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Ausgabe:

1885 Nr. 13

Spalte:

310-311

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kesselring, H.

Titel/Untertitel:

Die Aufgabe der protestantischen Kirche und Theologie in Bezug auf die äussere Mission 1885

Rezensent:

Rade, Martin

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309 Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 13. 310

(vgl. Theol. Litz. 1884 S. 535), fand B. keinen Anlafs,
das Gepräge feines Werkes im Wefentlichen zu verändern
. Trägt fein Buch, wie er verfichert und wie es
einem oft recht lebhaft entgegentritt, .einen überaus
perfönlichen Charakter', fo darf er mit Recht fagen:
,Ich bin, wie ich bin, So nimm mich nun hin'. Und dafs
das Publicum, um welches es ihm zu thun ift, ihn und
feine Gabe gern fo hinnimmt, hat es bewiefen.

Nachträge und Verbefferungen find reichlich zu bemerken
. Sie nachzuweifen und damit die neue Auflage
im Unterfchiede von den beiden früheren zu kennzeich-

Kesselring, Prof. Dr. H., Die Aufgabe der protestantischen
Kirche und Theologie in Bezug auf die äussere Mission.

Referat, gehalten an der Jahresverfammlung der
fchweizerifchen Predigergefellfchaft in Glarus den
26. Aug. 1884. Zürich, Meyer & Zeller, 1884. (51 S.
gr. 8.) M. —. 50.

Die proteftantifche Schweiz befitzt eine beneidens-
werthe Inftitution in der Schweizerifchen Reformirten
Predigergefellfchaft. Diefelbe befteht feit 1838 und ift
eine Paftoralconferenz, bei welcher die Geiftlichen der

nen, kann allein die Aufgabe diefer Anzeige fein. Da j verfchiedenen Richtungen nicht nur grundfätzlich, Einfinden
fich faft unmerkliche Aenderungen, wie S. 434,
wo ein Ausdruck durch ,' als Citat unterfchieden, oder
S. 436, wo eine für die Gegenwart nur allzu richtige Erfahrung
nun durch gefperrten Druck hervorgehoben
wird. Meift find die Einfchiebfel gefchichtlicher Art.
Da kommen S. 15 die Gräfin Hahn-Hahn, S. 17 Perrone
zu Worte, um gründlich abgeführt zu werden; S. 19 wird
durch einen Hinweis auf 1 Tim. 4, 3 der Proteft gegen
den Cölibat verfchärft. S. 127 gefchieht dem Pfarrerge-
fchlecht der Kühner die fchuldige Ehre. S. 154—172
ift auf Grund der .Wetterfelder Chronik' (Giefsen 1882)
die Leidensgefchichte des Lorenz Cervinus eingefchal-
tet, 1608—1658 Pfarrers von Wetterfeld. S. 227—230
bringt ein Stück aus Jean Paul's .Erinnerungen aus den

dem auch thatfächlich in gegenfeitiger Anerkennung
wiffenfchaftlichen und praktifchen Austaufch pflegen.
Wie den Vereinigungen felbft, fo hat noch mehr den
.Verhandlungen', welche alljährlich in Bänden von 10 bis
12 Bogen gedruckt werden, aber nicht in den Buchhandel
kommen, fchlechterdings keine Conferenz im Reiche etwas
Aehnliches an die Seite zu (teilen. In der Regel
flehen zwei Hauptthemen auf der Tagesordnung, die
von je zwei Referenten behandelt werden. Aber diefe
Referate gewinnen dadurch an erfchöpfender Gründlichkeit
und, wenn ich mich fo ausdrücken darf, an
landeskirchlichem Intereffe, dafs den Referenten vorher
aus den verfchiedenen cantonalen Sectionen der
Predigergefellfchaft Bearbeitungen des geftellten Themas,

fchönlten Stunden für die letzten' S 236 f. Gleim's Epi- oft mit beigefügtem Protokoll über die in der betreffen-

den Section daran geknüpfte Discuffion, zugehen und
mit verarbeitet werden (im Jahre 1882 acht und dreizehn).

fiel an Herder, nach welchem Ideal er Theologen bil
den folle, wogegen ebenda ein jetzt nicht vollwichtig
befundenes Witzwort geftrichen ift. Beftimmter, nüchterner
, gefchichtlicher lautet nunmehr, was der Verf. S. 251 Die letzte Jahresverfammlung hat vom 25.-27.
über Herders Patheismus, bez. Rationalismus, zu fagen Auguft 1884 in Glarus ftattgefunden. Am erften
hat. S. 390—395, 396—400 wird mancherlei von Ver- ] Verhandlungstage fprach Profeffor Keffelring-Zürich
lobung, Ehertand und häuslichem Leben bekannter und ; unter Berückfichtigung von fünf kantonalen Beiträgen
unbekannter Pfarrer erzählt, wobei zu erwähnen, dafs | über die Heidenmiffion als Aufgabe der proteftanti-

