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Ausgabe:

1884 Nr. 12

Spalte:

295-296

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Friedberg, Emil

Titel/Untertitel:

Lehrbuch des katholischen und evangelischen Kirchenrechts. 2., gänzlich umgearb. Aufl 1884

Rezensent:

Wasserschleben, F. V.

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Seite 1

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295 Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 12. 29II

die Eile, die Eile im Urtheilen und im Schreiben. Ref. Wegweifer und Rathgeber für den juriftifchen Praktiker,
wagt es deshalb, den Verf. an die Fabel von dem Wind- Hiftoriker und Theologen dienen könne. Nach des Ref.
fpiel und dem laubtragenden Efel zu erinnern, die den j Ueberzeugung entfpricht diefe zweite Ausgabe jenem
gleichen Weg zu machen haben. Das odium der auf ihn 1 Zwecke in hohem Grade und füllt eine fehr fühlbare
fallenden Hälfte des Gleichnifses wird Ref. gern tragen, Lücke in der bisherigen kirchenrechtlichen Literatur in
wenn der Verf. das haec fabula docet beherzigt, folange trefflicher Weife aus. Es ift kaum ein § des Buches, an
unfer Weg im Grofsen und Ganzen noch vor uns liegt. ; welchen der Verf. nicht die beffernde Hand gelegt hat;
Leipzig- F I oofs §anz befonders hervorzuheben find die Neubearbeitungen

und Ergänzungen des erften Capitels (die älteften Zeiten)

Wiedemann, Chefred. Dr. Thdr., Geschichte der Reformation S 5 u- ff-> des Abfchnitts über die geifltlichen Gefellfchaften
und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 4. Bd. j « « 100

Die reformatorifche Bewegung im Bisthume Paffau, , fcur um dem Verf. fein Intereffe an dem Buche zu
im Bisthume Neuftadt, im niederöftereichichen Diö- j documentiren, fugt Ref. noch einige Bemerkungen über
cefanantheil von Salzburg und von Raab. Prag, Mängel hinzu, welche ihm bei der Leetüre aufgefallen
Tempsky, 1884. Leipzig, Freytag. (VI, 446 S. gr 8.) find: Im § 30 III (S. 77) hätte auf Grund der neuen Ver-

jyj _ faffung der evangelifchen Landeskirche vom 6. Januar

1874 auch das Grofsherzogthum Heffen genannt werden
Mit diefem vierten Bande kommen die mit dem | Collen; im § 37 (S. 83) hätte unter der Literatur der
zweiten Bande begonnenen fpecialgefchichtlichen Mate- ; neue Artikel ,Pfeudoifidor' in der Herzog'fchen proteftant.
rialien für die einzelnen kirchlichen Gebiete zum Abfchlufs, ; Real-Encyklopädie, 2. Ausg., erwähnt werden können;
indem der Reihe nach über die Pfarreien refp. Klöfter in § 85 (S. 162) ift auf die jetzt geltenden kirchl. Ver-
der Paffauer Dechanate am Wienerwald, auf dem Tul- ; faffungsverhältnifse im Grofsherzogthum Heffen keine
nerfelde, an der Melk, auf dem Ibbsfelde, dann über den Rückficht genommen; in § 116 (S. 253) fagt der Verf.,
Proteftantismus in dem Bisthum Neuftadt, im Salzburger I dafs zufolge des Wormfer Concordats v.J. 1122 die Bis-
Diöcefanantheil (Dechanat Neuftadt) und im niederöfterr. j thümer durch Wahl der Capitel hätten befetzt werden
Diöcefanantheil von Raab gehandelt wird. Es würde Collen. Die Urkunde des Papftes Calixt enthält hierüber
nun nach dem urfprünglichen Plane noch ein 5. Band 1 keine Beftimmung, und in der ,Preceptioi das Kaifers
zu erwarten fein, welcher an den erften fich anfchliefsend Heinrich V ift nur die Rede von der canonica electio und
die Gefchichte des Proteftantismus in üefterreich u. d. E. j Ubera consecratio; noch geraume Zeit nach dem Con-
von 1648 bis 1848 weiter führen foll. Ref. kann fich auf : cordat haben in Deutfchland die Domcapitel ein ausfeine
Befprechung der früheren Bände im Allgemeinen fchliefsliches Wahlrecht nicht befeffen, wie u. A. aus
zurückbeziehen (f. Jahrg. 1881 p. 59; 1883 /. 17). Auch der vom Verf. felbft in der Anm. 13 citirten Schrift von
der gegenwärtige ift nur eine rohe Anhäufung von fehr G. v. Below, die Entltehung des ausfchliefslichen Wahl-
ungleichwerthigem Stoff; aber auch hier fehlt es nicht j rechts der Domcapitel in den Hiftorifchen Studien Hft.
an höchft charakteriftifchen Mittheilungen, welche grelle \ (Leipzig 1883) hervorgeht.

