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Ausgabe:

1884 Nr. 13

Spalte:

308-309

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ebers, Georg

Titel/Untertitel:

Palästina in Wort und Bild. Nebst der Sinaihalbinsel und dem Lande Gosen. Zweiter Band 1884

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 13.

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nimmt, mit dem feiner Lefer. So fehr ift er von diefen j fehlt in der Literatur: Uhlhorn's chriftliche Liebesthätig-
Fragen voll, dafs er S. 139 dem Friedensfinne und dem keit in der alten Kirche. In Betreff des Verhältnifses der
Willen der gegenfeitigen Verftändigung noch ein befon- orientalifchen Chriften zu Perfern und Arabern hätte die
deres Schlufswort zu reden für nöthig findet. Welches ; Benutzung orientalifcher, in Ueberfetzungen vorliegender
Intereffe bringt ein gebildeter, an den Fragen der | Quellen ein lebensvolleres Bild zu zeichnen erlaubt. Im
Kirche Antheil nehmender Laie — auch für den ift ja i allgemeinen ift die Begeifterung für die Aufgabe, insbe-
das Werk laut Vorwort beftimmt —, welches ein Student J fondere aber das in Miffionskreifen fonft nicht eben
diefem Stoff entgegen? und nun erft bei folcher Dar- ' häufige Geftändnifs anzuerkennen, dafs Gott der Herr
Heilung. Unwillkürlich mufste Ref. fich immer fragen, j die Sache feines Reiches möglicherweife auf ganz anderem
liefse fich das auch ins Englifche überfetzen, und wie | Wege zum Ziele führen werde. — Nicht als epocheganz
anders würde ein Franzofe oder Holländer ge- j machende, aber als fehr dankenswerthe Gabe werden
fchrieben haben. Ref. unterläfst es, z. B. die Definition mit dem Ref. gewifs manche Lefer diefen Theil des Ge-
der Katechetik von S. 195, Z. 2 — 13 hier auszufchreiben ■ fammtwerks begrüfst haben.

oder eine Zufammenftellung der eigenthümlichen Redewendungen
, wie telifch, pädeutifch-zuchtend u. f. w. zu
geben, um nicht irgend einen falfchen Schein zu erwecken
; er möchte lieber hervorheben, mit welchem Intereffe
er die Beantwortung vieler Einzelfragen verfolgt
hat, S. 213 z. B. beim Religionsunterricht in der Volks

Ulm a/D. E. Neftle.

Palästina in Bild und Wort. Nebft der Sinaihalbinfel und
dem Lande Gofen. Nach dem Englifchen hrsg. von
Georg Ebers und Hermann Guthe. Zweiter Band,
und Gelehrtenfchule die Frage, ob bei dem biblifch- j Stuttgart und Leipzig, Deutfche Verlags-Anflalt (vor-

hiftorifchen Unterricht ein Verftändnifs für den plan
mäfsigen und pragmatifchen Gang der Entwicklung des
Reiches Gottes anzuftreben fei, oder was S. 217 über die
württembergifche Betonung ,der Bibelkunde' im Religionsunterricht
gefagt wird; dabei Z. 7 beiläufig bemerkt
ein verfehlter Satz über ,die für den Lehrer hochwichtige
Literatur der in Inhalt und Bedeutung der einzelnen
biblifchen Bücher einführenden Literatur'. Gänzlich unberührt
bleibt übrigens hier die fchwierigfte Frage, wie
dieler Unterricht zumal auf den Oberftufen von einem
Standpunkt aus zu behandeln fei, der den neueren An-
fchauungen vom A. T. mehr oder weniger Recht geben
mufs. Die von Z. vertretene Gefammtanfchauung von
der praktifchen Theologie, von ihrem Subject der glaubigen
Gemeinde, von ihrer Gliederung und Anordnung,
z. B. Voranftellung der Evangeliftik leuchtet dem Ref.
ein, foweit er als Laie in diefen Dingen etwas fagen darf;
nur follte letztere dann anders behandelt fein, als dies
nun in dem von Plath bearbeiteten Abfchnitt gefchehen
ift. Denn diefer ift trotz des im Titel vorangeftellten

mals Eduard Hallberger), 1884. (IV, 474 S. Fol. mit
Stahlftichen, Holzfchnitten und 1 Karte.) 27 Lieferungen
ä M. 1. 50.

