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Ausgabe:

1885

Spalte:

177-178

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mehlhorn, Paul

Titel/Untertitel:

Leitfaden zur Kirchengeschichte für höhere Lehranstalten. 2. verb. Aufl 1885

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-ecreben von I). Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 8.

18. April 1885.

10. Jahrgang.

Mehlhorn, Leitfaden zur Kirchengefchichte für
höhere LehranfUlten. 2. Aufl. (Harnack).

Renan, Marc Aurele et la fin du mond antique.
4. edition (Derf.).

Martin, Doktor Martin Luther's Leben, Thaten

und Meinungen (Kawerau).
Chemnitz, Examen Concilii Tridentini. deutfch

bearbeitet von Bendixen (Gafs).

Moffmeifter, Luther und Bismarck als Grundpfeiler
unferer Nalionalgröfse (Kawerau).

Köhler, Kirchenrecht der evang. Kirche des
Grofsherzogthums Heften (WafTerfchleben).

Kurzgefafste Mittheilungen. — Berichtigung.

MUhlhorn. Gymn.-Prof. Dr. Paul, Leitfaden zur Kirchen- 1 hat es aber gar nicht berührt. Eine Umarbeitung des
geschichte für höhere Lehranstalten. 2. verb. Aufl. ganzen 5 7 ift nothwendig.

Leipzig, Barth, 1885. (VII, 71 S. gr. 8.) cart. M. t.- j Zu * 8: Hier find nicht 9 gleichgeordnete Abfchnitte
r b I zu machen, fondern drei, 1) bis irajan, 2) bis Maxi-

Das Intereffc, welches Verf. an diefem durch manche ; minus Thrax refp. bis Decius, 3) bis Conftantin. Dafs
Vorzüge ausgezeichneten Leitfaden nimmt, möchte er der Bifchof Ignatius ein Opfer des Erlaffes des Trajan
dem Verf. durch einige Vorfchläge zu Veränderungen an Plinius gewefen fei, hat mehr als ein Bedenken gegen
bezeugen, welche vielleicht bei einer neuen Auflage Be- f,ch. Das Edict des Gallienus war kein Toleranzedict,
rückfichtigung finden können. fondern hob nur die Gefetze Valerian's auf. Unter den

Zu g I: In dem erften Satze: ,Das Reich Gottes, das damaligen Umftänden kam das freilich einem Toleranz-
Jefu Chrifto als Ziel vor Augen ftand, ift die von Gottes edicte faft gleich.

Geift erfüllte und geleitete menfehliche Gemeinfchaft', Zu $ 9: ,Die Grundüberzeugung des jungen Chriften-

fehlt der Hinweis darauf, dafs das Reich Gottes im Sinne thums war in dem Wort zufammengefafst: der Logos
Jefu zugleich ein überirdifches und zukünftiges ift. — warcj Fleifch.' Dafür mufs es heifsen: ,Die Predigt von
Statt der Sätze : ,Das früheltc kirchengefchichtlichc Werk jer Auferftehung und der Enthaltfamkeit war das Chri-
ilt die Apoftelgefchichtc. Die bekanntefte alte Bearbei- ftenthum in nucc; Chriftus wurde als der Sohn Gottes und
Hing der drei erften chriülichen Jahrhunderte ift die der Herr verehrt, welcher die Erkenntnifs des einen
Kirchengefchichte des Eufebius', wäre richtiger zu fagen: Gottes gebracht, das ewige Leben befchafft und den
,Die Ausbreitung des Evangeliums von Jerufalem bis Weg zu demfelben gezeigt hat.' p;bioniten, Gnoftiker
Rom und den Uebergang desfelben von den Juden auf und Montaniften gehören nicht in einen Paragraphen
die Heiden hat der Verf. der Apoftelgcfchichte ge- jc Krfteren find in einer Anmerkung unterzubringen
fchildcrt. Die erfte Kirchengefchichte ift in der Zeit die Unternehmungen der Gnoftiker find unter den Ge-
Conftantin's des Grofsen von Eufebius gefchrieben wor- flehtspunkt zu ftellen, dafs hier das Chriftenthum von

den.' Vor Mosheim mufste die KG. Gottfried Ar
ii" hl's erwähnt werden.