Schlaglichter werfen fowohl auf die weitgehende Auf- I Giefsen Wafferfch 1 eb en

löfung aller kirchlichen Verhältnifse, welche nicht durch ________'_

die neue Lehre, fondern durch geiftliche Verlodderung Maddalena, das Waldenser-Mädchen, und ihre Familie. Ein
verurfacht, erfterer doch Luft machte, als auf das durch kirchengefchichtlich.es Lebensbild. Mit einem Vor-

die Verhältnifse gebotene Eingreifen der weltlichen Ge- t -c n. c-.- e »• u r 1 c u „-j ,00.

u ■ 1 r , 8 t? ,. 1, t „, ,,• 1 „ f i. wort von Dr. Ernft Stahehn. Bafel, Schneider, 1884.

walt, insbefondere F erdinand s L, als endlich auf die ; ' '

ftraffe, aber auch rückfichtslofe ZufammenrafTung von | (VIII, 32^ S. 8.) M. 3. 20.

kirchlicher Seite in der Reftaurationszeit, welche ebenfo . Diefe Erzählung will die Gefchicke einer Waldenfer-
fehr eine Rückemancipation der Kirche von der ftaat- familie während der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts
liehen Abhängigkeit als eine feindfelige Zertretung des ; darftellen. Sie ift entftanden an der Hand einer alten
Proteftantismus war und zu deren charakteriftifchften Ueberlieferung, auf Grund befonderer Urkunden, wie fie
Repräfentanten Khlefel gehört. flch noch im Privatbefitz vieler (?) Waldenferfamilien er-

Kjei_ VV. Möller. halten haben (p. 10. Jene Urkunden und Ueberlieferun-

gen würden, falls fie wirklich bis ins 15. Jahrhundert zu-

Frieclberg, Geh. Hofr. Dr. Emil, Lehrbuch des katholischen rückreichten, dem Hiftoriker in jeder Hinlicht intereffant
und evangelischen Kirchenrechts. 2., gänzlich umgearb. fein. Leider aber ift jede weitere und genauere Mit-
a a t • t> t 00 /vir /c c o 1 theilung über he zu vermiflen.

Aufl. Leipzig, B. Tauchnitz, 1884. (XV, 464 S. gr. 8., : D> anonyme Verfafferin hat fleh mit Hingabe und
II. Wärme in ihren Stoff vertieft. Ihr Stil ift meift edel

In vorliegendem Werke hat der Verfaffer eine fehr und populär zugleich, zuweilen voll Schwung, faft hym-
wefentlich verbefferte Umarbeitung feines i. J. 1879 er- j neuartig. Sehr vereinzelt find fo ungefchickte Sätze wie
fchienenen Lehrbuchs veröffentlicht. In dem letzteren, | p. 135'• >In den Schmerzen fich krümmend, da viele
welches vorzugsweife den Bedürfnifsen des akademifchen ' Stellen ihres abgezehrten Körpers mit Wunden bedeckt
Studiums dienen follte, war auf die Beibringung eines | waren, und jegliche Bewegung und Berührung ihr Qualen
fehr umfaffenden Quellenmaterials, welches die Studi- j verurfachte, war es oft tiefdunkle Nacht in der Seele
renden unmittelbar in die Quellen einführen, und das 1 des geprüften Kindes'. Wohlgelungen find befonders
Studium denfelben erleichtern follte, ein fo überwiegender die Naturfchilderungen, welche ficheres Gefühl, feine BeWerth
gelegt, dafs darunter die wünfehenswerthe Ueber- obachtung und vielfeitiges Gefchick bekunden. Daneben
fichtlichkeit und Vollftändigkeit in der Behandlung des find einzelne Stellen hervorzuheben, an welchen fich
kirchenrechtlichen Stoffs unbeftreitbar gelitten hat. Der Ueberblicke über weite, gefchichtliche Entwicklungen zu
Verf. beabfichtigt jetzt, ein dem heutigen Stande der ; geiftvollen und phantafiereichen Monologen geftalten. So
Wiffenfchaft entfprechendes Werk zu liefern, welches in '• ift das prophetifche Geficht, durch welches dem Barben
knapper, wiffenfehaftlicher Form, unter Berückfichtigung Bernardino die Gefchicke der Seinen offenbar werden
der neueften Literatur, Praxis und Gefetzgebimg, fowie (p- 180 ff.;, ohne Zweifel der Höhepunkt der Erzählung,
mit Angabe und Prüfung der wichtigften Controverfen, Eine befondere Fähigkeit und eine grofse Vorliebe hat
nicht allein als brauchbares Lehrbuch für das akade- die Verf. für erbauliche Betrachtungen und Belehrungen,
mifche Studium, fondern auch als ein ausreichender Der Predigtton ift zuweilen vorzuglich getroffen. Zugleich