Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1887

Spalte:

372-375

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ryssel, Vict.

Titel/Untertitel:

Untersuchungen über die Textgestalt und die Echtheit des Buches Micha. Ein kritischer Commentar zu Micha 1887

Rezensent:

Stade, Bernhard

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologifchc Literaturzeitung. 1887. Nr. 16.

372

Reifenden macht, befchreibt dann das Grab Seti I in
feiner Anlage und Ausführung, führt die älteren Bearbeitungen
feiner Texte auf und giebt endlich ein Ver-
zeichnifs der einzelnen Gänge und Räume unter Beifügung
der Nummern der Tafeln, welche ihre Texte enthalten
. Ein Plan des Grabes und einige Supplement-
Tafeln mit Angabe der für die Ornamentirung verwendeten
Farben dienen zur Erläuterung der Ausführungen der
Einleitung. Ueber den Inhalt der einzelnen Infchriften
finden fich keine Angaben und wird das Werk daher zu-
nächft nur von Aegyptologen und andern des Aegyp-
tifchen mächtigen Gelehrten benutzt werden können. Für
diefe aber werden die zahlreichen, hier ausführlich und
in zuverläffiger Weife publicirten Texte von gröfstem
Werthe fein, fie werden auf zahlreiche Punkte der ägyp-
tifchen Religionslehren ein ganz neues Licht werfen, und
es ift nur zu wünfehen, dafs das Erfcheinen der weiteren
Bände diefer in hohem Grade dankenswerthen Publication
nicht zu lange auf fich warten läfst, da für das Ver-
ftändnifs derartiger Infchriften die Möglichkeit der Benutzung
mehrerer Recenfionen eine unumgängliche
Nothwendigkeit ift. Erft durch den in Ausficht geftellten
Textband wird der Inhalt auch weiteren Kreifen zugäng
lieh fein, und es wird durch denfelben dann der religions-
gefchichtlichen Forfchung überhaupt ein reiches Material
von weittragender Bedeutung erfcnloffen werden.

Bonn. A. Wiedemann.

Vetus Testamentum graecum iuxta LXX interpretes ex
auetoritate Sixti V. pont. max. editum. Iuxta exem-
plar originale vaticanum Romae editum 1587 quoad
textum accuratissime et ad amussim recusum cura et
studio Leandri van Efs, S. Theol. Doctoris. Editio
stereotypa Caroli Tauchnitii novis curis correcta et
aueta. Leipzig, Bredt, 1887. (34 u. 1027 S. gr. 8.)
M. 8.—

Die im Jahre 1824 von Leander van Efs veran-
anftaltete Septuaginta-Ausgabe macht keinen anderen
Anfpruch als den eines getreuen Abdruckes der fixtini-
nifchen Ausgabe von 1587. Da der Text der letzteren
unter den gedruckten Texten der relativ befte ift, fo ift
die einfache Wiedergabe desfelben fo lange berechtigt,
als fich nicht ein Gelehrter und ein Verleger zu dem
Wagnifs einer neuen Septuaginta-Ausgabe mit eigener
Text-Recenfion vereinigen. Der Wunfeh, dafs dies bald
gefchchen möge, ift heutzutage ein berechtigter. Denn
durch die neueren Publicationen find fo viel Vorarbeiten
dafür geliefert worden, dafs die Forderung geftellt werden
darf und mufs, dafs diefes Material nicht länger brach
liegen bleibe, fondern für eine neue Septuaginta-Ausgabe
verwerthet werde. — Indeffen auch Tifchendorf hat
bekanntlich, in feiner 1850 zum erftenmale erfchienenen
Septuaginta-Ausgabe nichts anderes als einen Abdruck
des fixtinifchen Textes gegeben. Wenn nun der Verleger
des Tifchendorf'fchen Textes fich für berechtigt
hält, die im Jahre 1850 angefertigten Stereotypplatten
immer wieder abdrucken zu laffen, fo kann man es dem
Verleger des van Efs'fchcn Textes nicht übel nehmen,
wenn er mit den anno 1824 hergeftellten Stereotypplatten
cbenfo verfährt. Das eine hat diefelbe Berechtigung,
wie das andere. Denn der Tifchendorf'fche Text hat
keine irgendwie nennenswerthen Vorzüge vor dem van
Efs'fchen, auch nicht in den neueren Abdrücken. Denn
auch bei diefen werden die von Neflle angefertigten
Collationen des cod. Vaticanus und Sinaiticus nicht unter
dem Text, fondern nur als Anhang gegeben. — Um für
den neuen Abdruck der Stereotypplatten wenigftens
etwas zu thun, hat der Verleger des van Efs'fchen
Textes einen kundigen Anonymus veranlafst, zur alten
praefalio (p. 3—8) epilegomcna hinzuzufügen (p. 11—34),
in welchen namentlich eine fehr dankenswerthe Ueber-

ficht der neueren Septuaginta-Literatur gegeben wird.
Ich glaube nicht zu irren, wenn ich als deren Verfaffi r
Herrn Dr. Neftle bezeichne.

