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Ausgabe:

1887

Spalte:

241-245

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zöckler, Otto

Titel/Untertitel:

Wider die unfehlbare Wissenschaft. Eine Schutzschrift für konservatives Forschen und Lehren 1887

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg,und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N° 11.

4. Juni 1887.

12. Jahrgang.

Zück 1 er, Wider die unfehlbare Wiffenfchaft
(Schürer).

llenle, Koloffä und der Kolofferbrief (Jülicher).

Lipfius, Die apokryphen Apoftelgefchichten
und Apoftellegenden 2. Bd. I.Hälfte (Harnack).

Müller, Die Waldenfer (ZöpfTel).
Wundt, Ethik (Gottfchick).

Zöckler, D. O., Wider die unfehlbare Wissenschaft. Eine ferungen felbfl, namentlich auf Zöckler's eigene Arbeit

Schutzfchrift für konfervatives theologifches Forfchen über die Apoftelgefchichte ,

, T , XT.. ... r> „1 ,00, -ä c st Aul Grund feiner früheren Arbeiten fucht Zöckler

und Lehren. Nordl.ngen, Beck, 1887. 56 b. 8.) , (& fj_^ nachzuweifen> dafs feine Anfchauungen nicht

M. —• 9°- ichlechthin katholifche feien und auch nicht diejenigen

Im vorigen Jahrgang der Theol. Literaturzeitung der Theologen des 17. Jahrhunderts. Diefer Nachweis

,1886, Nr. 23) hatte der Unterzeichnete den beiden erflen darf als gelungen bezeichnet werden. Es wird aber auch

Lieferungen des ,Kurzgefafsten Kommentares zu den kein einfichtiger Lefer meine Aeufserungen dahin verflan-

heiligen Schriften Alten und Neuen Teflamentes' von den haben, als ob ich ihm im Einzelnen eine fchlecht-

Strack und Zöckler eine eingehende Befprechung ge- hin katholifche Lehrweife und eine völlige Ueberein

widmet, an welche fich bald zwei im Urtheil überein
llimmendc Aeufserungen von Harnack (Theol. Litztg.
1886, col. 554f.) und Holtzmann (Prot. Kirchenzeitung
1886, Nr. 49) anfchloffen. Gegen uns drei, hauptfächlich
aber gegen den Unterzeichneten, ifl die obige Streit-
fchrift von Zöckler gerichtet.

Indem ich mich auf Urängen meiner Freunde ent-
fchliefse, noch einmal das Wort zu ergreifen, fo ge-
fchieht es nicht, um perfönlich Recht zu behalten, fondern
lediglich in dem Wunfche, vor dem unbetheiligten
Publicum wenigflens feflzuflcllen, welches die wesentlichen
fachlichen Differenzpunkte find, um die es fich
zwifchen uns handelt. Es ifl nicht mehr und nicht
weniger als die ganze Methode der theologifchen Arbeit,
die Grundfätze wtffenfchaftlichen Forfchens, die in Frage
liehen. Ift die Art von Wiffenfchaft, welche Zöckler

ftimmung mit den Theologen des 17. Jahrhunderts hätte
Schuld geben wollen. Das konnte doch fchon deshalb
nicht meine Meinung fein, weil beides fich widerfprechen
würde. In einem Hauptpunkte aber Bimmen die lutht-
rifchen Theologen des 17. Jahrhunderts mit den katho-
lifchen überein: in der Methode des theologifchen ,Forfchens
'. Die einen wie die anderen find gebunden durch
die Tradition. Eben diefes gilt aber auch von den
modernen, fich lutherifch nennenden Theologen; und
eben darin beruht ihre innige Verwandtfchaft mit jenen
beiden. Mögen fie auch noch fo lebhaft dagegen pro-
teftiren: ihre Werke zeugen gegen fie. Auf allen Gebieten
, in Dogmatik und Kirchengcfchichte, im Alten
und Neuen Teflamente find die traditionellen Meinungen,
bewufst oder unbewufst, das eigentlich mafsgebende.
Das iB eine Thatfachc. auch wenn fich der Einzelne ge-

und feine Freunde betreiben, in der auf dem Boden ! wiffe Sondermeinungen erlaubt. Die Tradition iB be
der Reformation Behenden Kirche der Gegenwart über- kanntlich etwas Flüffiges. Man kann davon ab und zu
haupt berechtigt oder nicht, das iB die Frage. thun. Aber man mufs wenigBens den guten Willen

