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Ausgabe:

1886

Spalte:

209-211

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buchwald, Georg (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Luther‘s Ungedruckte Predigten aus den Jahren 1528 bis 1546. 1. Bd., 1. Hälfte u. 3. Bd., 1. Hälfte 1886

Rezensent:

Kolde, Theodor

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20Q

Theologifche Literaturzeitung. 1886. Nr. 9.

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angefchloffen; aus diefem hat er auch zu dem Briefe an
LinkS. 210 die falfche Angabe herübergenommen: ,Man
warnt ihn vor der Reife nach Augsburg', obgleich doch
E. den Brief auf den 10. Juli verlegt.

Noch ein Wunfeh für die folgenden Bände! Sehr
erfchwert wird die Benutzung diefes I. Bandes durch die
mangelhaften Columnentitel, indem fich diefe auf Angabe
der Jahreszahl befchränken. Es hätte hier wenigftens
, da E. bei Zurückverweifungen ftets nur die Nummer
der einzelnen Briefe anführt, noch die laufende Briefnummer
verzeichnet werden follen. Noch beffer aber
wäre die Hinzufügung des genauen Datums, Brieffchreibers
und Adreffaten. Alfo z. B.: S. 334: N. 125. i5iS Dec.21,
Luther an Spalatin. S. 335: N. 126. tSlS Dec. 22, Scheurl
an Luther.

Trotz der von mir gemachten Einzelausftellungen
füllt die Arbeit von Enders die Mängel der bisherigen
Ausgaben in einer Weife aus, dafs — von jener zu Anfang
erwähnten Unbequemlichkeit abgefehen — eine neue
Ausgabe zunächft kein Bedürfnifs ift, dafs dem-
gemäfs die Forfchung es ohne Bedauern ertragen kann,
wenn etwa der Abdruck des Briefwechfels in der neuen
Weimarer Ausgabe, als deren Abfchlufs er verheifsen
wird, noch ein Jahrzehnt oder länger fich hinausziehen
follte. Ja eine folche Verzögerung mufs, falls anders die
,Kritifche Gefammtausgabe' für die Briefe eine abfchlie-
fsende fein foll, als dringend wünfehenswerth bezeichnet
werden, da für eine abfchliefsende Leiftung noch ebenfo
umfangreiche wie zeitraubende und kofifpieligc Vorarbeiten
mannigfachftcr Art erforderlich find, wie fie weder
in ein paar Jahren, noch von Einem Manne, noch mit
privaten Mitteln geliefert werden können. Ein ohne folche
umfaffendfte Vorarbeiten unternommener Neudruck würde
wohl im Einzelnen zu manchen Verbefferungen führen
können, uns aber, meiner Ueberzeugung nach, immer
nicht wefentlich über Enders hinausführen. —

Von den bisherigen Kritiken find beachtenswerth diejenigen
von Kolde, D. L. Z. 1885 N. 17, und Kawerau,
St. u. Krit. 1886, S. 185—196.

Marburg, Februar 1886. Th. Brieger.

Luther's, D. Martin, Ungedruckte Predigten aus den Jahren
1528 bis 1546. Andreas Foach's handfehriftliche Sammlung
. Aus dem Originale zum erften Male hrsg. von
Lic. Dr. Geo. Buchwald. 1. Bd. Predigten aus den
Jahren 1528, 1529, 1530. 1. Hälfte. Leipzig, Grunow,
1884. (VII, LI, 176 S. gr. 8.) M. 5. —
— Dasfelbe. 3. Bd. Predigten aus den Jahren 1537 und
1538. I. Hälfte. Ebenda 1885. (272 S. gr. 8.) M. 6. —
Mit den vorliegenden beiden Halbbänden hat Herr
Dr. Buchwald mit der Einlöfung feines Verfprechens begonnen
, die reiche Sammlung von Predigten Luther's
auf der Zwickauer Rathsfchulbibliothek der Oeffentlich-
keit zu übergeben. Ihren Urfprung verdankt diefelbe
dem Nachfchreiberfleifse Georg Rörer's, von deffen Manu-
feript Andreas Poach und Job. Stolz wiederum Abfchnften
genommen. Hiernach wird die Handfchrift des Andreas
Poach kaum, wie dies auf dem Titelblatt gefchieht, als
.Original' zu bezeichnen fein. Zu der auffälligen Vorausgabe
der erften Hälfte des dritten Bandes wurde der
Herausgeber durch den Umftand veranlafst, dafs der betreffende
Codex der Poach'fchen Sammlung, der auf eine
wohl noch nicht aufgeklärte Weife in den Befitz der
Fürftlich Wallcrftein'fchen Bibliothek zu Mayhingen gekommen
ift, ihm gerade zur Verfügung ftand. Dem erften
Bande ift eine fehr inhaltreiche Einleitung vorangefchickt,
die fehr beachtenswerth ift. Auf eine Anzahl bisher
unbekannter Briefe von Stolz, Aurifaber etc., die für die
Entltehungsgefchichte der Jenenfer Lutherausgabc und
auch durch andere kleine Notizen (z. B. über den Corrector

