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Ausgabe:

1887 Nr. 16

Spalte:

387

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Previti, P. Luigi

Titel/Untertitel:

Giordano Bruno e i suoi tempi. Libri tre 1887

Rezensent:

Reusch, Franz Heinrich

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Seite 1

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387 Theologifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 16. 388

Previti, P. Luigi, S. J., Giordano Bruno e i suoi tempi. Libri
tre. Prato, 1887. (487 S. 8.) L. 4.50.

Diefes Buch ift veranlafst durch das Project, Giordano
Bruno zu Rom auf dem Platze, auf welchem er
1600 als .unbufsfertiger und hartnäckiger Ketzer' leben

abftracten Behandlung zu verfallen. Defto dankenswerther
ift jede Bereicherung, die fie durch frifche und eigen-
thümliche Gaben aus dem unmittelbaren Leben der
Kirche und des geiftlichen Amtes heraus erfährt. Eine
folche ift auch die vorliegende Schrift. Den vortrefflichen

louu ais ,unou1sleruger unu xiarLnacKiger r,eizer icuen- .Erinnerungen aus dem Leben eines Landgeiftlichen', die
d.g verbrannt wurde ein Denkmal zu fetzen (die auf der ehrwürdige Verfaffer vor Jahrzehnten gefchrieben und
das Project bezüglichen Actenftucke find S. 397fr. ab- die mitihrem Schatz reicher Erfahrung, wie mitihrer lebensgedruckt
). Etwas Neues von Bedeutung über Bruno's
Leben und Schriften ift daraus nicht zu lernen; auch die
S. 305 ff. abgedruckten Actenftücke über den Venetia-
nifchen und den Römifchen Procefs gegen Bruno waren
fämmtlich fchon bekannt. Der Verf. bedauert S. 383,
dafs man von der ,weifen päpftlichen Verordnung, nach
welcher niemand geftattet werde, Documente des Römifchen
Inquifitions-Archivs zu fehen, zu lefen oder gar
abzufchreiben', nicht, wie er gehofft, zu feinen Gunften
eine Ausnahme gemacht habe (Dom. Berti hat fich von

frifchen Darftellung der Paftoraltheologie zu einer wefent-
lichen Förderung, vielen Geiftlichen zum reichen Segen
geworden find, treten diefe Erinnerungen aus einem
ganz entgegengefetzten Gebiete, aus dem Berliner Amts-
ieben des Verf.'s, ergänzend zur Seite.

Es ift ein ebenfo fchwieriges als intereffantes Arbeitsfeld
, in das uns der Verf. verfetzt, der Boden der
Reichshauptftadt mit ihrem charakteriftifchen Bilde der
modernen Gefellfchaft und des modernen Lebens, mit
ihrer grofsen Kirchennoth und ihren fchweren kirchlichen
einigen auf Bruno bezüglichen Stucken eine Abfchr.ft zu { Kämpfen, aber auch eigentümlichen verheifsungsre.chen
yerfchaffer1 gewufst; die Acten des Gablet teilen Proceffes Anfangen kirchlichen Neugeftaltung. Und der Verf. ver-
hat man K. v Gebler und H. de Epinois vollftändig < fteht in ebenfo anregender und anfehaulicher, als
abfchreiben laffen). Bemerkenswerth ift, dafs der Verf. lehrreicher Weife ein Bild diefes Arbeitsfeldes und der
die Zweifel daran, ob Bruno wirklich hingerichtet wbr- Arbeit auf ihm zuzeichnen. Zwarträgt dieSchriftdieSpuren
den fei, wie folche neueftens von einem der päpftlichen des Alters an fich; der Verf. ergeht fich in behaglicher
Hofhiftoriographen, Balan, geaufsert worden find (S. 212), | Breite? wiederholt fich mehrfach und ftellenweife ift die
ausführlich widerlegt. ' klare Ordnung und Durchfichtigkeit zu vermiffen. Aber

Die Herausgeber der Civilta cattolica, welche die
Veröffentlichung des Buches veranlafst zu haben fcheinen,
hätten die Arbeit forgfältiger revidiren follen. Es kommen
fchlimme Schnitzer darin vor. Beifpielsweife feien einige
erwähnt, die nicht viel Raum beanfpruchen. Nach S. 424
wurde Bellarmin ,zu Löwen von jenem Janfenius zum

defto wohlthuender ift der Gefammteindruck der Schrift,
das Bild eines in der Zucht des heiligen Geiftes flehenden
echten Dieners Chrifli und geiftlichen Charakters,
der mit der Fettigkeit im Bekenntnifs der Kirche, mit
der Energie eines glaubenstapferen Mannes ein warmes
und weites Herz voll felbftverlcugnender Liebe und

