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Ausgabe:

1885 Nr. 18

Spalte:

432-434

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Madsen, P.

Titel/Untertitel:

Das geistliche Priestertum der Christen 1885

Rezensent:

Schlosser, Georg

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431 Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 18. 432

fenden Witz Tholuck's fpiegeln die im 8. Capitel gele- bange bei der Weitherzigkeit des Verfaffers2). Aber
gentlich der Befchreibung einer grofsen englifchen Reife wenn man dann fleht, dafs er das Edle und Menfchen-
des von je wanderluftigen Gelehrten mitgetheilten Reife- würdige zwar noch in den kümmerlichften und bedenk-
briefe desfelben wieder; ein Cabinetftück in diefer Be- i lichften Geftaltungen katholifchen Lebens zu finden weif»,
ziehung ift die Schilderung einer Eilwagengefellfchaft in dagegen für den Proteftantismus, wo auch immer ihm
Holland. derfelbe entgegentritt, nur Abfcheu, Spott und Hohn

Das entfchiedene Wohlwollen, das der Minifter von : hat, fo erfcheint das in der Vorrede ausgefprochene Be-
Altenft ein für den reichbegabten und gelehrten jungen j kenntnifs: ,Homo sutn etc.' in einem eigentümlichen
Profeffor hat, und die Weisheit, mit der er ihn an die | Lichte. In dem weiten Herzen des Verfaffers haben eben
rechte Stelle zu fetzen weifs, als er ihn nach Halle be- ! doch nur Katholiken und einige alte Klaffiker Raum,
ruft, geht aus den Minifterialacten, die dem Verfaffer zu Beweis dafür ift der wahrhaft abfcheuliche Auffatz: ,Wan-
Gebote geftanden haben, ebenfo wohlthuend hervor, als derungen durch den Thüringer Wald' (II S. 239—288).
in unerquicklicher Weife die Animofität, mit der die theo- Ich werde einen Paffus aus demfelben hier mittheilen,
logifche Facultät von Halle, Niemeyer an der Spitze, um ihn höher zu hängen und um zu beweifen, dafs die
ihm entgegenwirkt. Möchte es dem Verf. vergönnt fein, Recepte, nach welchen unfittliche und bornirte Capläne
in nicht zu ferner Zeit den zweiten Band nachfolgen zu ; in der Preffe wider uns verfahren, ihnen von dem be

laffen, und möchte er fpeciell feine fo wohlbegründete
Bitte erfüllt fehen, dafs alle Freunde des unvergefslichen
Mannes, namentlich ,die vielen ehemaligen Famuli und
Reifeamanuenfen des Herrn Raths', ihn für feine weitere

deutendften Dogmatiker, welchen die katholifche Kirche
zur Zeit in Deutfchland befitzt, vorgefchrieben werden:
,. . . Vielleicht ftand ehedem auch auf dem Infelsberg
eine Kapelle, wie wir denn überall noch in Thüringen

Arbeit mit recht reichlichen Mittheilungen aus dem inter- | Erinnerungen an Klöfter und ftille, einfame Bergkapellen
effanten Verkehr mit dem Manne unterftützen, der feine ( finden. Die Reformation hat das Alles zerftört, die
Freunde diesfeit und jenfeit des üceans hatte und fo Kreuze zerbrochen, die Mönche vertrieben und die heibekannt
war, dafs felbft der Brief eines Amerikaners mit ügen Stätten verwüftet. Dafür hat nun aber eine andere
der einzigen Adreffe: ,Mr. Tholuck, Europe1 ficher den ! Gottheit den Infelsberg zu ihrer Wohnftätte erkiefen;
Weg zu ihm fand. Venus vulgivaga hat hier fich einen Tempel erbaut und

| fendet fonntäglich ihre Priefterinnen aus, die, mit frechem
Dresden. Meier. Blicke und herausfordernden Mienen umherfchweifend,

ihre Netze auswerfen. So hat der Proteftantismus
eine Art von Wallfahrt dort oben erhalten ftatt
der katholifchen Bittgänge; dafs aber die Männer
und Jünglinge von Gotha, Eifenach und Friedrichsroda
und den übrigen umherliegenden Städten ebenfo erquickt
an Leib und Seele, mit ebenfo erhobenem Gemüthe und
reinem Gewiffen, weil es feine Schuld in die Seele eines

Hettinger. Dr. Franz, Aus Welt und Kirche. Bilder und
Skizzen. 1. Bd.: Rom und Italien. 2. Bd.: Deutfchland
und Frankreich. Freiburg i/Br., Herder,T88s. (VI,
472 u. V, 467 S. gr. 8.) ä M. 3.50.

