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Ausgabe:

1885 Nr. 13

Spalte:

311-313

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Denkschrift des 3. Evangelischen Schulkongresses zu Stuttgart vom 30. Septbr. bis 2. Oktbr. 1884 1885

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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3ii Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 13. 3B2

Gebotenen fich ärgern kann. Die Kritik der herkömmlichen
Miffionsmethode, wie fie von Bufs und Langhans
geübt worden, ift hier einer rückhaltlofen Anerkennung
des Anzuerkennenden gewichen; möge nun
auch von Seiten der alten Miffionsfreunde den jungen
einiges Verftändnifs entgegengebracht werden. Ich follte
meinen, auch die entfchiedenften Gegner der in dem
neuen Verein vorherrfchend vertretenen Richtung
müfsten mit dem Unternehmen fich ausföhnen können
fchon auf Grund von Phil. 1, 12. Die Schrift Keffel-
ring's hat indeffen ihre gute Wirkung gethan, indem
durch fie Warneck zu freundlicheren Aeufserungen
über die darin zu Worte kommenden Miffionsbeftreb-
ungen bewogen worden ift, als ihm bisher abzugewinnen
waren (Allg. Miff.-Zeitfchr. Apr. 1885 S. 206). Auch
ihm haben die goldenen Worte Keffelring's befonders
Wohlgefallen, die wir zum Schlufs herfchreiben: ,Wo
wir einander nicht verftehen, lafst uns hoffen, dafs der
Herr feine wahren Kinder alle verfteht. Lafst uns nicht
mehr untereinander ftreiten, als wir glauben dürfen,

haupt in die Schule, was dazu dienen kann, die gefunde
und normale Entwicklung der verfchiedenen pfychifchen
Kräfte zu fördern, damit fie in die Tiefe und in die
Höhe wachfen, alfo fort mit allen leeren Worten,
Namen, Zahlen, fort mit dem todten Verbalismus und
Allem, was nur einer äufserlichen Abrichtung dienen
würde. Die Welt um uns und die Welt über uns ift in
die Schüler hineinzubilden; Naturgefühl, gefchichtlicher
Sinn, religiöfer Sinn ift zu erzeugen, denn Natur,
Gefchichte, Gott ift die grofse Trias, in der wir leben
und fie hat ihren Einen Mittelpunkt in dem Reiche
Gottes. Wie eine einheitliche Verknüpfung des gefammten
Unterrichts auf feinen verfchiedenen Stufen von den erften
Elementen bis hinauf zur Schwelle, die an die Univerfität
führt, zu fordern ift, fo von den Lehrern der höheren
Schulen, dafs fie durch fortgefetzten Einblick in die Arbeit
auch des Elementarunterrichts eine praktifche Propädeutik
fich verfchaffen für ihre eigene Didaktik. Aufser-
dem ift eine pädagogifch-didaktifche Vorbildung für die
Candidaten des höheren Schulamtes noth, nicht nur durch

dem Herrn fchuldig zu fein, und nie anders als im Auf- ! einen Curfus im Seminar für Volksfchullehrer, fondern nicht

blick zu ihm. Lafst uns ringen, die Segenskraft des
Evangeliums aller Welt darzubieten.'

Schönbach. Rade.

Denkschrift des 3. Evangelischen Schulkongresses zu Stuttgart
vom 30. Septbr. bis 2. Oktbr. 1884. Hrsg. von dem

Bureau des Kongreffes. Frankfurt a.OM., Schriften- < wufste; die Ausdehnung des Referates, dafs jede Dis

minder in einem höheren Seminar, in welchem fie zum
Unterrichte die Anleitung und Uebung empfangen. Der
Vortrag fchliefst mit einer Hinweifung auf dieWaifenhaus-
anftalten in Halle, in denen die Einheit der Schule
praktifch dargeftellt werde.

Die Gediegenheit des Referates hat es verfchuldet,
dafs der Correferent in der That nur wenig hinzuzufügen

niederlage des Evangel. Vereins, 1885. (IV, 192 S.
gr. 8.) M. 2. —

Der Wunfeh, mit welchem Referent die Befprechung
der Denkfchriften des erften und zweiten Schulcongreffes
fchlofs (1884, Nr. 11), dafs die folgenden Congreffe die

cuffion unmöglich blieb. Der fpäter eingebrachte Antrag,
die Referate künftig auf eine Stunde zu befchränken
und die Correferate wegfallen zu laffen, war jedenfalls
durch Thatfachen wohl motivirt.