Priefter geweiht, welcher fpäter der Bannerträger einer einen offenen BHck für Wdt und Menfchen Verbindet,
famofen Partei wurde ; in Wirklichkeit wurde er 1570 ; ein Mann eines gefunden und kräftigen Pietismus. Ohne
zu Gent von dem dortigen Bilchoi Cornelius Janfenius
geweiht; der gleichnamige Bifchof von Ypern, an den
Previti denkt, wurde 15 Jahre fpäter, 1585 geboren. Von
Cafpar Scioppius wird S. 274 fo gefprochen, dafs man
fieht,.der Verfaffer hat von feinen Streitfchriften gegen
die Jcfuiten keine Ahnung. S. 208 wird eine gegen den
Erzbifchof Peter Pazman gerichtete kleine Brofchüre
von 1620 (Machiävellizatio; f. Reufch, Index 2, 201) als
ein Buch Pazman's' citirt. S. 426 heifst es, Theiner
habe die Annalen des Rainaldus fortfetzen wollen, fei
aber durch den Tod daran gehindert worden; er hat
bekanntlich drei Foliobände wirklich herausgegeben. In
dem Druckfehler-Verzeichnifs wird Gförer in Goftörer
corrigirt; nicht corrigirt wird Leone Alarico (Allacci, S.
274), Card. Bernecio (Bernerio, S. 203), Brengger (Ber-
negger, S. 210), Encomiwn maniae {vioriae, S. 123 als
,höchft unfittliches Buch des Häretikers von Rotterdam'
erwähnt, der .verfchiedene Werke' gefchrieben) u. anderes.
Das S. 388 hinter dem Doc. III flehende Datum gehört
zu Doc. IV und das hinter Doc. IV flehende zu Doc. V.

Die Angabe, Bruno habe zu Wittenberg einen Pane-
gyrikus auf den Satan gefchrieben, findet Pr. auch darum
glaublich, weil Bruno ,die gröfste Bewunderung Luther's
an den Tag legte, welcher mit dem Teufel oft Gefpräche
hatte'. Zweimal (S. 92 u. 184) findet fich der Satz: die
Buchdrucker und Buchhändler feien im 16. Jahrhundert
die eifrigften Förderer der proteftantifchen Secten gewefen,
wie heutzutage der Freimaurer.

Bonn. F. H. Reufch.

Büchse), Dr., Erinnerungen aus dem Leben eines Landgeistlichen
. 4. Band. Erinnerungen aus meinem Berliner
Amtsleben. Berlin, Wiegandt u. Grieben, 1885. (IV,
196 S. 8.) M. 1.60.

Die praktifche Theologie ift in den letzten Jahrzehnten
, nachdem fie früher ohne wiffenfehaftliches Princip
behandelt worden war, in Verfuchung gerathen, und ihr
auch mehrfach erlegen, in das andere Extrem einer zu

zu fragen: was wird mir dafür? geht er nach Berlin, wo
er vom fchlichten Pfarrer zum Generalfuperintendent
auffteigt, und wird auch nicht entmuthigt, als er von
einem Gehalte erfährt, mit dem der befcheidenfte Pfarrer
in der einfachflen Landgemeinde nicht auskommen könnte.
Mit klarer Erkenntnifs chrifllicher Weisheit flellt er die
rechte Diagnofe für den tiefften geifllichen Schaden, der
unter allen verfchiedenen Gewandungen in Stadt und
Land derfelbe ift, und fieht das Pleilmittel nicht in allerlei
modernen geiftlichen Experimenten und in aparter Predigt,
fondern in der bewährten evangelifchen Predigt und
Seelforge, die den Berlinern, deren gute Seiten Büchfei
vollkommen anerkennt, als deren Hauptfehler er den
Grundfehler des alten Menfchen, die Selbftgerechtigkeit,
bezeichnet, ebenfo nöthig ist, als den Uckermärkern, unter
denen B. feinen Amtsfrühling erlebt und deren er in
dankbarfter Erinnerung gedenkt. Mitgrofscrfeelforgerlicher
Klugheit, die in dem glücklichen Blick eines gefunden
Menfchenverflandes und in der Erleuchtung durch die
heilige Schrift beruht, mit dem Muth der Liebe und
mit treuherziger Einfalt weifs er auch Fernflchende und
Widerftrebende zu gewinnen und mit aushaltender Treue
verfolgt er fein Ziel; wahrhaft rührende Zeugnifse fuchen-
der und helfender Seelforgerliebe erzählt er in fchlichter
Dcmuth. Mit der Vorurtheilslofigkcit des praktifch gerichteten
Mannes geht er auch auf die modernen Wege ein und
verfleht fo auch das Gemeindeprincip im Intereffe des
kirchlichen Lebens zu würdigen und zu benutzen.

Der Gemeinde foll der Geiflliche dienen, nicht
einer Partei, nicht einem engen Cirkel, nicht blofs den
Kirchlichen, die Gemeinde aber foll der Kirche dienen,
mehr Mittelpunkte des chriftlichen Lebens fchaffen, die
Kirchen vermehren und ganze chriftliche Männer, lebendige
und frifche Zeugen des Evangeliums hineinftcllen.
Die chriftlichen Vereine aber follen nicht eine felbftändige
Bedeutung für fich in Anfpruch nehmen; fonft fchaden
fie der Kirche und den einzelnen Seelen, ftatt ihnen zu
nützen. Das kirchliche Vereinswefen wird unter diefem
Gefichtspunkt nach feinen Licht- und nach feinen Schatten-