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Ausgabe:

1884 Nr. 23

Spalte:

558-561

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Luther, Martin

Titel/Untertitel:

Scholas ineditas de libro judicum habitas, e codice m. s. bibliothecae Zviccaviensis primum edidit Geo. Buchwald 1884

Rezensent:

Kolde, Theodor

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Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 23.

558

Procio Midensi Pataros advcnicbam, TJieopliilum invi-
surus . . . Cu/uque acccssimus in Agolophonis (fo die fiav.
I I ff.) dorn 11 in eoquc recepti fuimus, reppemnus Thcophilum
, . . et multi juxta //und circumjaccbant, Sistellinus, Keori-
nitif/os (?) et Auxentius . . . et nonnulli cives .. . Statiin ut
nos vidit (T/tcophilus) . . . alt: Faveas bene adesse, o Eu-
buli, consedimus porro, cgo et Sistellinus, dudum disputantes,
utrum haec caro futura sit rediviva . . . Das Buch zerfällt
in 3 Theile, deren Grenzen P. nach den — übrigens
nicht lückenlofen — Handfchriften angiebt. Ad b bieten
die flavifchen Hff. zu Buch I vollftändigere Fragmente
als Combefis (1614) (Migne 18, 239 ff.), von einem zweiten
Buche hören wir hier zum erften Male. No. c hält P. für
einen dritten Theil des Werkes de libcro arbitrio. Dafs Pho-
tius dies Buch erwähne (fo Pitra III, S. 615 ohne nähere
Angabe) habe ich zu conftatiren mich vergeblich bemüht.
Buche gefunde und intereffante ethifche Ausführungen
enthalten find. In d wird uns ein bis jetzt völlig unbekanntes
, aber anfcheinend unzweifelhaft echtes Buch ver-
fprochen. Auch e fcheint zweifellos echt (Eubulius nennt
fich der Verf.; über Iftellius f. o. prooem. de resurr.),
daneben verfpricht es kirchenhiftorifch intereffant zu fein
(ad tolerat/das persecutiones hortatur . . ., varia haeretico-
rum genera deprel/endit). Unter dem auffälligen Titel
von / (cf. Prov. 30, 15, die n^fby ift für M. ,die alte
Schlange') fcheinen intereffante,' chriftologifche und fote-
riologifche Ausführungen verborgen zu fein. Ueber g
ilt mit dem Titel Alles gefagt.

Es ift wunderfam, dafs auf fo weitem, bis jetzt kaum
gekannten Umwege altchriftliche Schriften wieder zu
uns kommen follen. Möge es bald gefchehen! Diefen
Wunfeh Pitra's möge diefe Zeitung, fo gut fie kann, als
eine Bitte auch der proteftantifchen Theologie den Kennern
des Slavifchen übermitteln. — Aus dem oben gemachten
erften Abfchnitt find als zweifellos echter Gewinn
zu notiren die aueta Coisliniana. In cod. Coislin. 279
amplissimis fragmentis fere integra continentur duo opera
,de resurrectione' et,de Ubero arbitrio'. Von der Handfchrift
getrennt, nur auf mehr als 30 Jahre alte Excerpte ange-
wiefen, giebt P. nur notizenartige Ergänzungen zu Jahn's
Ausgabe (S. Methodius . . Halle 1865;, und einzelne völlig
neue Abfchnitte, auch aus dem zweiten Buch de Hb. arb.
Mit Hülfe diefes cod. und der flavifchen Handfchriften
werden diefe beiden wichtigen Schriften fpäter wohl
ziemlich vollftändig reftituirt werden können. — Derfelbe
cod. Coislin. enthält aus dem nur durch ein Citat Theo-
doret's (Migne, 18, 345) bekannten Buch de martyrio ein
Fragment, das für die Stellung der griech." Theologie
zur pelagianifchen Frage bezeichnend ift: iiäaig üyalt-qg
1) xaiUQX') ftQoStUf ev sjj i^ieregcc ßovljj tijv vnOOtttOtt
xbanjteti, in de oi[tneQaa/.ia ev t(p lieqj. — Was weiter
zum erften Abfchnitt gerechnet ift, ift unficher: a) Anccd.
graec. 1, III, p. 603—610 Methodius in Job. Von einem
Commentar in Job des M. reden die Alten nicht, was
aus der catena des Nicetas (ed. London, 1637) bekannt
war (bei Migne 18, 403 sqq.) ift neuerdings (Herzog-Plitt
R. E. Dict. of Christ. Biogr.) nicht der Erwähnung werth
geachtet. Fabricius-Harles erwähnt die Fragmente kurz
VII, 266. Bereits dort ift auch, was P. nicht bemerkt zu
haben fcheint, die Schwierigkeit berührt, die P. zu löfen
fich nur fchwach bemüht, dafs nämlich mehrere der Hff.
(Mosquensis, 4 Fat., Veneti, von denen Fabr. letztere kannte)
in auffälliger Harmonie viele der Scholien dem MeUodioc
0 -i'dtg zufchreiben. Wären die anderen wirklich auf den

