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Ausgabe:

1885

Spalte:

601-604

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Batiffol, Pierre

Titel/Untertitel:

Evangeliorum codex Graecus purpureus Beratinus Phi 1885

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Pfeis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. H inrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 25.

12. December 1885.

10. Jahrgang,

Batiffol, Evangeliorum codex Graecus pur-
pureus Beratinus <f> (v. Gebhardt).

Barth, Beiträge zur Erklärung desjefaia (Budde).

Schürer, Gefchichte des jüdifchen Volkes im

Zeitalter Jefu Chrifti. 2. Auflage. 2. Band.

(Schürer).

Kühl, Die Gemeindeordnung in den Paftoral-
briefen (Otto Ritfehl).

Eeftfchriften zur 40ojäh igen Jub.dfeier der Geburt
Luthers, 'hrsg. vom l'redigerfeminar in
Wittenberg (Enders).

Schleufner, Paul Gerhardt (Schloffer).

Beck, Briefe und Kernworte (Lemme)

Dorner, Syflem der chriftlichen Sittenlehre
(H. Schultz).

Funcke, Die Welt des Glaubens und die
Alltagswelt (Rade).

Funcke, Der geadelte Mord oder das Duell
(Rade).

Für die Frage, feit wann die Handfchrift fich in
Berat befindet, kommt ein Diptychon aus dem Anfang

Batiffol, Pierre, Evangeliorum codex Graecus purpureus
Beratinus </'. (Extrait des Melanges d'archeologie et

d'histoire publies par PEcole frangaise de Korne.) ^ ^- J^hunderts in Betracht, welches, gegenwärtig
_, , 1 . • , , „ • 1 TM.1- f • • I im Befttz des Metropoliten, ehemals, wie der Codex

Rome, Imprimene de la Patx de Philippe Cuggtani, 1

1885. (23 S., 1 Taf. gr. 8.)

Bereits im April 1881, gelegentlich einer Anzeige
der erften Veröffentlichung über den Codex Rossanensis,

felbft noch jetzt, Eigenthum der Kirche des heil. Georg
war. Darin wird berichtet, dafs im Jahre 1356, als die
Serben gegen Berat marfchirten, ein gewiffer Skuripekis
im Verein mit dem P. Theodulos die 26 werthvollen
hatte L. Duchesne die Exiftenz eines zweiten, ebenfalls Handfchriftcn, welche fich in den Kirchen des Theologen
die Evangelien des Matthaeus und des Marcus enthalten- und des h. Georg befanden, ins Gebirge gerettet habe,
den Purpurcodex fignalifirt, ohne jedoch über den Fund- Diefem Berichte ift ein Verzeichnifs jener 26 Handort
eine Andeutung zu machen {Bulletin critique 1881, fchriften angefchloffen, in welchem Herr B. wohl den
I. S. 451 Anm. 1). Die Kunde entflammte, wie wir jetzt ■ fchon erwähnten Purpurcodex aus dem 10. Jahrhundert'),
erfahren, dem Werke des Berater Metropoliten 'Ldvd-tfioc, nicht aber den Codex d> wiederzufinden vermocht hat.
/. l //.,' i"i ()it, Svvroftos iazoQi/.ij 7i£QiyQu<[il rwg («ß«g Wenn er hierin, was wir nicht bezweifeln wollen, richtig
LtffZQnnnleiog Ihliyqüdcov (d. i. Berat) ztZ., lv hno/ioq gefehen, fo wird man allerdings annehmen dürfen, dafs
1868. Ein Capitel diefes Buches ift fpeciell den bibli- die letztere Handfchrift erft nach 1356 nach Berat gefehen
und kirchlichen Pergamenthandfchriften in Berat langte. Indeffen hegt an der Entfchetdung diefer Frage
gewidmet, und unter den hier befchriebenen befindet ! nicht viel; und wenn wir nichtsdefloweniger unterem
(ich auch der von Herrn B. nun mit bezeichnete Pur- Bedauern darüber Ausdruck geben, dafs der Herr Verf.
purcodex. Hatte Duchesne anfangs die Abficht gehegt, | es lieh vertagt hat, jenen alten Handfchriftenkatalog in
felbft nach Albanien zu reifen, um den neu entdeckten
Schatz ans Licht zu ziehen, fo fah er fich in der Folge,
durch andere Aufgaben in Anfpruch genommen, veranlafst,
einen Stellvertreter für fich eintreten zu laffen. Die
Wahl fiel auf den Verfaffer der vorliegenden Brochure,
welcher, unter den Aufpicien des franzöfifchen Minifte-
riums des öffentlichen Unterrichts, im Frühling diefes
Jahres die Reife nach Albanien antrat und in den erften

