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Ausgabe:

1884 Nr. 21

Spalte:

516-517

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dieffenbach, G. Chr.

Titel/Untertitel:

Bibel-Andachten 1884

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 21.

516

Charakter und darum nicht in das lutherifche Baiern eingerechnet
werden darf! Altbaiern hat jährlich mehr erhalten
als beigetragen, im Ganzen 747359 gegen 571 871 M.

Nöltingk, früher in Petersburg, jetzt in Blankenburg im
Harz, kürzlich nach Petersburg berufen, um einen
gröfseren lAftbericht über die ,Utnerftutzungscaffe für

Wo es ihm pafst, weifs F. fehr wohl Landftriche in j die ev.-luth. Kirche in Rufsland' zu fchreiben, ift ganz
Abrechnung zu bringen, die keine Diafpora haben: fo i anderer Art. N. meint es gut und möchte beiden Theilen
darf die Superintendentur Afch nicht mitzählen, damit ' gerecht werden; fein Herz ift auf Seiten der Gottes

die Bevorzugung der deutfchen (proteftantenvereinlichen)
Lutheraner Böhmens gegenüber den czechifchen (gläubigen
) noch offenkundiger werde (Anm. 137). Auf die
Ungerechtigkeit, die der G.-A.-V. gegen die Lutheraner
überhaupt übt, wirft es ein merkwürdiges Licht, wenn
Jubifch a. a. O. conftatirt, dafs die luth. Gemeinden und
Anftalten Böhmens 970023 M., die reformirten 374102
empfangen haben. Dasfelbe hätte F. aus Zenker's Feft
fchrift mit Leichtigkeit fich ausrechnen können, aber
das würde dem Zweck nicht dienen. Auf den Kopf berechnet
entfällt von den vom G.-A.-V. nach Böhmen
gefpendeten Geldern: auf jeden Lutheraner 23, auf jeden
Reformirten 6 M., und wenn man die Superintendentur

karten, aber die Erfolge des G.-A.-V. find ihm doch ein
fichtlicher Segen Gottes. Den leidigen Streit zu vermeiden
, foll der G.-A.-V. aus einer Union zu einer
Conföderation der verfchiedenen ev. Kirchen fich
umwandeln, die jeder Confeffion freien Spielraum läfst,
ihre befonderen Glaubensgenoffcn zu unterftützen, d. h.
der G.-A.-V. foll auf feine fefte, bewährte, auch von N.
gerühmte Ürganifation verzichten und fich in einen luth.,
ref. und unirten Gotteskalten auflöfen, die doch irgendwie
gemeinfame Berathung pflegen follen u. f. w. Un-
praktifchere Vorfchläge kann man nicht leicht machen.
Die Antwort auf die Frage, was der G.-A.-V. thun
müfste, um den Freunden des Gotteskaftens zu genügen,

Afch — wie nach R S. 253 erforderlich — in Abrech- ! lautet auch viel einfacher. Er wird fo fein oder er wird
nung bringt, fteigt die Unterftützung der Lutheraner auf J nicht fein. Ganz richtig empfindet N. die Schwierigkeit,
44 M. pro Kopf! — Die lutherifchen Slovaken wären : dafs wir luth. Pfarrer ,die doppelte Collecte (für G.-A.-V.
auch verloren, wenn fle dem G.-A.-V. überlaffen blieben, < und Gotteskaften j anfeheinend für denfelben Zweck
der fo unbillig ift, aufser ihnen auch die luth. Magyaren in weiteren Kreifen verftändlich machen können, ohne

zu unterftützen. Der Gotteskaften tritt hier ein und ver
hilft flovaktfehen Studenten in Roftock (S. 30) und Erlangen
(S. 104) zum Studium deutfeher pofitiver Theologie
. Dafs auch der G.-A.-V. flovakifche Studenten in
Erlangen, Leipzig und Tübingen (alles proteftantenverein-
liche Univerfitäten natürlich) unterftützt, weifs F. nicht,
insbefondere auch nicht, dafs das fog. ungarifche
Stipendium des Leipz. Hpt.-V. bisher faft ausfchliefslich
lutherifchen Slaven, die in Leipzig Theologie ftudiren,
zu Thei! geworden ift. Er hätte Näheres darüber von
feinem Mitarbeiter Borbis erfahren können, dem Verf.
des Artikels über die Slovakei S. 107 ff., der felbft im
Genuffe des G.-A.-Stipendiums gewefen ift (Jubifch a. a. O.).
— Sehr merkwürdig ift der Bericht über die Confirmanden-
anftalt Meppen. ,Diefe Anftalt', lefen wir S. 146, ,gehört
in eine Schrift über die Gotteskaften, da fie nicht nur
von den drei heimatlichen Vereinen Hannover, Stade,
Verden), fondern auch vom mecklb. Gotteskaften bedeutend
unterftützt ift. Ihre Gründung fleht in Verbindung
mit der Bildung der luth. Gemeinde Meppen;
wir fchicken daher über diefe das Wichtiglte voraus'.
Dazu gehört aber nicht, dafs der G.-A.-V. für Meppen
im Ganzen 82952 M. gefpendet hat. Und doch: S. 150,
nachdem dieGotteskaften das ganze Verdienfl um Meppen
eingeheimft haben, wird unter vielen anderen Vereinen,
die etwas beigetragen haben, auch der G.-A.-V. von
Hannover genannt; aber der Beitrag wird nicht bedeu

