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Ausgabe:

1885

Spalte:

69-72

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Bernh.

Titel/Untertitel:

Friedensklänge vom Teutoburger Walde. Ein Wort zur Versöhnung von Religion und Wissenschaft und ein Werk zur Herbeiführung religiöser Eintracht des deutschen Volkes 1885

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 3.

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lefungen' mit einem recht alten Collegienhefte zu thun j Nr. 1 wendet fich gegen die weitverbreitete, friedenhätten
. Zuweilen wird eine moderne Arbeit genannt, ftörende Untugend des Uebelnehmens. Verfchiedene
aber dann kann es dem Verf. paffiren, dafs er fie fo Speeles der Uebelnehmer werden in humorvoller Weife
charakterifirt, als wiffe er nur vom Hörenfagen von ihr. j nach dem Leben gefchildert und der Lefer, indem er
Vergl. z.B. die Bemerkung über die von Scheele'fche : lacht, weifs zugleich, dafs er über (ich felbft lacht.
Symbolik. Köllner's Bücher find die wichtigften Quellen, I Sodann wird dargelegt, dafs ein Chrift das Uebelnehmen
nach denen Ph. ^arbeitet hat. Wie das Vorwort aus- ! unter feiner Würde halten müffe, weil er wegen eigener

drücklich zugiebt, ift aus Köllner's lutherifcher Symbolik
fpeciell dasjenige entlehnt, was Literarifches über die
lutherifchen Symbole bemerkt ift. Man möchte da zuweilen
wünfehen, dafs Ph. doch fein Vorbild noch etwas
treuer copirt hätte, denn Köllner ift nicht daran Schuld,
wenn Ph. auf einer und derfelben Seite oben meint, am
bedeutendften erfchienen die Gründe, die den Vigilius
von Thapfus als Verfaffer des Athanafianum s
(von diefem, wie überhaupt den oekumenifchen Symbolen
, handelt Ph. nach K. beim Lutherthum!) vermuthen

Mifsgriffe kein Recht habe, anderen ihre Kränkungen
nachzutragen und weil feine Freude über die empfangene
Gnade fo grofs fei, dafs eine Vcrftimmung über Lappalien
nicht aufkommen könne. Bekannten, die zum Uebelnehmen
neigen, wird man mit dem Schriftchen ein angenehmes
und nützliches Gefchenk machen.

Nr. 2 (teilt dar, welchen Einflufs der Glaube an die
Unfterblichkeit auf die Sittlichkeit habe. Es fchildert
zunächft die (befonders von Straufs vertretene) Anficht,
dafs diefer Glaube die wahre Sittlichkeit hindere, weil

liefsen und hernach auf der Mitte der Seite, es fei un- i er diefe Welt verachten lehre und darum die Freudigkeit
zweifelhaft, dafs das Symbol aus Gallien ftamme. Die der fittlichen Arbeit raube, fodann weil er die Lohn-

fehr ausführliche und doch gänzlich unfelbftftändige Behandlung
der literarifchen Seite der Symbole ift überhaupt
kaum ein Vorzug des Buches zu nennen. Was
gar eine umttändliche Gefchichte des Concils von Trient,

fucht nähre und fo die Tugend auf eine unfittliche
Grundlage (teile. Verfaffer wendet fich zuerft gegen
letzteres Mifsverftändnifs. Das Evangelium (teile die
Gottesliebe als P'undament der Sittlichkeit auf; mit diefer

in der jede Sitzung, in welcher ein delirium ßrorogationis ift ein Gefühl der Befriedigung verbunden, welche aus
erlaffen worden, mit notirt wird, in einer Symbolik foll, pädagogifchen Gründen als Lohn bezeichnet werde,
ift mir unerfindlich, vollends dann, wenn man auch hier j Diefe Rückficht verbieten heifse die Perfönlichkeit ver-
wieder von eigener Forfchung nicht das Geringfte zu 1 nichten, die Liebe ertödten. Unfittlich wäre eine Lohnbieten
hat. Von der Theiner'fchen Ausgabe der acta fucht, die ihren Frieden aufser Gott fucht, diefe aber
gamma des Concils nimmt Ph. nicht einmal in den j wird im Evangelio ausdrücklich verworfen. Dagegen
kitcraturangaben Notiz. Von Secten behandelt Ph. wer Gott leugne, verliere die Sittlichkeit, weil er den
folgende: Arminianer, Socinianer, Mennoniten, Quäker, 1 empirifchen Menfchen zum Gefetzgeber mache und deffen
Swedenborgianer. Alfo nicht ein Wort über die Metho- ! Gefetz fei immer der Genufs. Weiter entwickelt der
diften, um von vielen andern, die auch noch fehr viel 1 Verf., dafs der Unfterblichkeitsglaube der gegenwärtigen
wichtiger wären als die paar Swedenborgianer, zu Welt einen höheren Werth verleihe: aus dem Jenfeits
fchweigen! Alfo Summa — was foll folch ein Buch? Ich falle ein heller Strahl in das Diesfeits und die Vorhalle
gebe zu, wie gefagt, dafs es die Annehmlichkeit eines ! eines Königsfaales fei herrlicher als die Wohnung eines
ziemlich beweglichen Tones hat und natürlich auch aller- Bettlers. Befonders wirke diefer Glaube eine fieges-
hand Richtiges lagt. Selbft einzelne ,neue' Bemerkungen gewiffe Freudigkeit im Kampf und im Leiden und das
will ich nicht leugnen. Aber rechtfertigt das die Heraus- fei die wahre Sittlichkeit. Das Schriftchen, deffen Ausgabe
diefer, im günftigften Falle antiquirt zu nennenden ftattung gut ift, ift mit Wärme und gewandt gefchrieben •
Vorlefungen? Ich würde den Studenten nicht empfehlen, daher man es getroft gebildeten Zweiflern zur Beherzigung'
danach Symbolik zu treiben. Nicht nur, weil ich wünfehte, geben kann.

