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Ausgabe:

1884 Nr. 24

Spalte:

574-576

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krafft, W.

Titel/Untertitel:

Die deutsche Bibel vor Luther 1884

Rezensent:

Braune, W.

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Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 24.

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antma et corpore1) Abfatz 1, und der zweite Abfatz des 1 cäfarea und Nicäa, deren geringe Abweichungen vom
Melitofragments {et post alia:) deckt fich in feiner erften 1 griechifchen und — in den Namen der Concilsmitglieder —
Hälfte faft völlig mit Z. 17—24 des Alexanderfrag- vom lateinifchen Texte nähere Erwähnung hier nicht
ments 3. Und die Berührungen mit Melito befchränken nöthig machen. Den Canones von Nicäa und der Lifte
fich nicht auf die Fragmente 3 und XIII: Alexander-.| der Synodalen find unwichtige hiftorifche Notizen der
fra^ment 5 Z. 6—13 findet fich faft wörtlich im Melito- Handfchriften vorangefchickt. Ein in diefen Notizen ent-
fragment XVI de passione, enthält auch den zugleich in haltener Brief Conftantin's, der die Bifchöfe zur Synode
Melito VII vorkommenden Satz: rex Israel israelitica , nach Nicäa ladet, p. 224 sq. 452, ift zweifellos ebenfo
manu extollitnr. Auch die erften Zeilen des Alexander- unecht wie der von Mai, Veterum Script, novo coli. X
fragments 5 berühren fich mit Melito (XVI). Endlich p. 31 edirte Brief, der mit dem hier veröffentlichten nur
erinnert der Schlufs von Alexanderfragment 3 ftark an ! das gemeinfam hat, dafs beide das, wie wir fehen, früh
das auch dem Irenäus (vgl. No. 8 diefer Anzeige) zuge- vermifste Edict Conftantin's neu zu fchaffen verfuchen.
fchriebene Melitofragment XV [de fide), und auch das , ,Ad calcem analectorum (IV, 465—486) reperiet lector
Melitofragment de cruce (XIV) enthält ähnliche Gedanken excursum a Rcv. Patre Augitstino Ciasca coiirinnatuvl in
wie Alexanderfragment 3 und 5. arabicum Tatiani öiit naoagov versionem, quam propedieui

Auf diefe Schwierigkeiten einzugehen, fehlt der Raum, j editurus est (vgl. Zahn, Forfchungen z.Gefch. des n.tlichen
Käme es darauf an, aus den 3 Autorennamen nur einen Canons I, S. 294). —

auszuwählen, fo hat der Alexander's die befte handfehrift- Wir find am Ende. Allgemeinere Bemerkungen follen

liehe Bezeugung, — zu den 3 Mai'fchen Handfchriften die Anzeige nicht länger machen, das Verhältnifs der
für Alexanderfragment 3 kommt die Martin's {anni 562) ; Qualität des von Pitra Gegebenen zur Quantität wird aus
mit ihrem doppelten Text und die von M. überfehene*) allem Gefagten erkennbar fein.

Coterills {Mus. Brit. add. Mss. 17192) hinzu. Allein Des Intereffanten bleibt auch nach beträchtlichen

der ausfchliefslichen Zurückführung der Fragmente auf Abzügen immer noch viel, und auch die proteftantifchc
Alexander widerftrebt die gute Bezeugung des irenäifchen Wiffenfchaft wird dem römifchen Cardinal gern für feine
Urfprungs des Melitofragments XV (vgl. Harnack, Texte Gaben danken. Nichts als ein ehrerbietiges ,Danke' zu
und Unterfuchungen IS. 266), ferner die inneren Gründe fagen, hat der Herr Cardinal felbft uns unmöglich ge-
für die Echtheit der Melitofragmente VII. XIII. XIV. XVI , macht. Wenn er gelegentlich (II proleg. p. XLIlf) unferm
(vgl. Harnack a. a. O. 264 fr.), fowie der Umftand, dafs Luther ein pingue et vecors ingeniiun glaubt nachfagen
die Melitofragmente XIII—XVI derfelben alten Hand- zu dürfen, fo müffen wir folche unvernünftige Schmähung,
fchrift entnommen find, in dem das Alexanderfragment fo gern wir anerkennen, dafs Aehnliches in den Analecten
3 (ich findet (12 156 anni 562). Endlich fcheint das von fich nicht weiter findet, beantworten mit dem Hinweis
La^arde, Analecta syriaca S. 89 und von Martin in unfern darauf, dafs die Mängel der Pitra'fchen Arbeiten, die
Analecten IV p. 56 No. VIII B veröffentlichte Hippolyt- Stumpfheit und Befchränktheit der Kritik im letzten
fragment entweder auch auf Alexander zurückgeführt Grunde lediglich in dem Katholicismus des Herausgebers
werden zu müffen oder einen älteren Urfprung der eng [ wurzeln.

verwandten Melitofragmente zu fordern. Das Richtigfte Leipzig F 1 oofs

ift deshalb vielleicht, die Martin'fchen Alexanderfragmente
als folche gelten zu laffen und anzunehmen, Alexander .

fei von älteren Ausführungen ähnlicher Art abhängig. Krafft, Prof. Dr. W., Die deutsche Bibel vor Luther, fein
Die Abweichungen im Wortlaut, die bei aller Ueberein- Verhältnifs zu derfelben und feine Verdienfte um die
ftimnning der Gedanken in den verfch.edenen Fragmenten ; deutfche Bibelüberfetzung. Bonn, [Cohen & Sohn]
(ich finden, fowie der Predigtcharakter der Alexander- »*
fragmente begünftigen diefe Hypothefe. Ob Irenäus, l683- (25 b. gr. 4.) M. 1. 50.

