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1886 Nr. 10

Spalte:

220-224

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Bibliotheca Samaritana II. Die Samaritanische Liturgie 1886

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 10.

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Fälle hervorgehoben werden können, in denen ihr ,fpa-
nifches Griechifch' nachweisbar einfach Rücküberfetzung
aus dem Lateinifchen des Hieronymus ift, z. B. 7, 10
ci/.TEt, 12, 30 ti 7rou/ow, unficherer fteht es mit Hefy-
chius, der in einer Gruppe von 7 Minuskeln, zu welcher
auch die Aldina gehört, gefunden wird, während A der-
felben nur nahe fteht; B wird als Auszug der Hexapla
erwiefen. Im allgemeinen ift dies gewifs richtig; aber die
ganze Unterfuchung lteht hiebei zu ausfchliefslich unter
dem Einflufs der einen Stelle des Hieronymus, welcher j
bei diefem felbft andere pp. 106 ad Suniam, insbef. 89 ad
August, praef. in 4 evv., auch Catal. s. v. Lucianus) entgegentreten
, und über diefen fecundären Fragen, ob und
wo wir den Text des Hefychius etc. haben, wird die
Hauptfrage gar nicht geftellt, ob es denn überhaupt
eine von Origenes und feiner Hexapla unabhängige
Handfchrift oder Recenfion giebt, mithin
für die LXX nicht ähnliches gilt, wie vom mafforetifchen
Texte. Von befonderem Intereffe ift eine Oxforder Hdf., j
die an vielen Stellen die Hand Aquila's verräth und die !
von C. gewünfchte befondere Unterfuchung dringend verdient
. Für die dritte Gruppe (Eufebius) hätte fich der
Stammbaum auf Grund der in O, S, Q erhaltenen Notizen
noch etwas beftimmter feftftellen laffen, und in dem
Abfchnitte ,Citate bei den Kirchenvätern' war Apollinaris
einer besonderen Befprechung fchon deshalb werth,
weil einerfeits Hieronymus von ihm fagt de omnium trans-
lationibus in unutn vestimentum pannos asserere conatus est,
andererfeits die Vorlage von Q (Marchalianus) für Ezechiel
die Handfchrift eines Apollinaris gewefen ift; ob
eben diefes?

Völlige Zuftimmung verdienen die Grundfätze, nach
welchen der Grieche nun als Zeuge zu verwerthen ift
(von blinder Bevorzugung desfelben ift C. frei, an nicht
wenig Stellen fpricht er der Maffora das Richtige zu);
ebenfo trefflich ift die Anwendung diefer Grundfätze
Nur an wenig Stellen wird man im Zweifel fein können,
ob C. das Richtige getroffen oder nicht. Ganz Sicher
bin ich nur 27, 13, wo ij oi f.iitaaa nicht 33n, Sondern 32( vi")
vorausfetzt; wahrscheinlich ift mir eine andere Löfung
z. B. 20, 37 aoittiao innergriechifche Verderbnifs aus uottiiu)
(fo fchon Bos) und nicht hebr. -ffiCH ftatt mOE, ebenfo
45, 15 7cc(tquov aus itotigtvquov, welch letzteres durch O
gefchützt ift. (Aehnliche Zweifel habe ich 21, 32. 23, 29.
26, 15; 38, 8 ift jedenfalls mit O auvinyfieviqv zu lefen; I
3, 23 ift mit allen Hdff. xvqiov, ebenfo 6, 6 vxa zu Streichen).
— An den Griechen Schliefst fich das Targum, für welches
C. feine Untersuchungen mit befonderer Vorliebe geführt
und wieder pünktlichst die hauptsächlichsten Ausgaben
verglichen hat. Da es keine Privatarbeit, fondern ein
Werk der Synagoge ift, und zwar ein ziemlich altes,
auch anfcheinend keine Beeinfluffung durch den Griechen
erlitten hat, Steigt feine textkritifche Bedeutung trotz der
eigentümlichen Art der Ueberfetzung, die insbefondere
alle Anthropomorphismen ferne hält. — Folgt die Pe- j
fchittho, deren Werth in gleichem Mafse finkt als ihre
Abhängigkeit vom Griechen, und andererfeits für den
codex Ambrosianus eine Ueberarbeitung nach dem hebr.
Texte nachgewiefen wird. Zu S. 137 die Bemerkung,
dafs der Text der Parifer Polyglotte auf der wahrfchein-
lieh von Abraham Ecchellenfis herrührenden Parifer Hdf. 6
{Aue. Fonds 1) ruht, Sehe Zotenberg Catalogiies; über das
Alter der von Ufher benutzten Hdff. giebt wohl der
Catalogus von P. Smith (Oxf. 1864) Auffchlufs; auch
Wright's Katalog des britifchen Mufeums nachzufchlagen
hätte fich gelohnt. (Das Buch Ezechiels erfcheint mehr- I
fach in 2 Theilen, was wegen der Notiz des Jofephus,
dafs Ezechiel 2 Bücher gefchrieben, auffällt.) Ueber die !
Vulgata konnte oder mufste der Verf. kurz fein, der!
Amiatinus weicht dem Toletanus, die Refultate von
Nowack werden bestätigt. Zur Itala fei nachgetragen,
dafs C. für diefelbe neue von Ranke 1882 auf der Stuttgarter
Bibliothek entdeckte Fragmente der Weingartener