dafs fie befferes Verftändnifs der Differenz der Kirchen Nr. 3. DieseigenthümlicheSchriftchen möchte trottend

davon trügen, als ihnen hier ermöglicht wird, fondern und erhebend wirken und manches der Religion ent-
auch, weil fie von vielen Dingen hier gar Nichts hören, fremdete Herz an diefe Quelle wahren Lebensclückes
die fie doch einfach wiffen müffen. zurückführen; infonderheit will es ein Beitrag fein zur

Giefsen. F. Kattenbufch. Verhöhnung der Wiffenfchaft mit der Religion und der

___.——-- 1 chnftlichen Confeffionen unter einander. Cap. 1 ftellt die

1 Horn, Superint. J., Vom Uebelnehmen. Vorlefung. Königs- geognoftifchen Verhältnifse des Lippe'fchen Fürftenthums
berg, [Gräfe & Unzer], 1884. (16 S. gr. 8.) M. —. 50. I dar ,und z-eht daraus Schlüffe auf die Urgefchichte des

2. Fischer, Paff. E., Der Glaube an die Unsterblichkeit nach w£?gJ*^%1$£^< T^m? ' i"" menfch;

, , . T . t~* ,l 1? a . T. ei,t e,ne Polemik gegen den Materialismus und

feinem Einflufs auf das fitthche Leben. Gotha, P. A. eine Ueberlicht der menfehlichen Culturentwicklung. Es

Perthes, 1884. (93 S. gr. 8.) M. 1. 80. ift eine Pfychologie, Anthropologie und Culturgefchichte

3. Meyer, Geh. Oberreg.-R. Bernh., Friedensklänge vom f"c<?- Cap. 3 fchildert das Weltgebäude, Cap. 4 das
Teutoburaer Walde. Ein Wort zur Verhöhnung von Recl] £ei!l,es- Das Wefen Gottes, der Sittlichkeit
leuiODurger vvdi ie. xL-v-s und der Unfterblichkeit wird dargeftellt; Verf. vermuthet,
Religion und Wiffenfchaft und ein Werk zur Herbei- dafs dfir mcnfchliche Gcift durcl einc Reihe von Läute'
führung religiöfer Eintracht des deutfehen Volkes, rungen im Geifterreich emporfteigen wird, bis er die
Detmold, Meyer, (1884). (253 S. 8.) M. 3. 60; geb. vollkommene Schönheit erblickt, wo Chriftus ift zur
M . _ j Rechten Gottes. Auch alle Böfen werden diefes Ziel

4 Sommer Hugo Gewissen und moderne Kultur. Berlin, errei^

4- aommer, nugu, uc«io ^ Schhefshch wendet fich Verf. an die romifche und evan-
G. keimer, 1884. (IV, 143 P- gr- °>) 3- gelifche Kirche, und hält ihnen vor, was fie abzuthun
Wie verfchieden auch die genannten Werke an haben, damit ein Hirt und eine Heerde werde und auch
Inhalt und Umfang find, fo ift ihnen doch das gemein- die Platz finden, welche das Wefen der Religion ohne
fam, dafs fie fich nicht an theologifche, fondern über- ihre Schalen haben wollen. Diefe Apoftrophe mündet
haupt an gebildete Lefer wenden, um fie über fittheh- in den Vorfchlag, dafs, wie in der Arminfäule auf der
religiöfe PYagen zu belehren. Schon das dient ihnen Grotenburg die politifche Einheit Deutfchlands ein Symbol
zur Empfehlung- denn bei dem Vorurtheil, das viele habe, fo auf dem Königsberge ein religiofes National-
Gebildete gegen den Befuch der Predigt einmal haben, hefligthum zur Ehre Gottes und des Erlöfers gebaut
ift es wünfehenswerth dafs ihnen die religiöfen Wahr- werde um dort jährlich ein religiofes Volksfeft für alle
heften auf andere Weife nahe gebracht werden. Lonleffionen zu feiern. Wenn der Verf. kein Freimaurer