feinem vollen Wortlaut niitzutheilen, fo leitet uns dabei
ein allgemeineres, bibliographifches und literarifches In-
tereffe. Für die Frage nach der Provenienz des Codex
(/>, welche uns vornehmlich intereffirt, ift es gleichgültig,
ob er fchon um die Mitte des 14. Jahrhunderts oder erft
fpäter in Berat nachgewiefen werden kann. Wir wenden
uns daher gern mit dem Verf. zu einer anderen Notiz,
welche die Handfchrift felbft darbietet, müffen aber auch
Tagen des April in Berat eintraf. Die Gefammtzahl der hier wiederum beklagen, dafs fie uns nicht im griechi-
griechifchen Handfchriften, welche er hier vorfand, be- fchen Wortlaut vorgelegt wird. Denn das oben erwähnte
trug etwa zwanzig; fie find alle biblifchen oder litur- Werk des Metropoliten Anthimos, auf welches der Verf.
gifchen Inhalts, wie aus dem im Bulletin critique vom verweilt, dürfte doch nur fehr wenigen von denen zu-
1. Juli d. J. auszugsweife veröffentlichten Berichte B.'s gänglich fein, welche daran ein Intereffe haben. Auch
an den Minifter zu erfehen. Die Zahl der bekannten 1 ift. was der Herr Verf. darüber bemerkt, nichts weniger
griechifchen Purpurhandfchriften wird dadurch um zwei ; als klar. ,Sur une des gardes du ms.', fo leitet er feinen
vermehrt. Denn aufser dem Codex '/> findet fich in : Bericht ein, ,se trouve une note dont l'ecriture remonte a
Berat eine etwa im 10. Jahrh. in Minuskeln mit Gold ] une centame d'annees environ, mais dont la redaction gram-
auf Purpurpergament gefchriebene Handfchrift der vier | maticale temoigne d'une epoque plus ancienne certainement.
Evangelien: ein Seitenftück zu dem bekannten St. Peters- II nest pas nixessaire de solliciter beaueoup ce texte pour
burger Purpurcodex. Erwähnung verdient aufserdem, reconnaitre qttil n'a pu etre redige a Berat' (S 8). Eine
um von einigen lwangelienhandfchriften aus dem 11. bis ; Erklärung diefer doch nicht fo ganz gewöhnlichen Er-
12. Jahrh. zu fchweigen, ein Exemplar der Apoftelge- fcheinung hat der Verf. nicht verfucht. Da er aber felbft
fchichte vom Jahre 1158. Ob der Verf. diefe Hand- j (S. 10) erwähnt, dafs die Handfchrift zu Anfang diefes
fchriften näher unterfucht, erfahren wir nicht. Sein Jahrhunderts neu gebunden wurde (der Einband trägt

die Jahreszahl 1805), fo werden wir wohl nicht irren,
wenn wir annehmen, dafs damals eine fürforgende Hand
die vielleicht auf dem inneren Deckel des alten Bandes

Hauptaugenmerk war jedenfalls, und mit Recht, auf den
Codex <l> gerichtet, deffen vollftändige Veröffentlichung
an Ort und Stelle vorbereitet wurde.

Nachdem der Verf. im erften Abfchnitt (S. 5—9)
über die Gefchichte der Handfchrift gehandelt, giebt er

Die Bezeichnung diefer Handfchrift als Codex aureus Anthymi
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•i. zc ,r ■ 1 . • E_«/4* Ufffrhrpihnncr (S' °) *"r denjenigen unverfländlich, welcher nicht in der Lage ift,

im zweiten (S. 10-16) eine recht eingehende Beschreibung , ^ Verf £ ^ ^ ^ ^ ^ ^ b ^ r,

derfelben, um endlich im dritten (S. 17—23) dem texte ejnzufet,en. Hier nämlich berichtet derfelbe, dafs er die Handfchrift

leine Stelle in der Ueberlieferung anZUWCifen. nach dem jetzigen Metropoliten fo benannt habe.

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