Der zweite Gegenftand der Verhandlung: ,Die Hebung
des Sinnes für Autorität in der Jugend' fand in den

Einheitlichkeit evangelifcher Pofitition fo treu bewahren, | Profefforen Dr. Meyer-Hersfeld und Dr. Kittel-Stuttgart,
den Geift evangelifcher Liebe und chriftlichen Friedens j in dem erfteren einen tieffinnigen und gemüthvollen, in
fo fegensreich bewähren möge, wie die Congreffe zu : dem zweiten einen das Principielle mehr hervorhebenden
Frankfurt und Kaffel, ift in Stuttgart in Erfüllung ! Referenten; diefer hatte auch die Thefen geftellt. Die
gegangen. Dazu war das Programm der Verhandlungen j kurze Discuffion, die einzelnes Treffendes brachte, verreichhaltig
und brachte centrale Fragen der Pädagogik nachläffigte zu ihrem Schaden das erfte Referat zu
und Didaktik zur Discuffion. Die Herren Referenten Gunften des zweiten. Die amtliche Autorität, die be-
waren ihrer Aufgabe völlig gewachfen und ihre Vorträge ' fonders betont wurde, ift gewifs geltend zu machen; aber
haben zum Theil bleibenden Werth: man lieft fie mit j das gute Gewiffen, fie zu üben, fehlt, es fehlt daher
fteigendem Intereffe und gewinnt reiche Anregung zu ! auch alle Kraft derfelben, wo abgefehen von wiffen-
fruchtbarem Nachdenken. In hervorragender Weife gilt j ichaftlicher und technifcher Tüchtigkeit die religiöfe und
dies vom erften Referat. ,Die Einheit der Schule' ift ethifche Würde, die moralifche Autorität fehlt. Es ift
das Thema, und Director D. Frick aus Halle behandelt
dasfelbe mit Meifterfchaft. Die Einheitslofigkeit der Schule
wird dargelegt und als erfte und hauptfächliche Forderung
zur Einheit der Schule wird geltend gemacht,
dafs die Erziehungsarbeit felbft Wiffenfchaft werde, dafs
zur allgemeinen Pädagogik der Ausbau wiffenfehaftlicher
Didaktik kommen müffe. Was darin bereits geleiftet ift
neben den pädagogifchen Arbeiten von Theologen, Pädagogen
, Philofophen, wird anerkannt, was zu leiften
noth ift, wird nachgewiefen. Die wiffenfehaftliche Didaktik
hat es mit dem erziehenden Unterricht zu thun,
fie fetzt Pfychologie und Ethik voraus, und erhebt fich
deshalb gefunder Weife nur auf dem Boden des Evangeliums
. Das Object des Unterrichts ift nur Mittel zum
Zweck, niemals Selbftzweck; das letzte Ziel ift Charakterbildung
, Bildung der Gefammtperfönlichkeit, des
fittlich-religiöfen Lebens, alfo planmäfsig ift die Seele
des Schülers zum Mittelpunkt des Unterrichts zu machen.
Die Elementarfchule ift darin der höheren Schule voraus,
dafs auf Grund mühevoller und langjähriger Arbeit der
Stoff und feine Behandlung dem pädagogifchen Zwecke
wenigftens in thesi dienftbar gemacht ift; fie hat freilich
ungleich leichtere Aufgaben, als die höheren Schulen.
Diefe leiden im Lehrbetriebe an jener ausfchliefslichen
Betonung der Specialwiffenfchaft, und das pädagogifche
Moment verkümmert darüber. Nur das gehört über-

nicht nur ein Schaden unterer Zeit, es ift auch eine
pädagogifche Mahnung, jedem, der es vernehmen will, dafs
in Kirche und Schule die blofs amtliche Autorität
gering geachtet wird. Dafs die moralifche Autorität
trotz der Läfterungen, denen die innerhalb und aufserhalb
der Parlamente ausgefetzt ift, ihre Kraft nicht veroren
hat, geht aus vielen Anzeichen befonders in der akade-
mifchen Jugend hervor. Es würde ein grofser Gewinn
fein für Schule und Kirche, wenn das. Vertrauen fich nur
auf das richtete, was Verheifsung hat, und wenn das
Wort des Herrn beherzigt würde, dafs der Geift allein
es ift, welcher lebendig macht. Der Schaden, fcheint
mir, liegt darin, dafs die moralifche Autorität im Allgemeinen
nicht befonders ftark ift; chriftliche männliche
Charaktere find uns noth, die an fich felbft und deshalb
auch an Anderen energifche Zucht üben, die das königliche
Gebot der Liebe nicht durch Weichlichkeit
und Sentimentalität entnerven und der Jugend gegenüber
es wiffen und beweifen, dafs beneficia obtruduntur. In
feiner Weife hat das der poetifche Grufs des alten Jugendfreundes
,Bakel' an den deutfehen Schulcongrefs
(S. 124 ff.) ganz trefflich befungen.

Die dritte Hauptverfammlung befchäftigte das Thema:
,Waskann und foll die Schule thun, um Bibelkenntnifs und
Bibelverftändnifs, fowie Liebe zur heiligen Schrift zu
pflanzen und zu fördern?' Das Referat fällt gegen die