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Ausgabe:

1886

Spalte:

10-12

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Müller, Aug.

Titel/Untertitel:

Der Islam im Morgen- und Abendland. 1. Bd 1886

Rezensent:

Gutschmid, Alfred

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Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 1. 10

Herr ?.abv iv. yfjfi stlylmox oowag xb öevxsgov xovg fir, j verwunderlichen Erörterungen über die Verklärungsfcene
nioxtvoavxag aixtuXtoev, fo hat er das Alles aus 2 Petr. und ihre 2 Petr. 1, 16—18 vorliegende Verwerthung (S.
2, 1, weil ihv ayoqäoavxa avxoig dE07tmrlv ,ganz offen- 477 f. 493 f.). Und wie er fich mit lebendigen gefchicht-
bar auf die Errettung aus Aegypten hinweiff und xayiviv liehen Situationen' der Wirklichkeit abzufinden verfteht,
,fich mit dem Sinn von tö dtürEnnv berührt' (S. 423). zeigt feine Erklärung: dafs im apoftolifchen Zeitalter ,die
Dies Alles ift ebenfo unglaublich, wie dafs die iptrön- efchatologifche Erwartung in höchfter Spannung und Er-
nQocprixcti, welche 2 Petr. 2, 1 lediglich den Gegenfatz regung' gewefen, fei ,von vornherein nicht wahrscheinlich'
zu den 1, 21 erwähnten richtigen Propheten bilden (S. (S. 513), in Wahrheit doch wohl nur unannehmbar für
119 f.), aus Deut. 13, 2—6 gewonnen fein follen (S. 126 f.). einen Gelehrten, welcher fich die Aufgabe geftellt hat, die
Selbft der Hinweis auf Michael's Kampf Jud. 9 — ,die i 2 Petr. vorliegende Polemik als ein Product urchrifflicher
Stelle, welche am deutlichffen die Priorität des Judas- [ Gedankengänge zu begreifen.

Briefes zu beweifen fchien' (S. 437; — wird als Mifsver- Wäre das Buch doch nur mit einiger Präcifion ge-

fländnifs von 2 Petr. 2, 11 erklärt, wo die uyyelm ur/u fchrieben! Aber der Verfaffer begnügt lieh nicht damit,
vcai dvrdiiet /iti'Coi'tg bvxeg die beiden Erzengel fein i uns thörichte Kritiker alle Empfindungen wiffen zu laffen,
follen, welchen Gott im Henochbuche (alfo keine ,Apo- | welche ihn über der Kenntnifsnahme von unferen Ver-

kryphenfeheu' S. 396) aufgetragen hat, den fündigen
Engeln ihr Strafurtheil zu überbringen; anftatt aber den
Befehl auszuführen, wie er gegeben war, übertragen fie
ihre Miffion an Henoch. ,Zu diefem Berichte pafst
2 Petr. 2, 11 bis auf jedes Wort' (S. 171). Aber doch
gewifs nicht das Wort xqIoiq ßkdacpXjiiog^ Unfer Verfaffer
überfetzt es freilich, weil es Gottes Strafurtheil bezeichnen
foll, mit ,befchimpfender Urtheilsfpruch' (S. 165 f.
435) 1 während doch fchon das vorangehende dok~ag

kehrtheiten jeweils befallen, fondern wiederholt fich auch,
ja citirt fich felbft förmlich fatzweife (S. 91 und 404).
Ich habe die Zeit nicht gefcheut, ihm zu folgen. Der
Ertrag der Leetüre aber befleht zumeift darin, dafs ich
S. 495. 497 und 500 meines Buches einige wenige Ausdrücke
und Citate genauer gefafst oder auch verbeffert
habe. Dafür und für manche Belehrungen auf exegeti-
fchem Gebiete bin ich dem Verf. zu Dank verpflichtet.
Im Uebrigen aber mufs ich hartnäckig bei allen jenen

ßlaocpTjLiovvxeg zeigt, dafs es fich auch hier, wie überall, j Irrthümern verharren, von welchen der Verfaffer hofft,

wo das Wort fleht, um freche Beleidigung und Läflerung ; fie würden forthin wenigflens bei denjenigen verfchwin-

handelt. Als folche aber wird der Verf. des zweiten j den, ,welche dem Gange der wiffenfehaftlichen For-

Petrusbriefes einen göttlichen Urtheilsfpruch ebenfo wenig fchungen gewiffenhaft folgen' (S. 394).

charakterifirt haben, als er die Engel, welche fich eines Qt-mfchni-rT i P u u «14-~.

...... , . 7 r ]■ u r u • u a 1. ai j- 4. ötraisDurg 1. tL. ri. Holtzmann.

göttlichen Auftrags auf die befchriebene Art entledigten,

als Mufter der Pietät und Befcheidenheit hingeflellt hätte.

