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Ausgabe:

1886

Spalte:

481-483

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harris, J. Rendel

Titel/Untertitel:

Fragments of Philo Judaeus, newly edited by J. R. H 1886

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Marburg und D. E. Schürer, Prof. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

16. October 1886. 11. Jahrgang.

N° 21.

Harris, Fragments of Philo Judaeus (Schürer).
Holden, Die fynoptifchen Evangelien nach

der Form ihres Inhalts (Schürer).
Diehl, Bibliothique d'art ancien. Ravenne

(Pohl).

Hord, Elias von Nifibis (Krüger).

Kayfer, Beiträge zur Gefchichte und Erklärung

der alten Kirchenhymnen. 2. Band (Achelis).
Zahn, Abrifs einer Gefchichte der evangelifchen

Kirche im ig. Jahrhundert (Bornemann).

Eppel, Das Rälfel diefer Welt (Achelis).

Fr icke, Gottesgrüfse. Predigten. 2. Band
(Achelis).

Harris, Prof. J. Rendel, M. A., Fragments of Philo Judaeus,

newly edited by J. R. H. With 2 facsimiles. Cambridge
, at the University Press, 1886. (XXIII, 110 S.
gr. 4.) Cloth.

Von den Herausgebern der Werke Philo's find bisher
zweierlei Fundgruben philonifcher Fragmente nur in
ganz ungenügender Weife verwerthet worden, die Flori-
legien und Catenen. Ihre Verwerthung war allerdings
nicht leicht, da manches diefer Art noch ungedruckt in
den Bibliotheken verborgen liegt. Von den Florilegien
(d. h. den nach fachlichen Gefichtspunkten geordneten
Excerpten aus Bibel, Kirchenvätern und Profanfchrift-
ftellern) find durch den Druck bekannt geworden die
Sacra parallela des Johannes Damafcenus, ferner
Maximus Confeffor und Antonius Meliffa. Für
die Sacra parallela, welche den Namen des Johannes
Damafcenus tragen, benützte Lequien in feiner Ausgabe
zwei fehr ftark von einander abweichende Redac-
tionen: eine in einem codex Vaticanus, eine andere in
einem codex Rupefucaldinus (zu Paris). Die erftere druckte
er vollftändig ab, von der letzteren gab er nur Proben.
Verwandte Sammlungen, theils unter dem Namen des
Johannes Damafcenus, theils ohne diefen oder unter
anderen Namen, finden fich aber handfehriftlich noch
mehrfach vor. Sie gehen alle, wie auch die des Maximus
Confeffor und Antonius Meliffa, auf eine gemein-
fame Grundlage zurück, die jedenfalls älter ift als Johannes
Damafcenus; und es frägt fich, ob auch nur eine
diefer mannigfachen Redactionen den Namen des berühmten
Damafceners mit Recht trägt. In allen diefen
Sammlungen finden fich auch zahlreiche Excerpte aus
Philo, welche bisher nur fehr ungenügend berückfichtigt
worden lind. Aehnliches gilt von den Catenen (den
exegetifchen Sammlungen zum Alten Teftamente). Auch
von ihnen ift manches noch nicht gedruckt; und das gedruckte
nur ungenügend verwerthet.

Die vortrefflich ausgeftattete und mit mufferhafter
Akribie gearbeitete Publication von Harris hat nun die-
fes gefammte Material zum erftenmale, wenn auch nicht
mit erfchöpfender Vollftändigkeit, fo doch in höchft
anerkennenswerthem Umfange gcfammelt und gefichtet.
Angeregt wurde Harris zu feiner Arbeit durch die Unter-
fuchung eines noch ungedruckten Parifer Florilegiums
(cod. Regius 923), das nach dem Charakter feiner Uncial-
fchrift dem neunten Jahrhundert angehört. Tifchendorf
hielt dasfelbe, wie Harris nachweift, irrthümlich für den
von Lequien benutzten codex Rupefucaldinus. Es ift aber
näher verwandt mit dem von Lequien benützten Vaticanus
. Aufser dem Regius 923 hat aber Harris auch den
bisher für verfchollen gehaltenen und auch von Zahn (bei
Bearbeitung feines Supplementum Clementinum) vergeblich
gefuchten codex Rupefucaldinus benützt. Es ift ihm
nämlich gelungen, denfelben in der Bibliothek des Sir

