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Ausgabe:

1885 Nr. 4

Spalte:

92

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, W. Robertsen

Titel/Untertitel:

The Prophets of Israel and their place in history to the close of the eighth century B. C. Eight Lectures 1885

Rezensent:

Stade, Bernhard

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Seite 1

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91 Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 4. 92

fo gut wie einRimmige gewefen iR. Man weifs wahr- Smith, W. Robertson, The Prophets of Israel and thei-
haftig nicht mehr, was man fagen foll, wenn man S. i plaCe in history to the close of the eighth Century

?uU} dw y°^ericfht%!ieft: .'So11 dieu,uChuljygend Und B. C. Eight Lectures. Edinburgh, A. & C. Black,

foll das Volk lag tur lag eine unzahlbare Menge von „ c ö. ,

Formen lefen, welche die Schriftfprache der Gegenwart lW2' txvl» 444 =>■ »0 7 s- 0 a-

längft aufgegeben hat' und dann in der Probebibel Wenn gute und nützliche Bücher durch eine verfindet
: ,gegen dem Morgen; auf dafs mirs defto bafs fpätete Anzeige an Intereffe verlören, fo würde ich mich

gehe; über die Mafse; da Ifaak alt war worden; indem
er ihn gefegnete; ich hatte nicht mehr weder diefen
Stab; je eine Herde fonderlich; meine Freunde flehen
gegen mir (!); die da feiren (fo auch ,Mauren' ftatt

bei den Lefern der Lit.-Ztg. für diefe Verfpätung zu
entfchuldigen haben. Und diefes Buch verdient es in
hohem Mafse, dafs auf dasfclbe die Aufmerkfamkeil
weiterer Kreife gelenkt werde. Der Verf. fetzt in den

,Mauern'); dafs er eine wunderliche Güte mir beweifet; j acht Vorlefungen, welche es enthält, feinen in ,77^ Old
und bete zu Gott meines Lebens; erwecke dich! fchlä- Testament in the Jewish Church1 begonnenen Verfuch
feft, verbirgeft etc.; und will dirs unter Augen Hellen; i fort, die Laien der proteftantifchen Kirchen englifcher
wollen denn die Uebelthäter ihnen nicht fagen laffen; Zunge von dem guten Rechte der Bibelforfchung zu
dafs ich flöge und etwo bliebe; mein Wafchtöpfen; j überzeugen. Sie find in Edinburgh und Glasgow im
mein Hals ift heifch; der (ftatt ,deren') ift mehr; des j Winter 1881/82 gehalten worden und auf das VerRänd-
Königes Sohne; alle dein Thun; deines Gefalbeten; ehe ! nifs auch folcher berechnet, welche des Hebräifchen
denn er nahe bei fie kam' u. f. w.; dazu Kakophonien, unkundig find. Indeffen bieten die beigegebenen Noten
wie ,ein gerad Scepter; ein rein Herz; Kindskind' und ! auch dem a. t. Fachmanne mannigfache Anregung und
zahllofes andere, was man mit Fug und Recht längft aus j Belehrung und nicht nur die Rechtfertigung der in den
den gewöhnlichen Drucken entfernt hatte. Dergleichen Vorlefungen vertretenen Anflehten. Die beiden erften
Dinge find aber nicht blofs zwecklos — denn es wird Vorlefungen entwickeln unter den Titeln: ,Isracl and
doch niemand eine Gefährdung der evangelifchen Kirche 1 fehovalh und ,Jehovah and the Gods of the Nations1 die
oder der Erbauung des Bibellefers befürchten, wenn er j vorprophetifche Religion und ihre Gefchichte in nuce.
PC 31, 22 fortan etwa lefen follte ,dafs er eine wunder- j Die anderen fechs behandeln die prophetifche Bewegung
bare (oder auch ,wunderfame') Güte mir bewiefen hat' bis auf dasDeuteronomium undjeremia in den Abfchnitten:
— fondern fie find wenigftens zum Theil geradezu Arnos and the House of Jehu, Hosea and the Fall of
ärgerlich. Denn Referent ift ficher nicht der einzige, Ephraim, the Kingdom of Jndah and the Beginnings of
dem die gewaltfame Repriftinirung von Formen, wie Isaiah's Work, the Earlier■ Prophecies of Isaiah, Isaiah and
,feiren, Mauren' den Eindruck des Läppifchen macht; Micah in the Keigu of Hezekiah, the Deliverance from
und ebenfowenig bezweifelt er, dafs grobe Sprach- j Assyria. Die überall zu Tage tretende Verbindung war-
fchnitzer — denn das find Formen, wie z. B. ,bei mich' , men religiöfen Intereffes und unbefangener hiftorifcher
und ,gegen mir' heutzutage ohne jede Widerrede — j Würdigung berührt aufs wohlthuendfte.
von Taufenden als anftöfsig und ärgerlich empfunden I Bei dem grofsen Intereffe, welches der Protefiantis-
werden. Dafs ein Germanift von Fach die Sache anders ! mus daran hat, dafs die reformatorifchen Grundfätze,
anfleht, glauben wir gern; aber auch er wird darin mit i dafs es in Sachen des Glaubens nur eine innere Nöthi-
uns einig fein, dafs eine revidirtc Bibelüberfetzung nicht I gung, nicht aber eine äufsere Autorität giebt, welcher

