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Ausgabe:

1884

Spalte:

257-263

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Chantepie de la Saussaye, Hoogleeraar

Titel/Untertitel:

Vier schetsen uit de godsdienstgeschiedenis 1884

Rezensent:

Paul, ....

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Pre!s
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

No. 11. 31. Mai 1884. 9. Jahrgang.

Chantepie de la Saussaye, Vier schetsen j Einert, Johann Jäger aus Dornheim, ein Jugend-
uit de godsdienstgefchiedenis (Paul). freund Luthers (Kawerau).

Weiffenbach, Zur Auslegung der Stelle Philipp.
2, 5—11 (Haupt).

Cotterill, Modern Criticism and Clement's
Epistles to Virgins (A. Harnack).

Pohlmann, Daniel und der Papft. Eine Aus- n , f ,

legung (Dan. 12) von Bugenhagen (Kawerau). deS ZWelte" evanB- SchulkongreiTes

ik, Johann Aegidius Ludwig Punk (Linden- j D ie ffenbach , Evangelifche Hausandachten.
berg). 3—6. Monatsheft (derf.).

Denkfchrift des erften evang. Schulkongreffes
(Achelis).

Der deutfche evang. Schulkongrefs (derf.).

Chantepie de la Saussaye, Hoogleeraar Dr. P. D.,
Vier schetsen uit de godsdienstgeschiedenis. Utrecht,
C. H. E. Brcijer, 1883. (IX, 290 S. 8.)
Man hat in jüngfter Zeit auf Deutfchlands Hoch-
fchulen da und dort angefangen, Vorlefungen überMiffion
und Miffionswefen zu halten. So fehr wir ein dahingehendes
Streben auch billigen, fo wenig gediegene
Frucht können wir davon erwarten, bevor wir nicht erreicht
haben, was das kleine Holland bereits befitzt, dafs
keine theologifche Facultät mehr vorhanden ift ohne
einen Lehrftuhl für vergleichende Religionsgefchichte,

Welt, d em allumfaffenden Zufammenhang der Dinge.
Das Moralprincip Kongtfe's ift die kindliche Pietät; in
ihr fieht er die Grundlage des Lebens und den Grundgedanken
jeder Bildung. —Des Weiteren wird die Frage
erörtert, ob, wie behauptet wird, die chinefifche Bildung
ein Reft der u'rfprünglich - menfchlichen Zuftände, der
Kindheit unferes Gefchlechtes fei, welche Rolle andere
den Wilden zuweifen, und verneint. Alles fpricht in ihr
gegen Urfprünglichkeit und für Entvvickelung. Daraus
folgt, dafs auch die gewöhnlich behauptete chinefifche
Stabilität ein Hirngefpinnft ift. Der Schein zu
diefer Annahme liegt im Confervativismus in China und

welche Disciplin für eine tüchtige theologifche Bildung jn der Abgefchloffenheit des Volkes,
uns unumgänglich und nothwendig erfcheint und ohne , Was Kongtfe's Leben angeht, fo wird es um55i— 478
welche das vorhin erwähnte Streben nicht vom rechten angefetzt, in die Kaudynaftie verlegt und einer Zeit vin-
Erfolg begleitet fein kann. Ein Profeffor diefes Faches, | dicirt, die viel Aehnlichkeit darbot mit dem mittelalter-
De la Sauffaye in Amfterdam, hat aus feinen Studien und liehen deutfehen Vafallenthum und fohin als eine Zeit des
Vorlefungen eine fchöne Arbeit für einen gröfsern Lefer- j Verfalls und der Parteiungen erfcheint. Gegen diefe
kreis zugänglich gemacht, indem er vier Skizzen mit den 1 Gebrechen glaubte Confucius für fein Vaterland Lu Heil
nöthigen wiffenfehaftlichen Beilagen giebt und Kongtfe, fachen zu follen in der Vergangenheit. Wie er auf diefe
Laotfe, Zarathuftra und Buddha auf der Höhe der Idee kam und fein Leben fich vorher geftaltet hat, wird
gegenwärtigen Forfchung uns vorführt. eingehend erzählt und Schicklichkcit und Selbftbeurthei-

