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Ausgabe:

1887

Spalte:

441-443

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gossrau, G. W.

Titel/Untertitel:

Commentar zu Genesis 1887

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen,

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 19. 24- September 1887. 12. Jahrgang.

Gofsrau, Commentar zur Genefis (Hudele). Biedermann, Ausgewählte Vorträge und Auf- Warneck, Die Miff.on in der Schule (SchlofTer).

Tifchhaufer, Handbuch der Kirchengefchichte ; fätze (Kaftan). „,.,.,, Nr -r • ov „.-,_ ,/.,.,.,

(HMna^ck) 1 Sigwart, Vorfragen der Ethik (Kaftan). Entwurf einer Schulbibel (Achehs).

üalton, Verfaffungsgefchichte der ev.-lutheri- Lehmann, Weg zur Kräftigung der proteftan- 1 Musica sacra mit einem Anhang von Er. Spitta

fchen Kirche in Rufsland (Harnack). tifchen Kirche (Ehlers).

Biedermann, Chriftliche Dogmatik. 2. Bd. Schäfer, Leitfaden der innern Miffion

(Kaftan). (Schlofler). ____

(SchlofTer).
Zahn, Predigten (Ehlers).

Gossrau, Prof. G. W., Commentar zur Genesis. Halber-
ftadt, Schimmelburg, 1887. (39° s- Sr- 80 M- 7- 5°-
,Die Genefis ift von Einem gefchrieben mit
feftem Plane und deutlichem Zufammenhange;
diefer Eine war Mofes, der Führer der Kinder
Israel aus Aegypten, ihr Gefetzgeber und der
Mittler zwifchen Gott und Israel. In dem Buche
ift fo wenig Irrthum als Betrug oder Fälfchung
der Wahrheit'. In diefem, von ihm felbft gefperrt ge-

mm zu . zu ergänzen, und fteht der Name 5,29

nicht bei IIS ,verfluchen'? In c. 17 ,genügt der allgemeinere
Name Elohim, nachdem die Erfcheinung in V. 1
als die des Jehovah und El Schoddai feftgeftellt ift'.

Die .Erklärung' (S. 63—379) befteht aus einer Para-
phrafe mit einigen Erläuterungen in gröfserem Druck
und langen Abfätzen in kleinerer Schrift, in denen ebenfo
zahlreiche wie regellofe Auszüge aus den Büchern von Ilgen,
Vater, de Wette, Knobel, Ewald, Hupfeld, Delitzfch, Wellhaufen
u. a. m., befonders aber Dillmann mit unzähligen

druckten Satze fafst der Verfaffer S. 301. fein Urtheil | proteftirenden, entrüfteten, höhnenden Gloffen des Ver-
uber die Genefis vor dem Eintritt in die Einzelunterfuchung faffers durchfetzt find1). Durchgängiger Anerkennung
und Auslegung zufammen. Den wefentlichen Inhalt der l erfreut fleh nur des Verfaffers Gewährsmann Preffel;
Einleitung bildet der Nachweis, dafs 1) Mofes die Genefis i Delitzfch erhält nur feiten ein Lob, meiftens die hef-
habe fchreiben können und fchreiben müffen, und 2) die j tigften Vorwürfe. Die überfprudelnde, mafslofe Polemik,
Gottesnamen überall fo gebraucht feien, wie fie bei der l vergleichbar nur den Zwifchenrufen erregter Parlamentsbehaupteten
einheitlichen Abfaffung gebraucht werden : Verhandlungen, der fie auch die Form entlehnt hat, z. B.
mufsten. Aus dem erften Abfchnitt mag hervorgehoben ■ (,Hört!') S. 165, läfst es zu ruhiger Behandlung feiten
werden, wie Cicero N. D. 3,22, 56 .geradezu fagt', dafs kommen, gefchweige zu einer Widerlegung mit wirk-
dafs die Aegypter das Schreiben nicht erfunden haben (S.7); liehen Gründen, und was der Verf. will, wird fehr häufig
die kadmeifchen Schreiblehrer — Kadmus' Einwanderung gar nicht klar. Doch deffen bedarf es auch nicht, denn
1519 v. Chr. — klare Einficht in das Wefen der Schrift immer wieder lautet der Refrain etwa wie S. 205: ,So
wie der beiden Sprachen hatten, und dafs Kadmus ficher | entfehlüpft alles unter den Händen. Im Texte fteht es,
nicht alle Schreiber aus Sidon mitgenommen hat (S. 9); wie die Sache gewefen ift, und es ift nirgend ein Grund
dafs Mofes während der vierzig Jahre bei Reguel und j zum Zweifel'. Nur um der böfen Kritiker willen ift
Jethro in Midian, in Arabien viel Zeit und Gelegenheit i diefer Commentar da, ohne fie wäre er überflüffig, weil
hatte, die femitifchen Völkerftämme zu ftudiren, . . . wie | der Text fich felbft auslegt.

