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Ausgabe:

1884

Spalte:

131-133

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harris, J. Rendel

Titel/Untertitel:

Stichometry. I 1884

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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hebt, gar nicht einmal auf directer Entlehnung zu i anderen müffe eine beftimmte Verhältnifszahl fich finden;
beruhen brauchen. Hier liegt in der That für die Be- ! welche andere könne das fein als 14? Mit anderen
ftimmung der Abfaffungszeit eine Inftanz vor, gegen 1 Worten: eine Columne von B fei = 3 Columncn des
welche unferes Erachtens die Berufung auf Sebulon und ! Originals; 2 u. 3 Joh. füllten urfprünglich genau 5, Judä
Naphtali in V. 28 nicht aufkommen kann. Nicht minder genau II, 1 Theff. 32, Jak. 38, I Joh. 41, Gal. 47, 2 Cor.
fcheint uns S. 194 ff. die Abhängigkeit des Pfalms von 1 95 Columnen, refp. Papyrusfeiten. So wird uns denn auf
Habakuk überzeugend dargethan. Ob" aber der Pfalm der erften Tafel 2 Joh. in 5 Columnen zu 14 Zeilen, auf
bei einem ganz beftimmten Anlafs und zu ganz be- einer zweiten die Perikope Joh. 8 in genau 4 folchen
ftimmtem Zweck gedichtet fei, läfst der Verf. dahin- , Columnen vorgeführt und von letzterer, was ich hier
geftellt; jede Vertheilung des Textes an Chöre und fchon einfüge, wahrfcheinlich zu machen gefucht, dafs
Einzelftimmen findet er mit Recht precär. das Blatt an falfcher Stelle eingerückt fei; es hätte ur-

Zum Schlufs noch einige Einzelheiten. Uafs fich die ! fprünglich hinter c. 5 gehört, das nach der Berechnung
Prädicirung Gottes als ,auf den Kerubim thronend' von von H. wirklich mit einer Columne endigte. Aus einer
Haus aus (fpäter war diefe Auffaffung wohl möglich) gleichen Unterfuchung des Sinaiticus fchliefst H., dafs
auf die Kerubim über der Bundeslade beziehe (S. 64), i demfelben für eine Reihe anderer Schriften ein kleineres
mufs Ref. flark bezweifeln. Denn diefe Kerubim kennen Originalformat mit je 12 Zeilen in der Columne und
wir nur aus dem Pritftercodex, während 1 Kön. 8, 6 f. weniger Buchftaben in der Linie zu Grunde liegen müffe,
die Lade unter die Flügel der (neben ihr flehenden) i und bringt damit die bekannten Ausdrücke roiaatt und
Kerubim gefetzt wird. Der Ausdruck ift alfo wohl ur- Ttroaooa in dem Schreiben Conftantin's in Verbindung,
fprünglich in dem Ezech. 10, 1 befchriebenen Sinn zu 1 Seite in B = 3 x 3 des gröfseren, 1 Seite in S = 4 X 4
verftehen. — Der Dual C,rTi21 V. 18 (S. 126) wird nicht des kleineren Formats. Diefe 2 Formate erkennt Harris
von zwei Myriaden, fondern als Zahlbegriff multiplicative weiter in dem Edict des Diokletian wieder, nach welchem
zu verftehen fein, alfo nach Analogie von DhrTv?ai25 fvergl. ein Schreiber für 100 versus in scriptum optima [25], für
Gefen. 5 97, 3, Anm. 1, wohin Ref. jetzt eben auch Pf. ebenfoviele sequcntis scripturae [20] Denare bekommen
68, 18 ziehen würde); auch VfgBS dürfte eher ,Vielfältig- ' folle (die Zahlen find nicht ganz iicher) und berechnet
keif als ,Zwiefältigkeit: zu faffen fein, wie dies bef. | darnach den Schreiberlohn für S auf 28960 Denare und
Hiob 11, 6 der Context nahe legt. — V. 19 überfetzt die Kotten des Pergaments — nach demfelben Edict

der Verf. den Schlufs ,als Jah, o Gott, zu thronen'. Da
aber in Pf. 68 als zu der Gruppe 42—83 gehörig D^ri'bx
doch erft für ITH* eingefetzt ift, fo wird letzteres nicht
anders zu nehmen fein, als z. B. Jef. 12, 2, d. h. als
Permutativ zu np, nicht als Vocativ. — Die Conjectur

bekommt der mcmbranarius für eine Quaternio fufsbreiten
[?] Pergaments 40 D. — auf 3600, die Gefammtkoften
nach unterem Geld auf 720 M. [Waddington rechnet für
den Denar 0,062 fr., Birt 0,024 M.j. Endlich findet H.
in B u. S und ihren doppelten Vorlagen, wie in diefer

