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Ausgabe:

1884

Spalte:

105-109

Autor/Hrsg.:

Böhl, Ed.

Titel/Untertitel:

Zum Gesetz und zum Zeugniss 1884

Rezensent:

Stade, Bernhard

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Seite 1, Seite 2, Seite 3

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

m 5.



8. März 1884.

9. Jahrgang.

Böhl, Zum Gefetz und zum Zeugnifs (Stade).
Palm, Die Lieder in den hiftorifchen Büchern

des A. T. (Budde).
Wetzel, Die fynoptifchen Evangelien (Weifs).
Storz, Die Philofophie des h. Auguftinus

(Gottfchick).

Pietfch, M. Luther und die hochdeutfche
Schriftfprache (Braune).

Springer, Raffael und Michelangelo. 2 Bde.
2. Aufl. (Rade).

Wange mann, Die lutherifche Kirche der Gegenwart
in ihrem Verhältnifs zur Una Sancta
(Kattenbufch).

Pünjer, Gefchichte der chriftlichen Religions-
philofophie feit der Reformation. 2. Bd.
(Nitzfeh).

Spurgeon, Vorträge bei Paftoralconferenzen

(Baflermann).
Du Camp, Die Privatmildthätigkeit in Paris

(Schlofler).

Böhl. Prof. Dr. Ed., Zum Gesetz und zum Zeugniss. Eine mag, was Mofe von feiner MutterJochebed, welche ihn
Abwehr wider die neu-kritifche Schriftforfchung im mit patriarchalifcher Milch fäugte, erzählt bekommen und

Alten Teftament. Wien, Braumüller, 1883. (V, 231 S. ^'^"^ ^ift"chenf f ?™ de" 1VledlUtionen fade»

I rrophetenlchulen benutzt hat? Zudem kann man doch

gr. 8.) M. 4. — 1 eigentlich nicht glauben, dafs ein Profeffor der Theologie

Der Verf. der Volksbibel zur Zeit Jefu hat erachtet, die einfehlägigen Stellen fo wenig kenne, dafs er glauben
dafs es an der Zeit fei einem Manne, wie A. Kuenen, das könne, mit Behauptungen durchzukommen wie S. 199,
Plandwerk der Einleitung ins A. T. durch eine tüchtige , Anm. 1: ,das Verbum rrilö bezeichnet keinen fpeciellen
Gegenfchrift einmal gründlich zu legen, denn durch die priefterlichen Dienft. Und übrigens kennt auch das Dt.
Art, wie einft de Wette, jetzt Kuenen und Wellhaufen durchaus den Unterfchied von Prieftern und Leviten',
am A. T. Kritik übten, würde die Kirche im Chaos be- Freilich wurde ich an meinem Verdachte wieder irre,
graben. Und fo ift er hingegangen und hat als einen denn ich mufste mir fagen, es ift der Verf. der Chrifto-
kleinen Beitrag hierzu diefe Schrift gefchrieben. Der i logie des A. T's., welcher hier fchreibt, derfelbe, welcher
Lefer wird verwundert fragen, aber follte das wirklich 1 unlängft über die chriftologifchen Probleme auch den Syfte-
feine Meinung fein? Ich will mich nicht dahinter ver- matikern Auffchlüfle gegeben hat. So könnte er wirklich
fchanzen, dafs ich blofs des Verfaffers Worte citire, fon- ; vielleicht meinen, dafs auch hiermit über dem Volke,

das im Dunkeln wohnet, ein Licht aufgegangen fei, und
könnte vielleicht deshalb Jef. 8, 20 citiren, und du würdeft
ihm alfo vielleicht diefen Verdacht abbitten muffen.