Zu $ 2: Auch Ranke hat jetzt empfohlen, einen

feinen gefchichtlichen Grundlagen völlig losgelöft und
als die abfolute neue Religion wiffenfehaftlich und cultifch
den Hellenen verftändlich gemacht werden follte — es

Markftcin in der Weltgefchichte zwifchen Juftinian und jft dabei auf die fpätere, analoge Ausgeftaltung der
Gregor 1. zu fetzen. Für die KG. empfiehlt fleh diefer grofsen Kirche hinzuweifen. Die Montaniften gehören in
Markftein ebenfalls. Die Eintheilung, nach welcher der , ejnen befonderen Paragraphen, in welchem von der Um-
altcn Kirchengefchichte der Zeitraum bis 800 zugewiefen geftaltung der enthufiaftifchen Gemeinden zu einem Verwird
, läfst fich nicht rechtfertigen. bände zu handeln ift, in welchem Priefter und heilige
Zu $ 3: Die Kategorien des Verfalls des Heiden- Schriften an der Stelle der unmittelbaren Wirkfamkeit
thums und der Sehnfucht der Edleren im I. und 2. Jahr- des Geiftes rtehen.

hundert reichen nicht mehr aus. Mindeftens ift ein Hin- Zu.S 10: Hier ift (nach Overbeck) zwifchen chriftlicher

weis auf die religiöfe Phüofophic und auf den hortfehntt Urliteratur —zu welcher auch die Schriften der fog.apoftoli-

in der Humanität nothwendig fchen Väter gehören —, gnoftifcher Literatur und den An-

Zu % 5: Die Gütcrgemeinfchaft bei den Judenchnlten fangen einer kirchlich-wiffenfchaftlichen Literatur (in der

ift zu ftreichen. Der Satz: Johannes toll nach anderen Stufenfolge:Apologeten,antignoftifchePolemiker,Alexan-

von den Juden umgebracht worden fein', hat keine Be- driner)zu unterfcheiden. Origenes hat bereits alle Methoden

rechtigung; denn es ift bekanntlich fraglich, ob auch nur der griechifchen Wiffenfchaft dem Chriftenthum dienftbar

ein einziger Berichterftatter dies wirklich behauptet hat. gemacht. Andererfeits ftellt fich in feiner Theologie

Zu < 7- Der Verf. fagt: ,Aus dem anfänglichen eine eigenthümliche Vereinigung der apologetifchen, der

Gegenfatz der judenchriftlichen und heidenchriftlichen gnoftifch-valentinianifchen und der antignoftifchen Theo-

Rlchtung arbeitete fich allmählich feit dem Ende des logie dar. In diefem Sinne ift die Bedeutung des Ori-

1 Jahrhunderts der Gedanke der kathohfehen Kirche genes hervorzuheben. - - Der Satz : ,Credo quin absurdum1

hervor' Wenn hier Judcnchriftenthum dasfelbe ift, was findet fich bei lertulhan nicht. Zwifchen $ 10 und $ 11

der Verf < 5 befchrieben hat, fo ift der Satz unrichtig, ift eine Skizze der Lehrentwicklung zu geben unter be-

Die katholifche Kirche hat in ihrer Genefis mit diefem fonderer ßerückfichtigung des fchliefslichen Sieges der

Judcnchriftenthum nichts zu thun. Wohl aber hat es Logoschnftologie in der Kirche und der Zurückdrängung

von den älteften Zeiten her auch unter den für das Evan- der apokalyptifch-eschatologifchen Elemente.
Helium gewonnenen Juden ein Chriftenthum gegeben, Zu g 11: Die Erwähnung von Apofteln, Propheten

welches (ich durch Umdeutung des Buchftabens des Ge- und Lehrern darf nicht mehr fehlen. Das Recht der Ge-

("etzes von dem Gefctze befreit hat. Auf diefes Chriften- meinde, bei der Wahl der Beamten mitzuwirken, ift auch

thum, welches weder paulinifch noch judenchriftheh ge- im 3. Jahrh. in thesi nicht beftritten worden,
nannt werden kann, ift hier zurückzugehen. Der Verf. Giersen. Adolf Hai na ck.

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