Es liegt uns noch ob, über die glückliche Vollendung
diefes Prachtwerkes zu berichten. Den zehn erften Lieferungen
des zweiten Bandes, welche bereits in derTheol.
Litztg. 1883, 577 angezeigt find, ift rafch das Uebrige
gefolgt, fo dafs nun das Ganze vollendet vorliegt. Die
neuen Lieferungen (40—56) bringen zunächft den Schlufs
der Befchreibung Philiftäa's (S. 177—190), namentlich
der einft mächtigen altphiliftäifchen Städte Asdod, As-
kalon und Gaza, deren vorhandene Ruinen freilich nicht
im Verhältnifs zu ihrer einfügen Bedeutung ftehen; ver-
hältnifsmäfsig am erheblichlten find noch diejenigen von
Askalon. In allen diefen Städten könnten nur die grofs-
artigften Nachgrabungen, welche viele Meter tief unter
die jetzige Oberfläche des Bodens eindringen müfsten,
eine nennenswerthe Ausbeute für die alte Gefchichte
liefern. Auf Philiftäa folgt ,Das füdliche Judäa'

.Theorie und Gefchichte der äufsern Miffion'und trotz (S. 191—232), in welchem befonders Bet-Dfchibrin, das
des Einleitungs- und Schlufscapitels wefentlich ein J alte Eleutheropolis, und das ehrwüdige Hebron mit feinen
Ausfchnitt aus der hiftorifchen Theologie, verbrämt mit ! uralten Heiligthümern, ferner auch Engedi am todten
einigen meift felbftverftändlichen Bemerkungen über die Meere eingehend berückfichtigt find. Als Beweis, wie
Miffionsmethode der Gegenwart, Bemerkungen, deren In- j forgfältig im Text überall die neueften Entdeckungen
halt oft etwas feltfam gegen die feierliche E'orm abfticht, ' verwerthet find, fei nur erwähnt, dafs Clermont Ganin
der fie vorgetragen werden; z. B. unter den Heiden neau's fichere Fixirung der Lage des wichtigen Gefer
unterfcheidet man in dem Fundamentieren der chrift- (Gazara) im Texte S. 193 nicht überfehen ift. — Die
liehen Kirche eine Stufenfolge dreier Momente. . . ., die Befchreibung verläfst nun das eigentliche Paläftina und
mit dem Namen des initiativen, des fortführenden und wendet fich zunächft den merkwürdigen Ruinen von
des abfolvierenden Miffionswirkens bezeichnet werden Petra und deffen Umgebung zu (S. 233 — 254), um fo-

können, oder S. 156: mit dem Namen der mittelalterlichen
Miffionsmethode bezeichnet man wiffenfehaft-
fjich diejenige Form der Verbreitung etc. Auch in Betreff
der Richtigkeit der vorgetragenen gefchichtlichen
Anfchauungen hat Ref. einige Bedenken, wenn z. B. in

dann, entfprechend dem Titel des Werkes, zu der ausführlichen
Schilderung der Sinaihalbinfel und des
Landes Gofen überzugehen. Diefelbe zerfällt in folgende
Abfchnitte: ,Von Sues zum Sinai' (S. 255—314,),
,Vom Wadi Marara zur Dfchebel Mufa-Gruppe' (S. 315

der allererften chriftlichen Zeit denen, die das Evange- —362), ,Das St. Katharinenklofter und die Berge und
lium predigten, ,von Anfang' das Abfehen zugefchrie- Thäler des Sinai der Mönche' (S. 363—412), ,Das Land
ben wird, nicht nur einzelne Perfonen, fondern alle Völ- 1 Gofen' (S. 413—443). Ein grofser Theil des Bandes
ker ,für die chriftliche Kirche' zu gewinnen und bei ihnen j ift alfo diefer Befchreibung der Sinaihalbinfel und des
deshalb die Wahl folcher Mittel vorausgefetzt wird, , Landes Gofen gewidmet, die denn auch durch befondere
welche für die Individuen fowohl, als auch die Volks- ! Ausführlichkeit und Anfchaulichkeit fich auszeichnet,
perfönlichkeiten mit der nöthigen Weite und Elafticität j Man bekommt von der Felfenwülte des Sinai ein ebenfo

ausgerüftet waren. Darf man für die erfte Zeit folche
Abficht und Reflexion wirklich annehmen? S. 150 wird
von der Veräufserlichung der apoftolifchen Zeit eine
etwas veraltete Anfchauung geäufsert und derfelben das

anfehauliches Bild wie von dem Leben und Treiben der
Mönche in dem berühmten St. Katharinenklofter. —
Wie dem erlten, fo find auch diefem zweiten Bande eine
Reihe gelehrter Anmerkungen beigegeben (S. 445—462),

Beflreben zugefchrieben, den Schatten der eigentlichen j in welchen von den beiden Herausgebern einzelne geo
Gröfse der erften Zeit durch das Erfinnen von Wundern I graphifche und hiftorifche Prägen forgfältig befprochen
fallen zu laffen. Auch S. 184 ein unklarer Ausdruck, werden. Und wie der erfte Band mit einer Karte von

dafs durch die Wanderungen chriftlicher Volkselemente
Erdenräume, welche bisweilen menfchenleer find, als
zu Kirchenterritorien umgewandelt erfcheinen. S. 152

Paläftina und einem Plane von Jerufalem ausgeftattet ift,
fo diefer zweite mit einer Karte der Sinaihalbinfel.

Das Werk, wie es nun vorliegt, gereicht fowohl den