen.

Marburg. Adolf Harnack.

1. Sepp, Predikant Dr. Christiaan, Kerkhistorische Studien.
Leiden, Brill, 1885. (VII, 283 S. gr. 8.)

2. Sepp, Predikant Dr. Christiaan, Bibliothek van neder-
landsche kerkgeschiedschrijvers. Leiden, Brill., 1886. XIV,
508 S. gr. 8.)

Durch allerhand Umftände verhindert, früher über
diefe beiden neueften Werke Dr. Sepp's, des unermüd-