bekannte Methodius Sidetes anzufchen. Diefen.mit dem
Märtyrer von 311 zu identificiren, ift trotz der mannigfachen
Beinamen, die jenem gegeben werden (Olympi
Lyciae et poslea Tyri ep. Hieronymus; Patarensis Leontius
u. a.; Philippensis der cod. slav. zu de lepra; Cyri fo irrig
die prophetia in nov. temp. f. Fabricius-Harles VII, 269)
gewagt, und der Hinweis darauf, dafs der Proclus in
de resurrect. apud Slavos prooem. ,Midcnsis' heifst vgl. ob.
(Pitra p. 613 Anm.: annon scribendum Sidensii) hilft wenig
weiter.—An zweiter Stelle erfcheinen unter den Anccd.graeca
2 Fragmente de resurrect., deren zweites eine Parallelform
des Stückes in Epiphanius haer. 64, 22 (ed. Dindorf II,
622 A—D) ift, die m. E. nur als unechte Paraphrafe
gelten kann. Das erfte Fragment hält P. für unecht,
quia cum perpoUta Patarensis elegantia vix convenit. Es
findet fich bei Epiphanius und Photius nicht, ob Pitra's
Gefchmacksurtheil richtig ift, zeigen vielleicht die flavifchen
Handfchriften. Der energifcheProteft gegen eine chiliaftifche
Deutung der betr. Stellen der apoftolifch-johanneifchen
Apokalypfe und die Benutzung von 2 Petr. 3, 8 find
wohl kein Grund gegen die Echtheit, aber es wäre
intereffant, könnte man zuverfichtlich diefe Abweifung
genuin chiliaftifcher Ideen bei Methodius aufweifen.

Von den 10 fyrifchen Fragmenten IV, 201 sqq. 434 sqq.
find die 8 de resurrect. ,qui Uber vocatur Ldyhao/pwr' (sie
codd. syr. Mus. Brit.) fall alle bekannt aus Epiphanius
oder Photius bezw. (fo No. 5) Excerpte bekannter Stücke
(f. M.'s Anmerkungen und zu No. 3 Migne 18, 281 C).
No. 8 ^Druckfehler VI) ift durch feinen Titel bemerkens-
werth: ex tractatu tertio de res. vgl. oben die flav. Hff.
No. 9 (Druckfehler VII) ex tractatu de Joh. 12, 15 ift
unverdächtig, könnte aus de sanguisuga flammen (vgl.
Pitra III, p. 617) und ift bemerkenswerth durch die an
Gregorius Thaumaturgus erinnernde Auffaffung des in
passione impassibilis. No. 10 (Druckfehler VIII) aus dem
conviv. decem virg. hat M. im griechifchen Texte nicht
gefunden, ift aber auch dort vorhanden (Migne 18, 113 B).

Nach langem Referiren ift nun der Inhalt des 2. und
3. Bandes und die Hauptmaffe des 4. befprochen, — den
kleinen Reft des 4. Bandes würde Ref. gern noch in
diefer Anzeige erledigt haben, doch erwies es fich in
Rückficht auf die nicht zu dem engern Kreife der Fach-
genoffen gehörigen Lefer nachträglich als angemeffener,
einen kleinen Antheil an der Laft diefes allzulang gewordenen
dritten Artikels der nächften Nummer zu
überweifen.

Leipzig. F. Loofs.

1. Luther, Dr. Martin, Scholas ineditas de libro judicum

habitas. e codice m. s. bibliothecae Zviccaviensis pri-
mum edidit Geo. Buchwald. Leipzig, Drefcher, 1884.
(X, 80 S. gr. 8.) M. 3. —

2. Luther's, Dr. Martin, Ungedruckte Predigten, im Jahre
1530 auf der Coburg gehalten. Nebft den letzten
Wittenberger Predigten vor der Abreife und der
erften nach der Rückkehr. Aus Andr. Poachs hand-
fchriftlicher Sammlung von Predigten Luther's zum
erften Male hrsg. v. Gymn.-überlehr. Dr. Geo. Buchwald
. Zwickau, Gebr. Thoft, 1884. (VI, 41 S. gr. 8.)
M. 1. —

1. Dafs die Zwickauer Ratsfchulbibliothek reiche
Bifchof von Patara zurückgeführt, wie F. nach dem Index ; archivalifche Schätze befitzt, war bekannt. Hier und da
der catena Nicetae annahm, fo könnte von einer zwie- ! war auch Einiges gehoben worden, fo auch von mir in
fpältigen Ueberlieferung die Rede fein; da aber fämmt- . meinen Analecta Lutherana, bei deren Zufammenftellung
liehe Scholien, foweit nach den Texten bei Migne und 1 ich mich jedoch dem ganzen Plane gemäfs auf Luther
Pitra zu urtheilen ift, entweder blofs Me&odiov oder | direct oder indirect betreffende Brieffchaften befchränken

I/. 6 Sldrje gezeichnet find, fo ift, da die Zufammenge-
hö'rigkeit der verfchieden bezeichneten Scholien nicht
zweifelhaft ift (auch die Migne'fchen finden fich faft
fammtlich bei Pitra) als Verf. aller Fragmente jener un-

mufste, anderes, fo z. B. eine grofse Anzahl Spalatiniana
und Melanchthoniana (auch aus dem Rathsarchive) die
ich abgefchrieben, für fpätere Zeit auffparend. Zur gröfsen
Freude aller Forfcher foll nun jetzt von einem "jungen