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Ausgabe:

1884

Spalte:

209-216

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bertheau, Ernst

Titel/Untertitel:

Das Buch der Richter und Ruth, erklärt. 2. Aufl 1884

Rezensent:

Budde, Karl

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. ■ Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

l[o. gM 3. Mai 1884. 9. Jahrgang.

Doorninck, Bijdrage tot detextkritiek van Rieh- Smend, Die Liften der Bücher Esra und Ne-
r vri fa u i hemia (Stade).

Meyer, Le christianisme du Christ (Wendt).

Bertheau, Das Buch Richter und Ruth. 2.
Auflage (Budde).

Rossi, G. B. de, Elogio Anonimo d'un papa
(Harnack).

Deutfch, Peter Abälard (Nitzfeh).
Wahrmund, Luther-Götzendienft und Reformation
(Kawerau).
Kurzgefafste Mittheilungen.

Doorninck, A. van, Bijdrage tot de textkritiek van Richteren I jenem Bunde, Dank fchuldig, dafs er die zweite Auf-

| — XVI. — Theologifche Doctordiffertation. Leiden,
E. J. Brill, 1879. (XII, 128 S. gr. 8.)
Diefe wichtige Arbeit, im Buchhandel nicht erfchie-
nen, hat nur in wenigen Exemplaren die Grenzen
Hollands überfchritten und hat in Deutfchland, foweit
mir bekannt, Erwähnung nur in dem Differtationenver-
zeichnifs des ,Literarifchen Centralblattes' und durch
Kautzfeh in dem .Wiffenfch.Jahresber. üb. d. Morgenland.
Studien i. J. 1879' (S. 103), eine Beurtheilung oder auch
nur Inhaltsangabe dagegen nirgends erlebt. Möge man
damit diefe verfpätete Anzeige entfchuldigen. — Das
Buch giebt weit mehr, als der Titel verfpricht. In be-
wufstem Anfchlufs an Wellhaufen's ,Text der BB. Sa-
muelis' und die dort entwickelten Grundfätze vergleicht
der Verf. den gefammten maforetifchen Text von Rieht.
1—16 mit dem der LXX (theilweife auch ihrer Töchterj,
der übrigen alten griech. Ueberfetzungen (diefe alle nach
Tifchendorf, Fritzfche, Field), des Hieronymus (nach
Heyfe-Tifchendorf) und des babylonifchen und jerufa-
lemifchen Targums (nach de Lagarde). Er bietet reichen
Stoff in knapper, überfichtlicher Darfteilung und beweift
in der eigenen Verwerthung desfelben fowie in der daran
fich anfchliefsenden freien Kritik des Textes Scharffinn
und gefundes Urtheil. Ein kleiner Theil des Umfangs,
in einzelnen Abfätzen, ift der Gefchichte des Richterbuches
und feiner Quellen gewidmet. Auch darin findet
fich viel Beachtenswerthes, wenn auch v. D. felbft in
einem Hauptpunkte feit jener Zeit feine Anficht hat
ändern müffen. Das Schwergewicht aber ruht zweifellos
auf den textkritifchen Ergebnifsen; nach diefer Richtung
ift v. D.'s Arbeit für jeden Ausleger des Richterbuches
ein bis jetzt unentbehrliches Hülfsmittel. Da fie von
dem Verf. des neueften und wichtigften Handbuches
(begreiflicher Weife) überfehen worden, fo gebe ich das
Wichtigfte unten als Nachträge gelegentlich der Anzeige
des letzteren; man wird fich leicht überzeugen, dafs
wir ihm viel verdanken. Zu bedauern bleibt, dafs v. D.
die Capitel 17—21 nicht in den Umkreis feiner Arbeit
gezogen hat.

Bonn. K. Budde.

