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Ausgabe:

1887 Nr. 12

Spalte:

278-281

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hirschfeld, Hartwig

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Erklärung des Korân 1887

Rezensent:

Müller, August

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Theologifche Literaturzeitung. 1887. Nr. 12. 278

mit auch gegenwärtige Berichterftattung fchliefsen zu find, John VVordsworth und F. J. A. Hort an der Spitze,
können zu R-atbe gehen, mit den reichen Kräften der Gelehrfam-

Allein die Gerechtigkeit legt ihre Verwahrung keit, des heiligen Krnftes und des Sinnes für Schönheit,
ein. Wir dürfen nicht Umgang davon nehmen, zu be- ■ die ihnen eigen find, eine nach allen Seiten befriedi-
merken, dafs Ceolfrid mit dem Wortlaut feiner Dedica- j gende, namentlich auch die Bilder zur Anfchauung
tioti, obwohl unbewufst, doch einen von den fchwerften i bringende Ausgabe der ehrwürdigen Handfchrift von
Folgen für die Kritik begleiteten Fehler begangen hat. ; Amiati zu Stande zu bringen!

Wenn die Widmung, wie wir foeben gefehen, in ! Marburg. Ranke.

erfter Perfon gehalten ift. — mitto . . . meque mcosque _

optans —, und auf dem nächften befchriebenen Blatte ~ . ..

der Prolog gleichfalls mit einem Wort der erften Perfon Hirschfeld, Hartwig, Beitrage zur Erklärung des Koran.

beginnt — si . . ad veram cupimus sapieniiam pervenire Leipzig, O. Schulze, 1886. (IV, 99 S. gr. 8.) M. 2. —
— fo kann kann Niemand auf der Welt einen anderen Wenn ein tüchti Talrnudift die auf Mohammads

Gedanken mit diefen Worten verbinden, als dafs fie von Vcrhaltnifs zu den Juden bezüglichen Offenbarungen einer
demfelben Autor herrühren von welchem die Widmung ftrengen Kritik unterzöge, würde er zahllofc Anfpielungen
abftammt, d. i. von dem Schreiber derfelben. Langer auf die traditionelle Lehre des judenthums entdecken',
als taufend Jahre hat man diefer Auffaffung gehuldigt Wie rjchtjg diefer gatz g ,s.} auch dann ift

und erft dem Scharfünn eines deutfehen Gelehrten llt wenn man ^ auf den en Koran erweitert und
es, wie wir gefehen, gelungen, hier Rath zu icharten unter dem jTalmudiucn< auch dcn Kenner des A. T.
Und wie leicht konnte Ceo frid der Widmung durch f ,bft b ift zej t die neue Schrjft Hirfchfeld's,

S

eine

,Ueberarbeitung bez. Erweiterung einer im Jahre 1878
niedergefchriebenen Studie, von der damals ein Thcil
unter dem Titel Jüdifche Elemente im Koran und sic
in fehr geringer Auflage veröffentlicht wurde' (S. III).
Erweis1 von Uebereilung welcher em^rdif* W.der Njch dafs aUc Rüningen koranifcher Sätze und
Verficht ermangelte welche zur tadellofen richtigen Wend mit Stellcn &, A T der Mifchnah( des

Ausfuhrung feiner Abficht vonnothen war. Um io K.,k,,i~.,;o.t,»,, T,im„^ mij«Jc-v:_ j„

einfache Hinweifung auf Caffiodor's Verdienfte eine
Wendung geben, durch welche alter Irrthum abgewehrt
, und dem die Ehre gegeben worden wäre, welchem
fie gebührte! Indem er es unterliefs, gab er damit einen

mehr ift auf der andern Seite das unbestreitbare Ver
dienft hervorzuheben, welches fich Ceolfrid durch die

babylonifchen Talmuds, der Midrafchim, des Gebetbuches
, welche der Verf. in grofser Zahl nachweift, in

cuenii iicr vui zuneucii, vveiciics neu e-euiiriu uun.11 uic /■•„„„ c:__„ -,i„ T7„i.i„u ~ • a r 1

„ r j »teLft j u -l c 1 -n. a c leinem Sinne als Entlehnungen in Anfpruch genommen

Beforgung der Abfchnft der heu. Schrift an und lur „.-u--*.. wr r. u j e 11 -n. ,

f. t , ■ _. tV. t,__n ■,, . tt ir 1 werden muisten. Wer (ich darüber k ar ift, wie leicht

fich erworben hat. Uie Herftellung einer Handlchrilt , • r,u „ • „ r, , , IT , . n. ' TT

. r* -r j c 1." i. j a • f iu hier lelblt eine ichlagende Ucbereinltimmung auf zu-

von der Grofse und Schönheit des Amiatinus wollte f..... „ 7 r „ i».I7r.,, 1 e 1 , 1 , , .,

im S Ehrhnndert mehr fauen als die Herausgabe falllSem Zufammentreffen beruhen kann (vgl. Goldziher
im 8. Jahrhundert mehr lagen als die Herausgabe ZDMG XXXI, 766), und fich nicht verhehlt, dafs die
ganzer Reihen von Werken in unterer Zeit. Und folcher • c u / n •,. . ,,. /, , , . .5

Abfchriften fchuf er nach Bcda's Bericht aufser der für ÖJ^Slr^ÄftS SSfÄJ^H-10 r* ^

