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Ausgabe:

1885 Nr. 24

Spalte:

596

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tuxen, Fanny

Titel/Untertitel:

An die Konfirmanden 1885

Rezensent:

Bassermann, Heinrich

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595

Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 24.

596

Caufalzufammenhang, der im chriftlichen Leben zwifchen
jener Seligkeit und diefer Gerechtigkeit befteht. Darauf
folgt ein Abfchnitt über Jefus Chriftus als den Stifter
des Gottesreiches, der, um dies fein zu können, fein mufs
und thatfächlich fich erweift einerfeits als die urbildliche
Darfteilung der Seligkeit und der Gerechtigkeit des Gottes

Tuxen, Fanny, An die Konfirmanden. Mit Genehmigung
der Verfafferin überfetzt von L. Fehr. Gotha, F. A.
Perthes, 1884. (108 S. 8.) geb. M. 2. —

Die Verfafferin von ,An die Braut von einer Silberbraut
' bietet hier eben confirmirten jungen Leuten

reiches und andererfeits als der Träger der Gnadenoffen- i beiderlei Gefchlechtes drei wohlgemeinte und wohl-
barung Gottes und darum als der Mittler des grund- gefchriebene Ermahnungs- und Warnungsepifteln dar, in
legenden Gutes der Sündenvergebung. Erft auf Grund : welchen fie, noch jugendlichen Herzens, der Jugend die
der offenbaren Wirklichkeit der Perfon Jefu werden die I Refultate einer gereiften Lebenserfahrung mit auf den
Glaubensausfagen über die Gottheit Chrifti, deren Offen- ■ Weg geben möchte. Hüte dich vor einem Verfmken in
barung fein Heilandswerk ift, und über das Geheimnifs die Lebensgenüffe, vor Zuftimmung zu der neuen, widerfeines
, fein Menfchenleben und die ganze Welt überragen- chriftlichen Lehre und führe ein Leben in der Liebe zu
den Seins beim Vater und über die Entftehung feiner Gott und dem Nächften: das ift in Kurzem der Inhalt
Perfon durch eine neue Schöpfungsthat Gottes vollzogen. ' des elegant ausgeftatteten Büchleins. Die Ausführung
Auch wer diefe Ausfagen beftimmter präcifirt wünfcht, ! des erften Satzes ift das Befte in demfelben; einfach,
wird anerkennen müffen, dafs der vom Verf. eingefchla- ! herzlich, nirgends ubertrieben oder gefchraubt fpncht
gene regreffive Weg derjenige ift, auf welchem allein ! hier die Verf. dasjenige aus, was wohl jede Mutter ihrem
religiöfer Glaube an die Perfon Chrifti entftehen kann, i Kinde nach der Confirmation fagen oder gefagt wiffen
während der umgekehrte Weg es nur zu verftandesmäfsi- ! möchte. Dagegen ift der zweite Abfchnitt als mifselückt
gern Fürwahrhalten oder aber zu Zweifeln bringt. Dafs j zu bezeichnen. Dem Menfchenwerk der ,neuen Lehre'
er aber die traditionelle Lehrform nicht exprefs bekämpft, ; (welche übrigens nicht fehr klar gezeichnet ift) fteht die
fondern ihren pofitiven religiöfen Gehalt zum Bewufstfein I Bibel als Gottes Werk gegenüber, beglaubigt durch das
bringt und nur andeutet, dafs fie auch den Verfuch ge- genaue Eintreffen aller ihrer altteftamenthchen Weisfag

macht hat, unferem Erkennen entzogene Gebiete des
Geheimnifses aufzuhellen, dadurch bewährt der Verf.,
dafs er den feelforgerlichen Charakter des Religionsunterrichts
nicht aus den Augen verliert, und dafs ihm
die kirchliche Gemeinfchaft über der theologifchen Schule
fteht. Gegen die üblichen Anklagen auf Zweideutigkeit
u. f. w., die von rechts und links her gegen folches Verfahren
laut zu werden pflegen, wird er fich mit der Er-
k enntnifs tröften, dafs die chriftliche Pflicht auf das
aXrj&sveiv sv aydn rj lautet. Ein III. Abfchnitt handelt
von der Kirche als der Gemeinfchaft des Gebets und
der Gnadenmittel. Die Einleitung, welche — durchaus
zweckmäfsig — nach dem Lehrplan S. 138 den Abfchlufs
des Unterrichts bilden foll, hat apologetifchen Charakter.
Sie ftuft die Religionen nach ihrer Vorftellung vom
höchften Gut ab, führt den Wahrheitsbeweis für das
Ganze des Chriftenthums nach Joh. 7, 17, indem fie in
dem Werth der chriftlichen Sittlichkeit den Schlüffel
zum Verftändnifs des Werthes der Sündenvergebung und
der Freiheit von der Welt und Chriftus als die Verbürgung
diefes Complexes von Gütern aufzeigt, d. h.
indem fie unter Verzicht auf Verftandesbeweife für einzelne
Stücke des Chriftenthums, die praktifchen Gründe
deutlich macht, auf denen die religiöfe Selbftgewifsheit
des chriftlichen Glaubens ruht, der als folcher mit der
Wiffenfchaft als folcher gar nicht in Conflict kommen
kann. —

