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Ausgabe:

1884

Spalte:

49-55

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Didache ton Apostolon ech toy ierosolymitichoy 1884

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. j. c. HinrichsVche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 3. 9- Februar 1884. 9. Jahrgang.

JIAAXH TfiX _iri02T0A<2N edid. Bryen-

nios (A. Harnack).
Riehm, Zur Revifion der Lutherbibel (Guthe).
Budde, Die biblifche Urgefchichte (Kautzfeh).
Ziegler, BruchfUicke einer vorhieronymianifchen

Ueberfetzung des Pentateuch (von Gebhardt).
Westcott, The historic faith (Kattenbufch).
Rühm. Confeffionelle Lehrgegenfätze. I. Th.

(Derfelbe).

Mehlhorn, Grundrifs der proteft. Religionslehre
(Kattenbufch).

Bender, Reformation und Kirchenthum. Feftrede
(Gottfchick).

Krüger, Luther und Bender (Derf.).

Bärthold, Prof. Benders Feftrede (Derf.).

Reinkens, Leffing über Toleranz (Wächtler).

Baur, Gefchichtsbilder aus den Befreiungskriegen
(Schloffer).

Ohly, Was foll ich predigen? 2. Bd. (Beffer).
Dalton. Der fociale Ausfatz (Schloffer).
Römheld, Die Verpflanzung der inneren Miffion

auf das Land (Schloffer).
Sammlung von Vorträgen von Frommel und

Pfaff u. Zeitfragen d. chriftl. Volkslebens

(Kraufs).

Müller, Die wiffenfeh. Vereine Deutfchlands
im lg. Jahrh. (K. Müller).

Jl/./XII V-'.'N ex xov iegoaolvpixixob

ytignygdipor vfv ngaixov exbiöofitvrj Litxu 7ignkeyofit-
vwv xat oiiutKÜoeiov, sv 01 g xai xijg Hvvoifiuoq ttJs
II. I.. rijs r.111 /«n'cvv. top Xqi nnaxötiov, ovy/.gioig
/.Iii fitgog uvt/.öoxov äub xov aixov ytigoygaipov vnb
</>i /. n ,'/<■'0 1 Bgvevyiov Lnrzgonolixov NLXoiiijdelag.
'/:')• KünfrcavTivowrolei, xvnoig -'. /. Iloixvga, 1883.
Evgia/.excti zragd xu> fatdoxi). (149, 75 p- 8.) Ttfiäzcti
rpgdyxwv 5-

Eine neue Urkunde zurGefchichte der Kirche
im 2. J ah r hundert! Jene uralte Schrift, die bereits Clemens
Strom, I, 20, 100 als ygarpi citirt, dieEufebius (/i.e. III, 25)
dem Hirten, der Apokalypfe Petri und dem Barnabasbrief

reiche Räthfel der altchriftlichen Litcraturgefchichte erweift
. — fie giebt dabei auch neue auf —, und es nicht
möglich ift, auf einmal diefelben zu überfehen *).

Den Beweis, dafs wir in der im Cod. C. enthaltenen
Schrift wirklich die alte dibayx zu erkennen haben, hat
Bryennios geliefert. Derfelbe ift aus äufseren Gründen
für Schriften diefer Literaturgattung kaum zu führen;
doch ift es in diefer Hinficht fehr wichtig, dafs der
Tractat in C. 203 Stichen füllt, der Jtöayi, aber die
Stichometrie des Niceph. 200 Stichen gegeben hat -).
Alles kommt auf die inneren Gründe an, und diefe
entfeheiden hier m. E. fo, dafs jeder Widerfpruch aus-
gefchloffen ift. Was Alterthümlichkeit betrifft,
fo kann fich die Ji öayj't etwa mit dem Hirten des
Hermas meffen; fie gehört in eine Reihe mit

zugeordnet hat dnoaxnhwv ai Itybiuvai. Öibuyui' — 1 den älteften Urkunden, die wir aus der Heiden-