dazu führen darf, dem Bibellefer ein Aergernifs zu geben.
Nur beiläufig bemerken wir noch, dafs wir in dem

man fich zu unterwerfen hätte, dafs vielmehr die religiöfen
Gedanken fich durch ihren Inhalt felbft zu be-

Regifter zur Erläuterung alterthümlicher und wenig be- zeugen haben und fich daher in der heiligen Schrift
kannter Wörter nicht weniger als 65 faft ganz unver- 1 alles nach dem Centrum, Chriftus, bemifst, zur allge-
ftändliche zählen. Luther hat fie feiner Zeit gefetzt, weil | meinen Anerkennung gelangen, wird man auch bei uns
man fie verftand; der Probebibel aber mufs auch hier in Deutfchland das tapfere Eintreten des Verfaffers für
die Confervirung der Antiquitäten wichtiger gewefen fein das mit diefen Grundfätzen gegebene Recht der Bibelais
die Verfländlichkeit. 1 forfchung mit Sympathie verfolgen und ihm allen Erfolg
Sollen wir das Refultat unterer Befprechung in Kürze wünfehen. Dies um fo mehr, als es ja nicht an Ver-
zufammenfaffen, fo fagen wir: 1) die Probebibel ift eine Richen bei uns fehlt, das Recht derfelben zu verdunkeln,
dankenswerthe Abfchlagszahlung auf ein weitergehendes in katholifirender Weife äufsere Autoritäten aufzurichten
Revifionswerk, wie es nach wie vor der evangel. Kirche t und die in der evangelifchen Kirche allein berechtigte
als eine Ehrenfchuld obliegt; 2) an die Stelle des bis- j Stellung zur heiligen Schrift und zum Bekenntnifs zu
herigen Schwankens zwifchen einer kritifchen Wieder- einer folchen zu Rempeln, welche man allenfalls bei
herRellung des Luthertextes und einer wirklichen Revifion einzelnen Theologen als Anwandlung von Schwäche erder
Ueberfetzung Luther's mufs ein Verfahren treten, ! tragen kann. Und gewiffe poliufchc Organe, welche in-
welches mit dem von der Commiffion felbR aufgeRellten folge theologifirender Mifsleitung die Denkenden von

Kanon ,richtig und verRändlich' viel gröfseren ErnR
macht; 3) die hinfichtlich der Sprachformen in der Probe
bibel eingehaltene Praxis iR mindeRens fo weit zu ver

der Partei, der fie dienen wollen, ebenfo abRofsen wie
die Feinfühligen durch den Mangel an Gerechtigkeit
und Wahrheitsfinn, der aus den klerikalen Unfitten entladen
, als es fich um Ausfcheidung der — befonders j fpringt, verrathen uns ja deutlich genug, dals man fich

auch für den Schulgebrauch peinlichen — Sprachfehler . vielfach in dem Wahne wiegt, folche Anwandlungen
handelt. dereinR durch die Wucht der mit demagogifchen Mitteln

Dafs Referent bei feinen Ausführungen nur die Sache, j aufzureizenden und mit theologifchen Kenntnifsen nicht
nicht die Perfonen im Auge gehabt hat, verRcht fich befchwerten Maffen austreiben zu können. Es wäre
fchon darum von felbR, weil ihm die Stellungnahme vielleicht auch bei uns nicht überflulfig, in der Weife
der einzelnen Commiffionsmitglieder zu den Aenderungs- des Verf.'s für das Richtige einzutreten,
vorfchlägen unbekannt ifl; überdies hat er fich die ihm Giefsen Bernhard Stade,

perfönlich bekannten Mitglieder unwillkürlich immer auf
der Seite gedacht, welche — mochte fie auch nahezu
zwei Drittel der Commiffion betragen — bei Aenderungs-
vorfchlägen überRimmt worden iR.

Tübingen. E. Kautzfeh.