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Thomas Phillips, jetzt im Befitze des Herrn Fenwick
zu Cheltenham aufzufinden, wo er die Nummer 1450
trägt. Die Liberalität des jetzigen Befitzers macht freilich
feine Schätze faft unzugänglich, da er für die Benützung
einer jeden Handfchrift pro Tag eine Steuer von einem
Pfund Sterling (zwanzig Mark!) erhebt. Harris hat fie
vier Tage lang benützt, aber leider erft, nachdem feine
Arbeit fchon beinahe abgefchloffen war. Wie fehr dies
zu bedauern ift, fagt er felbft S. XXI: ,So wichtig und
vollftändig ift diefe Handfchrift, dafs, wenn fie mir früher
in den Weg gekommen wäre, ich fie gröfstentheils zur
Grundlage meiner Arbeit gemacht hätte, und aus ihr
den gröfsten Theil der von Mai, Pitra und Tifchendorf
gefammelten Philonea, wie auch der in der Meliffa des
Antonius angeführten Stellen gedruckt hätte'. Das Flori-
legium diefer Handfchrift ift für die Philo-Kritik namentlich
auch deshalb von Werth, weil in ihm die Excerpte
nicht einfach unter dem Namen Philo's, fondern unter
genauer Angabe des Buches, aus dem fie genommen
find, angeführt werden. Es hat uns damit vielfach die
in den jetzigen Philohandfchriften befeitigten urfprüng-
lichen Titel der Bücher erhalten, und damit wichtige
Fingerzeige für die richtige Disposition und Claffificirung
der Werke Philo's. Die nähere Unterfuchung des cod.
Rupefucaldinus durch Harris hat auch eine Vermuthung
beftätigt, die ich in meiner Gefchichte des jüdifchen Volkes
Bd. II S. 835 f. ausgefprochen habe: dafs nämlich
diefer Codex identifch ift mit dem von Mangey benutzten
und häufig citirten Johannes Monachus ineditus, obwohl
Mangey fie für zwei verfchiedene gehalten hat.
Mangey giebt nämlich im Anhang feiner Philo-Ausgabe II,
648—600 zunächft die Philo-Fragmente aus den Sacra
parallela des Johannes Damafcenus nach dem Druck in
Lequien's Ausgabe. Diefe flammen aber, wie oben bemerkt
, aus zwei ganz verfchiedenen Handfchriften, einem
Vaticanus und dem Rupefucaldinus. Nach diefen angeblich
aus Johannes Damafcenus flammenden Fragmenten
giebt dann Mangey (II, 660—670) noch Fragmente aus
einem ungedruckten Florilegium, deffen Verfaffer er
Johannes Monachus ineditus nennt. In Wahrheit find
aber diefe Fragmente aus Johannes Monachus ineditus nur
die von Lequien übergangenen Philo-Fragmente des
codex Rupefucaldinus, deffen Identität mit feinem Johannes
Monachus ineditus' Mangey nicht bemerkt hat.

In der .Einleitung' feinesWerkes (S. VII—XXVIIl)giebt
Harris nicht nur eine ganaue Befchreibung des cod. Regius
923 und des Rupefucaldinus, fondern auch werthvolle
allgemeine Unterfuchungen über die ganze Florilegien-
literatur, zu welcher jene beiden Handfchriften gehören;
über ihren Werth, ihr Alter und ihren Urfprung, namentlich
auch die Beziehungen des Johannes Damafcenus zu
ihnen. — Im Texte felbft giebt er nach einigen Vorbemerkungen
über verloren gegangene Werke Philo's
(S. 1—3) vor allem S. 4 f. ein genaues Verzeichnifs der

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