Rom beftimmten noch zwei, die dem Gebrauch der 1'Jer Sachk^

,r, n rr a- r in! u- •■ v,a getragenen Stellen nicht feiten (z. B. felbft an fo wich-

Kloftergenofen dienen follten. Hieraus erwachlt uns g b0 . . c or, , . v . ,. , , "

eine Beurtheilung von durchaus anderer Art. Ceolfrid %fn 8.f-), doch eine ziemlich oberflach-

ift der geiftige Vater der Männer, welche elfhundert 1,cllL ,ftW 1111. ^" f1"™ na.ufiS genug Vorbehalte zu

Jahre nach ihm die britifche und auswärtige Bibelgefell- maf len flC.h ^noth.g fehen : das aber ändert im Ganren

fchaft gegründet haben; oder mit andere/Worten: das ^giÄ» Uirtheile, dafs in der inhaltre.chen Schrift

,, ,t» ö, , ' 1r urr 1 r c ui 1 t r • elne erhebliche Anzahl von nicht allein neuen, fondern

edle Streben des angelfachüfchcn Gefchlechts, feine ^„^, „,7;„:r_u« ■ ut- n ^-r ^ ' '"-ut'> ,

, ' P- -i , P, v 1- i. .u -i 1 i- r~i r„u auch zweüellos richtigen Identificationen koranifcher und

heften Guter der Menfchhe.t mitzutheilen, hatiOcJifehon A> T,lich-jüdifcher Gedanken und Ausdrücke vorlieg
in diefem unvergefshcheii, Manne geregt. - Ift dem aber beinahe 250 Koranftellen, die mehr oder Sdcr

a fo, fo wird es geftatte fem, an W^G«**^* ausführlich befprochen werden, find unter den drei Capitel-

einen vviffenfchaftl.ch gench eten Wunfeh anzufchl cfsen, uberfchriftcn J Die jahrc de Vorbereitung' (S 5 1

Werf bezieht erhaltenes Der geift.ge der Juden^nfcJjl;,3(S.^;

"Wi^befltzen zwei in ihrer Art anzuerkennende, vom j111- Die medinifchen Suren' (S. 62), in einen allerdings
gröfsten Fleifs ihrer Herausgeber zeugende Ausgaben befonders im1 erften 1 heile nicht immer- leicht zu Verdes
Amiatinus, von denen die eine den altteftamcntlichen, folgenden Zufammenhang gebracht. Im Allgemeinen er-
die andere den neuteftamentlichen Thcil desfelben ent- ; ffihi hch aus den einzelnen Nachvveifungcn unter I, dafs
hält, und können dafür dankbar fein. Aber wir dürfen Mohammed fchon in ferner erften mekkanifchen Zeit,
es nicht verfchweigen : dem kritifchen Bedürfnifs genügen und, 7'Yar "oc,h v°r der Offenbarung von Sur 96, 1 (die
fie nicht. Heyfe's von Tifchendorf vollendete Ausgabe auch d,r Verl ohne weitere Ause.nemanderfetzung mit
der Bücher des A. Ted. ift genau genommen gar nicht Muir' a s zweifellos altefte betrachtet), bei weitem mehr
eine Ausgabe des amiatinifchen Alten Teftamentes zu ; von Juden Sf^rnt Sehabt habe.. als insgemein angenommenen
: fie giebt thatfächlich nicht den amiatinifchen men wird. Sehr intereffant ift hier die Zufammenftellung
Text, fondern den Text der Clementina mit den Va- j des trotz Allem und Allem immer noch räthfelhaften
riante'n des Amiatinus. Tifchendorfs Ausgabe des Neuen MJ |_, | v| mit dem in der Genefis gerade mit Abra-
Teftaments gehört zu denjenigen feiner Arbeiten, die am ' ,'. (, , , _
wenigften d?m Ideal entsprechen, dem er bei fpäteren am ,n Verbindung gebrachten IJW affiS Xip. Der Ein-
Codicesausgaben nachgeftrebt hat: die ftichometrifche tad «* glänzend, und ich würde ihn für richtig zu halten
Raffung des Originaltextes fehlt völlig. Ueberdies gewinnt : geneigt fein, wenn ich mir zunächft vorftellen könnte,
man weder aus Heyfes, noch aus Tifchendorfs Buch eine ! wie Mohammed in der Unterhaltung mit einem arabifch
deutliche Anfchauung von der Art, wie die Prolego- !^denden Juden (denn er felbft konnte ficher kein He-
menen des Codex behandelt find; und was die Bilder braifch) zu dem hebräifchen Wortlaut hätte kommen

les Amiatinus betrifft, welche einerfeits der Belehrung
dienen follen, andererfeits als ein Denkmal der Kunft
des Alterthums daftehen, fo ift zu einer Nachbildung derfelben
nicht der leifefte Verfuch gemacht.

TiTa^kT„r, a;~ ~ rr u tl 1 11. a..,^u med nac" Talmud und Midrafch'von Ur. 1. Gaftfreund, fcheint Hirfch-

Mochten die enghfehen Theologen, welche durch , feld entgangen ?u fein. er hätte flch s. J64. g7 fei„er AJbeit fonft wohl
de Roffis rund nicht weniger geehrt, als erfreut worden | darauf bezogen.

follen. Wenn er ihn fragte, was denn Abraham

») ZDMG XXIX (1875) S. 655. — Diefer Artikel Sprenger's, eine
Befprechung der mir fonft nicht zugänglich gewordenen Schrift ,Moha-