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Ausgabe:

1884

Spalte:

538-539

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schaeffer, A.

Titel/Untertitel:

Auf der Neige des Lebens oder von dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Leben 1884

Rezensent:

Bassermann, Heinrich

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537

Theologilche Literaturzeitung. 1884. Nr. 22.

Bitzius, den 1882 verdorbenen Berner Regierungsrath,
dazu benutzt wird, um einen Schatten auf das Pfarrhaus
zu werfen, worin er aufgewachten ift, das eines Jeremias
Gotthelf! Als ob der jüngere B. fo einfach unter die
ungerathenen Söhne zu zählen wäre! (Wie ein guter Lutheraner
über die Predigten diefes Reformers urteilt,
fiehe Theol. Lit.-Z. 1884, Nr. 17.) Endlich hätte dies
als eine Eigentümlichkeit des fchweizer Pfarrhaufes erwähnt
werden dürfen, dafs dort öfter als fonftwo ein
Pfarrer in den Staatsdienft übertritt.

Der dritte Theil giebt im Wefentlichen altes Gut:
.Die Frucht des ev. Pfarrhaufes r. für Amt und Haus,

Bauer, Pfr. Heinr., Der christliche Hausstand. Sieben
Predigten. Frankfurt a. M., Schriftenniederlage des
evangel. Vereins, 1884. (VII, 83 S. gr. 8.) M. 1.—

Von diefen 7 Predigten haben die erfte fowie die
letzte als Einleitung und Schlufs einen allgemeineren
Inhalt, während die 5 übrigen die Ehe, die Pflichten
der Kinder, die Kinderzucht, das rechte Verhältnis
zwifchen Gefchwiftern fowie zwifchen Herrfchaften und
Dienftboten behandeln. Ref. hat diefe Predigten mit
wachfender Freude und Erbauung gelefen. Dafs ihn
die erfte Pre digt, welche fich nicht genug mit dem Haus-

1 den Kindern'. Neu find u. a. werthvolle Ein- j Rande beschäftigt, am wenigften befriedigt hat, erwähnt
fchaltungen über die Stellung des Proteftantismus zur er deshalb, damit nicht etwa Andere fich durch diefelbe
Polygamie (S, 313 f.) und über Converfionen von Pfarr- I vom Lefen der nachfolgenden abhalten laffen. Diefe
hindern (S 333 H Predigten locken überhaupt nicht durch befonders glän-

Als ein Neues giebt fich auch der vierte Theil: zende einzelne Vorzüge rafch heran, aber lie vereinigen
Gegenwart und Zukunft des ev. Pfarrhaufes'. Es wird viele gute F.igenfchaften und halten nach verfchiedenen
dann eine bündige Paftoraltheologie geboten, die voll 1

gefunder Bemerkungen und beherzigenswerther Winke ift
Ganz ohne einen folchen Ausblick auf Gegenwart und
Zukunft hatte der Verf. es auch in der 1. A. nicht ge-
than (damals 7 Seiten, jetzt 18). Aber unter dem Ein-
druck der Nothlage, wie er fie damals vor Augen hatte

Seiten hin glücklich die Mitte. So zwifchen Volkstümlichkeit
im engeren Sinne und den Bedürfnifsen der Gebildeten
. Es fehlt nicht an rectit feinen Bemerkungen
und Beobachtungen, aber im Ganzen ift die Darfteilung
eine allgemein verftändliche ; überhaupt eine klare, durchaus
natürliche, theils ruhig belehrende, theils lebendig

und wie fie der präktifche Antrieb feiner Schrift war, | die Herzen anfaffende. Der Verf. zeigt ein fehr befon

nenes und verftändiges Urtheil, aber wohl mehr noch
ein finniges, tiefes Gemuth; man vergleiche z. B. S. 18
die fchöne Schilderung, wie traurig es ift, wenn man
niemand befitzt, dem man fein, Herz ausfehütten kann.
Die Dispofitionsweife ift die analytifche oder analytifch-

hatte diefelbe einen Ausklang gefunden, der fie ,einem
kundigen Lefer als eine Grabrede auf ihren Gegenftand
konnte erfcheinen laffen' (S. 397 vgl. i.A. S. 144). Jetzt
lieht M. die herrfchenden Zuftände und Stimmungen in
anderem Lichte und fchreibt zuverfichtlich (S. 397 f.):

Wir werden . . . ftets eine Kirche und in der Kirche ein j fynthetifche. Die Hauptpunkte der Texte werden gePfarramt
behalten, für diefes aber den häuslichen Boden fchickt herausgegriffen und verwerthet, aber um des
uns nicht nehmen laffen als Bürgfchaft für die volle fachlichen Bedurfnifses willen geht die Ausführung mit

Möglichkeit einer Vereinigung von Kirche und Leben
und als gleichzeitigen Einfpruch gegen die hierarchifche
Trennung von beiden'.