der Verf. die Ohrfeige, welche Flattich feiner Braut ge
geben hat, nicht für hiftorifch halten mag. S. 411—419
handelt von Pfarrern, die Chroniken fchrieben und Dich

fchen Kirche und Theologie; Correferent war Pfarrer
Eppler-Birsfelden. Beide Vorträge find in den .Verhandlungen
' erfchienen, welche auch die Discuffion aus-

ter waren. S. 436—439 wird einem Schullehrer (warum ; führlich wiedergeben. Man kann es nur mit lebhafter
nicht .Schul meift er'?), der feinem Geiftlichen ein treuer I Freude begrüfsen, dafs das Referat Keffelring's durch
Mitarbeiter gewefen, ein Denkmal gefetzt, und fo kommt ' Separatabzug (nebenbeigefagt: in gutem, druckfehlerin
diefem Punkte mehr als früher die gute Erfahrung freiem Druck auf gutem Papier) weiteren Kreifen zuneben
der fchlimmen zu Worte. S. 444 f. fchildert das ! gänglich gemacht worden ift.

eigenthümlicheKreuz, das dem Pfarrer aus dem Eindringen 1 Selten wird man von einer Schrift fo fehr den Ein-
feparatiftifcher Stundenhalter in feine Gemeinde erwächft. ; druck des Wiffenfchaftlichen und zugleich Erbaulichen
S. 476—481 fetzt fich mit Löhe's Anficht vom Ideal der 1 haben wie von diefer. Sie lieft fich wie eine Predigt
.Pfarrerin' auseinander und bietet, vornehmlich nach
Burk, Beifpiele edler Pfarrfrauen. S. 486—503 ift neben
jener S. 154 ff. die längfte und werthvollfte Einbehaltung.
B. berichtet da zunächft nach Mittheilungen des Pfarrers
Sprenger zu Priefsnitz in Altenburg, welch ein Wohl-
thäter der damals dreiundzwanzigjährige Pfarrgehilfe

Grofsmann zu Priefsnitz, der fpätere Leipziger Superin- die theologifche Wiffenfchaft mithelfen mufs, die Miffions-
tendent, in den Kriegszeiten des Oktobers 1806 feiner arbeit feft zu gründen und in die rechten Bahnen zu

und ift doch von Anfang bis zu Ende im beften Sinne
des Wortes Theologie. Neues gelehrtes Material will fie
nicht bringen, fie will lauter Dinge fagen, die fich von
felbft verftehen: Dafs die chriftliche Kirche die Pflicht
hat, der ganzen Menfchhcit das Evangelium zu predigen,
dafs diefe Pflicht heutzutage dringender ift als je, dafs

Gemeinde gewefen. Daran fchliefsen fich aus der Feder
des Pfarrers Frohnhäufer in Lampertheim am Rhein
ergreifende Erinnerungen an die Drangfale der Rhein

leiten u. f. w. Der zweite Theil ftellt dann Grundfätze
auf für die praktifche Organifation der Miffionsthätig-
keit in Kirche und Theologie. Das ift alles fo befonnen

überfchwemmung um die Jahreswende 1882 83 und das j gedacht und fo fein gefagt, Klarheit und Wärme finden
damalige Loos der Pfarrhäufer insbefondere. S. 365 er- fich durchgängig in fo wohlthuender Vereinigung, dafs
fahren wir, dafs und wie der Pfarrer in bergiger Wald- es fich nicht wohl thun läfst, einzelnes als befonders ge-

einfamkeit inzwifchen fein fünfzigjähriges Amtsjubiläum
gefeiert hat. S. 130 wird der Tod des Pfarrers Bindewald
von Frifchborn gemeldet, und wer es noch nicht
wufste, erfährt dabei, dafs er der Schreiber des köft-
hchen Briefes S. 380 fr. gewefen ift. S. 333 endlich
verräth der Verf., dafs er zu dem .Landgeiftlichen', aus
deffen Papieren er ein Stück veröffentlicht, in intimen
Beziehungen fleht; denn er legt feine beffernde Hand
auch an das mitgetheilte Manufcript und lüftet den
Schleier über dem Geheimnifs eines Gaftes im Pfarrhaufe,
der einft Paftor in Paris war.

Schönbach. Rade.

lungen hervorzuheben.

Sofern man den Vortrag als eine Aeufserung des
jüngft begründeten Allg. Ev.-Prot. Miffionsvereins betrachten
darf, mufs man erft recht feine Freude daran
haben. Ich möchte wiffen, ob auch ihm gegenüber die
Kreuzzeitung ihre chriftliche Prophezeihung aufrechtzuerhalten
den Mut hat: ,Der neue Miffionsverein ift ein
todtgeborenes Kind, das wollen wir getroft vorausfagen'.
(Der ganze Artikel ift zu bleibendem Gedächtnifs in dem
bei Velhagen & Klafing erfchienenen Amtskalender für
Geiftliche auf 1885 — Theol. Jahrbuch S. 199 — abgedruckt
.) Es fällt mir fchwer, mich in die Seele eines
evangelifchen Chriften hineinzudenken, der an dem hier