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Ausgabe:

1885

Spalte:

641-642

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Hermens, Reden aus dem Militärpfarramte. Unter Mitwirkung vieler Amtsgenossen im Heere und in der Marine hrsg. 1. Hft 1885

Rezensent:

Bassermann, Heinrich

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64, Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 26. 642

falt auf die mufikalifche Ausftattung ihres liturgifchen
Entwurfs zu verwenden und den Chor als integrirenden
Beftandtheil zu behandeln. Es ift ficher nicht zufällig,
dafs der Auffchwung, den die Kirchengefangvereins

ich die vorliegende Sammlung nicht, aber auch keineswegs
für fchlecht. Ich würde fie nicht gerade befonders
empfehlen, aber fie unbeachtet zu laffen, wäre Unrecht.
Sie bezeugt im Allgemeinen, dafs unferen Soldaten das

bewegung in Deutfchland nimmt, und die immer leb- Wort Gottes bei cafuellen Anläffen in würdiger und enthafteren
liturgifchen Reformbeftrebungen gleichen Schritt fprechender Art gepredigt wird, wie es von einfichts-
halten. Sie gehören in der That auf's innigfte zufammen. vollen und pflichttreuen Militärfeelforgern zu erwarten ift.
Es ift die E,hre der Kirchengefangvereine, dafs fie mit ] Im Einzelnen machen fich natürlich verfchiedene Grade
ihrem Kunftgefang im Heiligthum dienen wollen, aber , der Popularität — an welcher mir faft durchweg nicht
auch nur unter Mitwirkung von Kirchenchören wird es, ; das Erforderliche geleiftet zu fein fcheint —, der Kraft,
das ift des Referenten Ueberzeugung, gelingen, eine j Frifche und Unmittelbarkeit bemerkbar; ich mufs und
dauernde Theilnahme unferer Gemeinden für die Liturgie ' kann darauf verzichten, hier dies im Einzelnen darzulegen,
zu erwecken. Sagen mufs ich aber, dafs den ftärkften und beften EinTrotz
aller Ausheilungen im einzelnen find die vor- ' druck auf mich die Fahneneinweihungsrede des kgl.preufs.
liegenden ,Materialien' in ihrer weifen Befchränkung auf Brigade-Predigers Ur. Schultze aus dem Jahre 1815, die
das praktifch Erreichbare und ihrer feinen Rückficht- ; einzige unter allen, die im Felde gehalten ift, gemacht
nähme auf das Verftändnifs der Gemeinden dazu fehr hat. Von Autoren feien genannt: Hildebrandt, Hoffengeeignet
, und Ref. kann nur wünfchen, dafs fie, zumal : felder, Wahle, Hoffbauer, Lohmann, von Müller. Ver-
in der heimathlichen Kirche der Verf., recht reichen und j treten find folgende Kategorien von cafuellen Reden:
gefegneten Gebrauch finden mögen. Feftpredigten (an fürftlichen. Geburtstagen, 8), Eidesver-

' Giefsen. Gg. Schloffer. Mahnungen1(8), eine Jubiläumspredigt (Straufs), Weihe-

0 | reden (2), Zeitpredigten (2). Hervorgehoben zu werden

~ " verdient die praktifch, gefund und kräftig gehaltene
Hermens, Divifionspfarrer Dr., Reden aus dem Militär- Schlufs-Abhandlung von Rogge über die Ausrüftung des
Pfarramfe. Unter Mitwirkung vieler Amtsgenoffen ] Feldgeiftlichen.

im Heere und in der Marine hrsg. I. Hft. Gotha, | Heidelberg. Baffermann.
Schloefsmann, 1884. (VIII, 152 S. gr. 8.) M. 3.

Heinzelmann, Gymn.-Oberlehr. Dr. Wilh., Wie ist der
Die Sammlung, deren erftes Heft hier vorliegt, foll Religionsunterricht in den oberen Klassen höherer Lehr-

iihnhch der in demfclbcn Verlage erfcheinenden .Paltoral- ... ... . . , ,. ,

b.bliothek' Feft- und Cafualreden - nur in Ausnahme- anstalten zu erteilen, damit derfelbe feine erziehliche

Aufgabe nicht verfehle? Vortrag, geh. am 4. Oktbr.
1884 in der pädagog. Sektion der 37. Verfammlung

fällen auch gewöhnliche Sonntagspredigten — bringen,
welche alle der feelforgerlichen Wirkungsfphäre des Militär
- und Marine-Geifllichen angehören. Wie die ,Pafto-
ftoralbibliothek' fo wird fich wohl auch diefe Sammlung
vorgefetzt haben, ,Nachahmung ohne geiftliche Selbft-
thätigkeit unmöglich zu machen', dagegen ,Befruchtung
und Anregung' zu bieten für Diejenigen, die folche
fuchen. Diefer Zweck foll bei der Paft.-Bibl. durch
Brenge Beibehaltung der individuellen Färbung erreicht
werden, welche den betreffenden Reden von dem fie
veranlaffenden cafuellen Ereignifs her anhaftet. Auch
hier ift diefelbe Regel beobachtet. Trotzdem kann ich
mich bei allen derartigen Sammlungen der Beforgnifs
nicht erwehren, fie möchten mehr der Nachahmung als
der geiftigen Selbftthätigkeit zu gute kommen. Denn
mir fcheint, wer die letztere zu üben weifs, wird im ein

deutfeher Philologen und Schulmänner zu Deffau.
[Aus: .Verhandlungen' etc.] Leipzig (Teubner), 1885.
(22 S. gr. 4.) M. —. 60.

