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Ausgabe:

1887 Nr. 14

Spalte:

339-341

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Magani, P. Francesco

Titel/Untertitel:

Ennodio. 3 vol 1887

Rezensent:

Vogel, Fr.

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Theologifche Literaturzeitung. 1S87. Nr. 14.

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durch entstanden find, dafs Leontius lehrte, u. Theodorus
das Gelehrte aufnahm und literarifch ausarbeitete. Loofs
glaubt freilich aus den Fragmenten den Beweis führen
zu können für die Exiftenz der Scholien des Leontius
in einer Geftalt, welche verglichen mit der uns erhaltenen
Schrift die Grundlage gewefen fei. Allein von den
hierhergehörigen Fragmenten dürfte No. II bei Loofs
S. 115 (Migne 2009 D—2012 A) fich fehr wohl als
erläuternd erweiterter Text von de Sectis faffen laffen,
Fr. IV ebd. S. 116 Stimmt bis auf ganz unerhebliches völlig
zufammen, Fr. V. verräth fich der Text der Doctrina in
feinen geringen Abweichungen deutlich als Correctur von
de Sectis. Statt des heidnifchen Sokrates in der Exempli-
fication wird Petrus, Statt Sokrates u. Piaton, Petrus
und Johannes genannt, u. bei der Erwähnung des Aristoteles
glaubt die Doctr. die Berufung auf ihn durch
das eingefchobne de ov txelvoi [die Gegner] tjiSQsiöovrai
motiviren zu follen. Was endlich das Fragment betrifft,
welches Sowohl in der Doctrina als bei EutJiymius Zigab.
Sich findet (f. Loofs S. 125. 147) und uns alfo mit de
Sectis zufammen in dreifacher Geftalt vorliegt (f. die Zu-
fammenftellung bei Loofs S. 153—161), fo fcheint mir
auch hier unfer de Sectis durchaus die Grundlage für die
Faffung der Doctr., Eutliymius aber (worin übrigens Loofs
zuftimmt) aus einer Solchen Sammlung wie unfereMai'fche
Doctrina ift, gefchöpft. Namentlich die Erörterung über
die Erklärung des Anatolius zu Chalcedon, dafs Dioskur
nicht um des Glaubens willen abgefetzt fei, ift in Doctr.
und bei Euthym. als verkürztes und dadurch undurchsichtiger
gewordnes Excerpt aus de Sectis anzufehen.
Von der Erklärung über Theodoret u. Ibas glaubt Loofs
felbft, dafs das in der Doctr. u. bei Euthym. Uebergangene,
das wir aus de Sectis kennen lernen, urfprünglich in den
vorausgefetzten urfprünglichen Scholia des Leont. gestanden
habe müffe. So fcheint es mir doch bei Weitem
wahrscheinlicher, dafs, wo auf Scholia Leonti zurückgegriffen
wird, wir an die Bearbeitung und Wiedergabe der
Gedanken des Leontius durch den Abt Theodor zu
denken haben. Wie es fich aber auch damit verhalte, fo
vermögen folche Bedenken den Werth der gelehrten und
gründlichen Leistung des Verfaffers nicht zu verringern.
Eine Fülle befprochener Fragen, auf die einzugehen der
Raum gebricht, und ihre Streng methodifche Behandlung
geben endlich einmal eine fette und bleibende Grundlage
, an welche Sich etwaige weitere Aufhellung des Einzelnen
leicht anfchliefsen kann. Befonders rühmend aber
mufs noch hervorgehoben werden die treffliche dogmen-
hiftorifch wirklich fruchtbare Darstellung der dogmatischen
Stellung des Verfaffers der tres libri adv. Nest,
et Entych. S. 37—74, welche die Befähigung des Verf.'s in
hohem Grade documentiren, das gründlich gefchöpfte
und methodifch verarbeitete literarhiStorifche Material
auch nach diefer Seite hin wirklich zu verwerthen.

Kiel. W. Möller.

Magani, P. Francesco, Ennodio. 3 vol. Pavia, frat. Fusi,
1886. (XXXII, 386; 324 u. 444 S. Lex.-8.)

Im Verlauf von drei Jahren erfchienen drei Stattliche
Werke über Ennodius. Zuviel der Ehre, möchte mancher
denken, der den einstigen Bifchof von Pavia kaum dem
Namen nach kennt; in Wahrheit ift dies aber nur eine
billige Genugthuung für den wenig gelefenen Autor, der
eine Hauptquelle für den grofsen Theoderich bildet und
in der Kirchengefchichte glänzt als einer der erften und
lauteftenVertheidiger desrömifchen Primates, weshalb auch
Ifidorus feine Decretalen reichlichst aus Ennodius gefpickt
hat. Den beiden Ausgaben der Werke des Ennodius im
Corpus scriptorum ecclesiasticorum (von Härtel 1883) und
in den Monumenta Germ. bist, (vom Ref. 1885) gefeilt Sich
obengenanntes dreibändiges Werk des ProbftesFr. Magani
zu Pavia bei, deffen Hauptzweck eine Glorificirung des
berühmten Bifchofes feiner Kirche ift, und deffen Haupt-

verdienft wohl darin liegt, die Refultate der gelehrten
Forfchung gefammelt und popularifirt, eine grofse Zahl
intereffanter Abfchnitte aus Ennodius überfetzt und die-
! Selben zur Aufklärung der Kirchen- und Localgefchichte
verwerthet zu haben.