Rufin bietet den Singular), die Athanafius unter die zwar ' kirche befitzen, und fie nimmt unter diefen in-

nicht kanonifchen, aber zum Gebrauche für die Kate
chumenen feftgcftellten Schriften gerechnet wiffen wollte
(,biöciyi ■/.aXoviuvg xwv anooxbliov' epistula festalis 39)
und die in der Sticlwmetr. Niceph. als Apokryphum
zwifchen dem Thomas - Evangelium und den Clemensbriefen
(,diduyij ä/iaöxoliov ax'tyoi o ') aufgeführt
ilt ■! — diefe Schrift ift uns wiedergefchenkt. Wir wufsten
bereits aus der Befchreibung des Entdeckers, dafs in
demfelben Codex, der die vollftändigen Clemensbriefe
enthält, unmittelbar nach denfelben und vor den Ignatiusbriefen
eine Schrift unter dem Titel: di8ayjt icSv

fofern eine einzigartige Stellung ein, als fie die
ältefte Kirchenordnung ift, die wir kennen. Es
ift zunächft ziemlich gleichgültig, in welches Decennium
zwifchen 120 und 160 man ihre Abfaffung zu fetzen hat;
denn fie zeigt uns jedenfalls Gemeindezuftände, wie wir
fie in diefer concreten Eigenthümlichkeit und Alterthümlichkeit
bisher wohl zu ahnen, aber nicht zu erkennen
im Stande waren. Notizen im Epheferbrief, in der
Apoftelgefchichte, im I. Clemensbrief, bei Hermas, Juftin
und in Lucian's Peregrinus werden jetzt bedeutungsvoller
und verftändlicher. Was wir von ,Apofteln' (das Wort

bwbe/.u dnooxbhov flehe und nach dem angegebenen j wird ausfchlicfslich im Sinne wandernder Evangeliften in
Umfange (fol.76* med. — 80) und der Stellung neben I der Jiöayr^ gebraucht), von ,Propheten', ,Lehrern' und
den Clemensbriefen durfte man vermuthen, dafs diefelbe j in diefem Zufammenhang von Epifkopen und Diakonen

mit der in der Stichometrie befchriebenen identifch fei
Um fo gefpannter mufste man auf die Publication fein.
Der fachkundige, gelehrte und forgfame F'orfcher, der
Metropolit Bryennios — jetzt in Nicomedien — hat
neben Jahre mit der Herausgabe gezögert: nun liegt die
Schrift vor, und wir haben allen Grund, dem verehrten
Bifchof den wärmften Dank zu fagen für diefe einzigartige
Gabe, deren kirchenhiftorifcher Werth noch höher
anzufchlagen ift, als der der früher fehlenden Stücke der
Clemensbriefe. Bryennios hat aber auch nichts verfäumt,
um feine Publication auszuftatten. Es ift ein in jeder
Hinficht gereiftes Werk, welches er vorgelegt hat.
Die Prolegomena fowohl als die Noten find mit ebenfo
grofsem Fleifse wie Kenntnifs des einfchlagenden Materials
und der Literatur ausgearbeitet. Viele wichtige
Fragen find wirklich erledigt. Bleibt auch noch immer
genug zu thun übrig, fo liegt das vornehmlich daran,
dafs die neue Urkunde fich als ein Schlüffel für zahlin
den Gemeinden hören — Presbyter werden überhaupt
nicht erwähnt —, das wird in Zukunft der Faden
werden, an den wir viele vereinzelte Nachrichten ältefter
Zeit aufzureihen haben. Für die Verfaffungsgefchichte
haben wir an der Jiöayi] eine Urkunde erlten Ranges,
die zugleich ein Licht auf die allgemeinen Bedingungen
wirft, unter denen der Montanismus entftanden ift, refp.
auf die Schätzung der Gemeindepropheten:t). Nicht minder
wichtig ift die diöayj] für die Cultusgefchichte; in den
euchariftifchen Gebeten, die fie mittheilt, fteckt eine
Fülle werthvollften Inhaltes.

1) Die Publication bringt auch aus demfelben Codex ungedruckte
Stücke des Chryfoftomus und eine fehr forgfame und belangreiche Nach-
lefe zum Text der Clemensbriefe, die aus einer neuen Vergleichung der
llandfchrift gewonnen ift (f. p. 93—149 der Prolegg. u. p. 67—75).

2) Beiläufig fei bemerkt, dafs die Aidayrj ungefähr den Umfang des
Galaterbriefs hat (c. 10900 Buchftaben).

3) Um Mifsverftändnifse zu verhüten, fei ausdrücklich conftatirt, dafs
die montaniftifche Bewegung nirgendwo bereits im Gefichtskreis des

1) Credner, Gefch. d. NTlichen Kanon S. 244; f. auch 250. 256. ! Verf.'s der Aiiuy/f liegt
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