Hdf. benutzen konnte. Ein kurzer Abfchnitt handelt
fchliefslich von der Einrichtung der Arbeit. Der hebr.
Text ift unvocalifirt (die deutfehe Ueberfetzung vertritt
die Vocale) aber nun — gewifs eine nachahmenswerthe
Neuerung — unbekümmert um die Willkürlichkeiten
mafforetifcher scriptio plena oder defectiva nach confe-
quenten Regeln gefchrieben. Daran mufs man fich allerdings
erft gewöhnen. Ueber den kritifchen Apparat ift
fchon gefprochen, wir haben nur das eine auszufetzen,
dafs er nicht überfichtlich genug ift. Die Abweichungen
vom mafforetifchen Text (um die ift es doch den meiften
zu thun) hätten wir für fich zwifchen Text und fonftigem
Apparat und für jeden neuen Vers im Apparat eine neue
Linie gewünfeht. Freilich war bei der Reichhaltigkeit
desfelben gröfste Sparfamkeit im Druck angezeigt; möglichste
Correctheit ift erftrebt und erreicht (falfche Zahlen
184, c. 204, -. 272, -; fonftige Verfehen 278, ,,. 372, , ,, wo
Hieron. auch als Zeuge für teictfierovs als die richtige
Lesart genannt fein füllte; 400, ,.. 416, ». 428, 28. 430, A
Und was ift nun das Refultat? Zu allererft dies, dafs
an einer fehr beträchtlichen Reihe von Stellen die Vorlage
des Griechen, die vor C. insbefondere fchon Hitzig
mit Glück hergestellt hatte, in ihr Recht eingefetzt wurde.
Aber an nicht wenig anderen war auch fchon diefe ebenfo
wie die aller anderen Texteszeugen verderbt; da hat C.
mit ungemeiner Sach- und Sprachkenntnifs Schäden geheilt
, die bisher faft von allen Auslegern überfehen worden
waren. Von folchen Conjecturen, die wohl jeder Exeget
annehmen wird, feien genannt 7, 14 ]3ri 'D'Orl ?1pn ?7pn,
16, 7 tr-y -y (fchon J. D. Michaelis), 27, 25'finiHJ,'38, 13
mSRS, 47, 8 DTUDJl. Aehnlich gelungen find 21, 15. 23, 5.
12 u. andere. Der Grenzen, welche fich hier finden, ift
der Verf. ftets eingedenk gewefen; er fpricht dies offen
aus, wie weit er von dem Glauben entfernt fei, bei folchen
Stellen, wo ein entschiedeneres Eingreifen ihm nüthig
Schien, das Urfprüngliche getroffen zu haben; z. B. 42, I—12.
Aber ein lesbarer Text ift doch einmal hergeftcllt und
das ift Erfolg genug. Auf Weiteres kann Ref. nicht mehr
eingehen; nur auf die neuen Beiträge zur Sacherklärung
des Buchs, namentlich zu c. 27 und 40—48 und auf den
Anhang der Prolegomena ,die Gottesnamen bei Ezechiel'
fei ausdrücklich noch aufmerkfam gemacht. Unfer Ge-
fammturtheil über das Buch fprechen wir am liebsten als
Wunfeh und Hoffnung aus, dafs es für das A. T. das
anbahne, was wir für das Neue, freilich auch erft feit
kurzem, befitzen, eine auf fyftematifcher Verarbeitung der
gefammten Ueberlieferung ruhende Textkritik.

Ulm a. D. E. Neffle.

Bibliotheca Samaritana II. Die Samaritanische Liturgie (eine
Auswahl der wichtigsten Texte), in der hebräifchen
Quadratfchrift aus den Handfchriften des Britifchen
Mufeums und anderen Bibliotheken herausgegeben
und mit Einleitung, Beilagen, Ueberfetzungen der
fchwierigften Texte und Scholien verfehen von Dr.
M. Heidenheim. 1. Hft. Leipzig, O. Schulze, 1885.
(XLVIII, 56 S. gr. 8.) M. 3.50.

Wenn Referent bei der Befprechung des erften Heftes
der Bibliotheca Samaritana (Theol. Ltztg 1885, Nr. 20)
vor allem zu rügen hatte, dafs man nicht erfahre, welcher
Vorlage der vom Herausgeber gebotene Text eigentlich
entnommen fei, fo kann diesmal ein gleicher Vorwurf
nicht erhoben werden. Bei 13 von den mitgetheilten 17
Stücken ift je ein Codex, wenn möglich mit Angabe der
Seitenzahlen, als Quelle genannt darunter fechsmal Cod.
Harlej. 5514), bei Nr. XI und XIII je zwei, bei Nr. I
fogar vier Codices, fämmtlich aus der Zahl der Addit.
Mss. des Britifchen Mufeums. Nur Nr. II trägt die Ueber-
fchrift MSS. Nablus und flammt nach der Vorrede aus
dem Notizbuch Petermann's. Vorausgefetzt nun, dafs die