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Ausgabe:

1886

Spalte:

385-387

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bissell, E. C.

Titel/Untertitel:

The Pentateuch: its origin and structure 1886

Rezensent:

Moore, G. J.

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harn*ck und D. E. Schürer, Troff, zu Giefsen.

Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

Na 17. 21. Auguft 1886. 11. Jahrgang.

Bitteiii The Pentateuch (Moore). 1 Schepfs, Priscillian, ein neuaufgefundener la- 1 Zahn, Der überfeeifche Branntweinhandel

Paine, Solomon's Temple and Capital (Derf.). teinifcher Schriftfteller des 4. Jahrhunderts

Thompson, The Land and the Book (Derf.
Green, The Ilebrew Feasts (Derf.).
Harnack, Die Quellen der fog. aportol. Kirchen

Ordnung (A. Harnack).
Eichhorn, Athanasii de vita ascetica testi

monia collecta (Derf.).

(Loofs).

Ludwig, Die reformirte Gemeinde in F'rede-

ricia (Schott).
Heinrich, Max von Schenkendorf (Meier).
Denkfchrift des evangehfchen l'redigerfeminars

zu Friedberg (Kraufs).

(Rade).

Zündel, Jefus in Bildern aus feinem Leben
(Meierh

Der falfche Theophilus und Claudianus Mamertus
(Notiz von A. Harnack).

Bis seil, E. C., The Pentateuch: its origin and struc-

ture. An examination of some recent theories.
New-York, C. Scribner's Sons, 1885. (IV, 488 S.8.) 4 3.—

Da der Verfaffer zum voraus verfichert, dafs eine
nüchterne chriftliche Wiffenfchaft weder die Grundfätze
noch die Methode, gefchweige denn die Refultate der
altteftamentlichen Kritik annehmen kann, und ferner
noch hingefügt, dafs j'ede ernfthafte Discuflion mit
folchen, welche die (von ihm in fonderbaren Verdrehung
dargeftellten) kritifchen Grundfätze anerkennen, unmöglich
fei, könnte es allerdings feheinen, als ob für ein
Werk wie vorliegendes, welches Verf. gewifs den Er-
zeugnifsen einer „truly serious and reverent scho/arsfiip1'
zugerechnet wiffen will, kein Raum mehr bleibe.

Trotzdem will Verf. gegen die Kritiker unter den
von demfelben aufgeflellten Bedingungen in die Schranken
treten.

Zuerft entwirft er eine Gefchichte der Pcntatcuch-
Kritik. Da er aber auch hier den Kntwickelungsproccfs
verkennt, fo fehlt feiner auch fonft mangelhaften Dar-
ftellung das gefchichtlichc Moment durchaus. Wir haben
vor uns nur jene ,bunte Summe verfehlter Experimente',
welche bereits die Wahrfcheinlichkeit nahe legen foll,
dafs der kritifche Verfuch auch in feiner letzten Geftalt
verfehlt fei. Dafs dem auch wirklich fo ift, erläutert Verf.
— theils wiederholend, theils vorgreifend — am Schlulfe
diefes Ueberblicks, durch eine Reihe von Gründen. Der
dritte Abfchnitt enthält laut der Ueberfchrift eine Prüfung
der Analyfe der Gefetzgebung. In der That aber
handelt es fich nicht um die Analyfe, — die kleinen
Gefetzkörper in JE, das Deut, und die priefterlichen Gefetze
find auch Herrn Biffcll wirkliche Gröfsen, mit welchen
er unbefangen operirt — fondern Verf. verfucht, fich
an die Anordnung des Stoffes in Wellhaufen's Prolego-
mena anfchliefsend, den Nachweis zu führen, dafs die
Gefetze für die Reihenfolge JE, D, PC keinen Halt
bieten, fodann, dafs die Annahme überhaupt eines bedeutenden
zeitlichen Abftandes zwifchen den verfchie-
denen Schichten grundlos fei. In den drei darauffolgenden
Capiteln befpricht Verf. zuerft die im Deut, allein
zu findenden Gefetze, dann die dem Deut, mit einer anderen
Sammlung, refp. mit anderen Sammlungen, ge-
meinfamen Vorfchriften, (unter dem in der Ueberfchrift
angedeuteten Gefichtspunkt: im D. wiederholte refp. mo-
dificirte Gcfetze), fchliefslich die dem PC eigenen Be-
(timmungen. Am Schluffe jedes Abfchnittes fleht eine

