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Ausgabe:

1885 Nr. 9

Spalte:

203-207

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schnapp, Friedr.

Titel/Untertitel:

Die Testamente der zwölf Patriarchen untersucht 1885

Rezensent:

Schürer, Emil

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203 Theologifche Literaturzeitung. 1885. Nr. 9. 204

Part. Act. Fem. fibpp oder rfjDp beffer nbup feltener
nbüp oder flbtJp. '— S. 31. Die für Nun 'epentheticum
gegebene Erklärung ift zu beandanden, denn es handelt
fich hierbei nicht um ein vor das Suffix, fondern um

durch eine doppelte Reihe von Interpolationen erhalten
hat. Alle übrigen Fragen bleiben aufser Betracht.

Mit diefer forgfältigen Analyfe des Textes ift die
Unterfuchung in der That am richtigen Punkte aufge-

ein an das Imperfect tretendes ,;—. — S. 35 § 24a. nommen. Alle bisherigen Unterfuchungen gingen in
Durch Zurückgreifen auf ein nur als Analogiebildung erfter Linie darauf aus, den theologifchen Stand

vorhandenes 22C verfperrt man fich jedwede Erklärung
von Formen wie 20? ,20? ,!"I20 ,120 ,2Dn u. f. w. — S.
38 ^ 27- Die angenommene Entdehung von 0*p!"I aus
In leim, Oplrl aus hüqäm ift recht unwahrfcheinlich, die

punkt des Buches zu charakterifiren. Man nahm dabei
in der Regel als felbftverftändlich an, dafs es chriftlichen
Urfprungs fei und ftritt nur darüber, ob es auf die juden-
chriftliche Seite gehöre (fo die Meiden) oder auf die

von Dsp? aus jäqum unmöglich, letzteres ergiebt Dp?.— j heidenchridlich-paulinifche (fo Ritfehl in der erden
S. 40. ribä id zu beandanden. — S. 43 § 31a. Die An- Aufiage feiner ,Altkatholifchen Kirche', und nach ihm

gäbe, dafs'der Stat. constr. den Wortton nicht verliere, id
nicht glücklich. Die Hauptfache id, dafs er fich proclitifch
dem Haupttone des folgenden Wortes unterordnet, alfo
nur Nebentöne haben kann. D^flbs "Up wäre um nicht
zu verwirren durch ,das Wort Gottes' wiederzugeben. —
S. 45. Warum Pilpe'lr — S. 46. Die alte Regel, dafs
die Suff, gravia an den Stat. constr., die levia aber an
den als. antreten, id nicht mehr verwendbar, wenn erkannt
id, dafs das Nominalfuffix logifcher Genetiv id.

Vordman und Hilgenfeld). Daneben haben allerdings
fchon die meiden Neueren, namentlich Kayfer
(Strafsburger Beiträge zu den theologifchen Wiffen-
fchaften, 3. Bändchen 1851, S. 107—140), eine gröfsere
oder geringere Zahl von Interpolationen angenommen,
aber Keiner hat diefem Theil der Unterfuchung eine
fpeciellere Aufmerkfamkeit gefchenkt, fo dafs die gelegentliche
Annahme von Interpolationen noch etwas
willkürliches zu haben fchien. Der Verfaffer der obigen

S. 52. Aus dem letzten Satze der Anmerkung könnte j Monographie hat zum erdenmale den ganzen Text
der Schlufs gezogen werden, dafs fich die Endung ö nur j Schritt für Schritt einer forgfältigen Analyfe unterzogen,
in m*n finde. — S. 54. Wie zu "12 und bs, fo war auch i die jedenfalls von fcharfer Beobachtungsgabe zeugt, auch
zu büt die entfprechende poetifche Form ^bs anzugeben. 1 wenn das Refultat in vielen Einzelheiten ein fchwanken-

— S. 56. Statt der Regel § 43b würde wohl beffer eine j des bleiben mufs. Im Wefentlichen find feine Refultate
Definition des Nominalfatzes gegeben worden fein, von l die folgenden. Man kann fad bei jedem der zwölf
dem aus man erd die Structur des hebr. Verbs begreift. | Tedamente drei Bedandtheile unterfcheiden. 1) Der

— S. 58 ^ 48. Der generifche Artikel konnte fchärfer betreffende Patriarch erzählt zuerd die Gefchichte feines
von dem bereits erwähnte oder fond bekannte Dinge Lebens, indem er fich entweder begangener Sünden an-
markirenden gefchieden werden. — S. 52. Der Schlufs 1 klagt, oder feiner Tugenden fich rühmt; in der Regel
der Anmerkung zu § 39 deht im Widerspruch mit § 50, gefchieht das erdere. 2; Auf Grund diefer biographi-
4b. — S. 53. S. 61. Hier fehlt die Hauptfache, dafs in | fchen Mittheilungen werden dann den Nachkommen entguter
Profa ein Relativfatz nur nach determinirten Be- fprechende Ermahnungen ertheilt: de follen vor der
griffen deht, während auf indeterminirte ein Befchreibe- 1 Sünde, die ihrem Ahnherren fo fchweren Kummer beiatz
zu folgen pfiegt. — Von Druckfehlern notire ich j reitet hat, fich hüten, oder, im Falle er Rühmliches von
PS S. 24 und D^ttltl? 1. D^Din? S. 59. — Völligere Para- | fich zu erzählen wufste, ihm nacheifern. Der Inhalt der
digmen hätte ich zu T02 und 2Öj? gewünfeht. Das Fehler 1 Ermahnungen deht meid in fehr enger Beziehung zu den