Doch der Lefer möge felbft urtheilen. Das Buch zerfällt
in 7 Abfchnitte. Ich werde deren Inhalt vorführen. Den
1. u. 2. Abfchnitt bildet eine Revilion der Begriffe ,Gefetz
' und ,Bund'. Sie werden fo lange revidirt, bis de
unter den Händen verfchwinden. Das Gefetz ift zwifchen-
eingetreten, fagt auch der Verf.; d. h. vor ihm gab es
eine Zeit, in welcher es nur der Idee nach da war. Diefe
Zeit feiner Präexiftenz ift die eigentlich klaffdehe, mufter-

dern offen geftehen, dafs ich mir nicht völlig klar darüber
geworden bin, ob dies der Verf. in vollem Ernfte meint,
oder ob er vielleicht in fatirifcher Weife auf etwas ganz
anderes abzielt. Und zwar habe ich es mir nicht ver-
driefsen laffen, um dahinter zu kommen, das ganze Buch
genau durchzulefen, wiewohl es das Gefchäft des Recen-
fenten ebenfo durch die Art feiner Zufammenfetzung aus
allerhand phantaftifchen Einfällen, aus hinkenden Vergleichen
, aus unangenehm aufgehetzten Schlagwörtern
und mifsverftandenen Anflehten der Gegner erfchwert,
wie durch vielfach unangemeffene Darfteilung von Dingen

der Religion und durch die Wiederkehr derfelben, nur j gültige, in deren Element fich die Propheten und Apoftel
zuweilen etwas anders fchillernden Gedanken in allen ' befonders wohl fühlten. Nun gar die Stiftshütte beeinzelnen
Theilen. j kommt erft nach dem Tanze ums goldene Kalb actuelle
Freilich liegt es vielleicht nur an meinen ftumpfen Bedeutung. Was immer Ifrael direct oder durch die
Sinnen, dafs mir die Abheilten des Verf's. nicht ganz klar 1 Priefter repräfentirt hier thut, ift ein Vorrecht; wer fich
geworden find. Aber follte man nicht ein Buch als Satire J desfelben bedienen will, thut es zu feinem Beften; Gott
auffaffen dürfen, welches, der Ankündigung nach gegen felbft wird aber dadurch nicht gedient. Pur den Buch-
die neu-kritifche P"orfchung gerichtet, doch eigentlich un- ftaben der Gefetzgebung in den mittleren Büchern des
mifsverftändlich kräftig der altkritifchen den Stuhl vor Pentateuchs konnten fich die Gottesmänner nach Jofua
die Thür fetzt; follte man nicht meinen müffen, die un- nicht erwärmen, fo lange alle Vorausfetzungen fehlten,
kritifche Art mit der Bibel fich zu befchäftigen, fei in um jenen Buchftaben /.ort« Ttvevfia durchzuführen. Nach
einem Buche verfpottet, welches einzelne Bibelftcllcn anderen Stellen reden fie nicht davon, weil es ihnen unfröhlich
fo lange durcheinander wirft, bis man fie nicht mehr leidlich ift, dies thun zu müffen. Wie nun das Gefetz
wiedererkennt, welches gleichzeitig 1 Kö. 13 als hiftorifch eine.pureEpifode'ift, fogiebts, genau befehen, auch keinen
in Anfpruch nimmt und Vorfchriften über Quellenkritik mofaifchen Bund; es ift blofs eine vorübergehende Phafe,
mebt, welches uns über das Recht der Eintragung belehrt welche gleichfalls durch den fchlimmen Tanz ums Kalb
(S. 166) und wiederholt verfichert, dafs die Einwendungen ; befeitigt wird. Es ift eine ganz verkehrte Vorftellung,
der neueren Kritiker gar nichts zu bedeuten haben? j von einem mofaifchen Bunde zu reden, auf den die ganze
welches die Wege der göttlichen Vorfehung fo genau ; frühere Entwicklung hinziele. Es giebt nur einen Bund
kennt dafs es beftimmt weifs, weshalb Gott in beftimmten mit Noah, deffen Zeichen der Regenbogen, und ferner
Momenten "erade fo und nicht anders handeln mufste, einen Bund mit den Erzvätern, deffen Zeichen die Be-
und fo fern ein Herzenskündiger auch der verborgen- fchneidung war. Aber darüber hinaus giebt es keinen
ften Dincre ift, dafs es uns darüber zu unterweifen ver- I Bund, und Jefus Chriftus hat nur den Bund mit den Erz-

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