Hippolyt oder Melito der von A. benutzte Autor ift, j Die Thatfache, dafs vor Luther die ganze deutfche
oder ob auch hier wieder mit Entlehnungen auszukommen Bibel fchon in 14 verfchiedenen Drucken erfchienen ift,
ift, wird fchwer zu entfeheiden fein. — l ift früher wenig beachtet worden, und wo man fie be-

Was nun in den Analecten noch zu befprechen ift, j achtete, fetzte man diefe Bibelüberfetzungen als ftümper-
kann ein Intereffe kaum beanfpruchen und mag deshalb 1 hafte Arbeiten herab und Hellte Luther's Verhältnifs zu
rafch abgethan werden. ihnen fo dar, als ob er diefelben nicht gekannt, viel

26. Die 10 durchfchnittlich vierzeiligen Fragmente weniger benutzt hätte. Erft in neuefter Zeit hat man
des Eultathius v. Antiochien im 4. Bde. 210—213,441—443 ! Tiefen Ueberfetzungen eingehendere Aufmerkfamkeit gefind
fämmtlich (auch No. 3, das mit Migne 18, 696 B fchenkt. Man hat erkannt, dafs die 14 vorlutherfchen

deutfehen Bibeln alle ein und diefelbe Ueberfetzung
repräfentiren, welche nur im Laufe der Zeit — befonders
in der 4. Ausgabe — revidirt und modernifirt wurde,
dafs aber der erfte Druck (1466) wiederum auf älteren
handfehriftlichen Ueberfetzungen beruht, die feit dem
14. Jahrhundert in oberdeutfehen Klöftern vielfach umliefen
. Letzteres ift befonders durch die vor einigen
Jahren erfolgte Publication einer folchen Hf. des neuen
Teftaments, des Codex Teplensis, offenkundig geworden.

fich berührt) neu, einzelnes ift ficher fpäter. Unverdächtig
find 3 Fragmente zu Proverbienftellen (u. a. zu 8, 22),
die P. IIprol. XXXVIIIsqq. nachträglich den Martin'fchen
hinzufugt.

27. Der Serapion, von dem 10 Zeilen de virgvntatc,
4 Z. ex ep. ad confessores, ein zweizeiliges Fragment 111-
certi loci im 4. Bde. p. 214 sq. 443 sq., 3 Zeilen ex vige-
siwa tertia epistula und 7 räthfelhafte Zeilen ex tractatu
adversus ,M' {sie! Manicliaeosl) in den Proleg. des 2. Bds.

p. XL geboten werden, fcheint der Bifchof v. Thmui, | Und auch hinfichtlich derSchätzung diefer Ueberfetzungen,
der Zeitgenoffe des Athanafius (Fabricius-Harles VII, 154) ' welche freilich nur nach der Vulgata gearbeitet und
fein zu follen. In Serapionis contra Manichaeos findet das fchon in Folge davon vielfach mangelhaft waren, hat
letztgenannte Citat nach Pitra (ich freilich nicht. j fich jetzt eine vorteilhaftere Meinung Bahn gebrochen.

28—30. Den Schlufs machen IV 215—240, 444—464 I In einfichtiger Weife hat fich z. B. Pietfch hierüber ge-
fyrifche Ueberfetzungen der Canones von Ancyra, Neo- ] äufsert an feiner Recenfion des Codex Teplensis, Zeitfchr.
___1 j f. deutfche Philologie 14, 112 ff.), welcher der Ueber-

*) Diefer Umftand fowie M.'s Schweigen über die Melitofragmente 1 fetzung als folcher alle Anerkennung zollt und insbe-

zeigt dafs Martin dem fangninifchen Wunfche Pitra's ut eoliigetct . . ■ | fondere ihre noch viel zu wenig beachtete Wichtigkeit
quidquid ex Amtnicacnis fatribus in orUnt<üibusplutthsupertsset[y j für dje Gefchichte der Bildung unferer hochdeutfehen
prooem) noch weniger entsprochen hat, als er felbft es we.fi. Da keiner , Q ■ r h hervorhebt. OCHdeutichen
der Lefer l'itra's Wunfeh für erfüllbar gehalten hatte, fei dies nur hier , f '

erwähnt Ueber dle wichtige Frage nun, ob Luther die ältere