Ich hatte das Zöckler'fche Handbuch im allgemeinen , zeigen, im Grofsen und Ganzen fich an das Herkommen
als das Erzeugnifs einer Theologie bezeichnet, welche | zu halten. Dafs diefer MafsBab für Zöckler und feine
,in echt katholifcher Weife' fich auf den Standpunkt der | Freunde der eigentlich entfeheidende ifl, davon geben
Tradition Bellt, diefe zum MafsBab des wiffenfehaftlichen jahraus jahrein namentlich ihre Beurtheilungen der
Urtheils macht, fich daher auf ernflhafte wiffenfchaft- | neueren theologifchen Literatur das fprechendfle Zeugliche
Verhandlungen mit der neueren kritifchen Theo- 1 nifs. Die Hauptfrage ifl dabei immer die, ob die An-
logie gar nicht mehr einläfst, fondern diefelbe einfach j fchauungen des betreffenden Verfaffers .kirchlich' find
ignorirt und überhaupt ,fo verfährt, als ob wir noch im j (wobei mit dem Worte .kirchlich' ein unfäglicher Unfug
liebzehnten Jahrhundert lebten und feitdem nichts paffirt ■ getrieben wird). IB das nicht der Fall, fo helfen ihm
fei'. Infonderheit hatte ich in dem Zöckler'fchen Hand- alle fachlichen Gründe nichts: er ifl gerichtet. Das Werk
buche den Verfuch erblickt, die .heranwachfende Jugend ! mag wiffenfehaftlich noch fo bedeutend fein, die hiflo-
von aller Berührung mit der böfen Wiffenfchaft gründ- ; rifchen oder religiöfen Argumente noch fo unwiderleglich
fern zu halten', es ihr zu erfparen, von der modernen j lieh: wenn er den Meinungen, die man für .kirchlich'
Kritik auch nur Notiz zu nehmen. hält, widerfpricht, fo wird er einfach an den Pranger ge-

Dafs eine fo befchaffene Theologie auf dem Boden Bellt und ifl damit abgethan. Einen folchen Standpunkt
der evangelifchen Kirche keine Berechtigung hat, erkennt aber nenne ich katholifch, auch wenn er von unferen
Zöckler felbfl an, indem er eben dagegen proteflirt, dafs .lutherifchen' Theologen nicht mit derfelben Sicherheit
die gegebene Charakteriflik für feine Methode theo- und Meiflerfchaft verfochten wird, wie von den römifchen
logifchen Forfchens und Arbeitens zutreffe. Die Frage ; Collegen. Denn das ifl allerdings richtig, dafs jene ihre
ifl alfo: ob in dem .Kurzgefafsten Kommentare' eine j Pofition nur in Schwachheit vertreten. Trotz alles
1 heologie von der gefchilderten Art zum Ausdrucke Sträubens werden fie doch da und dort von der fortkommt
. Zum Erweife des Gegentheils beruft fich ; fchreitenden Fntwickelung mit fortgeriffen. Gar manches,
Zöckler im Wefentlichen auf dreierlei: I) auf feine eigenen j was noch vor zehn Jahren als unkirchlich in den Bann
früheren Arbeiten, 2) auf die übrigen, bei Abfaffung ; gethan wurde, wird heute fchon auch in .kirchlichen'
meiner Recenfion noch nicht erfchienenen Lieferungen Kreifen ertragen. Eben darauf gründet fich unfere Hoff-
des Kurzgefafsten Kommentares, namentlich diejenigen nung auf eine allmähliche Selbffauflöfung diefer Art von
über das Alte Teflament, 3) auf die befprochenen Lie- Theologie. Ein Haus, das in fich felbfl uneins ifl, kann
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