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Ausgabe:

1885 Nr. 10

Spalte:

238-242

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kolde, Th.

Titel/Untertitel:

Die Heilsarmee (‚The Salvation Army‘) nach eigener Anschauung und nach ihren Schriften 1885

Rezensent:

Fay, Friedrich Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 10. 238

diefer beiden Abtheilungen der Cliriftenheit bedingt und deren Entftehung, Inhalt, Charakter und Text die nöthigtn

beherrfcht hat. ! Prolegomena vorangeflellt. Die drei ökumenifchen Syni-

Demnächft berichtet Mefolopas über die bisherigen | hole flehen natürlich voran. Das ,fogenannte' apoflolifche

Bearbeitungen der Symbolik und verräth dabei eine j ift feinem Urfprunge nach dunkel und zweifelhaft, wes-

achtungswerthe Kenntnifs der abendländifchen Literatur, j halb es auch nur ein miootolr/.ov Ityü^evov heifsen darf.

Anfanglich, fagt er, haben die Schriftflellcr nur polemifch j Damit fagt Mefolopas nur, was er nach feiner Ueber-

gegen andere Confeflionen arbeiten und lehren wollen, 1 lieferung fagen mufs. Zur Erklärung geht er von dem

nachher, als der innere dogmatifche Kampf immer mehr griechifchen Bekcnntnifs des Marceil von Ancyra aus

erlahmte, ift eine rein gelehrte und vergleichende Dar- und berückfichtigt dann erft die Referenten der Glau-

ftellung des gefammten confeffionellen Lehrbeftandes an bensregel, alfo Irenaus, Tertullian, Origenes, Rufin u. A.

die Stelle getreten, bis fich zuletzt theils kritifche, theils und endlich die Fabel, nach welcher die zwölf Parcellen

apolop-etifche Behandlungen des Gegenftandes ange- der Formel auf die zwölf Apoftel zurückgeführt werden
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fchloffen haben. Nach diefen Rubriken werden die
Werke felber aufgezählt und kürzlich charakterifirt. Die
Epoche der Polemik beginnt mit Chemnitz und Bellarmin
und reicht bis Georg Calixt; im folgenden Zeitalter find
Planck, Marhcineke, Köllner die Anlührer tiner hiftorifch

follen. Auch das Athanafifche Symbol ift nur ein foge-
nanntes; der lateinifche Urfprung erhellt nicht allein aus
der Aufnahme des Zufatzes filwqtic, fondern auch aus
dem Umftande, dafs der fehr fpät (um 1300) auftretende
griechifche Text fich fofort als ein überfetzter verräth.

wiffi r.fchaftlichen und comparativen Symbolik geworden; j Die Abfaffung wird in das Ende des 5. Jahrhunderts,

Andere haben die kritifche oder polemifche Tendenz in , nach den neueren Studien der Engländer zu früh ver-

verfchiedener Weife wieder aufgenommen, wie Möhler, 1 legt. Zwifchen diefe beiden Formeln ftellt fich nun die

Baur, Mafe. Diefe Reihenfolge liefse fich leicht vervoll- | von Nicäa und Conftantinopel, die einzige, welcher die

Händigen, aber fie genügte für den vorliegenden Fall. 1 griechifche Kirche ftets eine normative Gültigkeit beige-

Von Köllner lefen wir, er habe die Neutralität und legt hat, weil fie von zwei allgemeinen Synoden geftützt

Apathie' foweit betrieben, dafs man fchliefsen möchte, wird. Damit foll das Synodalprincip der griechifchen

er fei in allen Hauptkirchen getauft worden. Den Be
fchlufs macht mein eigenes Buch, und diefes wird von
Mefolopas ungeachtet der Fehler {fltf>äX(i<ita) denen ich

Chriftenheit feine Beftätigung finden.

Die zweite Abtheilung beginnt mit der Homologie
des Patriarchen Gennadius Scholarius, welche nur ein-