Der pädagogifche Werth des ,Hilfsbuches' wird erhöht
einerfeits durch die klare und fchlichte Sprache,
andererfeits durch das Gefchick, mit welchem oft durch
formelle Andeutungen und Fragen zugleich dem Ge-
dächtnifs des Schülers ein Anhaltepunkt geboten und
feine Selbftthätigkeit angeregt wird; hierher gehört auch,
dafs die Hauptfprüche nicht blofs citirt werden, fondern
ihr Anfang mit befonderen Lettern abgedruckt ift.

Dem Kundigen wird es nicht verborgen bleiben,
dafs der Verf. fich hauptfächlich an Ritfehl angefchloffen
hat. Das wird ihm bei Vielen nicht zur Empfehlung gereichen
. Es fteht aber zu hoffen, dafs für den einiger-
mafsen unparteiifchen Lefer das Hilfsbuch zu einer
Empfehlung der Theologie Ritfchl's gereichen und ihn
zu der Ueberlegung veranlaffen werde, ob diefelbe nicht
doch etwas Anderes ift, als das, was man unter ihrem
Namen zu verdammen pflegt.

Giefsen. J. Gottfchick.

ungen über Chriftus wie über die Juden. P"ür jeden auch
nur einigermafsen Unterrichteten und felbftändig Denkenden
ift diefer Weisfagungsbeweis für die Infpiration
ebenfo unwirkfam wie der nach demfelben angedeutete
Wunderbeweis. Von den eigentlichen Schwierigkeiten
und den tieferen Gründen der Controverfe hat die Verf.
keine Ahnung. Defswegen follte fie vorfichtiger in ihrer
fittlichen Bcurtheilung der ,neuen Lehre' fein und ihr
nicht fo ohne weiteres Libertinismus und geiftigen Hochmut
vorwerfen. Ein gutes Buch aus dem Lager der
,Freidenker': und der Confirmirte läfst die Gründe und
Vorwürfe feiner treuen Wärnerin weit hinter fich. Im
Uebrigen verdiente das Büchlein fchon ein befferes Loos
als ungelefen unter den fchönen Einbänden im Glas-
fchrank des Salons zu flehen. Eine Auslaffung von ,nicht'
S. 38 Z. 4 v. u. und der Druckfehler ,verfchloffen' ftatt
,crfchloffen' S. 73 Z. 9 v. o. find ftörend.

Heidelberg. Baffermann.

Tiesmeyer. Paft. L., Die Praxis des Jünglingsvereins. Ein

Hilfsbuch für Leiter und Mitglieder evangelifcher
Jünglingsvereine. Bremen, Heinfius, 1885. (VII, 272 S.
gr. 8.) M. 3. 60.
Seiner in erfter Auflage 1873 (zweite Auflage (1877)
erfchienenen ,Praxis der Sonntagsfchule' läfst der Verf.
hier eine ,Praxis der Jünglingsvereine' folgen, die, wie
jene, den grofsen Vorzug befitzt, thatfächlich aus reicher
Praxis erwachfen zu fein. Die Behandlung des Stoffes
ift diefelbe, wie dort. In einem allgemeinen Theil werden
die mehr theoretifchen Fragen erörtert, in einem
fpeciellen Theil praktifche Anweifungen crtheilt und
nützliches Material zufammengetragen. Das gefchieht in
einer fo vollftändigen Weife, dafs wohl nichts principielles
oder praktifches, nichts grofses noch kleines, was für die
Beurtheilung, die Begründung und Leitung eines Jünglingsvereins
bedeutfam wäre, unberührt bleibt. Die Mittheilung
der Statuten der verfchiedenendeutfchcnjünglings-
bündnifse, von Normalftatuten für verfchiedene Zweige
der Jünglingsvereinsthätigkeit, von Materialien für biblifchc
Befprechungen, von Bücher- und Liederverzeichnifscn,
von Feftordnungen und Anfprachen machen das Buch
zu einem wirklich brauchbaren Hand- und Nachfchlage-
buch, befonders für die Fälle, in welchen die Leitung
nicht in paftoralen Händen liegt. Dabei fchreibt der
Verf. frifch und anregend, und, was das befte ift, er bewährt
in der Behandlung des gar manche heikle Frage
in fich bergenden Thema's eine echt evangelifche Weitherzigkeit
, z. B. in Abfchnitt 5 bei der Erörterung über