Vorfchriften fachlich einzutheilen, ftatt fich ftreng an die
Ordnung des Deut, zu halten. Die Vollfländigkeit der
dargebotenen Analyfe hat Ref. nicht näher geprüft; bemerkt
aber beiläufig, dafs die die Zehnten betreffenden
Gefetze weder S. 205 noch 247 flehen, wie dann auch
im Regifter das Wort fehlt, obgleich der Gegenftand
S. 226 f. in einem andern Zufammenhang befprochen ift.

Der Inhalt der übrigen Capp. ilt folgender: VII.
Einheit und Echtheit des Deut. VIII. das Gefetz und
die Propheten. IX. das Gefetz und die gefch. Bücher. X.
das Gefetz und die Pfalmen. Man wird hier meid die
bekannten Argumente wiederholt und mit mehr oder
weniger Gefchick angewendet finden.

Die ganze Art der Beweisführung ift viel mehr die
der Apologie als der wiffenfehaftlichen Discuffion. Letzteres
hält Verf. ja, wie wir fchon gefehen haben, von
vorn herein für unmöglich. Gewifs mit Recht. Es gilt
auf beiden Seiten das contra nejrantem prineipia 11011
valet disputatio. Aber leider ift Verfaffer's ganze Haltung
den Gegnern gegenüber eine keineswegs zu billigende
. Man hört zum Ueberdrufs, dafs die kritifchen
Anflehten ungereimt, widerfinnig u. f. w. find. Den Kritikern
fehlt es, follte man meinen, nicht nur an Religion
fondern an gemeinem Menfchenverftandc. Die Hypothefe
z. B., dafs nicht alle Theile des urfprünglichen JE uns
erhalten find, und dafs auf folche vom Schlufsredakteur
weggelaffenen Stellen das Deut, habe Bezug nehmen
können, wird als ein , Asylum for iinbeciles' charak-
terifiert, worin ,some of the briglitcst of tlicsc inen have
taken reftige1' (S. 21).

Aber fchreibt man denn folche dicke Bücher nur,
um lauter Unfinn zu widerlegen? Noch viel fchlimmer
ift es, dafs Verf. nicht feiten die gegnerifchen Anflehten
fehr ungenau, oder gar bis zur Unkenntlichkeit ent-
Itellt wiedergiebt, wie wenn er z. B. den Kritikern die
Meinung unterfchiebt, es habe feit Samuel und den älteren
Propheten ein rafcher Rückgang des religiöfen
Lebens ftattgefunden — a rapid deterioration front a
State of high spirituality, to the baldest cereinonialisni.
— S. 80, was der Entwickelungshypothefe ebenfofehr
widerfpreche wie der Gefchichte. Da nach S. 71 die-
felben Schriftfteller aus dem Ifrael des Auszuges rohe
Barbaren machen, fo müffen fie die Richterperiode für
eine Zeit des rafcheften religiöfen Auffchwungcs halten,
kraft welches Ifrael fchon zu Samuelis Zeit auf dem
Höhepunkt feiner geiftlichen Entwickelung ftand. Dafs
das alles albern genug fei, wird niemand in Abrede

bequeme tabellarifche Ueberficht der in demfelben be- j Hellen; nur trägt dafür der Verf. allein die Verantwor

handelten Gefetze. Diefe Gruppirung des Materials ift
zu dem Zwecke einer Vergleichung der einzelnen Gefetzkörper
unter einander, fowie mit der Gefchichte
nicht ungeeignet, nur wäre es jedenfalls gerathen, die

tung. Auch erfährt man nicht ohne Hille Verwunderung,
dafs die landläufige Kritik es als ausgemacht betrachtet,
dafs das Deut, ein lofes Aggregat aus allerhand exi-
lifchen und vorexilifchenElementen zufammengeworfen.

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