als ein Fremder und nicht hinreichend Sprachkundiger fach und ohne Rückficht auf die vorhandenen Hand-
verfallen fei, wohlwollend aufgenommen; ich kann zu- fchnften und Varianten abgedruckt ift, dann folgen die
frieden fein, da ich aus S. 23 fchliefsen mufs, dafs der Sendfehreiben des Patriarchen Jeremias an die Tubinger
Verfaffer durch den Vorgang eines Auswärtigen bewogen Theologen, die Homologie des Mttrophanes Kritopulos,
worden, demfelben Gegenftand eine eigene Ausarbeitung die Hauptfchrift des Petrus Mogilas, die Acten der Sy-
zu widmen. , noden von Conftantinopel, Jaffy, Jerufalem und wieder
Die Anficht unferes Schriftftellers wird der Lefer Conftantinopel (1672) und endlich die Homologie des
fchon aus dem Gefagten erkannt haben, die letzten Patriarchen Dofitheus von Jerufalem. Die Aufnahme
Seiten (S. 23—28] laffen über feinen Standpunkt keinen der Briefe des Jeremias mufs um fo mehr gebilligt werden,
Zweifel. Dem Princip feiner Kirche foll nicht das Ge- da wir von diefer merkwürdigen Correfpondenz nur eine
ringfte vergeben werden. Es bleibt dabei, dafs fie unter , einzige und fehr feiten gewordene Ausgabe befitzen,
allen die ältefte ilt und der Urgemeinde von Jerufalem Leider aber hat der Verfaffer zwar über den Gang diefer
am nächften lieht. Im Befitze der älteften Zeugnifse Verhandlungen hinreichend Bericht erftattet, dann aber
des Glaubens und treu dem Anfehen der neben erften ' nur die Sendfehreiben des Patriarchen, nicht die der
ökumenifchen Synoden darf fie fich als die Hüterin des Lutheraner ihrem Wortlaute nach mitgetheilt, wodurch
Urfprünglichen betrachten. Das Einfache und Antike ver- die unbefangene-Beurtheilung diefer gegenfeitigen Erdient
Vertrauen, die Neuerung (y.aivnnqua) hat das Vor- klärungen erfchwert wird. Die Schrift des Metrophanes
urtheil der Wahrheit gegen fich. Dies und Aehnliches Kritopulos verdient die ihr eingeräumte Stelle durchaus,
haben wir oft gehört und brauchen uns hier nicht weiter Ref. hätte fogar gewünfeht, dafs das heterodoxe Be-
darüber zu verbreiten. Wichtiger ift, dafs .der Symbolik : kenntnifs ,des Cyrillus Lukaris in einem Anhange mit
der praktifche Beruf zuerkannt wird, von dem Tren- abgedruckt worden wäre, weil ohne dasfelbe die nach-
nenden ftets wieder zu dem Einfachen und Gemeinfamen folgendenSynodalverhandlungen nicht verftanden werden,
zurückzurufen Sie nimmt alsdann, ftatt in blofse Pole- Soweit reicht alfo der erfte Band. Dem zweiten ift
mik oder Apologetik auszulaufen, ftatt fich in feindfeliger alfo die Symbolik felber vorbehalten als eine hiftorifch-
Zurückweifung zu gefallen, etwas Irenifches in ihr Vor- comparative und kritifche Darfteilung der kirchlichen
haben auf. Und dazu, fagt Mefolopas, eignet fich gerade Lehreinheit und Lehrverfchiedenheit vom Standpunkt
die hcllcnifche Kirche, denn es gehört zu ihren gröfsten der allein orthodoxen griechifchen Kirche. Bei der Löfung
Tugenden dafs fie zu einer friedfertigen Handreichung diefer Aufgabe verheifst Mefolopas einen mittleren Weg
faß" nach allen Seiten bereit ift. Der Verf. verhehlt fich einfchlagen zu wollen, welcher der Wahrheit und der
nicht, dafs eine wirkliche, vom Griechenthum ausgehende Liebe genugzuthun vermag.

Einigung der Kirchen, wie fie vor mehreren Jahren fehr Heidelberg. Dr. Gafs.
pomphaft in Ausficht geftellt wurde, vor^ der Hand

Kolde, Prof.Dr.Th., Die Heilsarmee>[,ThiSalvation Army]

aufserhalb jeder Möglichkeit liegt aoer^v n d j . Anfchauung und nach ihren Schriften,

tifchen Beltrebung will er doch «cht und Erlange^ Deiche«, 1885. (IV, 128 S. gr. 8.) M. 2. -

eben darin findet Ref. einen Ausdruck aui £ ^ ^ vorigen Jahre die anziehende Schrift von

redlicher Gef.nnung; daher «™^r|™L 7U gedenken, ü. Funcke ,Englifche Bilder in deutfeher Beleuchtung'
thuendfein, einer kirchlichen Gemein cnau b ens Jn , yon mir jn diefen ßUutern (ls84, S. 94) befprochen

die von fich felber fagt, dafs ein t erz ue ^ ^ ^ ^ ^ Gelegenheit dari die Heilsarmee

ihr fchlage, und von welcher wir *,,,e' jhr yer. (The 5a/^w« diefe neuefte Verirrungenghfchen

Zug von Simplicitat und Wurde metnals au Chriftenthums, in deutfeher Beleuchtung zu betrachten,

fchwunden ift. fnltrende Samm- Erneute und fehr erwünfehte Veranlalfung gtebt uns

Soviel von der Einleitung. Die nun »KäSnKW, J^zt Kolde. d" mit der vollen Gründhchke, des au»

hing der Symbolfchriften bedarf nurweniger^^Lf.-i« dem Gebiete der Reformationsgefchichte bewahrten Hi-

fie ift mit anerkennenswerthem Fleils ^ ftorikers diefe pathologifch merkwürdige, rehgiofe t'.r-

Ganzen wohl gelungen, auch mit der Literatur zc fcheinung der Gegenwart behandelt. Der Verfaffer hat
der Verfaffer gut bekannt. Jeder Urkunde wer