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Ausgabe:

1885 Nr. 20

Spalte:

470-471

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hatch, Edwin

Titel/Untertitel:

An introductory lecture on the study of ecclesiastical history, delivered in the schools at Oxford on April 23, 1885 1885

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 20.

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vielen anderen auch diefe Bedeutung aufgeführt wird. In foll die ,Bibliotlieca Samaritaua' nicht ein fruchtlofes
Betreff der weiteren Conjecturen begnügen wir uns mit ! Unternehmen bleiben, fo mufs erftlich zwii'chen über
der Bemerkung, dafs wir V. 7 bei "psic? ,nackt', welches
in den Scholien (zu 2, 25) auf hebr. rutm zurückgeführt

lieferten und felbftgemachten Lesarten ftreng gefchieden
werden: bei erfteren mufs der Lefer erfahren, woher fie

wird, wiederum einen Beleg aus dem Aram. vermiffen; genommen find. Bei den Conjecturen aber mufs an
zu der LA rnlö» ,Schurze' wird gar nichts bemerkt, : Stelle der jetzigen völligen Willkür in paläographifcher
auch nicht, dafs Polygl. u. Peterm. dafür yi&ort haben; ! Hinficht eine Befchränkung auf das allenfalls Wahrfchein-
ebenfo fehlt jede Bemerkung zu riDSOX ftatt des über- | liehe, in fprachlichcr Hinficht eine Befchränkung auf das
lief. pEnX = hebr. X3nm V. 8; wie nOSOX zu diefer in den einzelnen Dialekten Mögliche ftattfinden.
Bedeutung kommen foll, bleibt unerklärt, ebenfo die j Tübingen. E. Kautzfeh.

fprachliche Form der Conjectur. Noch weniger verftehe

ich trotz der Erklärung S. 78, was das V. 10 für nMlWl j Hatch, Edwin, M. A., D. ü., Reader in Ecclesiastical
(= hebr. X3nx- conjicirte nnnrnxi eigentlich für eine j History, An introduetory lecture on the study of ecclesias-

Form fein foll. Als Refultat unferer Prüfung ergiebt
fich fomit, dafs wir kaum eine der von H. vorgefchlage-
nen Lesarten als eine zweifellofe Erklärung der überlieferten
verderbten Lesart anzuerkennen vermochten. Wir
wollen deshalb noch nicht behaupten, dafs fich unter
den zahlreichen Conjecturen H.'s gar kein brauchbares
Material finde. Von den meiften derfelben aber mufs

tical history, delivered in the schools at Oxford on
April 23, 1885. London, Rivingtons, 1885. (26 S. 8.)
6 d.

Der Verfaffer hat diefe Vorlefung, anknüpfend an
eine Vorlefung Freeman's über die ,Continuität' in der
Gefchichte, begonnen mit einer Darlegung der .Solidari-

man urtheilen, dafs fie weniger einem Operiren mit den tät' in der Gefchichte, fpeciell der Solidarität der kircherforderlichen
Sprachkenntnifsen, als vielmehr einem Her*-
umrathen bald im Bereich des Hebräifchen, bald des
Aramäifchen und des Arabifchen ihre Entftehung verdanken
.

Bei diefer Sachlage vermag Referent auch auf den

liehen und der politifchen Gefchichte. Wir kennen ihn
aus feinen Vorträgen über die Gefellfchaftsverfaffung der
Kirchen im Alterthum als einen geiftvollen Hiftoriker,
und er hat diefen Ruhm auch in diefer Vorlefung wiederum
glänzend bewährt. Ein Thema, welches bei un-

.Paläographifchen Beweis für die Emendationen' nicht | gefchickter Behandlung zum Tummelplatz der Triviali-
ein fo grofses Gewicht zu legen, wie es der Herausgeber j täten wird, ift von ihm lehrreich und anziehend durch-
im 8. Abfchnitt der Einleitung thut. Dafs die fleifsig geführt. Aber in diefer Ausführung befteht doch nicht

zufammengeftellte Tabelle von verwechfelten, verftellten,
eingefchobenen und angehängten, fowie ausgefallenen
Buchftaben u. f. w. nur dem hebr.-famaritan. Pentateuch
entnommen ift, mufs durchaus gebilligt werden. Aber
viel zu weit geht H., wenn er nun in allen Fällen, wo
ein anderer Buchftabe ftatt des zu erwartenden fleht,

der eigentliche Werth diefer Vorlefung. Diefelbe eröffnet
einen Curfus von Vorträgen über die Kirchenge-
fchichte des 8. und 9. Jahrhunderts. Demgemäfs hat
der Verfaffer im zweiten Theile von der Bedeutung der
Kenntnifs des Mittelalters für das richtige Verftändnifs
der Probleme der Gegenwart, und von der Bedeutung

