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Ausgabe:

1885

Spalte:

57-62

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bickell, Gust.

Titel/Untertitel:

Der Prediger über den Wert des Daseins. Wiederherstellung des bisher zerstückelten Textes, Uebersetzung und Erklärung 1885

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3. 7. Februar 1885. 10. Jahrgang.

Bickell, Der Prediger über den Wert des ., , „ „. , .. ■- .».'.-.> ..

t-. r - jj 1 ifener, Der Glaube an die Unlterbbchkeit

Dafeins (Budde). (SachfsV)

Kattenbufch, Luthers Stellung zu den oecu- 1 v ;'

menifchen Symbolen (Möller). Me yer, Friedensklänge vom Teutoburger Walde

Kawerau, Der Briefwechfel des Julius Jonas. | (Derf.).

I Hälfte (Enders) ! Sommer, GewilTen und moderne Kultur
Phihppi, Symbolik (Kaltenbulcli). f, '

Horn, Vom Uebelnelimen (Sachfse) 1 * '''

Spitta, Luther und der evangelifche Gottes-

dienft (Schlofler).
Brüggemann, WUnfche und Vorfchläge zur

Revifion und Ergänzung der Agende (Derf.).
Vorfchläge für die Ordnung des Hauptgottes-

dienftes (Derf.).
Entgegnung von D. Graf v. Baudiffin und Replik

von D. Stade.

Bickell, Guft., Der Prediger über den Wert des Daseins.

Wiederherftellung des bisher zerftückelten Textes,
Ueberfetzung und Erklärung. Innsbruck, Wagner,
1884. (112 S. 8.) M. 1. 20.

Ein winziges Buch, aber reich an Inhalt und die
Frucht des emfigften Fleifses, des angefpannteften Nachdenkens
, des äufserflen Scharffinnes. So fcheint denn
auch nach der Auffchrift und nicht minder nach der
Haltung des ganzen Buches der Erfolg ein vollftändiger
zu fein. Das fcheinbar undurchdringliche Geheimnifs des
Buches Qohcleth ift nach des Verfaffers Verficherung
gelöft, gelöft durch eine ebenfo einfache als überrafchende
Beobachtung.

Abgefehen von zufälligen Textverderbnifsen, von
Einfchüben und Zufätzen eines zelotifchen Gegners, eines

ftrittenen Entdeckungen gehören und der vorliegende
durch die Einftimmigkeit von M. T. und LXX nicht eben
wahrfcheinlicher wird. Aber das in Folge des Unfalls
eingetretene Endergebnifs ift mehr wie zweifelhaft. Beftand
die Handfchrift aus Heftlagen von je 8 Blättern, fo follte
man doch von dem Sammler der gelöften Heftlagen
wenigftens erwarten, dafs er je 4 und 4 Doppelblätter,
wenn auch falfch, wieder zufammengelegt hätte. Die
jetzige Reihenfolge aber läfst die erfte Heftlage mit
ihren Blättern unverändert, bildet dann eine Heftlage
von 4, eine 3. von blofs 2, eine 4. von 7 Blättern
und überfüllt die 5. durch Einfügung von 3 neuen zu
11 Blättern. Wie ferner das einzige von feinem Gegenblatte
losgelöfte Blatt diefe feine andere Hälfte verfehlte,
um nicht gar weit davon falfch eingefügt zu werden, ift
auch nicht einzufehen.

begütigenden Vermittlers und eines unberufenen Täufers, 1 Diefe Gedankenlofigkeit des Neuordners wird um fo

der König Salomo zum Verfaffer machte, ift die troftlofe
Verwirrung in dem vorliegenden Texte herbeigeführt
worden durch falfche Wiederherftellung der .Ünfalls-
handfehrift', welche demfelben zu Grunde, liegt. In diefer
Handfchrift ging anderer Stoff dem Buche des Predigers
vorauf, vielleicht auch folgte noch anderer nach. Sie
beftand aus Heftlagen zu je 8 Blättern, fodafs alfo je
das 1. und 8., das 2. und 7., das 3. und 6., das

auffälliger, da er fonft nach B. ein denkender Mann ge-
wefen fein mufs. Denn ,um der jetzt überall klaffenden
Zufammenhangslofigkeit fcheinbar abzuhelfen', wurden
nun eine ganze Reihe von ,abfichtlichen Umftellungen,
Zufätzen und Veränderungen' nothwendig, die ,wahr-
fcheinlich von dem Urheber der jetzigen Blätterfolge
herrühren'. Unbegreiflich, dafs jemand verwirrte Blätter
ordnen will und nicht lieber fo lange verfucht, bis er