er den Zufammenhang der Hamiten als Aegyptifcher
Prinz hatte erforfchen können (S. Ii). Auch aus dem
zweiten einige grundlegende Stellen und Proben. ,In
Elohim ift Gottes Allmacht bezeichnet, Jehovah [fo immer]
heifst er als der fich immer gleich bleibende, ewige
Wohlthäter und Freund des Menfchen; daher er fo genannt
wird als Bundesgott Israels, der fich diefes Volkes
befonders annimmt' (S. 38). Danach ift Ex. 6,3 fc6
mrp "W! 2PJ5 Tyili zu erklären: ,Sie [die Erzväter]
haben wohl im eigenen Leben die Allmacht Gottes erkannt
, und dafs er ihnen fein Verfprechen halte, aber
dafs feine Wahrhaftigkeit und Gnade beftändig fei, über
Jahrhunderte reiche, das konnten erft Mofes und feine
Zeitgenoffen erkennen; geglaubt haben es die PZrzväter

Und nun der überragende Grad von Sachkenntnifs,
welcher den Verfaffer zu folch hudelndem und nörgelndem
Kritifiren von Männern wie Delitzfch und Dillmann
berechtigt?

Für feine Sprachkenntnifse folgende Proben. S. 36
wird pb -fQ» überfetzt ,darum fage ich*. Ebendort fagt
der Verf. zu Ex. 6,7: ,Und ich habe euch mir genommen
zum Volke und ich bin euch geworden
zum Elohim, und ihr habt erkannt (prophetifch, alfo
wir: ihr werdet gewifs erkennen), dafs ich u. f. w.', und
beweift damit, dafs er von dem Perfectum consecutivum
keine Ahnung hat, wie überhaupt nicht von dem Gebrauche
der tempora, vgl. S. 131 c. 6, 8: ,Und Noah hat
Gnade gefunden in den Augen Jehovahs'. Der Wahn,

fchon. Und fo ift denn in diefer Stelle der Beweis zu ' damit wörtlich zu überfetzen (S. 63 Anm.) beweift die
finden, dafs die Erzväter fchon den Namen Jehovah ge- Unkenntnifs. S. 201 befteht Verf. darauf, dafs rfirP ,mein
braucht, nicht dafs fie ihn nicht gebraucht haben' (S. 36 f). i Jehovah' heifse und wird bitterböfe über Delitzfch's Be-
Nach jenem Kanon ift nun der Gottesname gewählt. So hauptung, dafs rpr. _ ,K nach der Punctation D_5K _ _
z. B. ,K. 4,1 Eva hofft, dafs ihr in ihrem Sohne Jehovah 1 zu lefen fei. S. 113 'belehrt uns der Verf. zu 4,' 1: ,Es
geboren fei, der 3,15 verheifsene Weibesfame [S. 113 zu ; ftehen hier die Verba pp und ffip bei pp Erwerb, wie
d. St. ausdrücklich: ,nicht Gott .... fondern den Er- bei py Auge py und n:y u. f. w.'

löfer']. V. 3 opfert Kain dem Jehovah; diefer fieht V. 4 Grundlegend für feine Auffalfung des Streitpunktes

gnädig auf Abel, ermahnt V. 6 Kain, fragt V. 9 nach _______

Abel; ihm gefleht V. 13 Kain feine Sünde, V. 15 giebt ■

er Kain Troft und .Sicherheit'. Warum ift denn ausge- L u A^VrLnJ^ q fc LT Paradiefes • ,"-«

, „ , , -r ' ,, ..1 ... c- 11 Weber Urlprung der Sprache und Sprachverwirrung, am SchlulTe

laflen, dafs er V. 10 den Kam verflucht, oder ift da nicht | über die Zeitrechnung der Genefis.

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