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Ausgabe:

1886 Nr. 26

Spalte:

622-623

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Christ, E.

Titel/Untertitel:

Spanische Glaubenshelden. Reformationsbilder 1886

Rezensent:

Kawerau, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 26.

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abgefehen von dem Vortheil, den der durch Words- 1 flimmungen aus der ,Hydragiologia' ab —, dafs es fich
worth uns zugänglich gewordene vorhieronymianifche 1 hier nicht um eine Singularität der Abeffinier handelt, dafs
Matthäustext der Italaforfchung bringen wird, objectiv j Tie vielmehr auch diefes Ritual lediglich überliefert erhal-
die Kunde eines bisher unbekannten Moments der ] ten haben.

mittelalterlichen Bibelgefchichte gewonnen. Arnhard giebt den äthiopifchen Text und die

deutfche Ueberfetzung mit kurzen fprachlichen und fachlichen
Anmerkungen. Die Anrufungen und Gebete ent-
fprechen in Kraft und Fülle denen der orientalifchen
Kirchen überhaupt. Befonders Bemerkenswerthes tritt
nicht entgegen; auffallend ift nur, dafs abgefehen von
einer Lection die Taufe Chrifli im Jordan nicht erwähnt

Marburg. Ranke.

Kays er, Paft. C, Die Canones Jacob's von Edessa, überfetzt
und erläutert, zum Theil auch zuerft im Grundtext
veröffenlicht. Leipzig, Hinrichs, 1886. (III, 185 u.

31 S er 8) M 8 _ wird. Die einzige hierher gehörige, übrigens fehr dunkle

3 • 8 • •! • • Stelle lautet S. 27: ,der Priefter foll fprechen: Du bift

Nach der fprachlichen Seite vermag Reh diele Pu- eS) der mit Segnung geheiligt hat das Waffer des Jordan

blication nicht zu beurtheilen; aber die Gründlichkeit, mit und vom Himmel herab den h. Geift über fie (?) gefen-

welcher die antiquarifchen und hiftorifchen Prägen eror- det und zerfchrnettert die Häupter des Drachen in ihm

tert, und die Sorgfalt, mit welcher die Canones erklart r<r in dem YVaffer)'.

find, bürgen für die Gewiffenhaftigkeit des Autors in ' .

allen Stücken. Kayfer handelt zuerft von dem fyrifchen Marburg. A. Harnack.

Text der Canones refp. von den verfchiedenen Manu-
feripten (S. 1—Ii); er giebt fodann eine Ueberfetzung der
Canones Jakob's von Edeffa, die fyrifch zuerft von La-
garde, fodann von Lamy edirt worden find, und fügt
ihnen diejenigen Canones bei, welche bisher noch niemals
veröffentlicht waren (S. 11—33, 33—47; die letz"
teren find im Anhange auch fyrifch abgedruckt). Hierauf
folgt eine Ueberficht über das Leben Jakob's d. h.
über die dürftigen Daten, die wir befitzen (S. 50 off),

Christ, E., Spanische Glaubenshelden. Reformationsbilder.
Bafel, Spittler, 1886. (XI, 312 S. 8.) M. 2. —

Es fällt dem Recenfenten fchwer, dafs er an einer
Schrift, bei welcher ein fo warmes Intereffe für die Sache
des Evangeliums und fo innige Freude an den Regungen
evangelifcher Frömmigkeit im Lande ftarrer ka-
tholifcher Glaubenseinheit die Feder geführt hat, eine
und fodann ein fehr dankenswerther und viel Neues ent- I im Wefentlichen ungünftige Kritik üben mufs. So frifch
haltender Ueberblick über die fchriftftellerifche Thä- und anziehend das Buch gefchrieben ift, fo fehr der
tigkeit des hervorragenden Theologen und Gelehrten | warme Hauch einer innigen Theilnahme an den Leiden
(S. 64—74). Den Hauptinhalt des Buches bildet nach j evangelifcher Glaubensgenoflen jeden Lefer wohlthuend
einer Unterfuchung der Echtheit die Erläuterung der Cano- '• berühren mufs, fo leidet es doch an zwei Grundfehlern,
««(S.74—185) in fprachlicher, hiftorifcher, liturgifcher und an mangelhafter literar. Orientierung und an einer trüben
kirchenrechtlicher Hinficht. Der Verfaffer zeigt hier eine Mifchung hiftorifchen Berichts mit einem novelliftifchen
nicht gewöhnliche Kenntnifs auch der älteften Kirchen- j Aufputz eigener Phantafie. Der Verfaffer nennt uns zwar
gefchichte und giebt fehr lehrreiche Nachweifungen. I eine ftattliche Zahl der von ihm benutzten hiftorifchen
Es giebt wenige Sammlungen von Canones aus dem 1 Hülfsmittel und für manches diefer ,Bilder' mag es genü-
kirchlichen Alterthum, welche die cultifchen und natio- | gen; aber man braucht nur Cap. II über Johanna die
nalen Sitten, den Volksaberglauben und die Regelung Wahnfinnige' einzuteilen, um fich hier von der völligen
des täglichen Lebens durch die Religion in fo heller i Unzulänglichkeit feiner Quellen zu überzeugen. Denn
Weife beleuchten, wie diefe .Antworten'Jakob's. Auch feine Darftellung beruht hier lediglich auf irgend einer Po-
diejenigen Stücke, welche Kayfer zum erften Male ver- '■ pularifirung der bekannten Bergenroth'fchen Hypothefe:
öffentlicht hat, enthalten des Intereffanten nicht wenig. Johanna hatte evangelifche Neigungen, daher erklärte
Darum fei diefes Buch den P'reunden des kirchlichen man fie für wahnfinnig; man wendete fogar die Folter
Alterthums beftens empfohlen. ! gegen fie an, um fie zum römifchen Glauben zurückzu-

