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Ausgabe:

1884 Nr. 9

Spalte:

220-221

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rossi, Giovanni Battista de

Titel/Untertitel:

Elogio Anonimo d‘un papa nella silloge epigrafica del codice di Pietroburgo 1884

Rezensent:

Harnack, Adolf

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219

Theologifche Literaturzeitung. 1884. Nr. 9.

220

fondern auf die Zeit des beginnenden Tempelbaus (520)
zu beziehen fein. Wäre bei Conftituirung der Gemeinde
fchon ein folcher Baufond vorhanden gewefen, fo würde
man die Verzögerung des Baues fchwer begreifen.
Giefsen, 14. Jan. 1884. Bernhard Stade.

Meyer, D.-H., Le christianismedu Christ. Etüde sur l'enseig-
nement de Jesus d apres l'evangile selon Saint Mat-
thieu. Paris, Fischbacher, 1883. (542 p. gr. 8.)

Nach einer Einleitung, in welcher erklärt wird, weshalb
diefer Unterfuchung über die Lehre Jefu blofs das
Matthäusevangelium zu Grunde gelegt ift, werden im
erften Theile die Reden und Ausfprüche Jefu in der
Reihenfolge, in welcher fie im erften Evangelium mitge-
theilt find, theils in vollftändiger Ueberfetzung, theils in
Umfchreibung wiedergegeben und mit Betrachtungen ver-
fehen, welche ihre Bedeutung für die Erkenntnifs der
Lehre Jefu hervorheben. Im zweiten Theile, welcher die
Ueberfchrift ,das Himmelreich' trägt und in die Unter-
abfchnitte: 1) ,der himmlifche Vater' und 2) ,das Himmelreich
' zerfällt, foll dann die fyftematilche Darftellung
der Lehre Jefu gegeben werden. Im dritten Theile endlich
, unter der Ueberfchrift ,das Evangelium', wird von
dem Zwecke der Heilsbotfchaft Jefu, von dem einheitlichen
Zufammenhange ihres Inhaltes und von der ,Philo-
fophie des Evangeliums' d. h. von der in der Verkündi-
gungjefufich ausfprechenden allgemeinen Weltanfchauung
gehandelt.

Unfer Hauptintereffe richtet fich natürlich auf den
mittleren Theil. Wenn der Verf. hier mit gefchichtlichem
Verftändnifse die Verkündigung Jefu nach folchen Ge-
fichtspunkten aufzufaffen vermocht hätte, welche nicht nur
überhaupt eine Unterbringung des gefammten Stoffes
der uns im Matthäusevangelium überlieferten Ausfagen
Jefu zuliefsen, fondern auch den verfchiedenen Werth,
den Jefus felbft den einzelnen Gliedern diefer Gefammt-
heit durch Betonung und wiederholte gefliffentliche
Geltendmachung oder durch Zurückftellung und nur gelegentliche
Erwähnung beigelegt hat, hervortreten liefsen,—
wenn er hier mit richtigem Takte zwifchen folchen Ab-
ftractionen und Confequenzen aus den Worten Jefu, welche
zur vollftändigen Reconftruction der im Bewufstfein Jefu
felbft vorhandenen Gefammtanfchauung berechtigt und
nothwendig find, und folchen Ausdeutungen und Anknüpfungen
, welche über die erkennbare gefchichtliche
Anfchauung Jefu hinausführen, zu unterfcheiden gewufst
hätte: fo würden wir ihm wohl verzeihen, dafs er uns
die breite Darlegung feiner ftofffammelnden Vorarbeit
im erften Theile nicht erfpart hat, und würden ihm gern
zur Erörterung der an fich intereffanten Themata des
dritten Theiles folgen, da wir für diefe Erörterung eine
fichere Bafis gewonnen hätten. Aber ich mufs leider
bemerken, dafs jener zweite Theil meinen Hoffnungen
wenig entfprochen hat und dafs ich mich deshalb auch
mit den beiden anderen Theilen gar nicht habe befreunden
können. Der Verf. hat die leitenden Gefichtspunkte
für die fyftematifche Darftellung der Verkündigung Jefu
nicht diefem gefchichtlich gegebenen Gegenftande felbft,
fondern einer anderweitig feftgeftellten Erkenntnifs von
den für die chriftliche Lehre wichtigen Fragen entnommen
; er hat die Verkündigung Jefu daraufhin geprüft,
welche Antworten fie auf diefe Fragen giebt, nämlich
auf die Reihenfolge der in der gewöhnlichen Dogmatik
und zum Theil auch in der theologifchen Ethik abgehandelten
Probleme: von Gott dem Vater, vom Menfchen,
von der Sünde, von Chriftus und dem heiligen Geifte und
dem Verhältnifse derfelben zu Gott dem Vater, von der
perfönlichen Heilsaneignung, von der Kirche, von dem
Verhältnifse des Reiches Gottes zur Familie und zur
Welt, von den letzten Dingen. Die gefuchten Antworten
hat er denn auch theils in directen Ausfagen, theils
in indirecten Andeutungen Jefu gefunden. Zu einem