Es thut mir aufrichtig leid, mich fo durchaus und
unbedingt ablehnend verhalten zu mühen gegenüber den
Kefultaten einer Arbeit, für die ich während der Leetüre
manche Sympathie empfunden habe. Der Verfaffer hält
offenbar bona fidc dafür, von allen apologetifchen Tendenzen
frei zu fein (S. 2 f. 503); er ift (unbegreiflicher
Weife) ganz überzeugt davon, dafs nur religiös-kirchliche
Intereffen von Anfang an der Anerkennung des zweiten
l'etrusbriefcs im Wege geftanden hätten (S. 535. 537) und
auch heute noch im Wege flehen (S. 536); es ift ihm
keineswegs zu thun um den Beifall der Sclaven der
Ueberlieferung (S. 537 f.); er möchte nur ganz methodifch
die Literatur des Urchriftenthums von dem Ausgangspunkt
einer erneuten Durchforfchung der unmittelbar
vorchrifllichen, der apokryphifchen und pfeudepigraphi-
fchen Schriftflellerei des Judenthums aus zu verflehen
fliehen (S. 3 f.); er entwickelt richtige Gefichtspunkte für
Entfcheidung der Frage nach der Priorität (S. 407. 434)
und hat es auch an exegetifcher Sorgfalt und Genauigkeit
durchaus nicht fehlen laffen. Die fernere Auslegung
der beiden Briefe wird darum an vorliegender Arbeit
nicht vorübergehen können, fchon weil mancherlei neue
Spuren und Geleife von hier aus laufen ■— freilich oft
genug folche, die ficherlich wieder verlaffen werden
müffen. Hätte der Verfaffer nichts als einen Commentar
gefchrieben, fo würde er ohne Zweifel beffer gefahren
fein. Aber als ,gcfchichtliche Unterfuchung' ift fein Werk
leider verunglückt. Durchweg bewegen fich feine Gedankengänge
in einer abftract gefchichtlofen Sphäre, wo
nach jeder Richtung eine vergnügliche Combination ge-
fponnen, aber auch keine Behauptung aufgeftellt werden
kann, zu welcher man, da nun einmal die freie Ideenaffo-
ciatio'n nach allen Seiten in's Unendliche reicht, eine fie
aufhebende, weil in der entgegengefetzten Richtung
laufende .Gedankenverbindung zu finden in Verlegenheit

Müller, Aug., Der Islam im Morgen- und Abendland. Mit

Abbildungen und Karten. i.Bd. 1—3 Lfg. [Allgemeine
Gefchichte in Einzeldarftcllungen, hrsg. vonW. Oncken.
2. Hauptabth. 4. TW.]. Berlin, Grote, 1885. (480 S.
gr. 8.) Subfcr.-Pr. a M. 3 -.; Einzelpr. ä M. 6. —

Das einzige Buch, auf das bisher der Hiftoriker an-
gewiefen war, der die Gefchichte des Islams überfichtlich
kennen lernen wollte, Weil's Gefchichte der Chalifen,
ift wenig mehr als eine Wiedergabe des nachläffigen
perfifchen Auszugs, den Beiami aus Tabari gemacht hat,
dann der viel belferen Chronik des Ibnelathir, ohne kri-
tifche Durcharbeitung des gefchichtlichen Rohmaterials.
Eine im höheren Sinne hiftorifche Darftellung diefes
wichtigen Theils der Weltgefchichte durch einen kundigen
Fachmann war ein dringendes Bedürfnifs, dem
das vorliegende Werk in erwünfehtefter Weife entgegenkommt
. Sein Verfaffer, ein erprobterOrientalift, macht fich
anheifchig, das den Vorgängern Entlehnte an der Hand
der Originalquellen nachzuprüfen, verzichtet aber auf
eine in allen Partien gleich felbftändige und tiefgehende
neue Durcharbeitung der Originalfchriftfteller: ,ich will'
— fagt er — ,ein Handbuch darbieten, welches den
augenblicklichen Stand der Forfchung möglichft zuver-
läffig zu einem hoffentlich lesbaren Ausdruck bringt'.
Diefe befcheidenen Verfprechungen find mehr als erfüllt
: der Verf. hat uns ein fehr refpectables Gefchichts-
werk geboten.

Er beginnt mit einer kurzen Ueberficht der arabifchen
Gefchichte vor Mohammed, in der gleich anfangs ein
Blick auf den 40jährigen fogenannten ,Krieg der Be-
fsüfs' zwifchen den Stämmen Bekr und Taglib geworfen
wird; nicht als ob diefe Kette einzelner in der Streitweife
der Helden vorTroja ausgefochtener Kämpfe irgend
welche Bedeutung für die Gefchichte hätte, fondern als
käme. Unfer Verfaffer glaubt es mit Kritikern zu thun I charakteriftifches Culturbild; mit feinem Takte find daher

zu haben, welche ,unter der feilgehaltenen Vorausfetzung
von der Unechtheit des 2. Petrusbriefes fich eben nicht
die Mühe geben, die Aeufserungen diefes Briefes in das
Licht einer lebendigen gefchichtlichen Situation zu fetzen'
(S. 518). Was er felbft unter .lebendiger gefchichtlicher
Situation' verfteht, erhellt zur Genüge aus feinen höchft

auch die von dem Kamele zertretenen Lercheneier als An-
lafs des Kriegs nicht befeitigt, wie dies von Cauffin de
Perceval aus Erwägungen eines hier nicht angebrachten
gefchichtlichen Pragmatismus gefchehen war. Sehr an-
fchaulich wird uns der Handelsftaat der Koreifchiten ge-
fchildert und der Schauplatz, auf dem Mohammed er-