Marburg A. Harnack führen. Wir müffen annehmen, dafs der Verf. keine

_ '_'_ Ahnung von dem hat, was Gachard, Rösler, Mauren-

. . , , ,1 . tp ± r x j m Ii.* ■ 1. ■ brecher, Conftant. Höfler und H. Baumgarten über diefe

Arnhard, Carl v., Liturgie zum Tauf-Fest der Aethiopischen Sache fdtdem gefchrieben und wie fie diefe Hypothefe be-
Kirche. Leipziger Inaug.-Diff. München, [lh. Acker- j leuchtet und beurtheilt haben. Wer aber von dem allen
mann], 1886. (XVI, 47 S. gr. 4.) M. 3. 60. ; nichts weifs, der follte lieber nicht Gefchichtsbilder

Auf demfelben Codex, aus welchem Trumpp das Schreiben'). Es ift Gefchiclitsverdrehung wenn man
Taufbuch der Aethiopifchen Kirche herausgegeben hat, uns diefe kranke, unglückliche Frau unter den .Glaubens-
fufst diefe Publicat.on der Liturgie des Tauffeftes, »e Jen SPanie"s vorfuhrt und fie in die Reihe derer
d. h. der jährlichen Feier der Taufe Chrifti im Jordan, ftellt welche die Leuchte des reinen Evangeliums hoch
In der Einleitung widerlegt der Herausgeber den alten z" l^ten fuchten und die um d.efer Gefinnung willen
Irrthum, dafs die Acthiopier Wiedertäufer feien. Aller- ; 8*«*?, hab.enr, ^m uns d,e evangelifche Gefinnung
dings fcheint das Tauffeh in ihrer Kirche eine gröfsere Johan"a s Öa™bel zu denn gar die

Bedeutung zu haben als in irgend einer anderen orien- Lollarden, Beginnen und die Bruder des gemeinsamen
talifchen - man badet fich in dem geweihten Waffer, Gebens ,n den Niederlanden als Vermittler einer folchen
trinkt es und erwartet Sündenvergebung und andere ' herhalten; und wenn ihr nach der Geburt ihres erften Soh-
Wirkungen von demfelben -; allein die für die Taufe ne* 1500 che flandnfehen Geglichen ein prachtig a^
charakteriftifche Formel findet fich in dem Ritual nicht, f-'t" Neues l eftament uberreichen fo ernethen fie mit fei-
ja diefes ift mit dem Ritual anderer orientalifcher Kir- ne™ lakt Johanna s Neigungen'. In dtefem Buche waltet
chen in Bezug auf die Wafferweihe in wefentlichen n<!flld,«^n hrteAnfctauui^ond«,Vcn^ormatMteii',
Stücken völlig identifch. Daruber hat fich der Heraus- j m der Vernum fo viel V erwirrung f. Z angerichtet hatte,
geber aus dem feltenen Werk des M. A. Marfilius Co- ?er vo" Rrom k^°nl"rtepomimkaner Vincente Ferrer mit
lumna ,Hydragio/og,a' (Rom 1586; orientirt, in welchem [einen Bufspred.gten und Geifselbruderfchaften wird un-
auch fchon der Ritus der Wafferweihe der Abeffinier bedenklich zu einem Manne .echt evangelifcher Gefin-
und der mit ihm in grofsen Partien identifche . . . , , »..,,„, . .,

. c ii tu -l^ -ix i, i- 1 • t r u t 0 Unbenutzt blieben u. A. auch der Artikel Böhmers Uber A. u. J.

der Syrer mitgethcilt ift. Deutlich zeigt fich alfo — VM6'S in Herzog's ReH-Ettcykl. und die reichhaltige Sammlung von
der Verfaffer druckt in der Vorrede die fyrifchen Be- Briefen des Franz. Dryander in Zeitfchr. f. hift. Theol. 1870, 387 Hg