wirklich zutreffenden Gefammtbilde von der Verkündigung
Jefu ift er aber auf diefem Wege, foweit ich zu
urtheilen vermag, nicht gelangt. Dabei läfst er nun die
Darlegung der uns bezeugten Gedanken Jefu immer ohne
Weiteres in felbftändige dogmatifche Reflexionen übergehen
, ohne die Grenzen irgendwie hervorzuheben. Der
eigentliche Werth, den eine folche biblifch-theologifche
Arbeit haben follte, nämlich durch unverkürzte, aber
auch ganz unvermifchte Darftellung der von uns als
Offenbarung vxa l§oydv beurtheilten gefchichtlichen Verkündigung
Jefu eine fichere Controle zu gewinnen für die
chriftliche Authentie unferer dogmatifchen und ethifchen
Lehrfätze und Syfteme, mufs bei der von dem Verf. ein-
gefchlagenen Methode verloren gehen.

Ich habe es deshalb auch nicht befonders bedauert,
dafs der Verf. feiner Unterfuchung blofs das Matthäusevangelium
zu Grunde gelegt hat. Denn er würde bei
feiner Methode zu ganz denfelben Refultaten gelangt
fein, wenn er ein anderes Evangelium oder wenn er alle
vier Evangelien zu Grunde gelegt hätte. Gewundert hat
mich nur die Rechtfertigung, welche er feiner Wahl des
Matthäusevangeliums in der Einleitung giebt. Denn feine
hier kundgegebene Beurtheilung des fynoptifchen Proble-
mes enthält gerade alle Prämiffen zu der Folgerung, dafs
man, um zu einer zuverläffigen Erkenntnifs der Verkündigung
Jefu zu gelangen, fich nicht allein an das Matthäusevangelium
halten darf. Der Verf. hält nämlich
nicht etwa das Matthäusevangelium für das urfprünglichfte
der drei fynoptifchen Evangelien, fondern er bekennt fich
zu der Annahme, dafs das Marcusevang. eine von unfe-
rem Matth, und Luc. verwerthete Quelle ift und dafs
Matth, und Luc. neben diefer einen Quelle noch die
Logia wiedergegeben haben. Wie man bei diefer Annahme
die Bevorzugung des Matthäusevangeliums für die
Unterfuchung der Verkündigung Jefu durch die Erwägung
rechtfertigen kann, dafs Matth, doch faft den ganzen Stoff
des Marcus in fich aufgenommen habe, und dafs er nach
dem Urtheile von Weizfäcker und Grau die Logiaftücke
grofsentheils in urfprünglicherer Verknüpfung aufbewahrt
habe, als Lucas, ift mir nicht begreiflich. Der Verf. meint,
durch den Anfchlufs allein an das Matthäusevangelium
feiner Arbeit die Einheitlichkeit zu fichern und fie vor
dem willkürlichen und fubjectiven Charakter zu bewahren
, der einer abwechfelnd unterfchiedslos aus allen vier
Evangelien fchöpfenden Darfteilung anhaften würde (S. 10).
Als ob es neben der von ihm befolgten Methode nur
noch diefe andere Möglichkeit einer unterfchiedslofen
Verwerthung aller vier Evangelien gäbe, und als ob die
Einheitlichkeit einer darzuftellenden gefchichtlichen Anfchauung
dann, wenn man einer einzigen fecundären Bearbeitung
verfchiedener Quellen folgt, fichcrer wäre, als
wenn man aus den urfprünglichen Quellen felbft zu
fchöpfen fucht! Uebrigens unterfcheidet fich die Einleitung
durch ihre verhältnifsmäfsige Kürze fehr wohl-
thuend von der in endlofen Wiederholungen fich er-
fchöpfenden Breite des weiteren Werkes.

Zum Schlufs fei bemerkt, dafs der Verf. namentlich
in der Einleitung und im erften Theile auf viele deutfche
Werke Bezug nimmt, z. B. auf Weizfäcker's ,Unter-
fuchungen über die evangel. Gefchichte', Holtzmann's
.Synoptifche Evangelien', Tholuck's,Bergpredigt'; andere
find ihm aber unbekannt geblieben, z. B. hat er von allen
Arbeiten von Weifs keine Notiz genommen.

Kiel. H. H. Wendt.

Rossi, Giovanni Battista de, Elogio Anonimo d'un papa

nella silloge epigrafica del codice di Pietroburgo
(Bullettino di Archeologia Criftiana 1883 Nr. I, II p.
5—59).

In dem Codex Covbeiensis [olim sangerm.-paris., nunc
.petropolit.) saec. VII., aus welchem de Roffi {Bullett.
1881) das Gedicht des Papftes Damafus auf Hippolytus