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Ausgabe:

1886

Spalte:

73

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Niese, Benedictus (Ed.)

Titel/Untertitel:

Flavii Iosephi opera. Vol. II. Antiquitatum iudaicarum libri VI - X 1886

Rezensent:

Schürer, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 4. 20. Februar 1886. 11. Jahrgang«

Josephi Opera edid. Niese, Vol. II. (Schürer).
Edersheim, The Life and Times of Jesus the
Messiah (Schürer).

Wafferfchieben, Die irifche Kanonenfammlg. 1 Bender, Das Wefen der Religion und die

2. Aufl. (Loofs).
Reufch, ber Index der verbotenen Bücher.
2 Bde. (A. Hamack).

S cott, Ulfilas apostle of the Goths (A. Hamack). j Rabino witfch, Zwei Predigten (derf.)

Grundgefetze der Kirchenbildung (Herrmann).
Rietfchel, j) 14 der Kirchengemeinde- und

Synodalordnung (Köhler).
Berichtigung von Schür er.

Josephi, Flavii, opera. Edidit et apparatu critico instruxit
Benedictus Niese. Vol. II: Antiquitatum Iudaicarum
libri VI—X. Berlin, Weidmann, 1885. (VIII, 392 S.
gr. 8.) M. 12. —

Eine kritifche Ausgabe des Jofephus — feit etwa
einem Jahrhundert der fehnliche Wunfeh Aller, welche
aus diefem reichhaltigen Schriftfteller mannigfachfte Orien-
tirung zu fchöpfen haben, foll nun endlich zur Wirklichkeit
werden. Die feit vielen Jahren vorbereitete und von
den Fachgenoffen erwartete Jofephus-Ausgabe vonNiefe
tritt hiermit zunächft mit dem zweiten Bande an die
Oeffentlichkeit. Was fie zu bedeuten hat, läfst fich in
das kurze Wort zufammenfaffen, dafs hier für das Hauptwerk
des Jofephus, die Antiquitäten, gerade diejenigen
Handfchriften, welche die relativ befte Text-Ueberliefe-
rung enthalten, überhaupt zum erftenmale benützt find.
Der Text hat alfo jetzt erfl durch umfaffende Heranziehung
des handfehriftlichen Materiales eine fichere
Grundlage, foweit eine folche überhaupt erreichbar ift,
gefunden, und ift felbftverftändlich von dem Herausgeber
ganz neu conftituirt worden. Auf die Beigabe fachlicher
Erläuterungen hat der Herausgeber verzichtet, was bei
der Arbeitsfülle, welche allein die Herftellung des Textes
und des kritifchen Apparates verurfacht, nur zu billigen
ift. Dagegen wäre die Beigabe einer lateinifchen Ueber-
fetzung aus praktifchen Gründen recht wünfehenswerth
gewefen. Wie viele werden heutzutage fich rühmen
dürfen, das nicht ganz einfache Griechifch des Jofephus
fliefsend zu lefen? Unfere Vorfahren waren in folchen
Dingen praktifcher. Unter dem Text notirt Niefe zunächft
die biblifchen Parallelftellen und die etwa fonft
benützten Quellen, fodann die Handfchriften, welche für
den betreffenden Abfchnitt überhaupt benützt find, und
giebt endlich in fehr reichhaltiger Auswahl den Varianten-
Apparat. Eine Neuerung ift auch die Eintheilung des
Textes in ganz kleine Paragraphen, deren Ziffern am
Rande notirt find.

Da die Prolegomena, in welchen über die benützten
Handfchriften und deren Verhältnifs zu einander ausführlicher
berichtet werden foll, erft dem fpäter erfcheinen-
den erften Bande beigegeben werden, fo begnügen wir
uns für heute mit diefer vorläufigen Notiz, indem wir
uns vorbehalten, beim Erfcheinen des erften Bandes ausführlicher
auf das Werk zurückzukommen.

Giefsen. E. Schürer.

Edersheim, Alfred, M. A., D. D., Ph. D., The Life and
Times of Jesus the Messiah. 2 vols. 2. ed. London,
Longmans Green & Co., 1884. (XXXV, 698 u. XII,
826 S. gr. 8.)