Obigen Vortrag hat der Verf. in der pädagogifchen
Section der Philologenverfammlung gehalten. Es ift ge-
wifs dankenswerth, dafs er für einen fo wichtigen Unter-
richtsgegenftand eine gröfsere Anzahl von Schulmännern
intereffirt hat, zumal, wie er mit Recht hervorhebt, derfelbe
noch fo wenig von der wiffenfehaftlichen Pädagogik
angebaut und über ihn fo feiten eine allgemeine
Verftändigung erfolgt ift. Er behandelt die Sache offenbar
aus einer reichen Erfahrung nach den verfchiedenften
Seiten und fafst feine Hauptgedanken in 8 Thefen zu-

zelnen Falle nicht erft bei einem Buche fich Raths er- I fammen. Thefe 2 lautet: ,Der chriftliche Religionsunter
holen. Defswegen kann ich beim Erfcheinen folcher i ,richt ift als das wichtigfte Erziehungsmittel auch in den

Sammlungen keine ungetheilte Freude empfinden. Mich
dünkt, eine Sammlung von Reden eines und desfelben
MilitärgeifUichen, wie er fie bei den fo verfchiedenen
Anforderungen feines Amtes zu halten hat, würde fruchtbarer
und anregender fein.

Was nun die Befchaffenheit der vorliegenden Sammlung
fclbft betrifft, fo ift diefelbe im Allgemeinen an
den Erfordernifsen zu prüfen, welche das Amt des MilitärgeifUichen
insbefondere an feine Vertreter Hellt. Und
diefe find denn in der That keineswegs leichte. Nach
meiner Erfahrung wenigftens ift keine Gemeinde weniger

Frieden. Es gehört ungewöhnlich viel dazu, die in ihr
herrfchenden feindlichen Mächte: den Schlaf, den Hüften
und den Leichtfinn, durch das Wort zu überwinden.
Kürze, ausnehmende Popularität (die natürlich nicht in's
Gefuchte ausarten darf) und fchlagende Kraft find dazu
die Haupterfordernifse. Allerdings bei befonderen Gelegenheiten
und namentlich im Kriege, im Allgemeinen
bei allen cafuellen Anläffen, find jene Schwierigkeiten
in weit geringcrem Mafse vorhanden; aber verfchwunden
find fie nicht. Pur diefe letztere Kategorie nun, alfo für
das Leichtere, werden uns hier Beifpicle geboten. Um
es im Allgemeinen kurz zu fagen: für mustergültig halte

.oberen Klaffen höherer Lehranftalten unentbehrlich. Er
,hat die Aufgabe, den Zögling durch eine gründliche
.Bekanntfchaft mit dem Inhalt und Zufammenhang der
.heiligen Schrift, fowie mit der Gefchichte und Lehre
,der chriftlichen Kirche zu einem feft begründeten Ur-
,teil über das Verhältnis feiner Konfeffion zu anderen
.Bekenntnifsen oder zu befonderen Zeitrichtungen zu
.befähigen und ihm fo die Möglichkeit einer felbftändig
pzu gewinnenden religiöfen Ueberzeugung zu gewähren'.
Thefe 4: ,Der evang. Religionsunterricht verfehlt feine
erziehliche Aufgabe, wenn er feinen pofitiv-biblifchen

empfänglieh für die Predigt als eine Militärgemeinde im j .Charakter verleugnet oder das Bildungsziel der Schule

,aufser Acht läfst'. Thefe 5: ,Um erziehlich wirken zu
.können, hat der Unterricht den Stoff aufs forgfältigfte
,zu fichten und jede Art von einfeitig-wiffenfehaftlicher
.Verftiegenheit zu vermeiden, welche zur Ueberladung
,des Gedächtnifses oder zu oberflächlicher Vielwifferei
.führt'. Er fpricht fich in gleicher Weife gegen diejenigen
aus, welche die Schüler mit kritifchen Fragen behelligen
und die gefchichtlichen Grundlagen der Offenbarung in
dürre Moral oderabftracte Metaphyfik auflöfen, wie gegen
die, welche das Chriftenthum wie ein Rechenexempel
vordemonftriren und dem Schüler ein Joch von dogma-
tifchen Begriffsverklitterungen überzuwerfen fuchen und