Aehnlichkeit der betreffenden Schriftzeichen vorausfetzt des 8. und 9. Jahrhunderts für das Verftändnifs des Mittel-
und darauf das Recht zu allen möglichen Buchitaben- alters gehandelt. Hierbei ift eine Charakteriftik des 8.
vertaufchungen gründet. Dazu kommt, dafs man den | und 9. Jahrhunderts — einer Periode, welche Hatch in
,paläographifchen Beweis' doch kaum fo führen darf, dafs [ befonderem Mafse beherrfcht — gegeben, welche fo
man dabei Confonanten aus verfchiedenen Handfchriften i werthvoll und in der Zufammenftellung der einzelnen
(refp. Alphabeten; vergleicht. Dadurch erhält man eine | Momente fo aufklärend ift, dafs Ref. ficher ift, fich den
Menge Aehnlichkeiten, welche hinfällig werden, fobald
man die Vergleichung auf beftimmte Handfchriften be-
fchränkt. Dafs aber H. in diefem Punkt mit grofser
Willkür verfährt, dafür nur einige Beifpiele, die wir feiner
Kritik der ,textkritifchen Verbuche' im 9. Abfchnitt
der Einleitung entnehmen. 1 M. 40, 13 hat der Sam.

Dank der Lefer zu erwerben, wenn er fie mittheilt:

,Wliy do I invite you to study the 8. and 9. centuries ?
The answer is, that as mediaevalism contains the key to
the historical answer to the qnestions of our time between
the church and the world, and, mithin the church itself
between the ultramontane and its liberal elcments, so do
für hebr. *H>an :jJJ31D0. In letzterem ift nach H. (S. XLIF I the 8. and q. centuries contain the key of mediaevalism.
zuerft 0 zu ftreichen und dann ,wa zu lefen, da der : There are periods which are richer in the fruits of litera

Sam. ©XI == 0X3 ,Fehler' las und dies mit TQ112 überfetzte
. ,Nicht unmöglich ift es aber auch, dafs die alte
Lefeart 7OXI war, da 3 mit 1 und o mit 12 wechfelte'.
Abgefehen davon, dafs dann auch noch Wechfel von X
und 1 angenommen werden mufs, ift es höchft unwahr-
fcheinlich, dafs in einem und demfelben Alphabet gleich-

ture and art; there are periods in which the fire of a Student
s enthusiasm is more easily kindled into a burning
glozu; but those centuries yield only to the 1. and 2. centuries
of our era in their fruitfulness tu historical results,
which, through the langer part of Christendom, have lasted
for a thousand years. The great facts of those centuries

zeitig 3 und 1, fowie O und 12 leicht zu vcrwechfeln in their ecclesiastical aspect are the legislaiion of Charles
waren; S. XXXVIII fuchen wir vergeblich nach einem ; the Great, and the rcaction against someparts of that legis-
Beleg für die Verwechselung von 3 und 1. — 1. M. 28, 2 i lation which found its expression in the pseudo- Isidorian
und 5 ift für 31X MDlfi u. a. 01X yvpb überliefert. Nach j decretals. Out of that legislation and that reaction has
H. (S. XLVIII) hat hier 1 mit p, n mit 1 und e mit 3 (!) Sprung the greater part of those mstitutions and practices
gewechfelt; fo erhält man ©mb und diefes wieder ent- which distinguish the primitive church from the church of
ftand durch Buchftabenverftellung aus rn©b. Alfo drei of later times. It is true that almost all those institutions
Confonanten von vier find mit andern vertaufcht und in ; and practices had their origin or their prototype in earlier
dem urfprünglichen Gebilde fleht kein Stammconfonant j ages; but it was in the 8. and 9. centur and under the
am richtigen Platz! 1 M 31, 19 "at der Sam. : inMnfe °f tkc *»* great eauses which I have mentioned,

tur DiSIlniT Man braucht aber nur mit H. (S XL1X) that they assumed their later form and acquired the ereil
: für 3 zu fetzen und ein p zu ftreichen, ,fo erhalten wir , recognition which gave them force and permanence. It
T?:?ueS !T-p03 = !T30: = .Götzenbild'. Nach was in those centuries that the meshes of the hierarchi-

demfelben Recept wird S. L p02 auf pvm = Cpnb | cal System were woven which covered Europe with its nel-
zuruckgefuhrt, fo dafs alfo alle vier Conlonanten mit j work of metropolitan and diocesan bishoprics, of archdea-
anderen verwechfelt find! Läfst fich auf diefe Weife conries and rural deaneries. It was in them that the bouds
nicht fchlechthin Alles aus Allem machen? j were forged which bound the c hure lies of Europe together

Nach alledem geht unfer dringender Rath dahin: I into a Single System with a Single head. It -was in them