Walther S. VI) von Werth find, folgt u. a. das chronologische
Verzeichnifs der Predigten Luther's vom Jahre
1522—28, deren Nachfchrift (durch Rörer) bisher nicht
wieder aufgefunden, das uns aber wenigftens eine fichere
Datirung der bisher fchon bekannten Predigten ermöglicht
, ferner Mittheilungen über die Stephan Roth'fchen
Nachfchriften aus diefer Zeit und über eine Handfchrift,
in der fich einige der zuerft von Löfcher edirten, fodann
neueftens in der Weimaraner Ausgabe wieder abgedruckten
älteften lat. Sermone Luther's finden. Die umfangreichen
und beachtenswerthen Varianten, die B. (Einl. XXVI ff.)
mittheilt, laffen es fehr bedauern, dafs diefer Codex Herrn
D. Knaake nicht bekannt geworden ift.

An Predigten liefert der erfte Halbband der Buch-
wald'fchen Edition folche vom 24. Dec. 1528 — 13. Juni
1529. Der Text ift eigenthümlich genug, meift lateinifch,
nur hier und da mit deutfehen Brocken untermifcht, die
der Nachfchreiber entweder deshalb nicht überfetzte, weil
ihm der Ausdruck in dem fonft ihm geläufigeren Latein
augenblicklich nicht gegenwärtig war, oder weil er gerade
auf diefe beftimmte Form des Luther'fchen Wortes Werth
legte. Das erleichtert nicht gerade die Leetüre, auch
nicht der Umftand, dafs der Nachfchreiber befonders, wo
es fich um Schriftftellen handelt, aber auch fonft vielfach
den Satz nicht zu Ende führt, fondern mit einem etc.
abbricht, das für uns oft überhaupt nicht mehr zu ergänzen
ift. Ich kann es nur billigen, dafs B. (bis auf
wenige Ausnahmen, die dann auch hätten fortbleiben
können) darauf verzichtet hat, ganze Sätze zu ergänzen
und es vorgezogen, den ihm vorliegenden Text möglichft
unverändert wiederzugeben, aber darin mufs ich Kawerau
(Gött. Gel. Anz. 1885, Nr. 15, S. 588) beipflichten, dafs B.
abgekürzte Worte immer hätte ergänzen follen, und dafs
die Ausgabe ohne Zweifel viel nutzbarer geworden wäre,
wenn er nicht auch auf alle und jede fachliche Erläuterungen
verzichtet hätte. Auch wäre es ein Kleines ge-
wefen, die angezogenen Schriftftellen und die erwähnten
Perfünlichkeiten zu markiren. Hat nun auch der Herausg.
den Wunfeh Kawerau's, die Schriftftellen wenigftens
nachzuweifen, in dem zweiten uns vorliegenden Halbband
erfüllt, fo tritt in diefem, zu dem die Einleitung auch
noch fehlt, der Mangel an Erläuterungen um fo mehr
hervor. Schon gleich die erfte Predigtüberfchrift: Dominica
II post epiphaniae post paroxismum Schmalcaldi hätte
doch einer kritifchen Note bedurft, denn in Schmalkalden
kann diefe Predigt unmöglich gehalten worden fein, da
Luther erft Anfang Febr. auf der Reife dorthin war, am
wenigften aber ,post paroxismum1, wenn damit, wie doch
wahrfcheinlich, Luther's Schmalkalder Krankheit gemeint
ift. Und was bedeuten die unvermittelten letzten Sätze
(S. 4 f.) mit ihrem Hinweis auf die Schmähbüchlein gegen
Priefter und Frauen wie ganz ähnlich das Jahr darauf
(S. 219)? An Lemnius wird man in beiden Fällen nicht
zu denken haben. Viel Neues in dogmatifcher Hinficht
wird niemand in diefen Predigten erwarten, aber auch
in zeitgefchichtlicher Beziehung findet fleh nicht fehr viel.
Aus dem erften Bande hebe ich hervor eine Erwähnung
des Bifchofs von Brandenburg S. 54, wo ficher Ziesar
ftatt Geser zu lefen ift, und die Notiz über den Wittenberger
Trauritus S. 27: Ideo füret maus für die Kirche:
benedicuntur et oratur pro Ulis, ut videant unde habeant, ut
sie diligant. Etwas mehr bietet der andere Band, vgl. die
Auslaifungen über das Concil S. 11. 35. 52, Cardinal
Albrecht 35. 50. 168. 184, die Klagen über die fittlichen
Zuftände S. 73 ff. 90 f., die Undankbarkeit gegen das
Evangelium S. 188. 191. 257, der Mangel an Geiftlichen
S. 79. 236 f., die Geneigtheit der Leute für die Wiedertäufer
S. 201, dazu die Erörterungen über die Kindertaufe
S. 124. 215. 223 f. 242 etc. — Referent kann fchliefs-
lich mit feinem Dank für diefe neue fchöne Luthergabe
nur den Wunfeh verbinden, dafs es dem eifrigen Heraus-
| geber vergönnt fein möge, recht bald fein Werk fortzu-
| führen; aber, wenn es wahr ift, was die politifchen Zei-