Bertheau, Prof. Dr. Ernft, Das Buch der Richter und Ruth,

erklärt. 2. Aufl. | Kurzgefafstes exegetifches Handbuch
zum Alten Teftament, 6. Lfg.] Leipzig, Hirzel,
1883. (XXXII, 316 S- Sr- 8-) M- 6- —
Faft ein halbes Jahrhundert ift verfloffen, feit eine

Anzahl vortrefflicher Gelehrten fich zu dem grofsen

Unternehmen des Kurzgef. ex. Hdb. z. A. T. zufammen-

fand, faft vierzig Jahre, feit das Handbuch zu den

Büchern Richter und Ruth zuerft erfchien: wir find dem

ehrwürdigen Verf., dem einzigen Ueberlebenden aus

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läge diefes Werkes nicht wie die Erklärung des Buches
der Sprüche jüngeren Händen übertragen hat, fondern
felbft, gleichfam im Namen jenes älteren Gefchlechtes,
das Wort ergreift.

Es bedarf nicht erft der Verfichcrung, dafs diefe
Neubearbeitung fich würdig den übrigen Abtheilungen
des Handbuches anfchliefst, dafs fic vor allem der
Hauptaufgabe desfelben, in knapper und doch ge-
fchmackvoller Form ein ficherer Führer zum Einzelver-
ftändnifs des A. T.'s zu fein, in vollftem Mafse ent-
fpricht. Das gilt von diefer zweiten Auflage für die
heutige Zeit wie einft von der erften für die ihrige.
Ueberall hat der Verf. mit grofser Sorgfalt nachgetragen
, Veraltetes entfernt, an Form und Inhalt gebeffert,
tiefer in das Verftändnifs des Textes eingeführt. Da
die Beweife auf jeder Seite unverkennbar zu Tage liegen,
fo darf ich mir wohl die Anführung von Einzelheiten
erfparen. Wenn aber fo der mir vergönnte Raum
wefentlich von Ergänzungen und zum Theil von Aus-
ftellungen eingenommen wird, fo foll damit felbftver-
ftändlich das weit überwiegende Verdienft des Verf.'s
nicht gefchmälert werden; vielmehr glaube ich ihm
damit am beften den aufrichtigen Dank für das Gebotene
abzutragen.

Aus dem Vorwort erfahren wir, dafs Abfaffung und
Druck des Werkes nicht ohne Störungen von Statten
gingen, ja dafs der Verf. fich genöthigt fah, Druck und
Arbeit längere Zeit völlig zu unterbrechen. Hat das
Werk dadurch an Einheitlichkeit eine kleine Einbufse
erlitten — die erften Bogen erfcheinen mehr als Ueber-
arbeitung der erften Auflage, die Eortfetzung, etwa vom
fünften Bogen an, entfehieden als Neubearbeitung — fo
taufcht der Lefer dafür einen weit höheren Gewinn ein,
da es dem Verf. dadurch möglich wurde, die neueften
Arbeiten zu Schriftthum und Gefchichte Ifraels, vor
allem die von Wellhaufen, zu benutzen und zu ver-
werthen. Dies gilt, foweit ich fehe, insbefondere von
Wellh.'s Ausgabe der Bleek'fchen Einleitung, feiner Gefchichte
Ifraels, Reufs' Bibelwerk und den Auffätzen von
J. Hollenberg und E. Meyer in der Zeitfchr. f. d. altteft.
Wiffenfch. 1881, H. 1. Daneben find leider manche wichtige
Arbeiten nicht benutzt. So alle hieher gehörigen
Arbeiten Stade's (die Auffätze ZATW. 1881, S. 146 ff.
und 339 ff., fowie Gefchichte des Volkes Ifrael Abth. 1
und 2), aus denen im Grofsen wie im Einzelnen viel
Werthvolles zu entnehmen oder doch zu widerlegen
war. Dafs die oben angezeigte Differtation von van
Doorninck dem Verf. entgangen ift, darf man umfomehr
bedauern, als fie geeignet war, ihm viel mühfame und
zeitraubende Arbeit zu erfparen. Endlich fei auf den
Auffatz von J. C. Matthes: Het Richterctibock {de sctvieu-
stelling), Theolog. Tijdschr. 1881 S. 589—616 verwiefen,
der auf Grund der Arbeiten von Wellhaufen, van Door-