Diefes umfangreiche ,Leben Jefu', das in England
rafch nach einander zwei Auflagen erlebt hat, verfolgt

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in feiner Art, nur. von anderem Standpunkte aus, einen
ähnlichen Zweck wie das grofse Werk von Keim. Es
will die Gefchichte Jefu in aller Ausführlichkeit erzählen
und zwar fo, dafs der zeitgefchichtliche Hintergrund, auf
welchem fich diefe einzigartige Gefchichte abfpielt und
mit welchem fie durch taufend Fäden verknüpft ift, mög-
lichft erfchöpfend und deutlich zur Anfchauung gebracht
wird. Das Hauptgewicht wird daher darauf gelegt, alle
jüdifchen Beziehungen und Vorausfetzungen für
die Gefchichte und die Lehre Jefu mit befonderer
Sorgfalt und Ausführlichkeit zu behandeln. Und
der Verf. ift für diefe Aufgabe (vermöge feiner jüdifchen
Herkunft) vortrefflich ausgerültet durch eine felbftändige
und umfaffende Kenntnifs der rabbinifchen Quellen und
Literatur. Auch fonft aber verfügt er über eine fehr umfaffende
Kenntnifs der einfehlägigen Literatur, namentlich
der deutfehen. Demgemäfs beruht denn nun der
Hauptwerth des Buches ohne Frage in den reichhaltigen
fachlichen Mittheilungen, welche der Verf. überall da
einftreut, wo jüdifche Beziehungen in das Leben Jefu
hereinfpielen. Diefe Mittheilungen find zuweilen fo eingehend
, dafs fie die Form kleiner Excurfe im Zufammen-
hang der Erzählung annehmen. Es feien hier in der
Kürze nur hervorgehoben die lehrreichen Ausführungen
über die meffianifche Hoffnung der Juden im Zeitalter
Chrifti (I, 160—179 ; II, 434 ff.), über das damalige Schul-
wefen (I, 230 f.), über den Ausdruck malkhuth schamajim
(I, 266—268), über Pharifäer, Sadducäer und Effener (I,
308—335, wo man freilich wieder die unmögliche Ableitung
der Sadducäer von zaddik mit in den Kauf nehmen
mufs I, 323 f.), ferner über das Synagogenwefen, befon-
ders über den Ritus des fynagogalen Gottesdienftes (I,
430—450), über das Händewafchen (II, 9 ff.), über Wefen,
Verbindlichkeit und Auflöfung der Gelübde (II, 17ff.),
über den Ritus der Paffamahlzeit (II, 496 f.) und Anderes.
Es wird eben keine Gelegenheit verfäumt, durch gründliche
Erörterung aller jüdifchen Beziehungen, wo fie nur
irgendwie zu Tage treten, die Erzählung zu beleben und
zugleich aufzuhellen. Demfelben Zweck dienen auch
eine Anzahl, zum Theil umfangreicher Excurfe, welche
als Appendices am Schluffe des Werkes beigefügt find
(II, 655—796). Sie behandeln folgende Gegenftände:
1. Pfeudepigraphifche Schriften, 2. Philo von Alexandria
und die rabbinifche Theologie, 3. Rabbinifche Anflehten
über die Zuläffigkeit von Bildern und bildlichen Darftellungen
auf Münzen etc., 4. Abrifs der jüdifchen Gefchichte
von Alexander d. Gr. bis Herodes, 5. Rabbinifche
Theologie und Literatur, 6. Genealogie der Makkabäer
und Herodianer, Lifte der Hohenpriefter, der römifchen
Procuratoren von Judäa und der römifchen Statthalter
von Syrien, 7. das Datum der Geburt Chrifti, 8. Rabbinifche
Traditionen über Elias als Vorläufer des Melfias,
9. Verzeichnifs der altteftamentlichen Stellen, welche in
der rabbinifchen Literatur mefiianifch gedeutet werden
(II, 710—741), IO. über die angebliche Tempelfynagoge,