Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1885 Nr. 17

Spalte:

405-408

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Creighton, M.

Titel/Untertitel:

A history of the Papacy during the period of the Reformation. 2 vols 1885

Rezensent:

Benrath, Karl

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

405

Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 17. 406

Lindau, M. B., Lucas Cranach. Ein Lebensbild aus dem ; foll, geradezu escamotirt. Und nun kommt Creighton
Zeitalter der Reformation. Mit einem (fcfm.) Bildnifs ! und (teilt zwar nicht wieder direct einen andern Begriff

des Lucas Cranach. Leipzig, Veit & Co., 1883. (X,
402 S. gr. 8.) M.
Spät zwar, aber mit befonderer Dankbarkeit erlaube

auf, bringt aber fchon durch die enge Verbindung von
,Papftthumsgefchichte' und ,Reformationsperiode' auf
dem Titel in dem Lefer die auch durch das Studium
feines Werkes nur befeftigte Anfchauung hervor, als ob

ich mir auf diefe belehrende und erquickende Biographie wenigftens die Gefchichte der Vorbereitung unferer Re-

des Künftlers aufmerkfam zu machen, dem die lutherifche formation es in erfter Reihe mit den Fragen nach dem

Reformation zu unendlichem Dank verpflichtet bleibt. Verfalle und den Verhieben zur Wiederherftellung der

Lucas Cranach der ältere liefert in Perfon doch den That- Papftmacht bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zu thun

beweis dafür, dafs das Evangelium in proteftantifcher hätte. Freilich, das Werk foll, nach Pref. S. V, ,wenn

Auffaffung die Pflege der Kunft nicht nur nicht hindert, die Gelegenheit fleh bietet' bis zum Schlufs des Trienter
fondern ungeahnt befruchtet. Er liefert durch fein j Concils weitergeführt werden, und dann würde ja der

überreiches Schaffen den Beweis, dafs durch die deutfehe jetzige Titel beffer paffen — bei der vor der Hand beliebten
Befchränkung ift er irreleitend.

Das hindert uns aber nicht, in dem vorliegenden
Werke eine vortreffliche Löfung der fchwierigen AufFriedrich
dem Weifen, Johann dem Beftändigen und unter gäbe anzuerkennen, welche der Verf. fleh gehellt hat.
Johann Friedrich, er, der intime Freund Luther's, feit

Reformation das ganze Evangelium in die Kunft ein
gezogen ift. (Vgl. S. 311 ff.) Meifter Lucas, der Virtuofe
im Porträtmalen, Hofmaler des Torgauer Hofes unter

Johann Friedrich, er, der intime Freund Luther's, feit Vcrfchiedene Umftände haben die Befprechung an diefer
1537 auch Bürgermeifter von Wittenberg, endlich hoch- j Stelle bisher verzögert, zum Theil trifft die Schuld auch
berühmt durch feine Treue, mit welcher er dem gefan- den Referenten; aber gern erklärt er von vornherein,
genen Kurfürften Johann Friedrich in die Gefangenfchaft j dafs er hohe Achtung bekommen hat von dem Vicarage
(1550) nachzog (vgl. S. 380 ff.) — ein folcher Mann lenkt in Northumberland, wo eine fo umfaffende Aufgabe fo
ganz felbftverftändlich die Aufmerkfamkeit der Freunde , energifch und erfolgreich durchgeführt worden ift. Diefe
der Reformationsgefchichte auf fleh. Aber freilich, fein Aufgabe wird vom Verf. felbft in der Vorrede dahin
Leben und Wirken darzuftellen und zu beurthcilen kann , abgefteckt: diejenigen Zuftände, Ereignifse und Entwicke-
fleh nur ein Hiftoriker zutrauen, der nicht blofs kirchen- : lungen dem Lefer zu unterbreiten, welche die Reforma-
gefchichtliche, fondern auch kunftgefchichtliche Bildung tion vorbereitet haben. Das allmähliche innere Fort-
befltzt. Ueber beides verfügt der Verfaffer, und mit war- fchreiten diefer Vorbereitung felber fleh klar zu machen,
mem Intereffe für Luther's Lebenswerk hat er feine j überläfst Cr. leider dem Lefer. Er will nur die allge-
doppelfeitige Aufgabe gelöft, uns in Meifter Lucas die 1 meine Lage Europa's feit dem Beginn des Avignoner
kirchengefchichtlich wichtige Perfönlichkeit und zugleich ; Schisma's und ihre Entwickelung bis zur Durchführung
den Maler der deutfehen evangelifchen Renaiffance zu 1 der Reftauration des Papftthums unter Pius II. fchildern,
zeichnen. Bedauern möchte ich nur, dafs fleh Verfaffer und um den Rahmen möglichft weit fpannen und doch
und Verleger diefes höchft lehrreichen Buches nicht ent- | die Einheitlichkeit wahren zu können, (teilt er die allge-
fchloffen haben, dem Texte künftlerifche Beilag en zu ' meinen Verhältniffe jedesmal in ihren Beziehungen zum
geben; ein Mann wie Cranach verdient das doch, und römifchen Papftthum dar. Das zeugt fchon von einem
bekannt ift er viel zu wenig. Das merkt man am beften, j hiftorifch gefchärften Blick. Das literarifche Werkzeug.

