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Ausgabe:

1884 Nr. 17

Spalte:

411-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baur, Aug.

Titel/Untertitel:

Die erste Züricher Disputation am 29. Januar 1523 1884

Rezensent:

Staehelin, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 17.

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nimmt, der eine Bemerkung in der Handfchrift durch- i
aus falfch verbanden hat) und der Claromontanus in
Cheltenham (nicht mehr in Middlehill, wie P. nach
Stieren und Harvey angibt) einer Familie angehören.
Harvey (I, p. VIII) und weniger deutlich fchon Stieren
wiffen es, dafs der Claromontanus und Voffianus (der,
wie ich beweifen kann, mitdem vetus codex desFeuardent I
identifch in) einerfeits, der Arundelianus, die Erasmifchen
Handfchriften (ein Vaticanus, ein Hirfaugienfis — cf.
editio 1526 III, 46 in marg — und ein dritter nicht genannter
, in dem man vielleicht den Arundelianus erkennen
darf) und die Merker'fchen Handfchriften ander-
feits für fich je eine Familie bilden, die fchon in früher
Zeit von einander fich abgezweigt haben. Die neugefundenen
Handfchriften nun gehören zur zweiten diefer
Familien, deren befter Vertreter der Arundelianus bleiben
wird, obwohl auch der Vatic. 187 auf eine gute Vorlage
zurückgeht.

Sehr dankenswerth ifl die Mittheilung der Capitel-
tafel aus der letztgenannten Handfchrift. Denn für die j
Gefchichte der handfchriftlichen Ueberlieferung des
Irenaeus gibt die von den neueften Heransgebern ver-
nachläffigte Capiteltheilung die wichtigften Fingerzeige.
Pitra's Vermuthung, dafs die all' unfern Handfchriften
gemeinfame, wenn auch verfchieden durchgeführte Capiteltheilung
aus der karolingifchen Zeit ftamme, wird
fich vielleicht erhärten laffen, wenn Genaueres über die I
Theilung der einzelnen Handfchriften bekannt ift. Pitra
ifl bei feinem Druck der Ueberfchriften des 2. Buches
durch Harvey zu Irrthümern verleitet. Harvey's Theilung
ift keineswegs, wie auch Pitra nach Harvey I, I
praef. CLXV gefchloffen hat, die des Arund. Ms., viel- I
mehr ifl fie lediglich eine völlig willkürliche Modification
der willkürlichen Theilung Grabe's. Das Arund. Ms.
ftimmt in den von P. mitgetheilten Ueberfchriften nicht
mit der Tafel bei Harvey I, p. 245—248, fondern faft
völlig mit Pitra's Vaticanhandfschrift überein. Ref. wird,
damit nicht auch andere durch die irrigen Angaben I
Harvey's und durch manche Unrichtigkeiten bei ihm und J
Stieren an einer richtigen Beurtheilung der Vaticanhand- j
fchriften gehindert find, fobald die Zeit es erlaubt, an
anderem Orte mittheilen, was über die älteren Handfchriften
und deren Capiteltheilung aus eigener Einficht I
in die vorhandenen Handfchriften fich ihm ergeben hat.
Weitergehende Arbeiten an dem lateinifchen Text des
Irenaeus lohnen fich nicht, auch jetzt nicht. Pitra freilich
hofft (p. 193) auf eine neue Irenaeusausgabe. Wäre [
es ihm möglich gewefen, die enge Verwandtfchaft des j
Arundelianus mit feinen Handfchriften zu erkennen, fo
würde er fchwerlich fo gedacht haben. So wenig auch
die Arundelhandfchrift, die Stieren nicht benutzt hat, i
bekannt ift — aus Harvey kann man fie nicht kennen j
lernen —, für die Conftituirung des Textes ift fie fchon von
Grabe (1702) und durch ihn von allen fpäteren Heraus- |
gebern, felbfiändig von Harvey, ausgebeutet worden, '
und deshalb kann die Auffindung vier neuer Handfchriften
derfelben Familie eine neue Ausgabe nicht
nöthig machen. Noch bleibt es möglich, eine neue Ausgabe
entbehrlich zu finden, bis einmal ein noch glücklicherer
Fund als der Pitra's, den griechifchen Irenaeus
wieder ans Licht fördert.

Leipzig. F. Loofs.

Schriften und Abhandlungen zum Zwinglijubiläum.

1. Finsler, Antiftes Dr. G., Ulrich Zwingli. Feft- i

fchrift zur Feier feines 400jährigen Geburtstages, i
dem reformierten Schweizervolke gewidmet. Zürich,
Meyer & Zeller, 1883. (118 S. gr. 8.) M. — 60. .