H'MPtt für DiaitfM V. 24 (,und deiner Hunde Zunge, die 1 scriptum optima u. sequens die 2 Stichenarten vertreten,
nach" Bluttrank lechzen') dürfte doch an dem nach- ! die in alter Zeit unterfchieden worden feien, die Hexa-
folgenden ya fcheitern; übrigens findet fich von meterzeile und die jambifche. Erfteres ift nun ganz ficher,

nur das Oat (Pf. 119, 131) und zwar mit b conftruirt. i dafs nämlich die Zeilen von B halbe Hexameterzeilen find,
Aus den vier Anhängen (Text einer perfifchen Ueber- j aber die Exiftenz des jambifchen Trimeters als zweiter Nor-
fetzung, f. o.); Lesarten der LXX und Itala, fowie der malzeile fcheint mir H. auch in feiner zweiten Abhandlung
Pefchitta, endlich die von Dillmann mitgetheilten Va- J nicht genügend erwiefen zu haben. Bei alledem i(t aber eins
rianten von fechs Berliner Handfchriften zum Ludolf'fchen | vorausgefetzt — und diefe Vorausfetzung ift m. E. eine
äthiopifchen Text) heben wir hervor, dafs Grill der irrige —, dafs unfere Codices B u. S Linie für Linie ihrer
Anficht Baethgen's: /Die unbedingte Bevorzugung des Vorlage und diefe wieder der ihrigen gefolgt feien. Dies
Vaticanus (LXX) ift fehr ungerechtfertigt, vielmehr weift ift nicht blofs überaus unwahrfcheinhch, fo unwahrfchein-
er deutliche Spuren einer Correctur nach dem hebrä- ! lieh, wie die andere Annahme, die daraus hervorgehen
ifchen Text auf S. 228 mit Entfchiedenheit beitritt. 1 würde, dafs fchon ein Paulus und Johannes fo gleichmafsig

wie die fpäteren alexandrinifchen Kalligraphen das eineMal

Tubingen._E. Kautzfeh. durchfehnittlich 17, das andere Mal 12 Buchftaben auf

u ■ t ti ti iix L IC , die Zeile fetzten. Es läfst fich, meine ich, durch die That-

1. Harns, J. Rendel, New Testament Autographs. [Supple- g^6^^, n> dafs in der Vorlage von B die pauli-
ment to the American Journal of Philology, Nr. 12.J , nifchen Briefe fchon eine befondere, gleichmafsig bc

Baltimore, Publication Agency, John Hopkins Uni-
versity, 1883. (II, 54 S. mit Taf. 8.) 50 cents.
2. — Stichometry. I. [Reprinted from American Journal of
Philology. Vol. IV, Nr. 2.] Ebd. 1883. (25 S. 8.)

Ich erlaube mir, diefe Abhandlungen hier anzuzeigen,
weil ich daran eine Mittheilung knüpfen möchte, die für
die Gefchichte des neuteft. Bibeltextes nicht ohne Intereffe
ift. Die erfte handelt nicht etwa von angeblich noch

handelte Sammlung bildeten, in der unmöglich der eine
dem gröfseren, der andere dem kleineren Format gefolgt
fein kann; vielmehr wiffen wir darüber eben rein gar
nichts, wie breit urfprünglich die Stichen der erften
Exemplare gewefen find. Dagegen — und das ift nun
das Neue, was ich hervorheben möchte — beruht die
Angabe, dafs in B der hexametrifche Normalftichos von
c. 36 Buchftaben zu Grunde liege, nicht blofs auf nachträglicher
Berechnung, fondern es finden fich in B bei

exiftirenden Autographen des N. T.'s, fie will vielmehr | 5 altteft. Büchern, I—IV Reg. u.Jef, die Stichenzahlen
auf ganz empirifchem Wege conftatiren, wie wir die i in gleichmäfsigen Abftänden von 100 zu 100 fort-
neuteft. Schriften in ihrer Urgeftalt uns zu denken haben, j fchreitend, in einem Fall bis 3400 reichend auf

In der zweimaligen Formel /rollet tyrov ygacitiv, nnlla
myov yocapai 2 Jo 12 u. 3 Jo 13, die offenbar durch das
zu Ende Gehen des Papiers veranlafst fei, findet Harris
einen Fingerzeig, die Gröfse damaligen Briefpapiers zu
beftimmen. Indem er fodann zu den noch erhaltenen
neuteft. Hdfchrr. übergeht, findet er, dafs in B von 21
Büchern 5 mit Zeile 27, 2 weitere Z. 28, eines Z. 26
einer Columne enden. Dafs dies durch Zufall fo komme,
dafür fei die Wahrfcheinlichkeit nur wie 1 : 4000. B
hat nun 42 Linien in der Columne; zwifchen 42 und 27
bez. 28 auf der einen Seite und dem Original auf der

dem Rande verzeichnet. Im Buche Jef. kommen
durchfehnittlich 213, in 2 Sam. 223 Zeilen von B auf die
100 am Rande verzeichneten. Es entfteht nun nur die
Frage: gehen diefe Zahlen am Rande einfach auf die
Zeilen der Vorlage zurück, fo dafs diefe in doppelt fo
breiten Columnen gefchrieben war, wie B, oder gehören
fie erft zu B als Zählung der Normalftichcn, etwa zur
Berechnung des Schreiberlohns? Mir fcheint kein Zweifel,
dafs fie nur die Zeilen der Vorlage bedeuten, diefe
felber aber eben Normalgröfse hatten. Von felbft leuchtet
ein, wie wichtig diefe Angaben für die Textkritik der