/-i 1 * ,___,_ II,. _____-LI___ _____ _A- j__ZV _ 1 ■ a 1 • . .. ..... . . .___

wenn man fleh aus Lindau's Werke erzählen läfst, was
diefer edle Mann als Künftler und als Menfch den Theologen
und den Fürften der Reformation bis an feinen
Tod (IS53) gewefen ift.

Königsberg i. Pr. Paul Tfchackert.

Creighton, M., A history of the Papacy during the period of
the Reformation. 2 vols. London, Longmans, Green
& Co., 1882. (XXIII, 453; XX, 555 S. gr. 8). 32 s.
Der Umftand, dafs in der neueren Zeit ein allfeitiges I allzu ängltliche Citirfucht, verwendet worden? Und das

mit dem Cr. an die Arbeit geht, zeigt fleh, obwohl Kleinigkeiten
monirt werden können — wie das auch von
Paftor, Liter. Rundfchau 1884, Nr. 17 gefchehen ift —,
als ein durchaus hinreichendes. Infonderheit ift zunächft
für den I. Band die neuere deutfehe Literatur über die
Zeit des Schisma's, das Conftanzer Concil und den
Kaifcr Sigismund, die englifche und deutfehe über
Wyclif, die böhmifche und deutfehe über die huffi-
tifche Frage, die über die Reformfrage in faft er-
fchöpfender Eulle, aber ohne jede aufdringliche oder

II___ l;__/"III 1 /-.■-■ f . .

Intereffe für die Gefchichte der Reformation erwacht ift, felbe gilt bezüglich des II. Bds. von der allgemeinen

hat die F"olge gehabt, dafs auch wieder ganz verfchiedene
Begriffe von .Reformation' aufgeftellt und die Durchführung
von zum Theil fehr von einander abweichenden
Betrachtungsweifen diefer gewaltigen Bewegung verflicht

Literatur zur weiteren Papftgefchichte feit Martin
V., von neuerfchloffcnen Quellen zur Gefchichte des
Sienefer Concils (1423—24), von dem, was zur Kennt-
mfs der H uffi te nkriege durch Palacky, Höfler, Be-

b ------ -------J > ------* > "~

1 iHrTninnt-inenGefchrchtsklitterern zold u. A. beigebracht worden ift, während bei der
worden ift. Um von den ultram^ zu Schilderung de? Zuftände in Italien unter Eugen IV.

zu fchweigen und nur von ou™J™V hender übiecti- Neueres nur in befchränktem Mafse verwerthet wird. Dareden
, welche der ^«^Ä^rharles Beard in gegen ift die literarifche Grundlage für Cr.'s Bearbeitung
yität gegenüber ftehen, ohat einiu . ^ Rg j ^ Bafeler Concils eine befonders forgfältige, und

feinen geiftvollen Hlb&^ f,^j)S^öcua bedeutfames, i von umfangreicheren Werken vermifst man nur etwa
formation lediglich als ein, ireineu . ^ , die ]3crückflchtigUng des von Pufey (zuerft 1869 im Eire-

Moment in der fortfefrertenwiffenfchaft- ! nicon II) bekannt gemachten und dann gedruckten des
tellectuellen Proceffes feit dem auikou ^ ^ Card Turrecremata von ,437 über die Empfängnifs Malicher
Kritik betrachtet und in nirtn j^rg ftellt _ ria>s _ eine Arbeit, welche zwar nicht praktifch eingriff,

Befreiung und Förderung der * 8g2) da fie in Folge der plötzlichen Abreife der päpftlich Ge-

für Chastel (Bd. IV der Ihstoire <% C»™TSriffich-fitt- 1 finnten nicht mehr zur Vorlage gelangte, welche aber
ift fle faft ausfchlicfslich eine BW« Mifsftände — I zur Signatur der geflammten Lage von Belang ift. Was
liehen Bewufstfeins gegen die kircli ijJ;11^ , Hf hen Re- endlich den letzten Hauptgegenftand, Pius' IL Pontificat
von Maurenbrecher (Gefchichte ^^achte Begriff, und Bedeutung, angeht, fo ift für die kirchenpolitifche
formation Bd. I 1880) wird uns d«ncr%X Oucllen und Seite eine ganze Menge von neueren Arbeiten befonders
wonach allein die protcftantifche, b. s aul ü lV« deutfeher Provenienz verwerthet und (II, 523 ff.) auch an-

dieerftenchnftlichen Zeiten ™^&«^^EiL ideal gegeben worden, während allerdings der Verfluch nicht
und nicht die katholifche, auf das uM*W*™gu gemacht worden ift, in Bezug auf die gleichzeitige Re-

hinftrebende Reactions-Bewegung jenen isarnen im