Das Buch darf auf ein grofses Publicum rechnen.
Möchten auch viele Laien darunter fein. Der präktifche
Geiftliche wird fich durch feine präktifche Richtung ge
fördert fehen, der Gelehrte in dem reichen gefchicht-

Recht zuweilen über den Text hinaus; vgl. Nr. IV, Thl. 3.
Einerfeits wird aul fefter biblifcher Grundlage aus durchaus
pofitiv chriftlichem Geilte heraus geredet, andererfeits
mit mannigfachen trefflichen Weifungen in das präktifche
Leben eingegangen. Möchten diefe Predigten, deren
Ertrag für die Diakonie der ref. Gemeinde beftimmt ift,
in recht vielen Häufern reichen Segen ftiften!

liehen Stoff Ausbeute finden. Für eine dritte Auflage | Friedberg. jjj 1

fei die dringende Bitte ausgefprochen, das Buch mit —----._ legei.

einem Namenregister zu verfehen. Die gefchichtlichen Schaeffer, Konfift.-Präf. Dr. A., Auf der Neige des Lebens
Notizen find fo zerftreut und unter fo yerfchiedene Ge- oder von d gegenwärtigen und dem zukünftigen
fichtspunkte gebracht, dafs Ref. fchon jetzt unmittelbar T . pn n * b dr"öC" una aem 7-ukunttigen
nach der Leetüre des Buches fich nicht getraut, Einzelnes | ^eben- ■ Deiche, vom Verf. autonf. Ausg. Gotha,
darin mit Sicherheit wiederzufinden. Gleichfalls für die I *• A- Perthes, 1884. (XXXIV, 254 S. gr. 8.) M. 5.—
3. Auflage noch einige Kleinigkeiten: S. 40 lies Freytag Den Haupttheil diefes Buches (S. 1 —153) bildet

für Freitag, S. 70 Gerhardt für Gerhard, S. 332 Tauben- eine in Tagebuchform gehaltene Erzählung, in welcher
hain für Taubenheim, S. 427 u. 428 Scherer für Scheerer.
Zu S. 19: Die fchöne Constanze Peutinger hat Hutten
den Kranz zwar gewunden, aber nicht aufgefetzt; das

hat Maximilian gethan. S. 28 Z. 18 kann das ,wahrfchein
lieh' getroft geltrichen werden, denn dafs Prielter Bier
und Wein fchenkten, kam in der That fchon hundert
Jahre vor der Reformation vor, z. B. um 1415 in Dresden
(vgl. Dibelius, Beitr. z. fächf. KG. 2, S. 326). Zu S. 391
und 401 fei der auffallenden Erfcheinung Erwähnung

ein Greis unter dem Eindrucke feiner körperlichen Leiden
und unter der Anleitung feiner frommen Hauswirthin
fich mit den das zukünftige Leben betreffenden Fragen
befchäftigt, mehr und mehr zu pofitiver Klarheit über
fie und zugleich zu einer früher begangenes Unrecht
fühnenden und von thätiger Menfchenliebe erfüllten
Lebensführung gelangt. Parallel damit geht eine Reihe
von ,Erläuterungen' (S. 157—220), denen noch Bücherangaben
und Anmerkungen folgen. Mir war der Name

crethan, dafs die Zahl der aus Pfarrhäufern kommenden j des in Kolmar lebenden Verfaffers, ich mufs es gestehen,
theolomfehen Studenten in starker Abnahme begriffen bisher unbekannt trotz der zahlreichen Schriften des-
ilt Sie fank im Königreich Sachfen 1884 gegen 1883 felben, welche fammt den lobenden Recenfionen meist
um " : 19 von 86 (Sächf. Kirch.- u. Schulbl. 1884, Nr. 16 1 franzöfifcher Blätter in dem Vorwort des Ueberfetzers
Beil )4 WillkommeneErgänzungen endlich zu den paftoral- j etwas reclamenmäfsig angeführt werden. Er zeigt lieh
theologifchen und zeitgefchichtlichen Partien des Buches [ in dem vorliegenden "Buche, das keinen wiffenfehaft-
hat neuerdings Ackermann geboten in feinem treff- liehen, fondern eher einen erbaulichen Charakter hat,
liehen Auffatze: ,Die fociale Stellung des ev. Pfarrers' als einen frommen und zugleich denkenden, dabei wohl-
7tfchr* f. prakt. Th. 1884, I. 2). belefenen Mann, obwohl fich die Belefenheit, wie aus den

; U de reichlich mit Citaten verfchenen Erläuterungen hervor-

Schönbach. ! geht, weit mehr auf die franzöfifche als deutfehe Literatur
erftreckt. Die Erzählung ift nicht packend, nicht
geiftreich, fondern einfach, fast nüchtern (was der Verf.
S. XXVIII um feines Leferkreifes willen erftrebt zu haben
bekennt), eine nicht ungefchickte Combination felbft-