Die erfte Skizze über Confucius (1—42) befchäftigt lung als die beiden Haupttugenden hingeftellt, obgleich
fich zuerft mit der Frage, ob Confucius ein Prophet oder j der Nachweis vorliegt, dafs fie in der Praxis äufserft
Reformator einer alten Volksreligion wäre und kommt { fchwach von ihm beobachtet wurden. Ift oben die Rolle
nach beiden Richtungen zu einem verneinenden Refultat j eines Propheten oder Reformators Kongtfe abgefprochen,
auf Grund einer eingehenden Analyfe beider Begriffe, fo dürfte damit wohl auch erwiefen fein, dafs feine Lehre
Seine Rolle benimmt De la Sauffaye als die eines echt
confervativen Predigers alter Weisheit. In der alten Zeit
liegt für ihn das goldene Paradies und fo empfiehlt er
deren Einrichtungen und Ueberzeugungen als feftc Formen
und Normen. Sonach erfcheint Confucius als Re-
präfentant der ganzen chinefifchen Bildung, die er fixirt.
Der Charakter feiner Lehre ift Einheit der natürlichen,
gefellfchaftlichen, fittlichen Weltordnung, Uebereinftim-
mung mit der Natur ift ihm der Weg zur Tugend. Diefe
unverbrüchliche Ordnung läfst er gefchaffen fein von den
alten Weifen, Kaifer Yao und Schun, Wan und Wu,
deren Verdienfte um die chinefifche Cultur aufgezeigt
werden. Bei diefer Gefchichtsbetrachtung ift Kongtfe's
Mafsftab ein moralifcher, aber er kennt nur eine allgemeine
und kann es nicht zu einer individuellen Moralität
bringen. Das chinefifche, fo bearbeitete Gefchichts-
buch liegt uns im Schuking vor, das De la Sauffaye
dem alten Teftament parallelifirt und deffen Gefammter-
gebnifs er in die Worte zufammenfafst: ,Verfall und
Untergang kann ein Mann über den Staat bringen; Ruhm
und Friede kann die Güte eines Mannes dem Staate
fichern. Das Yiking befchäftigt fich mit der Wahrfagerei,
die die Harmonie von Himmel und Erde vorausfetzt.
In ihrem Inhalt fieht De la Sauffaye eine Parallele zur
ftoifchen Erklärung der Divination aus der Einheit der

wenig theologifch gefärbt war, obgleich der Charakter
feiner Moral religiös war. Er ift in diefem Betracht ein
Vorläufer des Pofitiviften Comte. Mit Faber in Kongtfe's
Lehre einen ethifchen Anthropologismus zu fehen, dürfte
nicht angehen, da ihr die metaphytifchen Principien nicht
ganz fehlen. Freilich ift das Subject feiner Moral nicht
der Menfch als folcher, fondern etwa ein Idealmenfeh. In
aller Kürze läfst fich fein Lehrbegriff in die Worte faffen:
Weg zur Tugend. Diefer liegt in der Unterfcheidung
der Dinge, der vollkommenen Kenntnifs der wahren Gedanken
, einem rechten Herzen, der Entwickelung der
Perfon, der Sorge für die Familie, der Regelung des
Staats. Daraus zeigt fich, dafs der Vorwurf eines blofsen
Intellectualismus (.Religion ein Wiffen') bei Kongtfe
nicht ganz berechtigt ift. Etwas Myftik ift in feiner Lehre
vorhanden, aber die Sittlichkeit zu oberflächlich gefafst.

Sein Nachfolger Mang (371—288 v. Ch.) trug in das
Syftem feines Lehrers die Philofophie hinein und geftal-
tete es nach philofophifchen Grundfätzen um. Wohlwollen
, Gerechtigkeit, Schicklichkeit, Weisheit find ihm die
vier Cardinaltugenden. Die Schüler Kongtfe's ftanden zu
dem Meifter etwa in dem Verhältnifs wie die des Pytha-
goras zu diefem. Er fchuf in ihnen einen Gelehrtenkreis
dem er durch Sammlung heili ger Schriften ein reiches
Arbeitsfeld bot. So kam es, dafs fein Leben bald Gegen-

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