Wer fo anziehend zu erzählen verlieht und bei aller Beichtvaters niedergelegt hat, wie die katholifchen Wall-
Gebundenheit einen fo weiten Blick befitzt, wie der Ver- 1 fahrer von ihren Kapellen — vom Infelsberg herabftei-
faffer diefer Skizzen, dem wird Jeder gerne zuhören | gen, möchte fcliwerlich Einer behaupten wollen. Ich
wollen. Es find Reifebilder und Erinnerungen, welche i drückte einem proteftantifchen Geiftlichen mein Staunen
der Verf. hier mittheilt, ,aus Welt und Kirche'1) oder ; aus über diefes öffentliche Scandal; er zuckte die Achfeln
— dürfen wir auch fagen — ,aus der kirchlichen Welt 1 und fuchte den Grund, warum das Lafter hier zu Land
und der verweltlichten Kirche;' denn es ift erftaunlich, namentlich in den Städten und Städtchen, ohne alle
was alles dem Verf. noch ,kirchlich' und als folches Scheu gralfirt, in dem entfittlichenden Beifpiel der kleinen
werthvoll und heilig ift. ,Keine finftere, krankhafte Welt- I Höfe. Hätte er die Gefchichte beffer gekannt,
flucht hat mein Auge verfchloffen. In allem Grofsen, | fo hätte er finden müffen, dafs das Uebel viel
Edlen, Menfchenwürdigen, das mir je im Leben begeg- j tiefer liegt.'1)

net ift, habe ich immer einen Wiederfchein jenes Lichtes 1 Bevor der Verfaffer diefen Paffus und ähnliche nicht
erkannt, das jeden Menfchen erleuchtet'. Das ift in ge- ! revocirt, haben wir ihm nichts weiter zu fagen.
wiffer Weife wahr; ja es wird Einem manchmal ganz j Giefsen_ Adolf Harnack.

1) Aus dem erften Bande ift der Auffatz: ,im deutfehen Coiiegium Madsen, Prof. Dr. P., Das geistliche Priestertum der Christen.

zuRom'(S.l i56)befondersinteren"ant,daereinausgeführtesI5ilddesI.ebens In autörifierter deutfeher ÜberfetZUng von Paft. E.

im Jefuitencolleg — natürlich ein Lichtbild — nach den Erinnerungen c- , , A... , , „„ T, , , c

des Verfaffers giebt. Die übrigen Auffätze tragen die Titel: ,Von Rom Schumacher. Gütersloh 1882, Bertelsmann. (454 i>-

nach Affifi' ,Siena und Fra Ochino' ,An drei Gräbern1 (Ravenna) ,Nach gr. 8.) M. 2. 40.
zehn Jahren' (Erinnerungen aus der italienifchen Revolutionszeit 1859— !

1869) ,Nach zehn Jahren'(Fortfetzung). Die Piemontefen erfcheinen na- ! L>ie unliebfame Verfpätung diefer Recenfion möge

türlich als das böfe Princip in der Gefchichte Lehrreich ift (S. 447 f.), nicht als ein Zeichen der Gleichgiltigkeit gegen diefes

dafs der Verf. fich für das wirklich arme Mönchthum nicht zu begeiftern Buch oder fein Thema die beide nicht verdienen, aUS-

ITTrk ' ■ 68 ifrgrWfS ebrf° rahtl-'lf *£*ä? 7e ,7ht auf,eiße" gelegt werden. Der Verfaffer hat ficherlich Recht, wenn

nen Befitz gegründet find, nach vielen Richtungen hin leicht von denen ; ° 5 . . . IV. £ 1 , 0 ■ K . .it. ,

abhängig werden, von denen fie ihre Subfiftenz haben. Hatte doch I er der Meinung ift, dafs der Begritt des geldlichen

fchon Bonaventura die Anklage hören müffen, dafs fein Orden die Reichen i Prieftcrthums einer eindringenderen theologifchen Bear-

mehr ehre als die Armen. Die Gefahr der Entartung ift daher 1 beitung Werth und bedürftig ift, als ihm bisher ZU Theil

t?l7nenlLV^llvU i?rV5,fe,-£fe WV.!f* g*w-oraen ift. Praktifch ift der Begriff des geiftlichen

trunkenen Keichthums, hier die Verfuchung entwürdigender I *»
Men fchenfurcht und menfehlicher Rückfichten. Der Geilt

macht lebendig, nicht der Buchftabe einer Regel.' Wenn ein
Proteftant diefe modern-katholifche Anficht vom Mönchthum, in welchem
der Jefuitenorden dasfelbe förmlich begraben hat, ausfpricht, dann beweift
er nur, dafs er von dem heiligmäfsigen Leben nichts verlieht. — Der
zweite Band enthält erftens neun Bilder aus den Alpenländern, in denen
vor allem Tirol als das Land der Glaubenseinheit gefeiert wird, fodann

2) Auch der katholifche Witz, diefe befonders derbe Species, verfteigt
fich nicht feiten zu bedenklichen Höhen. Ich glaube nicht, dafs jemals
ein proteftantifcher Geiftlicher fich erlauben würde zu fchreiben (II S. 5):
.Wenn aber wieder einmal Einer ein .Reifegebetbuch' herausgiebt, fo
möge er nicht verfäumen diefen Vorzug des Bummelzuges' — dafs er uns
gründlich in der Geduld übt — ,zum Gegenftand feiner behinderen Aufdrei
Auffätze: .Wanderungen durch den Thüringerwald' ,Mit Alban Stolz i merkfamkeit zu machen. Doch noch eine andere höchft bedeutfame

durch den Schwarzwald' Auf dem heiligen Berge'. Den Befchlufs bilden I Eigenfchaft diefes Zuges ift, dafs er an jeder Station hält . . . Was ift

Skizzen, die Kirche in Paris betreffend, in denen die franzöfifche Kirche , nun einladender, gründliche Bierftudien zu machen, u. f. w.'
immer noch als die herrlichfte Tochter der grofsen Mutter gefeiert wird, j 3) Die Sätze find vom Referenten gefperrt.