derfelben hat mich z.B. verhindert, Hollenberg's Schulbuch
meinen Tironen allgemein in die Hand zu geben. Denn
ch beginne das Verb mit dem Kai von "DP und fahre
mit Niwal, Hiff il, Hoffal von 2it)'i fort, von wo aus ich
erd zu bl3p übergehe. Die Auswahl der Lefedücke be-
fchränkt fich etwas einfeitig auf Genefis, Pfalmen, Jefaias.
Das id um fo weniger wünfehenswerth, als fich auch im
akademifchen Unterricht die Bevorzugung diefer Bücher,
welche fich aus älteren Gedalten der Theologie erklärt,
nicht wird zu halten vermögen. Ein befferes Stück als
das in volksthümlichem Erzählungstone gehaltene 1 Sa.
25 zur Einprägung des Nominalfatzes giebt es z. B. nicht.
Und follte man nicht die hidorifch intereffanteden Stücke
des A. T. Ri. c. 8. 9. 17. 18. 1 Sa. 4—6. 9. 28—31. 2 Sa.
2—5. 8—11. 21. 24. 1 Kö. 1. 20. 22. 2 Kö. 3. 6. 7. 9. 10.
11. 22. 23 vorzugsweife für den Unterrichtder Anfänger
benutzen? Möge der Herr Herausgeber aus dem Um

biographifchen Mittheilungen: die Nachkommen werden
eben vor der Sünde gewarnt, refp. zu derjenigen Tugend
ermahnt, die der Patriarch von fich zu berichten
hatte. 3) Daneben finden fich aber fad bei allen Teda-
menten gegen Ende auch noch Weisfagungen über die
Zukunft des betreffenden Stammes: der Patriarch weisfagt
feinen Nachkommen, dafs fie abfallen werden von Gott,
oder, was zuweilen als gleichbedeutend erfcheint, von
den Stämmen Levi und Juda, und dafs fie dafür in's
Elend, fpeciell in Gefangenfchaft und Zerdreuung ge-
rathen werden. Mit diefen Weisfagungen id häufig die
Ermahnung verbunden, fich an die Stämme Levi und
Juda anzufchliefsen. Andererfeits find ebenfalls in diefe
Weisfagungen zahlreiche fehr directe Hinweifungen auf
die Erlöfung in Chrido eingedreut (die dabei vorausgefetzte
Chridologie id bekanntlich dark patripaffianifch).
— Schnapp fucht nun zu zeigen, dafs alle unter Nr. 3

fange meiner Bemerkungen das Intereffe erfehen, welches | angeführten Bedandtheile und auch noch einige
ich an feinem Uebungsbuche nehme. andere verwandte Stücke, namentlich Vifionen,

Giefsen, 15. 3. 85. Bernhard Stade. ^aLff^Einf^ R.ihJ«6^'
_'■>■>■>_ mente feien. Dabei unterfcheidet er zwei Reihen von

Schnapp, Lic. Friedr., Die Testamente der zwölf Patriarchen j Interpolationen die jf^" ^

4. V t, 11 xt- 00 ,00c o , m jüdifchen Interpolator' dämmt die riauptmaiie der

unterfucht. Halle, Niemeyer, 1884. (88S. gr.8.) M. 2.- | Erganzungen. der ,chridliche Interpolator' hat eben

,DievorliegendeUnterfuchungüberdieTedamenteder j diefe jüdifchen Ergänzungen wieder durch kurze, aber
zwölf Patriarchen erdreckt fich allein auf die Compofition j zahlreiche Einfchiebfel bereichert, um überall auf das
des Buches'. Mit diefem Satze der Vorrede präcifirt der i künftige Heil in Chrido hinzuweifen. Den Ausdruck
Verfaffer genauer, wasman von feiner Schrift zu erwarten : jüdifcher' und ,chridlicher Interpolator' gebrauchtSchnapp
hat. Er giebt alfo nicht, wie man nach dem Titel ver- ! aber nur in dem Sinne, dafs damit zwei Claffen von
muthen könnte, ein allfeitige Unterfuchung der Ent- j Einfchaltungen bezeichnet werden. Er hält es für wahr-
dehungsverhältnifse diefes merkwürdigenBuches,nament- | fcheinlich, dafs fowohl die jüdifchen wie die chridlichen
lieh auch, nicht eine Unterfnchung feines theologifchen | Ergänzungen nicht fämmtlich von je einer Hand her-
Charakters und feiner Abfaffungszeit. Sondern er be- rühren (S. 29, 87 f.). Ueber den Urfprung der Grund-
fchränkt fich auf eine kritifche Analyfe des Textes, welche ; fchrift äufsert er fich nirgends direct. Offenbar hält er
zeigen foll, dafs das Buch feine gegenwärtige Gedalt erd ; diefelbe aber für jüdifch und vorchridlich, denn er dellt