2. —Ulrich Zwingli. Feftpredigt am 6. Januar 188400 Grofs-

münfter zu Zürich gehalten. Zürich, Schulthefs,
1884. (14 S. gr. 8.) M. —.40.

3. Finsler, Antifies Dr. G., u. Prof. Dr. G. Meyer von

Knonau, Festreden, am 6. Januar in der Tonhalle zu
Zürich gehalten. Zürich, Schulthefs, 1884. (24 S.
8.) M. —.60.

4. Vögelin, Prof. Nationalrath Sah, Ulrich Zwingli. Rede,

den 13. Januar 1884 an der Zwingli-Gedenkfeier
des GrütliVereins gehalten. Zürich, 1884. (15 S. 8.)

5. Staehelin, Pfr. Dr. Ernst, Huldreich Zwingli's Predigt

an unser Schweizervolk und unfere Zeit. Vortrag.
Bafel, Detloff, 1884. (31 S. 8.) M. —.40.

6. Orelli, Prof. und Riggenbach, Dr. Bernh., Ulrich

Zwingli. Zwei Gedächtnifsreden gehalten inderBurg-
vogtei zu Bafel am 5. Januar 1884. Bafel, Detloff.

7. Heer, Pfr. Gottfr., Ulrich Zwingli als Pfarrer von Glarus.

Vortrag. Zürich, Schulthefs, 1884. (42 S. 8.)
M; —.80.

8. Baur, Aug., Die erste Züricher Disputation am 29. Januar
1523. Halle, Niemeyer, 1883. (32 S. 8.)
M. —.30.

9. Erichson, Dir. A., Ulrich Zwingli und die elsässische

Reformation. Strafsburg, Treuttel & Würtz, 1884.
(40 S. 8.) M. -.35.

10. Staehelin, Rud., Huldreich Zwingli und sein Reformationswerk
. [Schriften des Vereins für Reformations-
gefchichte, Nr. 4] Halle, Niemeyer, 1883. (81 S.S.)
M. 1.20.

11. Egli, Emil, Mr. Ulrich Zwingli's Lehrbüchlein, lateinifch

und deutfeh herausgegeben. Mit einer Beigabe:
die offiziellen Zeugnifse betreffend die Züricherifche
Schule zu Zwingli's Zeiten. Zürich, Schulthefs, 1884.
(62 S. gr. 8.) M. 1.20.

12. Fenner, Prof. IL, Zwingli als Patriot und Politiker.

Frauenfeld, Huber, 1884. (38 S. 4) M. 1.6b.

13. Weber, Mufikdir. Organ. Gust, H. Zwingli. Seine

Stellung zur Mufik und feine Lieder. Die Entwicklung
des deutfehen Kirchengefanges. Eine kunfi-
hifiorifche Studie. Zürich, Hug, 1884. (68 S. 8.)
M. 1.—.

14. Schweizer, Alex., Zwingli's Bedeutung neben Luther.

Feftrede zu Zwingli's 40ojährigem Geburtstag, gehalten
in der Univcrfitätsaula zu Zürich, 7. Januar
1884, und weiter ausgeführt. Zürich, Schulthefs,
1884. (92 S. gr. 8.) M. 1.20.

Das verfpätete Erfcheinen der umfangreichften und
zugleich bedeutendfien unter den an der Gedächtnifsfeier
Zwingiis gehaltenen Feftreden (Nr. 14) wird es rechtfertigen
, dafs auch die Anzeige der auf diefen Anlafs hin
erfchienenen Schriften um einige Monate fpäter erfolgt,
als die Zeit diefer Gedächtnifsfeier es fonft würde gefordert
haben. Steht doch überhaupt, wie fchon A. Baur
in früheren Befprechungen diefer Schriften in der Pro-
teftantifchen Kirchenzeitung (Nr. 18 und 27) bemerkt
hat, die Literatur diefes Zwinglijubiläums hinter der
durch die Lutherfeier veranlafsten in einem Mafse zurück,
das auch angefichts der ubergeordneten gefchicht-
lichen Bedeutung Luthers diejenige des Begründers der
reformirten Kirche ungebührlich in Schatten Hellt,
und fo wird auch diefer Umfiand es als begreiflich
erfcheinen laffen, dafs ich ein Referat über diefe
Literatur nicht ohne die Berückfichtigung derjenigen
Schrift abfchliefsen wollte, welche diefe felbfiändige .Bedeutung
Zwinglis neben Luther' zum eigentlichen Zweck
ihrer Darftellung gemacht und zugleich als die um-
faffendfie und gründlichfte Charakterfchilderung Zwinglis