dafs wir das Recht des einen dem Unrecht des anderen
mit möglichfler Schärfe und Beflimmtheit entgegenftellen!'
Was folgt daraus: Dafs derjenige Verein im Unrecht ift,
der nicht leben kann, ohne den anderen der Unbilligkeit
und Untreue zu befchuldigen. Der Widerfpruch gegen
den G.-A.-V. ift bei dem Gotteskaften Princip. Und fo
werden auch feine Freunde vom Gotteskaften dem Verf.
für feinen Vorfchlag einer Conföderation mit dem G.-A.-V.
keinen Dank wiffen.

Schönbach. Rade.

Dieffenbach, G. Chr., Bibel-Andachten. Auslegung der
heil. Schrift in kurzen Betrachtungen zur Erbauung

für die Gemeinde. 4. Bd.: Die Gefchichte der Urwelt
und des noachifchen Bundes (I. Mofe Kap. I—XI) in
82 kurzen Betrachtungen. Gotha, Schloefsmann, 1884.
(XII, 264 S. 8.) M. 4. 50.

Das Buch ift der Hoch würdigen Theologifchen
Facultät zu Greifswald als Dank für die dem Herrn
Verfaffer verliehene Würde eines Doctors der Theologie
gewidmet. Es umfafst die Capitel 1 — II der Genefis.
Nach kurzer Einleitung über das A. Teft. und das erfte
Buch Mofe wird der Stoff in zwei grofsen Abfchnitten:
die Gefchichte der Urwelt Cap. 1—4 und die Gefchichte
des noachifchen Bundes Cap. 5—11 im Anfchlufs an den

tend gewefen fein, fonft würde er mit aufgeführt worden Commentar von Fr. Delitzfch behandelt. Der erfte
fein wie der des Confiftoriums von 1500 M. u. a.! Das ; Abfchnitt zerfallt in 4 Theile und 47 Betrachtungen, der
ift echt Janffen! — Zu dem immer wiederkehrenden zweite in 5 Theile und 35 Betrachtungen. Jeder BeVorwurf
endlich, dafs der G.-A.-V. nur baue, bemerkt ; trachtung ift der betreffende Text vorgedruckt, jede wird
Scheuffler S. 152: ,er hat bis Ende 1882 283 Gemeinden i mit einem Gebete befchloffen.

zum Pfarr-, 235 zum Schuldotationsfonds, 430 zum Pfarr- | An mehreren Stellen (S. 12. 19. 200) weift der Herr
gehalte, 1173 zu Schulgchalten, 49 Seminar-Alumnate, j Verf. die Beantwortung von kosmogonifchen und anderen
19 Reifeprediger, 303 Confirmandenanftalten unterftützt, j naturwiffenfehaftlichen Fragen mit der Bemerkung zurück,
an 335 Orten für Gottesdienft und Paftoration geforgt' — ' dafs das für unfern Glauben und unfer Heil keine Bethut
nichts, der Jude wird verbrannt. deutung habe. Damit ift die Nüchternheit der Behand-
Dafs in unferen Tagen ein chriftliches Liebeswerk lung und das Beftreben hinlänglich gekennzeichnet, den
wie der G.-A.-V. einer fo argwöhnifchen und feindfeligen behandelten Text für chriftlichen Glauben und chrift-
Kritik unterzogen wird, ift unerhört. Dafs man dabei liches Leben fruchtbar zu machen, und dies Beftreben
lieh um den Thatbeftand nicht genauer kümmert, macht ift nicht ohne guten Erfolg geblieben. Von jenen aben-
die Sache nicht beffer. Mancher, der nichtgenauer Befchcid : teuerlichen Speculationen, die oft genug an den bibli-
weifs und nicht weiter fragt, mag fleh durch das Pk'fche I fchen Bericht der Urgefchichte geknüpft werden, hält
Buch verblüffen laffen. Mancher will ja auch gerne den 1 fleh der Herr Verf. völlig frei; follte es dagegen wohl-
G.-A.-V. auf der Armenfünderbank fehen. Um fo mehr gethan fein, auch der Gemeinde feiner Lefer, ich denke
mufs man den Verein dazu beglückwünfehen, dafs feine ' an den fchlichten frommen Kleinbürger, die wirklichen
Gegner keine gegründeteren Anklagen gegen ihn aufzu- j Refultate gefchichtlicher Forfchung fo völlig vorzuent-
bringen vermögen. — halten, wie der Herr Verf. es für gut findet?

Das Schrittchen des Conflftorialraths und Paft. em. | Die vorausgefetzte Faffungskraft der Lefer hat den