Magani verbindet mit grofser Begeisterung für feinen
Stoff einen ungewöhnlichen Sammelfleifs: es werden
aufser vielen italienifchen und lateinifchen Autoren auch
deutfehe und franzöfifche in erstaunlicher Pulle angeführt
und ausgeschrieben (von griechischen Wörtern finden fich
kaum zehn und davon kaum eines fehlerlos; auch die
deutfehen und lateinifchen Citate find voll von allerlei
Verfehen;. Durch eingehende FVrfchungen hat der gelehrte
Probft ein Werk gefchaffen, das ihm und feinem
ganzen Stande zur hohen Ehre gereicht, wie dies von
anderer Seite bereits im Osservatore Cattolico (1886 Nr. 20)
hervorgehoben wurde. Wir Stimmen dem dort, wenn
auch überreich gespendeten Lobe um fo lieber bei, als
wir im einzelnen Herrn Magani häufig entgegentreten
müffen. In philologischen Fragen fchliefst fich Magani
faft durchweg an die deutfehen Herausgeber des Ennodius
an; und wenn er ihnen einmal etwas am Zeuge flicken
will, fo gefchieht das feiten mit Glück. Der Gedanke,
zur Reconftruction des Textes die antike Tachygraphie
zu verwerthen (III 428), macht zwar dem Scharfsinn
Herrn Magani's alle Ehre, allein wie Steht es mit der praktischen
Ausführung desfelben? Magani hätte vorausfetzen
dürfen, dafs jener Gedanke auch den Herausgebern aufgestiegen
war. Statt der Rüge, dafs Härtel und Ref. die
Parallelflellen aus den Kirchenfchriftftellern unzureichend
gefammelt haben (III 264), hätten wir lieber eine Lifte
unterer Verfehen zahlenmäfsig belegt gefehen. Ebensowenig
ift uns gedient, wenn aus dem cod. Ambros. etwa
15 Varianten angeführt werden (III 417); Ref. hat aus
j demfelben mehr als 1500 notirt, aber diele, wie auch fonft
I Taufende, als Schlechthin nutzlos unterdrückt und nur
fünf ausgewählt, die für jeden Fachmann die Abstammung
der Handfchrift hinreichend charakterifiren.

Das Gefammtbild des Ennodius, welches Herr Magani
entwirft, ift fehr verfchieden von der vom Ref. gegebenen
Skizze, obwohl ich nicht wüfste, weshalb ich Ennodius
gegenüber Pufficio del cosi detto Avvocato del diavolo (1179)
übernommen haben follte. Alles, was gegen den Ruhm
feines Helden gefagt wird, nennt Herr M. unhiftorifch,
unkritifch, unlogifch, unkirchlich. Dazu kommt, dafs er
mich für einen Berliner Profeflbr (Biponti unterzeichnete
ich in meiner Ausgabe!), alfo für einen Culturkämpfer
hält (II 177): Raro e che il ch. Vogel quando si tratta di
cose ecclesiastiche ne azzecchi una. Diefe Worte fpeciell
gebraucht Magani gegen mich, weil ich behauptete, Afrikanische
Bifchöfe hätten beim Mailänder Bifchof um
Heiligengebeine gebeten; ich mufs geftehen, dafs ich dabei
gar nicht daran dachte, dafs der Papft feit alters ein
Monopol auf diefen Artikel in Anfpruch nahm, ich habe
alfo ficherlich nicht abfichtlich gefehlt, wenn ich ja gefehlt
habe. In manchen Fragen, die kirchliche Dinge,
namentlich den kirchlichen Ritus betreffen, befcheiden
wir uns gerne, unfer Urtheil dem des hiermit vertrauten
Probftes unterzuordnen. Gefchickt werden von ihm bei
Ennodius Spuren der Heiligenwunder und-Verehrung,
fowie des Mariencultus nachgewiefen; ferner gezeigt, dafs
fchon zu Ennodius' Zeit die Tonfur üblich war und die
Unfträflichkeit und Unfehlbarkeit des Papftes behauptet
wurde, wobei natürlich Sirmond's Bemerkung wiederholt
wird, dafs Ennodius nachweisbar zuerft den römifchen
Bifchof nicht episcopus, fondern confequent papa nannte.

Sehr gereizt kämpft Magani gegen die Anficht, Ennodius
fei Mailänder Diakonus gewefen, nicht an der Kirche
zu Pavia, wo er fpäter Bifchof wurde und jedenfalls auch
die geiftliche Weihe erhalten hatte. Spricht letzteres für
Magani, fo mufs er nach dem klaren Wortlaut verfchie-
1 dener Stellen bei Ennodius doch felbft zugeben, dafs
I diefer mehrere Jahre lang feinen Wohnfitz in Mailand