4. und 5. im Falz zufammenhingen. Der .Prediger' die richtige Reihenfolge getroffen, als dafs er fle auf's
nahm 21, wahrfcheinliclier 22 Blätter ein, von denen die Gerathewohl falfch zufammenfehiebt und dann die pein-
3 erften den Schlufs, die 2 oder 3 letzten den Anfang lichfte Mühe und — Willkür anwendet, um die felbft-
einer Heftlage bildeten, während der Kern des Buches , gefchaffenc Verwirrung ungenügend zu befeitigen. Und
auf 2 felbftändigen Heftlagen, Blatt 4—19, ftand. Diefe ' vollends foll diefer Neuordner die Anfangsworte von
beiden Heftlagen löffen fleh durch einen Unfall, fodafs | Blatt 15 (10,2) QDM äb auch als Seitencuftode am Ende
die durch den Falz verbundenen Doppelbätter, 8 an der 1 von Blatt 14 vorgefunden und zu einem Flickverfe 8, 5b
Zahl, vereinzelt wurden. Durch falfches Zufammenlegen benutzt haben. Eine Handfchrift mit Seitencuftoden —
und Ineinandcrfchieben, einmal durch verkehrtes Um- ; denn es wird doch nicht blofs ein vereinzelter gefetzt
biegen des Falzes zweier zufammenlitgenderDoppelblätter fein — und doch fo kopflos zufammengefchoben! Man
entlland dann die neue Reihenfolge: Blatt I, 2, 3, 8, 9, , kann dem Verf. nur rathen, hier den denkenden Arbeiter,
6, 7, 15, 16, 4, 5, 13, 14, 17, 18, 10, 11, 20, 12, 19, 21 der den Zufammcnhang herzuftellen fuchtc, von dem
(22). Dann rifs fleh Blatt 17 von feinem Zwillingsblatt gedankenlofen ^«««-Buchbinder, der die Verwirrung an-
14 los und wurde falfch hinter Blatt 19 untergebracht, richtete, ftreng zu fcheiden und die bedenklichen
w ährend Bl. 14 feine Stelle behielt — das ift die Reihen- Seitencuftoden durch die zur Wahl geftellte Annahme
folge des nunmehr vorliegenden Textes. Da Bickell ' einer Dittographie (S. 6) zu befeitigen.
genau angiebt, welcher Umfang auf jedem Doppel- oder Damit wäre der Löfungsverfuch zwar verbeffert;

Einzelblatt ftand, fo läfst lieh die Probe auf den Vor- , aber nach wie vor bedeckt jede von Bickell angenom-
gang mit leichter Mühe machen: hat man die Heftlagen mene Veränderung eine Blöfse feiner Wiederherftellung.
in der vorgefchriebenen Weife hergeftellt und den Um- | Wo jener Neuordner geändert haben foll, da genügt
fang des Textes auf jedem Blatte vermerkt, fo geräth Bickell's Umftellung nicht, und wo Bickell's Umftellung
das Kunftftück unfehlbar. — j nicht genügt, da mufs jener Neuordner geändert haben.

Indeffen ift mit diefer Probe die Sache doch keines- j Hier fteckt ein böfer Zirkelfchlufs, und der Verf. kann
wegs bewiefen. Zwar die Möglichkeit eines folchen : vom Lefer nicht feinen eignen felfenfeften Glauben an
Unfalls kann und foll nicht bezweifelt werden, obgleich die Richtigkeit des Löfungsverfuches verlangen, der über
ähnliche Verfuche auf allen Gebieten zu den meift be- alle diefe Anftöfse allein hinweghilft. Dasfelbe gilt von

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