Giefsen. E. Schüren

Ryssel, Prof. LIc. Dr. Vict, Untersuchungen über die Textgestalt
und die Echtheit des Buches Micha. Ein kritifcher
Commentar zu Micha. Leipzig, Hirzel, 1887. (VII1,
284 S. gr. 8.) M. 8. —

Der Verf. diefes beim Verleger des Kurzgefafsten
exegetifchen Handbuches zum A. T. und in der Aus-
flattung desfelben erfchienenen Commentares will die von
ihm fehr wider den Sprachgebrauch ein Axiom genannte
Thatfache, dafs der Text des Buches Micha vielfach, be-
fondersdn den allein aus vorexilifcher Zeit herrührenden
Capiteln 1—3, heillos fchlccht überliefert ift, in ihrer
Einfchränkung, und die Meinung, dafs man in den alten
Verfionen eine Handhabe zur Verbefferung der Textcor-
ruptionen habe, in ihrer Unrichtigkeit nachweifen. Er
I bezeichnet es als einen Hauptzweck feiner Schrift, einer
: falfchen Verwerthung der Verfionen entgegenzutreten,
I welche ,zu oft aus dem Wortlaut der alten Ueberfetzun-
gen in rein mechanifcher, unwiffenfehaftlicher Weife auf
die ihnen zu Grunde liegende Textgeftalt zurückge-
fchloffen habe'.

Der Lefer, welcher den a. t. Studien der letzten
Jahrzehnte gefolgt ift, wird fich verwundert fragen, wer
in aller Welt die vom Verf. bekämpften Gegner nur find,
welche von dem Grundfatze mechanifcher RückÜbertragung
aus die ,Ueberfetzungen' alfo benutzt und zur
Wiederherftellung des Textes des Buches Micha als ausreichend
erklärt haben. In den letzten Decennien haben
umfängliche und erfolgreiche Unterfuchungen über die
Ueberfetzungen des A.T.'s, vor allem über die LXX ftatt-
gefunden. Es genügt, an die Arbeiten von Lagarde,
Wellhaufen, Hollenberg, Völlers u. A. zu erinnern. Mit
allem Fleifs ift man darauf ausgegangen, den Charakter
der einzelnen Ueberfetzungen zu ermitteln und feftzu-
ftellen, was Ueberfetzungsmanier, was Wiedergabe be-
ftimmter Ueberlicferungsphafen des Textes ift. Sehr be-
ftimmte und für das Verftändnifs des A. T.'s fruchtbare
Schlüffe auf die Textgefchichte haben fich hieraus ergeben
, welche nach allen Seiten durch die im A. T. felbfit
vorliegenden Paralleltexte beftätigt werden. Die fo gewonnenen
Erkenntnifse aber laffen fich in keiner Weife,
wie es dem Verf. beliebt hat, auf den vermeintlichen
Grundfatz mechanifcher RückÜbertragung reduciren.

Der Verf. verräth in diefem Buche keine Bekannt-
fchaft mit diefen wichtigen Studien und verdeckt dem
Lefer diefen Sachverhalt, indem er alle Verfuche, den
mafforetifchen Text auf Grund der Ueberfetzungen zu
emendieren, auf gleiches Niveau ftellt. Es fcheint mir
aber nicht erlaubt, die Verfuche der Aelteren, z. B. eines
Schnurrer, in folcher Weife an die Rockfchöfse der Modernen
zu hängen und zur Bekämpfung derfelben zu
exploitiren. Wer die Studien der letzten Jahrzehnte nicht
kennt, könnte nach des Verf.'s Ausführungen aufserdem
leicht auf die Meinung verfallen, des Verf.'s Gegner benützten
alle Ueberfetzungen in gleicher Weife zu Text-
emendationen, etwa fo, wie fie der Verf. fämmtlich auf
gleicher Linie behandelt.

Conftruirt fich fo der Verf. eine in diefer Geftalt
gar nicht vorhandene Gegnerfchaft, fo fragt man weiter,
was bietet er denn felbft ftatt der von ihm bekämpften,
aber in ihrer Bedeutung und ihren Refultaten nicht er-
fafsten, neueren textgefchichtlichen Unterfuchungen? Er
macht es den Modernen zum Vorwurfe, dafs fie vielfach
einen Grundfatz ,wahrer Textkritik vergeffen zu haben
fchienen, dafs von zwei möglichen Lesarten die fchwerere
den Vorzug haben müffe', wie er fich denn dadurch erquickt
fühlt, dafs er diefem Grundfatz beim Verf. der